Archive for März, 2008

Da spaziere ich neulich durch den Park, als mir eine Gruppe von Fotografen auffällt, die sich um eine sehr leichtbekleidete junge Frau scharen und sie aus allen möglichen Perspektiven ablichten. Tolles Motiv, denke ich und zücke meine geliebte fünf Jahre alte Pentax-Kamera mit 3,2 Megapixeln.

Die ist nicht mehr die schnellste.

Als sie endlich die Schärfe eingestellt hat und ich auslöse – genau in diesem Sekundenbruchteil! – bemerkt die Gruppe mich. Die Dame ganz links ruft “Sorry! No photo!” Ich gucke schuldbewusst und gehe weiter. Mein Bild habe ich ja.

Fotografen im Park

Falls sich jetzt jemand fragt, wer das Mädchen ist, warum sie sich an einem kühlen Tag im Minirock auf einer Parkbank räkelt und weshalb sich so viele Fotografen dafür interessieren: Ich habe keine Ahnung. Spekulationen sind erwünscht.

Samstag war die Präsidentenwahl. Der Tag, auf den für mich wochenlang vieles hinausgelaufen war. Er begann so:

Stimmzettel

Und endete so:

KMT Fahnenschwinger

Und dazwischen war er auch nicht gerade langweilig. Aber der Reihe nach.

Der erste Termin war vormittags die Stimmabgabe des noch amtierenden Präsidenten Chen Shui-bian. Wo und wann, wusste ich, weil ich als Auslandsjournalist angemeldet war. Das Wahllokal war in einer Grundschule im Norden von Taipeh. Auf Chen warteten etwa 100 Reporter, Fotografen und Kameraleute. (weiterlesen …)

GerbigVor einiger Zeit hatte ich hier etwas über meinen Besuch im Deutschen Kulturzentrum geschrieben. Wie angekündigt, bin ich für ein Gespräch mit dem Chef, Jürgen Gerbig, noch einmal dort hin gegangen. Das Interview steht jetzt hier bei heute.de online.

Gerbig hat vor Taiwan 15 Jahre in China und Hongkong gearbeitet. Er erzählt u.a. davon, warum Taiwan für ihn kulturell “das eigentliche China” ist, warum der Tourismus aus Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt und was die Taiwaner über die Deutschen denken.

PS: Danke an Lix fürs Diktiergerät!

Ma unterwegs

Das Gerede der westlichen Medien vom Einfluss Tibets auf die Wahl war am Ende genau das: Gerede. Der Herr im rosa Hemd, Ma Ying-jeou von der Kuomintang, ist der zukünftige Präsident Taiwans. Sein Sieg ist sogar deutlicher ausgefallen als erwartet.

Zum Wahlausgang habe ich heute mal wieder einen Text bei heute.de veröffentlicht, und zwar hier.

Es war ein turbulenter Tag, an dem ich kreuz und quer durch Taipeh gefahren bin, um den scheidenden Präsidenten Chen und den künftigen Präsidenten Ma bei ihren Wahllokalen abzupassen, im internationalen Medienzentrum zu arbeiten, und um Mas jubelnde Anhänger und seine erste Pressekonferenz nach dem Sieg zu sehen. Außerdem bin ich mit einem Inder Seilbahn gefahren. Für das alles inkl. Fotos müsst Ihr Euch aber bis morgen übermorgen gedulden, denn hier ist es schon wieder fast zwei Uhr nachts.

Vorab eine aktuelle Meldung in eigener Sache: Bei heute.de steht hier ein weiterer Text von mir zur morgigen Präsidentenwahl. Und jetzt weiter im Blog.

Den freundlichen Herrn links sollte man sich vielleicht merken. Er heißt Ma Ying-jeou und könnte in nicht mal 24 Stunden der frischgewählte künftige Präsident Taiwans sein. Als Favorit gilt er jedenfalls.

Ma Ying-jeou (l.), Vizepräsidentschafts-Kandidat Vincent Siew (r.)

Ma Siew

Ma tritt für die Kuomintang (KMT) an, die frühere Staatspartei der Republik China (wie Taiwan heute noch immer offiziell heißt). Die KMT ist keine Partei wie jede andere. Von 1945 bis zum Jahr 2000 hatte sie Taiwan ununterbrochen regiert – oder besser: beherrscht. Denn bis 1987 das Kriegsrecht aufgehoben wurde, war Taiwan eine Militärdiktatur. Die ersten freien Präsidentenwahlen fanden 1996 statt. Der korrupte KMT-Parteiapparat hatte die Macht unter sich aufgeteilt, schaffte eine Menge Geld zur Seite und unterdrückte Andersdenkende. (Mehr zur Geschichte des Landes auf der Seite Über Taiwan.)

Heute sieht die Lage anders aus. (weiterlesen …)

In Taiwan leben viele Exiltibeter. Das Schicksal ihres Landes und die Unruhen werden hier mit Interesse und Sorge verfolgt. Die Taiwaner sind wie die Tibeter zum größten Teil Buddhisten, und auch sie fühlen sich durch China bedroht.

Seit einigen Tagen halten in Taipeh jeden Abend buddhistische Mönche und ihre Unterstützer Mahnwache vor der Chiang-Kai-shek-Gedächtnishalle (die neuerdings Nationale Taiwan-Demokratie-Gedenkhalle heißt, aber dazu mehr bei anderer Gelegenheit). Heute habe ich mir das mal angesehen.

Es waren etwa 100 Menschen beteiligt. Punkt 19 Uhr begannen sie damit, ein Zeltdach aufzubauen und Kerzen anzuzünden. Auf ihren Schildern stand “Schluss mit den Menschenrechtsverletzungen in Tibet”, “Autonomie jetzt” und “Boykottiert die Olympischen Spiele”.

imgp5608.jpg

Die Kerzen bildeten auf dem Pflaster des Platzes die Worte: “Free Tibet. Long Live Dalai Lama.”

Tibet Totale

Bis der Schriftzug komplett erstrahlte, mussten viele Menschen viele Kerzen anzünden.

Tibet Kerzen Boden

Ein Bild des Dalai Lama wurde (weiterlesen …)

Es gibt einen ersten Arbeitsnachweis zu vermelden: Bei heute.de steht hier ein Artikel von mir über den Präsidentschaftswahlkampf und die Bedeutung des Tibet-Konflikts für Taiwan. Es wird wohl nicht der letzte sein. Vielen Dank an Kathrin, die mir gestern Nacht (Ortszeit) grünes Licht gegeben hatte!

Politisch geht es hier zur Zeit hoch her, und ich rate noch einmal, meine kleine Einführung zum Thema auf der Seite Über Taiwan zu lesen. Ich habe nun Wahlkampfveranstaltungen der beiden großen Parteien besucht, den möglicherweise nächsten Präsidenten Taiwans auf einer Pressekonferenz erlebt und einige Eindrücke und Bilder gesammelt.

Zunächst war ich vor einigen Tagen auf einer Kundgebung der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP). Die stellt derzeit noch den Präsidenten, Chen Shui-bien, der aber nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Die Veranstaltung fand abends in einem Park mitten in Taipeh statt und war gut besucht.

DPP Totale2

Als ich ankam, sprach gerade der Vize-Kandidat der DPP, Su Tseng-chang. Aber was heißt “sprach” – seine Stimme donnerte geradezu über die Zuhörer hinweg, mit solcher Inbrunst hämmerte er ihnen seine Botschaften ein. Auch wenn ich leider kein Wort verstanden habe – es war sehr beeindruckend. Man darf sich Wahlkampf-Veranstaltungen hier nicht vorstellen wie in Deutschland, wo für gewöhnlich (weiterlesen …)

Straßenkehrer Ninja

(Siehe auch die Diskussion zum Thema Sauberkeit in Taipeh unter dem Eintrag Der Stress, der Schmutz und die Fruchtbarkeit.)

Seit einigen Tagen ist dieses Blog auch über Google verschiedene Suchmaschinen auffindbar. Nach meiner Statistik sind erst wenige Besucher auf diesem Weg hierher gelangt, aber es ist interessant, mit welchen Suchworten:

  • deutsche Botschaft Taipei
  • Stipendien Taiwan
  • Flug CI 62
  • Baseball Deutschland Taiwan 2008
  • …und mein Lieblingstreffer: Starbucks Schweden

Wer auch immer noch auf diese Seite kommt: Herzlich willkommen!

Angeblich reden die Taiwaner nur über eines noch lieber als über Essen: Politik. Das Land befindet sich im Endspurt eines hitzigen Wahlkampfs, am kommenden Samstag (22.3.) wird ein neuer Präsident gewählt. Diese Wahl gilt als richtungsweisend für die Zukunft der Insel in den kommenden Jahren, vor allem was das Verhältnis zur Volksrepublik China angeht.

Anhänger der Regierungspartei DPP auf einer Wahlkampfkundgebung:

Wahlkampf Jubel

Um die Meldungen der kommenden Tage einordnen zu können, empfehle ich die Lektüre der Seite Über Taiwan, die ich noch einmal überarbeitet habe. Dort findet sich eine Zusammenfassung der politischen Geschichte Taiwans, mit besonderem Augenmerk auf dem Taiwan-Konflikt. Der Text ist zwar etwas länger ausgefallen, aber die Lage hier ist nun mal besonders kompliziert.

Wer die Situation kennt, versteht auch solche Meldungen:

(weiterlesen …)

Birkenstock

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