Höher geht’s immer 一零一

Neulich habe ich es schon einmal erwähnt: Von meinem Schreibtisch aus kann ich das höchste Gebäude der Welt sehen. Es heißt Taipei 101 und sieht nicht zufällig aus wie eine riesige Bambusstange:

Das Taipei 101 heißt so, weil es 101 Stockwerke hat. Bis zur Spitze ist es 508 Meter hoch.

Natürlich war ich auch schon oben. Kostet acht Euro. Die Fahrt in die 89. Etage dauert im angeblich schnellsten Fahrstuhl der Welt (1010 Meter/Minute, also 17 Meter/Sekunde) nur 37 Sekunden. So schnell, dass die Kabine schon wieder abbremste, als ich das Display fotografierte:

Die Aussicht ist unschlagbar, sofern das Wetter mitspielt. Als ich oben war, lag eine Wolkenschicht (Smog?) über der Stadt, die von unten nicht zu ahnen war. Der Anblick war trotzdem überwältigend. Ich mag es sehr, von oben auf eine Stadt zu blicken – ob Kirchturm, Eiffelturm oder 101. Wie im Flugzeug, nur hat man mehr Zeit, Details aufzunehmen.

In Richtung Westen liegt der Stadtkern von Taipeh. Etwa 2,7 Millionen Einwohner, und ich bin einer von ihnen…

Es ist erstaunlich, wie viele Hochhäuser es in Taipeh gibt, die man von der Straße aus nicht besonders wahrnimmt.

In der anderen Richtung sieht man schon die bewaldeten Hügel und Berge, die sich rings um die Stadt erstrecken:

Beim Bau des 101 mussten die Ingenieure sich einiges einfallen lassen, denn der Untergrund ist sumpfig, und Taipeh liegt in einer Gegend, die häufig von Erbeben und Taifunen heimgesucht wird.

Im Boden ist das 101 mit hunderten Stahlpfeilern verankert, die 80 Meter in den Untergrund und dann noch einmal 30 Meter ins Gestein reichen.

Gegen Schwankungen hilft u.a. der weltgrößte Schwingungsdämpfer – ein riesiges Stahlpendel, das zwischen dem 87. und 90. Stockwerk aufgehängt ist:

Die Kugel ist aus Stahlscheiben zusammengesetzt, hat einen Durchmesser von 5,50 m und wiegt mal eben 660 Tonnen. Wenn das Gebäude bei einem Erdbeben oder Taifun schwankt, arbeitet das Pendel mit seinem Gewicht dagegen und sorgt angeblich dafür, dass die Schwingungen nur halb so stark ausfallen. Der Ausschlag wird durch Stoßdämpfer unter der Kugel auf max. 1,50 Meter begrenzt.

Bleibt zu hoffen, dass die armdicken Stahlseile, an denen das Ding hängt, an beiden Enden gut befestigt sind – sonst könnte die Wirkung durchschlagend sein…

Das Taipei 101 ist für das international isolierte Taiwan auch ein Statussymbol – Ihr Völker der Welt, schaut auf dieses Haus! Seht, wozu wir fähig sind! Schade, dass es demnächst als höchstes Gebäude der Welt abgelöst wird durch das Burj Dubai. Die Araber sind wohl noch ein bisschen verrückter als die Menschen hier.

Nachtrag:

So ein Zufall – soeben erhalte ich von Günter dieses Bild aus dem 85. Stock. Da gibt es einen Nobel-Italiener, bei dem sogar die Aussicht vom stillen Örtchen vom Feinsten ist:

Nachtrag II: Ein interessanter „Geo“-Artikel über den Bau des Taipei 101.

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21 Kommentare zu “ Ein Ausflug auf die Spitze des Taipei 101 ”

  1. lix sagt:

    Mein Lieber,
    wirklich beeindruckend, der Schatten….A propos „Hier lernt Klaus Chinesisch“. Was mich interessieren würde: Wie kompliziert ist das eigentlich? Also kannst Du nach 6 Wochen schon Kaffee und Essen bestellen und einkaufen? Oder gar mit den Eingeborenen smalltalken? Wie lange braucht der Normalwestler, um einigermaßen gut Chinesisch zu lernen? Und müßt Ihr diese hübschen Schriftzeichen im Unterricht mit der Hand malen? Oder nur mit der Maschine?
    Fragt sich
    der lix

  2. Klaus sagt:

    Hallo Christoph,

    einer der nächsten Einträge wird sich wahrscheinlich wieder mit Sprach-Fragen beschäftigen.

    So viel vorweg: Es ist kompliziert. Ich kann jetzt ein bisschen chinesisch sprechen. Essen und Kaffee bestellen, das geht irgendwie.

    Das heißt aber noch lange nicht, dass ich chinesisch sprechen kann.

    Und die Schriftzeichen schreiben wir natürlich von Hand. Das ist auch der einzige Weg, sie im Oberstübchen abzuspeichern. Einfach nur angucken bringt nichts.

  3. Christoph sagt:

    @Foto aus dem 85ten Stock beim Italiener.
    Also das nenn ich mal die wirklich echte Freiheit für Männer: im Stehen pinkeln, Free Willi und Blick auf die grosse, weite Welt. Ein Traum, besser als der Marlboro Man am Lagerfeuer 🙂

  4. Katja sagt:

    Hi Klaus,

    wirklich klasse – und da dachte ich, ich hätte gerade in Chicago mal ein paar Hochhäuser gesehen – aber es ist bestimmt schon ein halbes Jahrhundert (oder länger) her, dass dort das höchste Gebäude der Welt stand.

    Das Schattenbild habe ich gleich mal weitergeleitet (ja, mit Deiner Blog-Adresse :-)). Und das „Heute nicht fleissig arbeiten, morgen fleissig Arbeit suchen“ – hm, vielleicht drucke ich das aus und hänge es im Büro auf 😉

    Lieben Gruß aus dem warmen und frühlingsgrünen Bonn, wo man zum Glück trotz des Posttower-Schattens noch Sonnenbaden kann!

    Katja

  5. Birger sagt:

    – Schwingungsdämpfer gegen Erdbeben –

    Laut Radio-Nachrichten gerade eben gab es in China heute ein so schweres Erdbeben, dass es bis weit über die Grenzen hinaus spürbar gewesen sein soll. Ist bei Euch etwas angekommen?

    Birger

  6. Klaus sagt:

    Ääähhh… nein. Wir machen hier aus Prinzip nicht alles mit, was in China passiert. Aber danke für die Warnung!

    (Oder meinst Du das von vorgestern, von dem wir aber auch kaum was mitbekommen haben?)
    http://www.cwb.gov.tw/V5e/seismic/quake.htm

  7. Klaus sagt:

    @Katja
    Stichwort Chicago: Der Sears Tower würde wohl noch immer als höchstes Gebäude der Welt gelten, wenn die Antennen mitzählen würden:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_h%C3%B6chsten_Wolkenkratzer#Gr.C3.B6.C3.9Fenvergleich_der_h.C3.B6chsten_Wolkenkratzer

  8. Birger sagt:

    Ich meinte dieses hier:

    http://en.wikipedia.org/wiki/2008_Sichuan_earthquake

    Da ist „Taiwan“ unter „Regions affected“ mit aufgeführt. Dass das Epicenter extrem weit weg liegt, war mir klar; aber laut NDR2 war es auch in Thailand noch deutlich zu spüren, und das ist ja ähnlich weit entfernt. Daher die Nachfrage.

    Birger

  9. Klaus sagt:

    Leider bekomme ich erst jetzt bei meiner allmorgendlichen „heute journal“-Sichtung mit, wie verheerend das Erdbeben in China war. Da ist natürlich jegliche Ironie oder gar Schadenfreude fehl am Platze.
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/22/0,3672,7237590,00.html

  10. Christine Anderlohr sagt:

    Hallo Klaus,
    am 2.11.08 ist es soweit – dann starten wir morgens unsere Reise von Frankfurt/M. aus nach Bali. Da China Air über Taipeh fliegt, haben wir natürlich einen 2,5-tägigen Stop-Over eingelegt; nicht zuletzt wegen des langen Fluges, sondern eben auch, weil Taipeh sicherlich ein Sightseeing-Trip wert ist. Wir kommen am (MO) 3.11. morgens um 5:55 Uhr in Taipeh an und fliegen am 6.11. morgens weiter nach Bali. Heute in 8 Tagen sind wir also in „Deiner“ Stadt. Haben einen Voucher für Stadtrundfahrt und Küstentour. Kann es noch gar nicht fassen, so wie ich im Moment hier noch an meiner Arbeit hänge.
    Auf Deine Homepage bin ich per Zufall gestoßen -wollte eben meine Vorfreude mit Bildern aus dem untermalen. Deine Seite hier macht richtig Laune auf Taipeh… Vielen Dank für die Infos!!! Hast Du als „Insider“ evtl. ein paar Tipps oder Veranstaltungshinweise für die Zeit 3.11. bis 6.11.08, oder Restaurantempfehlung? Ist der Zoo von Taipeh wirklich so sehenswert?
    Über eine Nachricht von Dir würden wir uns sehr freuen.

    Beste Grüße aus dem verregneten Deutschland – ab Mittwoch soll`s hier Schnee geben (Pfui-Teufel)..
    P.S. Wir kommen aus dem Spessart, Landkreis Aschaffenburg (Kennst Du ja vielleicht).
    Christine u. Hubert Anderlohr

  11. Klaus sagt:

    Ich habe aus der Antwort auf den Kommentar von Christine und Hubert einen eigenen Eintrag gestrickt, sh. #13.

  12. Christine u. Hubert Anderlohr sagt:

    Hallo Klaus,

    kennst Du uns noch??
    Ende dieser Woche werden wir entscheiden, ob wir ab 21.3. nach Taipeh und weiter nach Bali reisen werden. Angebot steht schon. Termine müssen noch gecheckt werden.
    Drück uns mal die Daumen, dass nicht wieder was dazwischen kommt.

    Ganz liebe Grüße
    Wir bleiben in Kontakt!!!
    Christine u. Hubert

  13. Klaus sagt:

    Klar erinnere ich mich an Euch!

    Na, dann hoffe ich mal das beste. Auf, dass Ihr Taipei doch noch kennenlernt…

  14. Jens sagt:

    Vom Yangmingshan-Nationalpark aus hat man auch einen schönen Blick auf die Stadt. Den 101 sieht man auch.

  15. Ich habe meinen 30 Geburtstag da oben beim Nobel-Italiener gefeiert. Das war der beste Tag meines Lebens 🙂

    Wer mal neugierig ist, wie das so war, hier mein Link: http://mykafkaesquelife.blogspot.com/2010/03/my-30th-birthday-in-diamond-tonys-101.html

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  1. […] Stockwerke, darüber können wir in Taipei allerdings nur müde […]

  2. […] Wer es noch nicht kennt: Hinten, das Große, das ist das Taipei 101. […]

  3. […] freue mich ja immer über Kommentare in diesem Blog. Dieser von Christine und Hubert aus dem Spessart ist besonders interessant, denn die beiden werden bald nach Taipeh kommen. Zwar nur für […]

  4. […] der Hauptstadt Kuala Lumpur sind die Petronas Towers, von 1998 bis zur Fertigstellung des Taipei 101 im Jahr 2004 die höchsten Gebäude der Welt. Dies ist die Aussicht vom Fernsehturm nebenan, der […]

  5. Südafrika | Reiseziele Afrika sagt:

    Südafrika | Reiseziele Afrika…

    die Lipizzianer haben wir in Wien bei ihren Übungen gesehen und mit den Jungtieren– einfach schöne Tiere!…

  6. […] Wahrzeichen stellt es allemal dar, und es macht das Land in der Welt bekannt. Nicht umsonst gehört mein über zwei Jahre alter Eintrag über das Hochhaus und sein riesiges goldenes Schwingungstilger-Pendel zu den meist-angeklickten […]

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