Es gibt einen ersten Arbeitsnachweis zu vermelden: Bei heute.de steht hier ein Artikel von mir über den Präsidentschaftswahlkampf und die Bedeutung des Tibet-Konflikts für Taiwan. Es wird wohl nicht der letzte sein. Vielen Dank an Kathrin, die mir gestern Nacht (Ortszeit) grünes Licht gegeben hatte!

Politisch geht es hier zur Zeit hoch her, und ich rate noch einmal, meine kleine Einführung zum Thema auf der Seite Über Taiwan zu lesen. Ich habe nun Wahlkampfveranstaltungen der beiden großen Parteien besucht, den möglicherweise nächsten Präsidenten Taiwans auf einer Pressekonferenz erlebt und einige Eindrücke und Bilder gesammelt.

Zunächst war ich vor einigen Tagen auf einer Kundgebung der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP). Die stellt derzeit noch den Präsidenten, Chen Shui-bien, der aber nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Die Veranstaltung fand abends in einem Park mitten in Taipeh statt und war gut besucht.

DPP Totale2

Als ich ankam, sprach gerade der Vize-Kandidat der DPP, Su Tseng-chang. Aber was heißt „sprach“ – seine Stimme donnerte geradezu über die Zuhörer hinweg, mit solcher Inbrunst hämmerte er ihnen seine Botschaften ein. Auch wenn ich leider kein Wort verstanden habe – es war sehr beeindruckend. Man darf sich Wahlkampf-Veranstaltungen hier nicht vorstellen wie in Deutschland, wo für gewöhnlich vorne ein rhetorisch wenig begabter Mensch Platitüden zitiert und das Publikum aufs Stichwort so tut, als würde es applaudieren.

DPP Vize

Hier ist echte Leidenschaft im Spiel! Die politsche Landschaft in Taiwan ist so tief in zwei verfeindete Lager gespalten, dass Politik zur Glaubensfrage wird. Grün oder Blau, DPP oder KMT (Kuomintang), Taiwan oder Republik China, Unabhängigkeit oder Status Quo – bei den Wahlen hier geht es um mehr als um die Frage, ob man die Mehrwertsteuer um zwei oder drei Prozentpunkte anheben soll. Das Publikum ging jedenfalls voll mit, brüllte im Chor zurück, schwenkte Fahnen, jubelte.

DPP Daumen Hoch

Höhepunkt der Veranstaltung war die Rede des DPP-Präsidentschaftskandidaten Frank Hsieh. So sieht er übrigens aus der Nähe aus (links):

DPP Kandidaten

Aber zurück zur Abendveranstaltung. Hsieh stammt ebenso wie die ganze DPP aus der Bürgerrechtsbewegung, die während der Militärdiktatur von der Staatspartei KMT unterdrückt worden war. Kein Wunder, dass die beiden Lager heute nicht gut aufeinander zu sprechen sind. Die DPP vertritt einen Kurs, der Taiwans Eigenständigkeit und nationale Identität betont – gegen die Machtansprüche Pekings und gegen die KMT, die alles ablehnt, was die Beziehungen zu China noch weiter verschlechtern könnte.

DPP Hsieh

Bei Hsiehs Rede zog die Regie alle Register der Emotionalisierung. Unter anderem wurde sie permanent mit Musik der Marke „besonders pathetisch“ unterlegt – ein interessanter Effekt, mit dem man auch mal eine müde Bundestags-Debatte aufpeppen sollte. Ein anderes Blog hat auf einer vergleichbaren Veranstaltung die Musik indentifiziert: Independence Day, Braveheart, Saving Private Ryan.

Dabei wurde auf der Leinwand das Bild Hsiehs mit dem der Zuhörer geschickt überblendet:

DPP Hsieh Leinwand

Das Publikum nahm auch Hsiehs Rede begeistert auf. Die DPP lag in den letzten Umfragen noch immer hinter der KMT (kurz vor der Wahl dürfen nun keine neuen Zahlen mehr veröffentlich werden), aber sie hatte zuletzt aufgeholt, und die Diskussion um Chinas Vorgehen in Tibet dürfte ihr auch eher nützen (sh. mein heute.de-Text). Die Anhänger haben die Hoffnung also noch längst nicht aufgegeben.

DPP Jubel Mann

DPP Jubel

Nach Ende der Veranstaltung ein kleiner Ausflug zu den Politik-Merchandise-Ständen. Das scheint hier wirklich hoch im Kurs zu stehen – oder würde sich in Deutschland jemand solche Plüsch-Puppen von, sagen wir, Kurt Beck und Peer Steinbrück zulegen?

DPP Puppen

Weil es schon spät geworden ist, hört die Schilderung meiner Wahlkampf-Erlebnisse hier zunächst auf. Ich verspreche: Auch die KMT bekommt noch ihren Eintrag.

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Keine Kommentare zu “ Einmal Wahlkampf, extra heiß ”

  1. Hallo Klaus,

    ein weiterer sehr interessanter Beitrag. Wie ich schon in meiner Email schrieb, Du tippst Dir wohl die Finger blutig.

    Viel Spass weiterhin, Bruno

  2. Christoph sagt:

    Liest sich prima 🙂
    Grüssle !

    Christoph

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