Archive for 2008

Morgen (11.12.) um 19 Uhr läuft auf Arte eine 45-minütige Doku über das Taipei 101: “Der Himmel über Taiwan”.

http://www.arte.tv/de/programm/242,date=11/12/2008.html

Wiederholung am 18.12.08 um 16:50 Uhr.

Weitere Links zu Videos über Taiwan stehen hier.

  • Chinesische Pandabären dürfen einreisen, aber tibetische Religionsführer sind nicht willkommen: Präsident Ma Ying-jeou findet, ein Besuch des Dalai Lama in Taiwan käme zur Zeit irgendwie ungelegen. Ich erinnere mich sehr gut an eine englischsprachige Pressekonferenz am Abend seines Wahlsiegs im März, bei der ich anwesend war. Da hat er glasklar gesagt (und am nächsten Tag noch einmal wiederholt), der Dalai Lama sei in Taiwan sehr willkommen. Was ist in der Zwischenzeit passiert, warum hat Herr Ma seine Meinung geändert? Ob es etwas mit der “Entspannung” im Verhältnis mit China zu tun hat, die er sich auf die Fahnen schreibt? Der Preis dafür scheint hoch zu sein.

Ma PK Wahlabend

  • Lesenswert: Die Süddeutsche bringt unter dem Titel “Gefährliche Umarmung” ein schönes, differenziertes und facettenreiches Stimmungsbild über Taiwans schwieriges Verhältnis zu China.
  • Bei Google kann man neuerdings das Fotoarchiv der legendären Zeitschrift Life durchstöbern – Jahrzehnte zurück. Blogger Robert (a.k.a. “The Only Redhead in Taiwan”) hat das mal mit dem Suchwort “Taiwan” probiert und seine schönsten Fundstücke hier zusammengestellt. Zum Beispiel ein idyllisches Taipei anno 1950 – so sieht’s heute leider nicht mehr aus:

Taipei 1950

  • Dummes hört man leider ab und zu auch in Taiwan und liest es auch in der Taipei Times, zum Beispiel das hier: “The foreign workers are the cause of joblessness”.
  • Auch eine eher nicht so eine kluge Idee sind so genannte Konsumgutscheine. Geldgeschenke vom Staat an alle, um die Konjunktur anzukurbeln. Einige deutsche Politiker halten das gerade für sinnvoll. Taiwans Regierung auch: die will das wirklich durchziehen, und zwar noch vor Chinesisch Neujahr im Januar.
  • Warum das aber wahrscheinlich voll in die Hose gehen, jedenfalls nicht den gewünschten Effekt haben wird, erklärt dieses Blog sehr schön: “They’re going to give out ’spending coupons’ that you can’t save, so you’ll have to spend them.The problem is that after about ten second’s thought, people will just substitute these coupons for ordinary money in their normal spending. Then, they will save or pay down debts with the money they saved.”
  • In Taiwan treiben sich, wie in vielen Ländern Asiens und Afrikas, evangelikale Missionare herum und wollen die Menschen auf den rechten Weg bringen, nämlich ihren. Angeblich haben sie neulich innerhalb von vier Tagen 13.000 Taiwaner bekehrt. Wahrscheinlich gibt es in Taiwan schon so viele Götter, dass ein paar falsche Heilige gar nicht weiter auffallen.
  • Katholische Missionare gibt es dort auch, zum Beispiel aus Österreich. Die treten aber weniger größenwahnsinnig auf und erforschen sogar die Sprachen der taiwanischen Ureinwohner.

Es hat sich mal wieder einiges an interessanten Links angesammelt.

  • Dieses Video zeigt recht anschaulich, wie Polizisten beim Besuch eines chinesischen Unterhändlers in Taipeh taiwanischen Demonstranten ihre eigene Nationalflagge aus den Händen gerissen haben, während Flaggen der Volksrepublik China offenbar gezeigt werden durften. Eine in vielerlei Hinsicht absurde Situation: Eigentlich ist die rot-blaue Flagge der Republik China bei Befürwortern der taiwanischen Unabhängigkeit gar nicht besonders beliebt, weil die weiße Sonne auf blauem Grund zugleich das Emblem der Regierungspartei Kuomintang ist.
YouTube Preview Image
  • Solche Aktionen kennt man sonst eigentlich nur von Chinesen, die irgendwo im Ausland allergisch auf Taiwans Flagge reagieren und dann gerne mal handgreiflich werden, so wie hier 2006 bei den International Children’s Games in Thailand:
YouTube Preview Image
  • Die USA Today hat ein Interview mit Präsident Ma Ying-jeou geführt. Nach den Aktionen der Polizei wird nicht gefragt.
  • Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Verteidigungs-Staatssekretär Klaus Rose, einer der eher wenigen Taiwan-Experten in der deutschen Politik, schreibt über die heikle gegenwärtige Situation u.a.: Präsident Ma (“Pferd”) muss aufpassen, nicht zu sehr in den Sog Pekings zu geraten und als “Trojanisches Pferd” in die Geschichte Taiwans einzugehen.
  • Ein amerikanischer Film namens Formosa Betrayed ist gerade in Postproduktion. Er spielt im Taiwan der früher 80er und befasst sich u.a. mit den Machenschaften des damaligen KMT-Regimes unter Chiang Ching-kuo. Gefilmt wurde er aber nicht vor Ort, sondern in Bangkok:
YouTube Preview Image
  • Einige Ausschnitte aus aktuellen taiwanischen Kinofilmen, darunter der absolute Überraschungserfolg Cape No. 7, finden sich hier.
  • Bloggerin Konstanze macht sich Gedanken über die Gründe für die hohe Selbstmordrate in Taiwan: “Nach solchen Zahlen sieht man die allgemeine Heiterkeit und Freundlichkeit der Taiwanesen irgendwie mit ganz anderen Augen und fragt sich: Welche Tragödien verbergen die Leute wohl hinter ihrem steten Lächeln?”
  • Mit diesem Thema hat sich auch die BBC beschäftigt: Viele Eltern nehmen nicht nur sich das Leben, sondern auch gleich ihren Kindern.
  • Chinesische Touristen in Taiwan und ein unerwarteter Kulturschock: Taipei kommt ihnen im Vergleich mit Peking oder Shanghai ziemlich heruntergekommen vor.
  • Der Deutschlandfunk hat für eine Radioreportage ebenfalls eine Gruppe chinesischer Touristen in Taiwan begleitet (auch als Audio-Datei).
  • Das SZ-Magazin schreibt über Taiwans Yushan (“Jadeberg”), mit 3952 Metern der höchste Gipfel Asiens östlich des Himalaya, höher auch als der Fujiyama in Japan. Zwei Drittel Taiwans sind Gebirge – deswegen sind die Küstenebenen so unglaublich dicht besiedelt.
  • Viele Taiwaner holen sich Frauen aus China und anderen ärmeren asiatischen Ländern wie Vietnam. Hier steht ein hochinteressanter Text über die Folgen für die Frauen, ihre Heimatländer und darüber, wie die Brautschau manchmal zur Fleischbeschau ausartet.

Studenten Campus

Die jungen Taiwaner werden spöttisch Strawberry Generation genannt. Weil die nach ca. 1980 Geborenen Taiwans Militärdiktatur nicht mehr bewusst erlebt haben, weil viele von Ihnen Freiheit und Wohlstand als selbstverständlich hinnehmen, und weil sie als so empfindliche Sensibelchen gelten wie… nun ja, Erdbeeren nun mal.

Was zur Zeit quer durch Taiwan passiert, könnte diesen Ruf zumindest teilweise ändern. Als Reaktion auf die Polizeigewalt gegen Demonstranten rund um den Besuch eines chinesischen Unterhändlers hat sich eine Studenbewegung geformt, die für Meinungsfreiheit und gegen staatliche Willkür auf die Straße geht. Sie tragen schwarz, um sich nicht vor den Karren von politischen Parteien spannen zu lassen, und sie nennen sich Wild Strawberries.

Es begann mit einer Sitzblockade vor dem Executive Yuan, also der Regierung. Mittlerweile harren sie in Taipeh vor der Chiang-Kai-Shek-Gedächtnishalle aus – dem Ort, der auch National Taiwan Democracy Memorial Hall heißt, an exakt der selben Stelle, an der im März Tibeter gegen die Niederschlagung der Unruhen in ihrem Land demonstrierten. Und an anderen Städten im Land passiert ähnliches.

Wie viele Studenten und Professoren sich beteiligen, ist unklar. Einige hundert sind es auf jeden Fall. Vielleicht schon einige tausend?

Dies ist offenbar das “offizielle” englischsprachige Blog der Bewegung. Eine Zusammenfassung ihrer Ziele auf deutsch (mit Fotos) steht hier. Es gibt auch Live-Feeds der Kundgebungen, Online-Petitionen und dergleichen mehr.

Die Studenten sind offenbar Realisten und klug genug, dass sich fürs Erste auf drei ganz konkrete Forderungen geeinigt haben:

  • Präsident Ma und der Premierminister sollen für die Vorfälle um Entschuldigung bitten.
  • Die Chefs von Polizei und Staatssicherheitsbehörde (was ist das denn?!) sollen zurücktreten.
  • Das Versammlungsgesetz soll so geändert werden, dass Demonstrationen ohne vorherige Anmeldung möglich sind.

In diesem Blog schildert ein US-Taiwanesischer Student aus Taipei, wie er die Dinge erlebt. Und wie so oft lohnt sich ein Blick ins Blog von Michael Turton, der immer eifrig protokolliert, was wichtig ist.

Im größeren Kontext dazu ein gewohnt meinungsstarker Leitartikel in der Taipei Times mit dem Titel Ma is handing Taiwan to China:

“The Ma government is already taking orders from Beijing and its goal is to turn Taiwan into a special administrative region of the People’s Republic of China by 2012, either legally or de facto. (…) How can the Taiwanese resist the KMT selling out of Taiwan? Any resistance movement should be nonviolent. (…) The methods include massive street demonstrations, boycott of pro-unification media and KMT owned businesses and peaceful non-cooperation with the Ma government.”

Werden die Studenten durchhalten, oder wird ihre Bewegung wieder verpuffen? Wird Präsident Ma sich entschuldigen, oder wird er die Diskussion aussitzen? Und wann berichten endlich westliche Medien über die Ereignisse?

Das sind Meldungen aus Taiwan, die besorgt machen: Polizisten schlagen auf Demonstranten ein. Menschen werden ohne Grund festgenommen, Journalisten bei der Arbeit behindert. Die eigene Nationalfahne darf nicht mehr gezeigt werden. Nur wenige Tage ist das her. Der Auslöser: Ein Gesandter des Pekinger Regimes besuchte Taipeh, und Taiwans Regierung wollte das neue Bild der Harmonie nicht gestört sehen.

YouTube Preview Image

Eine Bekannte in Taipeh hat heute mit jemandem gesprochen, der als Demonstrant dabei war. Er hat erzählt, es hätten sich auch Polizisten in Zivil unter die Demonstranten gemischt und die Randale erst angefacht. Mag sein, dass es so war, oder auch nicht. Schlimm ist auf jeden Fall, dass man es nicht mehr für unmöglich hält.

Auf dieser Seite sind die Ereignisse knapp und mit beeindruckenden Fotos zusammengefasst, und die Frage wird aufgeworfen: Ist Taiwan auf dem Weg zurück zum Polizeistaat?

“Die Taiwanesen und Taiwanesinnen sollten ihre Stimme gegen die Regierung von Ma Ying-jeou und Taiwans Polizei erheben und nicht zulassen, dass diese auf dem Gesetz, auf Menschenrechten und persönlicher Freiheit herumtreten, die Taiwan seit zwei Jahrzehnten genießt und die Taiwan von der chinesischen Diktatur unterscheiden.”

Hier eine weitere Auflistung der Zwischenfälle. Die BBC spricht von mindestens 150 Verletzten.

YouTube Preview Image
(Von der etwas pathetischen Musik in diesem Video nicht einlullen lassen – ab 3:40 geht’s zur Sache. Das Lied ist taiwanesisch, es geht darin wohl um die Sehnsucht nach nationaler Anerkennung.)

Hier der Augenzeugenbericht eines Australiers, der in Taipei an einer der Protestveranstaltungen teilgenommen hat. Er hat nur wenige gewaltsame Zwischenfälle gesehen, aber die Stimmung vor Ort fand auch er äußerst unbehaglich. In einem weiteren Posting kommt er zu dem Schluss: (weiterlesen …)

Ich freue mich ja immer über Kommentare in diesem Blog. Dieser von Christine und Hubert aus dem Spessart ist besonders interessant, denn die beiden werden bald nach Taipeh kommen. Zwar nur für zweieinhalb Tage, aber immerhin!

Wir kommen am 3.11. morgens um 5:55 Uhr in Taipeh an und fliegen am 6.11. morgens weiter nach Bali. (…)  Haben einen Voucher für Stadtrundfahrt und Küstentour. (…) Hast Du als “Insider” evtl. ein paar Tipps oder Veranstaltungshinweise für die Zeit 3.11. bis 6.11., oder Restaurantempfehlung? Ist der Zoo von Taipeh wirklich so sehenswert?

Mit Veranstaltungshinweisen kann ich zwar nicht dienen, aber ein paar Tipps fallen mir auch hier in Hamburg noch ein. Vielleicht gibt es ja auch andere Stopover-Reisende, die sich dafür interessieren. Also los, ohne besondere Reihenfolge…

Um als Tourist in der Stadt herumzukommen, bieten sich zwei Verkehrsmittel an: Taxi und U-Bahn. Taxen gibt es überall (einfach heranwinken), und sie sind nicht teuer – zumindest nicht im Vergleich zu Deutschland. Auch eine längere Fahrt kostet selten mehr als 200 NT$, also ca. 4 Euro. Fahrgäste werden auch nicht so häufig übervorteilt, wie es etwa in China der Fall sein soll. Nachteil: Die meisten Taxifahrer sprechen kein Englisch. Und das heißt wirklich: überhaupt kein Englisch. Also muss man unbedingt die Adresse oder zumindest den Namen des Fahrtziels auf Chinesisch vorzeigen können.

Da kann es hilfreich sein, einen Abstecher in die nächste U-Bahn-Station zu unternehmen. Dort liegen gratis Stadtpläne aus. Auf Englisch und auch auf Chinesisch. Wer sich nun beide nimmt (Achtung, nicht mit dem japanischen verwechseln – den erkennt man an den schnörkeligen Schriftzeichen), kann in Ruhe sein Ziel auf dem englischen Plan suchen und dann dem Fahrer die selbe Stelle auf der anderen Karte zeigen.

U-Bahn-Fahren ist auch zu empfehlen, am besten mit einer aufladbaren EasyCard, die es am Schalter gibt, oder in jedem 7/11. Damit fährt man billiger als mit einer Tageskarte für 200 NT$ aus dem Automaten. Wer sie nicht mehr braucht, gibt sie zurück und bekommt das Pfand erstattet. Die U-Bahn in Taipei (hier ein Streckennetz-Plan) nennt sich MRT und ist schnell, sauber und (idioten-)sicher. (Nur vor den Rolltreppen sollte man sich in Acht nehmen…)

Sehenswürdigkeit Nr. 1 ist natürlich das Taipei 101, bis vor kurzem das höchste Haus der Welt.

Man fährt bis zur MRT-Station Taipei City Hall. Vor dort aus Taxi oder ca. 15 Minuten zu Fuß. Wer oben ist, sollte nicht verpassen, sich den Schwingungsdämpfer anzugucken – eine 660 Tonnen schwere Kugel, die das 101 wie ein Pendel vor allzu heftigen Schwankungen schützen soll.

Außerdem sollte niemand Zeit in Taipei verbringen, ohne mindestens einen Tempel zu sehen. Wenn die Zeit nur für einen reicht, dann sollte es der Longshan-Tempel sein (MRT Longshan Temple). (weiterlesen …)

Einige Taiwan-Links aus den Tiefen des Netzes, die ich niemandem vorenthalten möchte.

Aber zunächst ein damit völlig unzusammenhängendes Foto, das ich schon lange online stellen wollte:

  • Eine halbe Million Taiwaner haben am Samstag in Taipei gegen die Politik von Präsident Ma Ying-jeou demonstriert, weil sie einen Ausverkauf ihrer nationalen Interessen und Souveränität an China befürchten. Es ist nicht die erste Großdemo dieser Art in letzter Zeit, und wenn Ma und seine KMT so weiter machen, dürfte es auch nicht die letzte gewesen sein. Denn wie sagt die Vorsitzende der Oppositionspartei DPP: “Our parents worry whether the KMT government is tossing away everything that they worked for all their lives and intellectuals are taking to the streets because they worry about whether one-party hegemony is leading to a retreat in democracy and freedom of speech.”
  • Passend dazu: Ein chinesischer Dissident warnt die Taiwaner davor, zu glauben, sie könnten in Peking durch Entgegenkommen Pluspunkte sammeln: “When you ask for a favor, you may also be taken advantage of. The Chinese Communist Party regime does not do someone a favor easily, and when it does it does it for a purpose. The purpose this time is to try and bait and hook Taiwan, first economically and then politically.”
  • Lasst Fakten sprechen: Ein aufschlussreicher Vergleich einiger Daten aus Taiwan und China, von der Wirtschaftskraft pro Kopf über Lebenserwartung und Korruption bis zur Pressefreiheit. (Hier eine weitere Gegenüberstellung)
  • Eine Delegation aus Taiwan besucht Frankreich, um sich über die Filmindustrie schlau zu machen, und prompt fordert ein Beamter: Filmerziehung gehört in den Lehrplan an Schulen! Finde ich auch. Dann könnte ich im Notfall mit meinem Studium immer noch Lehrer werden.
  • Unterrichtsmaterial könnte das hier sein: Der erste Slasher-Film aus Taiwan.
  • Bei Deutsche Welle TV kann man sich ein kleines Porträt einer gewissen Wendy Chung angucken, die in Taipeh für eine deutsche Firma arbeitet. Der Link zum Video ist etwas versteckt unten auf der Seite. Neben einigen hüschen Bildern aus Taipeh bleibt die Erkenntnis: Amerikanischer Akzent ist in Taiwan tatsächlich sehr angesagt.
  • Ein junger Deutscher hat, nachdem er schon seinen Zivildienst in Taiwan abgeleistet hatte (großartige Idee!) jetzt eine zweiwöchige Motorroller-Rundfahrt durch das Land unternommen. Er hat darüber auch geblogt.

Wer Taiwan kennen lernen und vielleicht ansatzweise verstehen will, fliegt am besten hin und macht sich ein eigenes Bild. Taiwans Tourismusbüro nennt auch Reiseveranstalter, falls es ein bisschen organisierter sein soll.

Für den Fall, dass Zeitplan oder Geldbeutel keine Reise erlauben, oder zur Vorbereitung, habe ich nun einen Tipp: Ein kleines Heft, das Taiwan so anschaulich, umfassend und gut lesbar beschreibt, wie es mir zuvor noch nicht in die Finger gekommen ist.

Es heißt “Taiwan verstehen” und ist in der Reihe Sympathie-Magazin erschienen, von der ich noch nie gehört hatte, die aber offenbar einen recht sympathischen Ansatz verfolgt: Verständnis für andere Kulturen zu schaffen durch Schilderung des Alltags.

“Wir wissen, was uns von anderen unterscheidet, aber über Gemeinsamkeiten wissen wir wenig. Dabei wäre solches Wissen äußerst vorteilhaft. Zum einen würde es den persönlichen Horizont und Durchblick erheblich bereichern, uns kompetenter, diskussionsfähiger machen – uns in Stand setzen, uns möglicherweise sogar persönlich zu engagieren. Zum anderen könnte es vor Fehlurteilen und vorschnellen Reaktionen schützen.”

Was mir an den gut drei Dutzend Artikeln so gefällt: Sie schildern keine touristischen Sehenswürdigkeiten, sie beschreiben die heutige Gesellschaft Taiwans mit ihren vielen Facetten – und zwar recht aktuell, das Heft erschien im Frühjahr 2008. Und sie sind nah an den Menschen erzählt, bei aller Informationsdichte völlig unakademisch, und lesen sich in einem Rutsch weg. So hätte ich mir meine Schulbücher gewünscht.

Kostenpunkt für einmal besser verstehen, was es mit Taiwan auf sich hat: 3,60 Euro inkl. Versand. Echt wahr. Kann man hier bestellen.

Einziger Wermutstropfen: Die Umschlaggestaltung erinnert fatal an eine asiatische Ausgabe des Wachturm. Das hat dieses Heft nicht verdient, und Taiwan auch nicht. Liebe Herausgeber, daran arbeiten wir bitte noch mal.

Die armen Menschen in Taiwan. Sie müssen wirklich sehr, sehr hart arbeiten.

Wie sonst ist es zu erklären, dass sie in aller Öffentlichkeit am hellichten Tag einschlafen, sobald sich eine halbwegs bequeme Gelegenheit bietet? Ich habe Menschen schlafen gesehen an Bushaltestellen, in Coffeeshops, Hörsälen, auf Parkbänken und im Fitness-Studio. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass einige sogar während der Arbeitszeit ein Nickerchen auf der Firmen-Toilette einlegen.

Sechs auf einen Streich! Wie das tapfere Schneiderlein mit Kamera:

Er scheint sein eigener Chef zu sein und kann sich das auch in der Werkstatt leisten.

Und sie machen wohl ganz einfach Mittagspause. Kein Wunder, bei mehr als 30 Grad.

Ich finde diesen Schlaf-Virus ziemlich sympathisch. Wer in der Öffentlichkeit schläft, tut niemandem was, strahlt sogar Vertrauen aus (in die anderen nämlich, die ihm ja sonstwas tun könnten), und ist, wenn ausgeschlafen, besser gelaunt.

Also pssst, bitte nicht wecken!

Als ich Richard Erb zum ersten Mal getroffen habe, durchbohrte er vor meinen Augen eine Frau mit Schwertern. Dafür gab es Applaus.

Das war bei einem Auftritt als Zauberer im Deutschen Kulturinstitut Taipei. Die Magie ist aber nur sein Hobby, hauptberuflich leitet er das Asien-Büro von Europas größtem Computerhersteller Fujitsu Siemens.

Ich habe Richard Erb in seiner Firma für einen Radiobeitrag besucht, der bei Radio Taiwan International gesendet wurde und auch als MP3 online steht.

Nicht viele deutsche Geschäftsleute leben schon so lange in Taiwan wie Erb. Der gebürtige Paderborner erzählt, warum Deutsche oft Probleme damit haben, langfristig ins Ausland zu gehen, wieso ihm die Hitze in Taiwan besonders gefällt, und warum seine Angestellten manchmal während der Arbeit Computerspiele zocken müssen. Und ich habe in seinem Testlabor einige Notebooks gesehen, die es eigentlich noch gar nicht gibt.

Die Holzschnitzereien hinter seinem Schreibtisch hat er übrigens auf Reisen durch Taiwan aufgetrieben und restaurieren lassen. So lässt es sich arbeiten!

Was war das Fotografieren früher umständlich. Film einlegen, aufspulen, knipsen ohne Kontrollmöglichkeit, auf die Entwicklung warten… eigentlich gut, dass es Digitalkameras gibt.

Und trotzdem habe ich mir in Taipei, einem Rat meines Kollegen Jens folgend, so eine richtig altmodische Analogkamera gekauft. Die hat 45 Euro gekostet und noch nicht mal einen Sucher zum Durchgucken.

Ganz schön blöd? Nicht, wenn man sich anguckt, was der Kasten kann. Denn die Lomo Fisheye 2 hat einen riesigen Vorteil: eine fest eingebaute Fischauge-Weitwinkel-Linse mit 170 Grad Blickwinkel. Damit kann man schon fast um die Ecke fotografieren.

Dabei gilt: Abdrücken und aufs Beste hoffen. Kontrollieren, Optimieren, Aussortieren – geht alles nicht. Manche Bilder werden gar nix, andere schon. Die dazugehörige Stilrichtung nennt sich Lomographie und hat eine bewegte Geschichte – Wiener Studenten, russische Kameras und die frühen Neunziger spielen da eine Rolle.

Das runde Bildformat ist übrigens kein Gimmick, sondern notwendig, um auch alles auf den Film zu bannen, das die Linse einfängt.

Wer es noch nicht kennt: Hinten, das Große, das ist das Taipei 101. (weiterlesen …)

Immer wieder klatschen heftige Regengüsse ans Fenster, der Wind heult, im Fernsehen laufen Sturmwarnungen rauf und runter, und kein Mensch ist auf der Straße: Taiwan bereitet sich auf den Taifun Sinlaku vor. Der kommt von Osten auf die Insel zu und soll morgen (Sonntag) die Nordküste streifen.

Die Geschäfte sind geschlossen, Züge fahren nicht, Flüge fallen aus. Das nennen die Taiwaner “typhoon vacation”. Dumm nur, dass gerade Wochenende ist, so haben die meisten Menschen nichts davon.

Co-Bloggerin Susi hat sich heute sogar mal vor die Tür getraut.

Unten rechts steht: 沒事不要外出。méi shì bú yào wài chū. “Wenn Sie keinen guten Grund haben, gehen Sie nicht nach draußen!” Hurrah, ich kann Chinesisch lesen!   :-)

Artikelvorschau

Das chinesische Wort für “Taifun” ist übrigens 颱風 – also tái fēng. Das Wort “Taifun” stammt offenbar sowohl aus dem Griechischen als auch aus dem Chinesischen – Zufälle gibt’s!

Und ganz am Rande: 風 – also fēng – heißt “Wind” und ist das selbe Wort wie in “Feng Shui”. Das wiederum bedeutet “Wind und Wasser” und wird eigentlich ungefähr so ausgesprochen: fong schüey. Die “eingedeutschte” Aussprache sorgt hier für Unverständnis und/oder Erheiterung.