Wer in Taipeh Hunger hat oder zu McDonald’s geht, ist selbst schuld. Es gibt nicht nur tausende Restaurants, sondern auch an so gut wie jeder Straßenecke mobile Garküchen und kleine Essens-Stände. Ob Frittiertes, Gekochtes, Gebratenes, Gegartes, Süßes, Scharfes, Kaltes, Heißes, Bekanntes oder Unbekanntes – es ist meistens sehr lecker und immer preiswert.

Nehmen wir mal diesen Stand, den ich in einer Seitenstraße auf dem Weg vom Hinterausgang meiner Uni zur Bushaltestelle entdeckt habe.

Was sagt uns das Schild? Es gibt drei Gerichte, jedes kostet 40 Taiwan-Dollar. Also nicht mal einen Euro. Das ist das übliche Preisniveau, viele kleinere Sachen sind auch noch günstiger. Drei Sachen zur Auswahl sind schon viel, die meisten Stände haben sich auf genau ein Produkt spezialisiert, höchstens in unterschiedlichen Geschmacksrichtungen (z.B. kleine Küchlein gefüllt mit roten Bohnen, Süßkartoffeln, Erdnüssen oder Butter).

Das erste Gericht (oberste Zeile) ist eine Suppe, über die ich aber leider nichts sagen kann, da ich sie noch nicht probiert habe. Das Schriftzeichen 湯 (tāng) rechts oben bedeutet „Suppe“. Das lernt man ganz schnell, weil es immer und immer wieder auf den Speisekarten steht.

Die dritte Zeile bezeichnet kleine dreieckige Pakete aus Reis und Fleischstückchen, die ganz fest in Blätter eingewickelt werden (so ähnlich wie in Geschenkpapier). 肉 (ròu) bedeutet „Fleisch“ – ohne weiteren Zusatz normalerweise „Schweinefleisch“, das ist hier der Standard.

Am Interessantesten ist das Gericht in der mittleren Zeile. In Ermangelung eines besseren Namens nennen Westler es „Taiwanesischer Hamburger“. Was das erste Schriftzeichen bedeutet, weiß ich nicht. Das zweite 包 heißt jedenfalls bāo, bedeutet „Teigtasche“ und wird für eine ganze Menge von unterschiedlichen Sachen benutzt. In diesem Fall steht es für Brötchen-große Hefeteig-Klöße, die von der freundlichen Dame direkt am Stand in einem Holzkorb im Dampf gedünstet werden. Wenn sie fertig sind, haben sie ungefähr die selbe Konsistenz wie Germknödel, sind also ziemlich weich und ein bisschen wabbelig.

So weit, so gut. Schneidet man so ein Ding auf, kann es mit einer Menge leckerer Sachen gefüllt werden. In diesem Fall zunächst mal mit eingelegtem Gemüse (Zwiebeln, Gurken o.ä.), das am Stand warm gehalten wird.

Dazu kommt gekochtes Schweinefleisch. Auf Wunsch mehr oder weniger fett.

Und schließlich die Krönung: Frischer Koriander, Erdnuss-Stückchen und eine geheimnisvolle Soße. Das Ergebnis wird im dünnen Plastikbeutel überreicht, was hier bei Essen zum Mitnehmen völlig üblich ist. Keine Papp- oder Plastikschälchen – auch warme oder heiße Gerichte gibt es im wahrsten Sinne des Wortes „auf die Hand“.

So ein „Taiwanesischer Hamburger“ schmeckt unheimlich saftig, frisch (Koriander), zart, knusprig (Erdnüsse), ein bisschen süß, ein bisschen scharf – toll. Glaubt es mir einfach!

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4 Kommentare zu “ Taiwanesische Hamburger für Hamburger in Taiwan ”

  1. Julian sagt:

    Mmmmh. Sieht gut aus!

  2. Diskus sagt:

    Ja, wirklich gut. Die Suppe ist übrigens die „Viergöttersuppe“, die man gut finden kann. Definition: It’s a long-brewed, light-flavored broth full of tender slices of pork stomach, enriched and flavored by lotus seed, dried mountain potato, barley and other grains, and a dash of rice wine.

    Das Zeichen, was Du nicht kanntest, ist übrigens yi4: mähen. Warum der Burger „Mäh-Tasche“ heißt, nobody knows. 😉

    Einen herzlichen Gruß, Diskus

  3. Klaus sagt:

    Vielen Dank! Werde mir die Vier-Götter-Suppe bei Gelegenheit munden lassen.

    Zum Rätsel der Mäh-Tasche: Ich habe einen Taiwanesen gefragt. Der sagt, das Zeichen 刈 bedeute zwar yì, werde in diesem Fall aber cuà (cua4) ausgesprochen. Und zwar, weil das Ding auf taiwanesisch cuà bāo genannt wird (in anderen Läden heißt es auch guà bāo 掛包). Jedenfalls hat taiwanesisch ja keine eigenen Schriftzeichen, also haben sie sich eines ausgesucht, das eigentlich völlig anders klingt, und trotzdem weiß jeder, was gemeint ist…

    Ich hab’s auch nicht wirklich verstanden.

  4. Jessika sagt:

    Interessanterweise bin ich auf den Namen einer taiwanesischen Restaurant-Kette gestoßen: Din Tai Fung (鼎泰豐).
    Dort gibt es diese dumplings auch in allen erdenklichen Variationen (www.dintaifung.com.tw). Die sehen aber nicht so lecker aus wie das Exemplar vom Straßenrand! Klaus, ich erwarte, dass du sowas nachmachen kannst wenn du zurück bist 😉

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