Archive for Mai, 2008

So, jetzt bin ich in Hongkong. 22:00 Ortszeit. Sitze in einem voellig ueberkuehlten Coffee-Shop an einem PC ohne Umlaute.

Als Deutscher kann man ohne Visum von Taiwan nach Hongkong und zuerueck fliegen. Das ist sehr praktisch und dauert keine zwei Stunden. Wollte ich von hier ins “richtige” Festlandchina einreisen, ginge das aber nicht so einfach.

Vergleich mit Taipeh gefaellig? In Hongkong gibt es deutlich mehr…

  • Wolkenkratzer
  • westliche Auslaender (Touristen und vor allem solche, die hier arbeiten)
  • Menschen überhaupt
  • Speisekarten mit englischer Uebersetzung
  • Asiaten mit Englisch-Kenntnissen
  • Asiaten, die auf die Strasse rotzen (oder wenigstens in Papierkörbe)
  • Papierkörbe auf der Strasse (ein Glück, siehe vorigen Punkt)
  • nervige Inder oder Pakistanis, die Touristen auf der Straße anquatschen, um ihnen irgendwas anzudrehen
  • Linksverkehr
  • Straßenbahnen (doppelstöckig!)
  • rote Taxis

In Taipei gibt es dafuer mehr…

  • Motorroller (Habe hier noch keinen einzigen gesehen! Das darf nicht wahr sein…)
  • gelbe Taxis
  • Bubble Tea-Laeden
  • mobile Straßenküchen (Auch überhaupt nicht gesehen in Hong Kong)
  • Tempel
  • Mädels in Hot Pants oder Miniröcken
  • guenstige Preise (Hongkong ist nicht billig! Ein einfaches Essen in einem einfachen Restaurant z.B. kostet ca. 3-4 Euro, also gut das doppelte wie in Taipeh.)

Die Sprache ist so eine Sache. Die Leute sprechen kantonesisch, also quasi “Suedchinesisch”. Das heisst, sie benutzen die selben Schriftzeichen (traditionelle Langzeichen, wie in Taiwan), sprechen sie aber voellig anders aus. In der Umschrift gibt es ganz viele “kok” und “lok”, das ist sehr ungewohnt. “Hallo” heisst “nei ho” statt “ni hao”.

Mandarin verstehen trotzdem offenbar fast alle, wie auch englisch. Unterhaltungen laufen typischerweise so ab:

  • Ich: (zeige auf einen Apfel)
  • Verkaeufer: (kantonesisch, unverstaendlich)
  • Ich: “ji kuai?” (“Wieviel kostet der?”)
  • Verkaeufer: “Four Dollar.”

Was es in Hong Kong auch gibt: Dubiose Bar-Meilen, auf denen man von thailaendischen Tuersteherrinnen Kiez-maessig angeschnackt wird, mit Kampfpreis-Bier als Lockmittel. Das waere in Taipeh nicht passiert!

(Fotos kann ich leider hier nicht hochladen. Wird nachgeholt!)

(Nachtrag: Die Auflistung oben wird ergaenzt, wenn mir was neues auffaellt.)

Heute ist ein trauriger Tag. In einer Stunde mache ich mich zum letzten Mal auf zu meinem Chinesisch-Kurs an der Uni. Die zwölf Wochen gingen vorbei wie im Flug.

Das heißt aber nicht, dass ich schon auf gepackten Koffern sitze. Ich werde noch ein paar Wochen in Taiwan bleiben und versuchen, vieles von dem zu sehen, wozu der Kurs mir keine Zeit ließ. Und noch ein bisschen mehr: Kommende Woche bin ich von Montag bis Donnerstag in Hongkong. Das liegt quasi um die Ecke. Ich sehe es mir nicht nur aus Neugier an, sondern auch, weil mein Visum Ende Mai abläuft und ich bei erneuter Einreise nach Taiwan wieder 30 Tage Aufenthalt bekomme. Am 20. Juni fliege ich dann zurück nach Deutschland.

Jetzt möchte ich noch ein Versprechen einlösen: Birger hatte vor einiger Zeit gefragt, wie das Eintippen von chinesischen Schriftzeichen am Computer funktioniert.

Gucken wir uns mal eine taiwanische Computer-Tastatur an. Überraschung: Sie hat nicht etwa 2000 Tasten, sondern sieht fast so aus wie im Westen.

So weit ich es verstanden habe, gibt es im wesentlichen drei verschiedene Methoden, um mit ein paar Dutzend Tasten zehntausende Schriftzeichen einzutippen. Und immer funktioniert es so wie beim SMS-Tippen: Nach Beginn der Eingabe macht die Software Vorschläge mit den wahrscheinlichsten Varianten, und je mehr man eintippt, desto präziser werden die Vorschläge. Für besonders häufige Begriffe muss man also nur eine oder zwei Tasten drücken.

Wie das allerdings vor dem Aufkommen grafischer Benutzeroberflächen funktioniert hat, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen.

一 “Zusammenbasteln”

Es ist ja nicht so, dass alle chinesischen Schriftzeichen sich völlig voneinander unterscheiden. Sie sind vielmehr zu großen Teilen aus wiederkehrenden Elementen zusammengesetzt, die immer neu kombiniert werden.

So bedeutet das Zeichen 貝 z.B. “Muschel”, steht aber als Bauteil für “Geld”. Und taucht deshalb etwa in folgenden Zeichen auf:

  • 買 kaufen
  • 賣 verkaufen
  • 貴 teuer

Auf der Tastatur seht ihr unter den Buchstaben links und rechts die häufigsten Elemente der chinesischen Schriftzeichen. Unter dem “D” findet sich zum Beispiel links ein Baum 木 und rechts eine Sonne 日. Ich vermute, wenn man die beiden kombiniert, schlägt das System als einen der ersten Treffer 東 vor. Guckt Euch das Zeichen mal genau an (Schrift vergrößern). Es ist quasi ein Baum, hinter dem die Sonne aufgeht. Und es heißt… Osten. Denn im Osten geht nun mal die Sonne auf.

Weitere nette Beispiele für zusammengesetze Zeichen:

  • 媽 Mutter = Frau 女 + Pferd 馬
  • 好 gut = Frau 女 + Sohn 子
  • 明 hell = Sonne 日 und Mond 月
  • 家 Zuhause = Schwein 豬 unter einem Dach

Diese Methode benutzen die Leute, wenn sie zwar wissen, wie ein Zeichen aussieht, aber nicht unbedingt, wie es ausgesprochen wird. Soll ja vorkommen.

二 Bopomofo

Der andere Ansatz: Man nähert sich dem Schriftzeichen über die Aussprache. Da gibt es außer den Umschriften, die lateinische Zeichen verwenden (wie Pinyin, s.u.) ein System mit dem schönen Namen “Bopomofo”, das wohl vor allem auf Taiwan verwendet wird. Dabei wird jedem der möglichen Laute (Konsonanten und Vokale), also “b”, “p”, “ei”, “ian” usw. ein Haken-ähnliches Symbol zugewiesen. Diese Symbole seht ihr rechts neben den lateinischen Buchstaben. Sie finden sich auch auf taiwanischen Handy-Tastaturen und neben den Schriftzeichen in Kinder- oder Sprachlern-Büchern.

Das heißt, wer 好 hao=”gut” tippen will, drückt zuerst das Bopomofo-Zeichen für “h”, also ㄏ und dann für “ao”, also ㄠ.

In Taiwan ist Bopomofo extrem verbreitet, weil es in den Grundschulen gelehrt wird. Es kommt auch Japanern, die chinesisch lernen wollen, entgegen, da es in deren Sprache ein ähnliches Lautschrift-System namens Katakana gibt. Auch einige westliche Sprachstudenten schwören drauf, weil sie es für “exakter” halten als Pinyin – lateinische Buchstaben verführen dazu, sie falsch auszusprechen.

In der Volksrepublik scheint es dagegen wirklich so zu sein (bitte korrigiert mich ggf.), dass die Menschen lateinische Buchstaben lernen müssen, weil dort als Umschrift Pinyin verwendet wird.

三 Pinyin

Das Pinyin-System habe ich ja ansatzweise hier schon mal erklärt. Ich halte es für ziemlich praktisch, da ich keinen Nerv hatte, mit Bopomofo quasi noch mal ein neues Alphabet zu lernen. Man muss halt nur immer bedenken, dass die korrekte Aussprache mit dem, was wir gemeinhin mit den Buchstaben verbinden, nicht viel zu tun hat.

先生 z.B. heißt “Herr” (wörtliche Übersetzung: “zuerst geboren”). In Pinyin schreibt man es xiānshēng. Ausgesprochen wird es aber, ganz grob vereinfacht, “chiän-schang” (ch wie in “ich”, nicht wie in “Bach”).

Auf meinem Mac habe ich das Programm QIM installiert, mit dem das Pinyin-Eintippen in jedem Programm problemlos möglich ist. Ich kann mit einem Tastendruck hin- und herschalten.

So sieht es z.B. aus, wenn sich in Word das Fenster (oder genauer: der Floater) mit den Vorschlägen öffnet:

Die Wahl hatte er schon im März gewonnen, aber jetzt ist es endgültig amtlich: Taiwan hat einen neuen Präsidenten. Heute wurde Ma Ying-jeou vereidigt, und ich war bei der anschließenden Zeremonie samt Antrittsrede dabei. Ich und noch etwa 10-20.000 andere. Es war eine bemerkenswerte, mal beeindruckende und mal befremdliche Veranstaltung. Mit Pandas. Aber dazu später mehr.

Seit heute stehen auch zwei neue Texte von mir bei heute.de online: Einer über die Erwartungen an den neuen Präsidenten und die besseren Beziehungen zu China. Und ein Interview mit dem Vize-Chef des Deutschen Wirtschaftsbüros in Taipeh über die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und die Frage, warum Taiwan so ein schönes Land ist.

Hier hält Ma gerade seine Antrittsrede. Er hat die Gelegenheit genutzt, sich als (weiterlesen …)

Wer in Taipeh Hunger hat oder zu McDonald’s geht, ist selbst schuld. Es gibt nicht nur tausende Restaurants, sondern auch an so gut wie jeder Straßenecke mobile Garküchen und kleine Essens-Stände. Ob Frittiertes, Gekochtes, Gebratenes, Gegartes, Süßes, Scharfes, Kaltes, Heißes, Bekanntes oder Unbekanntes – es ist meistens sehr lecker und immer preiswert.

Nehmen wir mal diesen Stand, den ich in einer Seitenstraße auf dem Weg vom Hinterausgang meiner Uni zur Bushaltestelle entdeckt habe.

Was sagt uns das Schild? Es gibt drei Gerichte, jedes kostet (weiterlesen …)

Der Kollege Lix hat sich angesichts der Komplexität und Vielzahl chinesischer Schriftzeichen gefragt:

Ist eigentlich schon mal jemand auf die Idee gekommen, Chinesisch in lateinische Zeichen zu transkribieren (wie es zum Beispiel die Türken mit ihrer Sprache gemacht haben)?

Aber sicher – wie sonst können wir heute von Peking bzw. Beijng sprechen. Wie die unterschiedlichen Schreibweisen schon zeigen, gibt es sogar eine ganze Reihe von Lautschrift-Systemen, um Chinesisch mit unseren Buchstaben aufzuschreiben.

Das gebräuchlichste heißt Pinyin, das benutzen wir auch im Unterricht.

Nun ist Chinesisch eine Tonsprache mit vier verschiedenen “Tönen”.

Das heißt, eine Silbe wie jiu (sprich ungefähr “Joe”) kann ich auf vier verschiedene Arten aussprechen, die in Pinyin so notiert werden (ich hoffe, Euer Browser zeigt das korrekt an):

  • jiū
  • jiú
  • jiǔ
  • jiù

Ein zweisilbiges Wort wie “Beijing” kann also auf rund 16 verschiedene Arten ausgesprochen werden. Damit auch in der Umschrift klar ist, was gemeint ist (nämlich “Nördliche Hauptstadt”), müssten wir also jedes Mal eigentlich schreiben: běijīng

Das ist das erste Problem mit der Umschrift. Das zweite ist noch gravierender: Weil Mandarin mit vier Tönen im Vergleich zu anderen Tonsprachen noch vergleichsweise wenig hat, gibt es insgesamt nur einige hundert unterschiedlich ausgesprochene Silben – aber viele tausend Schriftzeichen. Das heißt, der Trend geht zur Mehrfachverwertung.

Allein für jiu im dritten Ton, also jiǔ, kenne ich nach meinen paar Wochen Unterricht schon folgende Bedeutungen und Schriftzeichen:

  • Neun 九
  • lange Zeit 久
  • Alkohol 酒

Warum sollten die Chinesen/Taiwanesen ihre über Jahrtausende entwickelte Schrift gegen ein System eintauschen, das selbst bei korrekter Schreibweise keinen Unterschied zwischen “Alkohol” und “Neun” macht? Der Sinn von Texten würde sich auf den ersten Blick gar nicht mehr erschließen (dass es beim Sprechen funktioniert, halte ich immer noch für ein Wunder).

Kurz gesagt: Ein Fünftel der Weltbevölkerung kommt mit den Schriftzeichen gut klar. Ich würde nicht darauf setzen, dass sich das so bald ändert.

Katja hat eine interessante Frage gestellt:

“Hast Du schon Einblick bekommen, wie die Arbeitskultur, Arbeitszeiten, Gehalt vs Lebenshaltungskosten in Taiwan so sind? Fände ich spannend…”

Ich auch. Einiges habe ich mir erzählen lassen, also versuche ich es mal (ohne Gewähr):

Generell kann man sagen, die Menschen in Taiwan verdienen weniger als bei uns, dafür ist das Leben billiger. Die Diskrepanz ist nicht so riesig wie z.B. in China, aber immer noch deutlich.

Rechnen wir der Einfachheit halber mit einem Wechselkurs von 50 New Taiwan Dollar (NT$) = 1 €.

Ein Büro-Angestellter hat mir erzählt, er verdient im Monat 35.000 NT$ brutto, also umgerechnet etwa 700 €. Das ist hier wohl ein vernünftiges Durchschnitts-Einkommen.

Die Grenze, ab der jemand als Großverdiener gilt, liegt offenbar bei ca. 100.000 NT$, also 2.000 €. Es gibt hier offenbar zahlreiche Menschen, die als reich gelten (fette Autos usw.), und sehr viel mehr, bei denen das Geld eher knapp ist.

Natürlich sind auch die Lebenshaltungs-Kosten niedriger. Wenn man sich in einem Restaurant satt isst, kostet das zwischen 50 und 200 NT$. Eine Bus- oder U-Bahn-Fahrt kostet zwischen 12 und 50 NT$. Die Miete für ein Zimmer zur Untermiete oder kleines Einzimmer-Apartment in Taipeh beträgt zwischen 8.000 und 15.000 NT$, inklusive “Hauptstadt-Zuschlag”.

Urlaub in Europa oder Amerika ist für Taiwaner ziemlich teuer, weshalb sie ihn – wenn sie ihn sich überhaupt leisten können – oft kurz halten oder organisierte Touren buchen. In Thailand, Vietnam usw. ist der Taiwan-Dollar dagegen mehr wert. Angeblich gilt Bangkok bei Taiwanerinnen als Shopping-Paradies.

Umgekehrt ist das Leben in Taiwan für Westler ziemlich günstig. Es gibt hier z.B. unzählige Amerikaner und Kanadier, die nach dem College-Abschluss (weiterlesen …)

Chinesisch lernen macht Spaß! Ich weiß, am Anfang war ich skeptisch, aber das hat sich geändert. Wer als unvorbelasteter Westler diese Sprache lernen will, kann sich in Zukunft sämtliche Gehirnjogging-Ratgeber sparen. Es ist faszinierend, wie sich die Informations-Partikel, die zu Beginn ziemlich unkoordiniert im Hirn herumschwirren, nach und nach zusammensetzen und Sinn ergeben.

Nehmen wir mal die Schriftzeichen. Davon gibt es ziemlich viele, und auf den ersten Blick ergeben sie keinen großen Sinn. Teilweise sehen sie sich sogar zum Verwechseln ähnlich.

Allein mit den Schriftzeichen in der unteren Bildhälfte lassen sich allerdings schon solche Sätze bilden:

  • 李先生不是英國人 (“Herr Li ist kein Engländer.”)
  • 他是中國人 (“Er ist Chinese.”)
  • 您貴姓 (“Wie lautet Ihr werter Name?”)
  • 我姓馬,你呢 (“Ich heiße Ma, und Sie?”) (Könnte ein Zitat des künftigen Präsidenten sein)

(Falls die Schriftzeichen zu klein dargestellt werden, kann man im Browser-Menü die Schriftgröße verändern. Falls sie gar nicht angezeigt werden, muss man die passenden Schriften installieren.)

Es steckt also ein System hinter diesen nur scheinbar willkürlichen Zeichen. Was für eines? Das habe ich bisher noch nirgendwo (auch nicht in unserem Unterricht) so anschaulich und einleuchtend erklärt bekommen wie in diesem Flash-Video. Unbedingt anschauen! Ein paar Minuten, nach denen Ihr klarer seht – versprochen.

Und woher stammt dieses schöne Video, und noch einige mehr? Von dieser Website.

Neulich habe ich es schon einmal erwähnt: Von meinem Schreibtisch aus kann ich das höchste Gebäude der Welt sehen. Es heißt Taipei 101 und sieht nicht zufällig aus wie eine riesige Bambusstange:

Das Taipei 101 heißt so, weil es 101 Stockwerke hat. Bis zur Spitze ist es 508 Meter hoch.

Auf dieser Google Maps-Karte könnt Ihr nachsehen, wo es liegt (und wo ich wohne). Zoomt ran und schaut Euch den Schatten an, den das Gebäude wirft… Ja, es ist wirklich so hoch!

Natürlich war ich auch schon oben. Kostet acht Euro. Die Fahrt in die 89. Etage dauert im angeblich schnellsten Fahrstuhl der Welt (1010 Meter/Minute, also 17 Meter/Sekunde) nur 37 Sekunden. So schnell, dass die Kabine schon wieder abbremste, als ich das Display fotografierte:

Die Aussicht ist unschlagbar, sofern das Wetter mitspielt. Als ich oben war (weiterlesen …)