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Archive for April, 2008

Wir lernen Chinesisch mit praktischen Beispielen, Folge 1:

Dieses Schild hängt nicht in meiner Uni, das Bild stammt nicht von mir und höchstwahrscheinlich auch nicht aus Taiwan, sondern vom Festland

  • 今 天 jin tian = heute
  • 明 天 ming tian = morgen
  • 工 作 gong zuo = arbeiten
  • 努 力 nu li = fleißig
  • 不 bu = nicht
  • 找 zhao = suchen

„Heute Arbeit nicht fleißig – morgen fleißig suchen Arbeit.“

So einfach ist chinesische Grammatik! Mit den Schriftzeichen sieht es leider anders aus – ich kannte sie auch nicht alle… Danke an Conny für die Übersetzungshilfe und das Foto.

Noch was anderes: In Taiwan greift offenbar die political correctness um sich. Meine Lieblings-Bushaltestelle auf dem Weg zur Uni hieß bislang in Durchsage und Bus-Display erfrischend unkompliziert „Educational Institute for the Mentally Retarded“. Seit heute: „Institute of Special Education“. Wieder ist die Welt ein kleines Stückchen langweiliger geworden.



Land des Lächelns?

Nun lebe ich schon länger als sechs Wochen in Taiwan – höchste Zeit, mal etwas über die Menschen hier zu schreiben. Auch auf die Gefahr hin, dass meine Eindrücke oberflächlich sind oder einseitig – es sind immerhin meine…

Taiwans Freundlichkeit: Kein Klischee

Es stimmt, was man in jedem Reiseführer liest: Die Menschen in Taiwan sind unheimlich freundlich, jedenfalls zu westlichen Ausländern. Und das ist einer der Gründe dafür, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Ich habe z.B. mehrfach ganz erstaunliche Hilfsbereitschaft erlebt.

Taiwan Menschen Straßenszene

Einmal stand ich ratlos vor einem Stadtplan und habe die richtige Bushaltestelle gesucht, da hat mir ein etwas älterer Mann auf englisch seine Hilfe angeboten. Als er auch nicht gleich schlau wurde aus dem Plan, meinte er nur „wait here“, und schon war er unterwegs zur anderen Straßenseite, schaute dort aufs Schild, überquerte dann eine Kreuzung zu noch einer anderen Bushaltestelle, schaute auch dort aufs Schild und kam über zwei Straßen wieder zurück zu mir.

Bei anderer Gelegenheit hat sich eine Mutter an einer Bushaltestelle ihr Kind unter den Arm geklemmt und ist mit mir mehr als hundert Meter zu einer anderen Haltestelle spaziert, um sicher zu gehen, dass ich sie auch finde. So etwas wäre in Deutschland höchstens während der Fußball-WM passiert, wenn überhaupt.

Oder die Sprache. Egal, wie übel man auch daherstammelt – sobald man ein paar Worte auf chinesisch rausbringt, heißt es: „Deine Aussprache ist aber ganz toll! Wie lange bist Du hier? Erst sechs Wochen? Du lernst sehr schnell!

Taiwan Nachtmarkt Stand Thumbs Up

Sprachbarriere? Englisch in Taiwan

Viele Menschen sind froh, wenn sie eine Gelegenheit haben, ihr Englisch auszuprobieren. Wenn es auch nicht die Mehrheit ist – auf englisch im Laden einzukaufen, mit einem Taxifahrer zu reden oder Essen zu bestellen, ist fast unmöglich, unabhängig vom Alter der Person. Wer sich seiner Sprachkenntnisse aber sicherer ist und nicht befürchtet, „das Gesicht zu verlieren“, der traut sich auch.

Im Gespräch sind den Leute dann sehr auskunfsfreudig, erklären gerne alles mögliche, was mir an ihrem Land so aufgefallen ist, und interessieren sich auch für Deutschland und den Rest der Welt.

Warum sind Taiwaner so nett zu westlichen Ausländern?

Einer der Gründe für diese Freundlichkeit ist wohl ausgerechnet die internationale Isolation Taiwans. Die Menschen fühlen sich von der Welt nicht für voll genommen, weil Taiwan von kaum einem anderen Land als Staat anerkannt wird, nicht UNO- und WHO-Mitglied werden darf usw. Da sind sie jedem Ausländer dankbar, der sie besucht – denn er beweist ja sozusagen, dass ihr Land existiert und wahrgenommen wird.

Häufig werde ich gefragt: „Warum lernst Du Chinesisch in Taiwan und nicht in China?“ Dann sage ich immer „Weil Eure Regierung mich eingeladen hat“, aber auch „Weil ich lieber in einer Demokratie lebe als in einer Diktatur“. Das kommt gut an, weil es unterstreicht: Taiwan ist kein Teil der Volksrepublik. Und weil die Leute hier stolz sind auf ihre Errungenschaften, die wirtschaftlichen wie auch die politischen.

Taiwan Fluss Park

Überhaupt China. Jeder Ausländer, den ich hier getroffen habe und der sowohl das Festland als auch Taiwan kennt, sagt: die Unterschiede sind krass. In China ist für Ausländer offenbar jeder Tag ein Kampf ums Überleben. Niemand spricht englisch, man wird ständig übers Ohr gehauen, muss sich vor Taschendieben hüten. Auf den Straßen geht es dort wohl sehr ruppig zu, es wird gedrängelt und geschubst.

In Taiwan dagegen stellen die Menschen sich am U-Bahnsteig in Reih und Glied an, trennen ihren Müll und lächeln freundlich, wenn sich im Vorbeigehen Blicke begegnen.

Als Ausländer in Taiwan immer im Blickpunkt?

Angestarrt werde ich als Ausländer hier übrigens kaum. Wahrgenommen wohl, aber eher beiläufig. Eine Ausnahme sind kleine Kinder, für die so ein komischer Mensch natürlich total spannend ist. Neulich spazierte im Park eine Familie an mir vorbei, da machte das Kind große Augen und sagte dann zu seinen Eltern: 美國人“Meiguórén!“ (Amerikaner!)

Ein interessanter Text zum Thema: Warum Westler in Taiwan sich gegenseitig ignorieren

Taiwan Kind

Gut möglich, dass ich als Westler hier in einer privilegierten Situation bin. Taiwan war in den letzten Jahrhunderten nie von Europäern besetzt, der militärischen Unterstützung der USA verdankt das Land seine Existenz, wirtschaftlich gelten wir als Vorbild, und groß und blond sind wir auch noch.

Anderen Gruppen mag es anders ergehen. Eine Kommilitonin aus Nicaragua erzählte, eine Freundin sei mal auf der Straße von einem Taiwaner sehr unfreundlich angegangen worden, weil er sie für eine Filipina hielt. Und die gelten hier vor allem als illlegale Einwanderer.

Diskriminierung alltäglich? Mein Blogeintrag über südostasiatische Ausländer in Taiwan

Gute Stimmung? Warum ich mich auf der Straße wohler fühle als in Deutschland

Generell kommen mir die Menschen in Taipeh sehr wach und lebendig vor. Jeder scheint immer irgendwas zu tun zu haben, ist unterwegs, beschäftigt. Ich sehe hier kaum diese leeren, stumpfen Gesichter, die in Deutschland zum Straßenbild gehören. Und auch keine missmutigen. Mag so ein Lächeln auch nicht immer tief empfundener Freude entspringen – lieber als böse Blicke ist es mir allemal.

Taipei MRT Bilder

In einer Stadt, in der Ölgemälde einfach so in der U-Bahn-Station hängen, muss man sich doch einfach wohl fühlen.

Es gibt hier kaum dicke Menschen. Außerdem sehen die meisten Frauen unheimlich jung aus. Falten? Fehlanzeige. Egal, ob 25 oder 45 – man muss meist auf das geschätzte Alter etwa sechs Jahre draufrechnen, um bei ihrem tatsächlichen Alter zu landen. Ob das am guten Essen liegt?

Was ich hier noch nie erlebt habe: Aggressivität. Keine Gruppen von Jugendlichen, die auf dicke Hose machen. Keine Stadtviertel, in denen ich mich unwohl oder gefährdet fühle. Keine aufdringlichen Verkäufer, kein aggressives Betteln.

Kurz gesagt: 我很喜歡台灣 (Ich finde Taiwan richtig gut.) Natürlich ist das hier keine Insel der Seligen, und wer länger in Taiwan lebt, lernt auch diverse Schattenseiten kennen. Aber ich hoffe, dieses Gefühl hält noch eine Weile vor.


Hätte ich so nicht gedacht: Suchbegriffe, mit denen dieses Blog bislang gefunden wurde.

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Nachtrag: Da immer wieder Google-Suchen wie „Bordelle Taiwan“ u.ä. hier landen, stelle ich mal ein Foto der Massage-Salon-Anzeigen online, die täglich in den englischsprachigen Tageszeitungen stehen. Falls jemand glaubt, dass es eine gute Idee ist, kann er ja vorab schon mal klären, was ihn dort erwartet. Ich ermuntere ausdrücklich nicht dazu! Siehe auch die Kommentare unten.

(mehr …)


Taipeh hat die modernste und am besten durchdachte U-Bahn, die ich je erlebt habe. Das ist auch gut so, bei den Menschenmassen zur Rush-Hour.

Züge teilweise im Zwei-Minuten-Takt, saubere Stationen mit kurzen Wegen, perfekte Ausschilderung (auch englisch), ein unheimlich praktisches Aufladekarten-Funkchip-System (einfach die Brieftasche ans Lesegerät halten und durchs Drehkreuz gehen). Das ist der Vorteil daran, wenn man erst in den neunziger Jahren anfängt, ein Netz zu bauen. Und es wird fleißig weiter gebuddelt.

Für mich hat die Sache nur zwei Haken: Das Liniennetz ist noch etwas lückenhaft, und die Züge fahren nur bis kurz nach Mitternacht.

Aus Sicht der Betreiber gibt es offenbar nur ein Problem, und das sieht so aus:

Auf den ersten Blick eine ganz normale Rolltreppe. Tatsächlich aber eine fiese Todesfalle, vor deren Benutzung man die Fahrgäste unbedingt warnen muss. Diesen Eindruck muss jedenfalls gewinnen, wer solche Schilder sieht:

Was Taipeh an der Ausschilderung von Straßennamen spart, steckt es in Rolltreppen-Warnschilder. Und die Kreativität der Rolltreppen-Warnschild-Designer ist beträchtlich. Alle nun folgenden Beispiele habe ich in einer einzigen U-Bahn-Station auf dem Weg vom Bahnsteig zum Ausgang fotografiert: (mehr …)


Dass der Motorroller das beliebteste Verkehrsmittel in Taipeh ist, daran habe ich mich gewöhnt. Auch daran, dass die Menschen mit ihrem Scooter alles mögliche transportieren. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der dieser Hund auch bei voller Fahrt im dichten Verkehr ganz gelassen auf dem Trittbrett saß, hat mich dann doch überrascht.

Ein paar Straßenecken weiter habe ich die beiden dann wieder getroffen, und Frauchen hat ein Bild von uns zwei Hübschen gemacht.

Und weil wir gerade dabei sind, hier noch das chinesische Schriftzeichen für „Hund“:

gou

Spricht sich „gou“. Und zwar von der Tonhöhe erst oben, dann nach unten abfallend, dann wieder ein bisschen nach oben. Das nennt sich „dritter Ton“. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Auf dieser Website kann man das Zeichen 狗 im Wörterbuch suchen (copy/paste, direkter Link geht nicht) und sich vorsprechen lassen. Wer weiß, wozu das mal gut sein kann.

Nachtrag: Mir ist im klar, dass im Internet ständig nach so ziemlich allem gesucht wird. Dass aber jemand nur einen Tag, nachdem dieser Eintrag online steht, ausgerechnet mit den Suchbegriffen „hund scooter transportieren“ auf diese Seite gelangt (wie WordPress mir meldet), damit hätte ich nicht gerechnet.

Nachtrag II: Schon wieder einer! „hund auf dem motorroller“ – wer sucht denn nach sowas?