Langstreckenflüge sind wie Altenheime. Man kann sich kaum bewegen, hat nichts vernünftiges zu tun, und als einzige Abwechslung wartet man darauf, dass es endlich was zu essen gibt. Fast 13 Stunden hat der Flug gedauert. Und vorher standen wir noch vollbesetzt zwei Stunden unmotiviert auf dem Rollfeld in Frankfurt, Sturm „Emma“ sei dank. Das Resultat:

Anzeige Flughafen

Wie auch immer, Hauptsache gut angekommen! Und gleich weiter in meine vorübergehende Bleibe, das International House. Das ist so eine Hostel-YMCA-Jugendherbergs-Mischung mit Ablegern weltweit.

Room International House Taipei

Und hier tippe ich gerade diese Zeilen. Kein High-End-Standard, aber eigenes Bad, Internetanschluss gratis, und erschwinglich (ca. 400 Euro pro Monat). Momentan sind hier etwa 160 Studenten untergebracht, vor allem Japaner – die stellen in Taiwan übrigens auch die größte Touristengruppe.

Das Haus liegt im Süden von Taipeh auf einem grünen Hügel über dem Außenbezirk Hsin-Tien. Der schreibt sich übrigens auf anderen Karten oder Verkehrsschildern auch schon mal Sindian oder Xindian, je nachdem, welche Umschrift benutzt wird. Schreibweise hin oder her – wie man ihn korrekt ausspricht, werde ich ja hoffentlich bald lernen.

Nach einem kurzen Jetlag-Schlaf habe ich mich dann daran gemacht, die nähere Gegend zu erschließen – vor allem im Hinblick auf die Busverbindungen zur Uni, denn auf die bin ich ab morgen schließlich täglich angewiesen. Zum Glück waren die Damen an der Rezeption sehr hilfreich, denn sonst hätte ich bei den Fahrplänen kaum durchgeblickt.

Bus Stop Taipei

 

Man fühlt sich hier übrigens nicht gerade wie in Blankenese – architektonisch ist das Viertel wenig reizvoll, was aber wohl für fast ganz Taipeh gelten soll. Breite Straßen, viel Verkehr, klotzige Betonbauten.

Xindian Street

Extrem viele Motorroller sind unterwegs, die meisten Fahrer tragen Atemschutz. Und nicht nur die: Auch zahlreiche Fußgängerinnen ziehen den Frisch-aus-der-OP-Look dem ungefilterten Inhalieren der Abgase vor. Bild-Beweise liefere ich irgendwann nach.

Die Verständigung per Englisch gestaltet sich schwieriger als erwartet. Auch viele junge Leute in den Geschäften verstehen kaum etwas. So kam es, dass der Kauf einer Prepaid-Handykarte sich ziemlich hingezogen hat.

Chinesische Schriftzeichen

Im ersten Laden, einem Seven-Eleven (die gibt es hier an jeder Ecke), haben die beiden Verkäufer ca. 15 Minuten miteinander beratschlagt, mehrfach meinen Pass fotokopiert, schließlich einen Freund angerufen, der mir – in allerdings extrem gutem Englisch – sagte, ich bräuchte zwingend ein „Alien Residence Certificate“. Mit Grauen sah ich mich schon auf der Suche nach Formularen durch taiwanische Behörden-Flure hetzen.

Im zweiten Laden klappte es dann zum Glück auch ohne Alien-Bescheinigung, und so habe ich wahrscheinlich ab morgen eine funktionierende taiwanische Handynummer. Wer mir ganz dringend etwas sagen und dafür ganz viel Geld ausgeben möche (bzw. über Skype nur ca. 20 ct./min.), dem teile ich sie auf Anfrage gerne mit.

Essen Biandang

Wieder versöhnlich gestimmt hat mich dann ein Restaurant direkt gegenüber der U-Bahn-Station. Da gibt es nämlich ein Büffet, das reichhaltiger ist als in jedem deutschen Chinarestaurant, das ich kenne. Auch wer sich den Teller gut füllt (und es war mehr drauf, als das Foto erahnen lässt), zahlt dafür umgerechnet nicht mal 1,50 €. Reis gibt es als Gratis-Beilage – er wird von Chinesen offenbar ohnehin eher als verzichtbare Stopfmasse angesehen. Was mich daran erinnert, dass das Thema Essen in diesem Blog hoffentlich eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen wird.

Auch sonst ist noch einiges passiert. Eine sehr freundliche ältere Taiwanerin hat mich direkt aus dem Telefonladen in ihr Lieblings-Fitness-Studio mitgenommen, in dem ich demnächst ein paar Tage gratis trainieren kann (und hoffentlich auch werde). Und hier im International House habe ich einige andere Studenten getroffen, mit denen ich morgen die Schulbank drücken werde. Wir werden einen frühen Bus nehmen, denn es soll eine „Welcome Party“ geben – um 9:30 Uhr morgens. Berichte folgen…

PS: Spätere Blogeinträge werden sicherlich analytischer und weniger kleinteilig ausfallen, aber zunächst muss ich die vielen neuen Informationen selbst noch verarbeiten. Bis dahin freut Euch auf Erlebnisaufsätze!

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7 Kommentare zu “ Erstmal ankommen ”

  1. Peter sagt:

    Offenbar sind diese Restaurant-Besitzer nicht mit denen in Frankfurt-Sachsenhausen verwandt, sonst wären sie längst vor Dir gewarnt worden.

  2. Julian sagt:

    Sei froh, daß Du nicht von Hamburg aus gestartet bist: Emma hat da ganz schön gewütet, wie der LawBlog schreibt – mit beängstigendem Video:

    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2008/03/02/nicht-aus-der-trickkiste/

    Außerdem: Hurra, das Powerbook oben auf dem Foto kenn ich persönlich! 🙂

  3. Gudrun sagt:

    Mach et joot, ich werde den Blog lesen und hoffe, du bringst viiiiel Essen mit. Und guck dir Julians Link lieber nicht an, wenn du noch zurückfliegen willst. Bei meinen Kindern im Kindergarten ist übrigens das Chinesisch-Fieber ausgebrochen. Turbo-Mamis lassen ihre Vierjährigen Chinesisch lernen, ganz „Spielerisch“ und „nur zum Spaß“. Ist das bei dir auch spielerisch? Kann man das in deinem Alter (hehe) überhaupt nnoch lernen?
    Viel Spaß weiterhin, Gudrun

  4. Klaus sagt:

    @Peter: Mit gutem Essen hatte ich noch nie ein Problem. Schön, dass sich jemand an die alten Geschichten erinnert!

    @Gudrun: Heute hatte ich meine erste Chinesisch-Stunde, und mir brummt kräftig der Kopf. Später mehr dazu, aber wahrscheinlich ist es wie mit jeder Sprache: Je früher, desto intuitiver erfasst man alles, desto besser. Später will man dann die Sprache erst mal intellektell durchdringen, das Prinzip kapieren usw., das macht es nicht leichter. Was ich von solchen Turbo-Mamis denke, steht wieder auf einem ganz anderen Blatt. Findet das denn direkt im Kindergarten statt, und wenn ja, machen Deine Kinder mit?

    Nachtrag: Die Handy-Karte ist jetzt scharf geschaltet, Ihr könnt mich also erreichen. Vergessen hatte ich zu erwähnen: Der Kauf funktionierte zwar ohne Aufenthaltsbescheinigung, aber nicht ohne Fingerabdruck. Ich musste in roter Tinte irgendwo quer über die Unterschrift meinen Daumenabdruck aufs Formular pressen. Keine Ahnung, welchen Sinn das haben soll. Damit der Abdruck für eine Datenbank verwertbar wäre, hätte man zumindest ein vernünftiges Feld dafür vorsehen müssen. Und mein Handy ist auch nicht mit einem Fingerabdruck-Scanner codiert.

  5. Daniela sagt:

    Hallo Klaus,
    sieht doch alles ganz aus. Und mit dem Bus hätten wir bestimmt alle unsere Probleme gehabt 😉
    „Mein Papi ist Fester Freier beim NDR“ ist nicht mehr bei YouTube abrufbar. Wir haben es gerade versucht und es läßt sich nicht mehr abspielen. Hat wohl irgendjemand nicht so gut gefallen. Hmmm. Steht es noch auf einer anderer Seite? Dazu schick ich dir auch gleich noch was….
    Herzliche Grüße vom Lerschenbersch
    Daniela

  6. Klaus sagt:

    @ Daniela: Ist jetzt zwar etwas offtopic, aber: Ich habe es gerade versucht, das Video lässt sich bei Youtube noch abrufen: http://www.youtube.com/watch?v=_QJemcBc-PQ
    Für alle, dies es nicht kennen: Angucken!

Trackbacks & Pingbacks:

  1. […] Zimmer im International House war in Ordnung, aber das Haus lag einfach zu weit außerhalb. Bis zur nächsten U-Bahn-Station war […]

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