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Archive for Juni, 2008

Spätestens seit meinem ersten Besuch im Deutschen Kulturzentrum in Taipeh wollte ich wissen: Wie funktioniert das, wenn Taiwaner Deutsch lernen?

Vielleicht kennt Ihr das Gefühl: Immer, wenn ich ein bisschen über die Feinheiten des Deutschen nachdenke, bin ich heilfroh, dass ich meine Muttersprache sozusagen instinktiv beherrsche und keine Dativ-Genitiv-männlich-weiblich-Tabellen samt Ausnahmeregeln auswendig lernen muss. Deutsch ist bestimmt nicht die einfachste Sprache für Ausländer. (Chinesisch auch nicht, aber das ist diesmal ausnahmsweise nicht das Thema.)

Über das Kulturzentrum habe ich Heinz Lohmann kennen gelernt, der seit 25 Jahren in Taiwan lebt und hier Deutsch unterrichtet. Er hat mich zunächst mal in seinen Fortgeschrittenen-Kurs am Kulturzentrum eingeladen, wo ich etwas über Medien in Deutschland erzählen durfte.

Die Studenten in diesem Kurs lernen zum Teil schon seit über zehn Jahren Deutsch und sind ziemlich fit. Weil die meisten von ihnen arbeiten, findet der Kurs am Samstag statt. Da sitzt die Rechtsanwältin neben der Computerexpertin, die Staatsanwältin neben der Englischlehrerin.

Da das Thema im Lehrbuch gerade „Medien“ ist, konnte ich über öffentlich-rechtliches Fernsehen erzählen, über die Unterschiede von ARD, ZDF und dritten Programmen, deutsche Tageszeitungen, die Arbeit in einer Nachrichten-Redaktion und auch darüber, warum Themen aus Taiwan in deutschen Medien, vor allem im Fernsehen, so selten eine Rolle spielen.

Ziemlich komplexe Themen also, aber die Studenten mussten nur ganz selten nach der Bedeutung eines Wortes fragen, haben viele Fragen gestellt und auch von der Situation in Taiwan erzählt. Die Privatsphäre von Politikern wird hier z.B. offenbar so gut wie gar nicht respektiert, beim kleinsten Anlass wird auch ihre Familie von Kamerateams verfolgt. Bei den privaten Nachrichtensendern ersetzt Skandalisierung oft die Politikberichterstattung.

Ein paar Tage später hat Heinz Lohmann mich dann an seine Hochschule eingeladen, die Soochow-Universität. Dort gibt es eine Deutsch-Abteilung, in der er als Dozent arbeitet.

Ich habe einen Kurs mit Studenten besucht, die seit drei Jahren Deutsch lernen. Sie sind alle Anfang 20. Einige von ihnen waren gerade für ein Jahr an der Uni Münster, da gibt es ein Austauschprogramm.

Auch diese Studenten beherrschen die deutsche Sprache richtig gut, Aussprache und auch Grammatik. Sehr beeindruckend. Da es ein Konversations-Kurs war, haben sie sich vor allem miteinander unterhalten und gegenseitig befragt (mich auch), und zwar zum Thema „Sport“: Treibst Du regelmäßig Sport? Warum ist Sport gesund? Kann Sport auch gefährlich sein? Warum betreiben manche Leute Extremsportarten? Außerdem habe ich festgestellt, dass sie dank ihres Lehrbuchs z.B. mehr über die Biografie von Reinhold Messner wissen als ich.

Unterm Strich habe ich zwar nicht wirklich mitbekommen, wie Ausländer die deutsche Sprache mit all ihren Feinheiten lernen. Aber dass es funktionieren kann, und sogar ziemlich gut, weiß ich jetzt.


In Taiwan trinkt man Tee. Das war schon immer so. Oolong-Tee, der hier sozusagen ein Heimspiel hat (tolles Zeug – eine Tasse, und ihr macht die Nacht durch). Oder schwarzen Tee (der hier übrigens „roter Tee“ heißt“). Oder Bubble Tea. Hauptsache Tee. Kaffee war bis vor ein paar Jahren kein Thema.

Aber dann kam Starbucks.

Seitdem gibt es zumindest in Taipeh Coffee-Shops fast an jeder Straßenecke. Und dabei sind die nicht mal billig. Starbucks ist natürlich am häufigsten vertreten, aber andere Ketten kopieren das Erfolgsmodell fleißig. Das finde ich spannend, denn deren Namen kannte ich noch nicht. So, wie in Hamburg Balzac Coffee den Koffein-Imperialisten aus Seattle Marktanteile abnimmt, gibt es hier offenbar auch einheimische Unternehmen. Oder hat jemand diese Logos schon einmal in anderen Ländern gesehen?

Harwana Coffee

Barista Coffee

85c Cafe

Laos Coffee

Das ist offenbar die Hausmarke von 7/11:

Ein paar sind mir auch in Hongkong aufgefallen:

(Pacific Coffee hat in vielen Filialen Internet-Rechner, die sich bei Bestellung kostenlos nutzen lassen. Sehr praktisch. Ansonsten gibt es ja fast überall nur noch WLAN.)

Interessant, dass die runde Form und Grün als Grundfarbe sich so oft wiederfinden. Woher die Inspiration wohl kommt?

Und dann habe ich beim recherchieren googeln noch diese Hausarbeit gefunden, die sich mit dem Markteintritt von Starbucks in Taiwan beschäftigt. Habe sie nur überflogen, der Autor scheint damals aber eher skeptisch gewesen zu sein:

In contrast to McDonald’s strengths, through which they have won the hearts of the youth in Taipei (providing tea), Starbucks is an organization that proposes drastic change for Taipei culture.


Aus Hongkong bin ich mittlerweile wohlbehalten nach Taipeh zurückgekehrt. Als ich am Gate auf den Rückflug wartete, wurde ich von einer Mitarbeiterin des Tourismusbüros ausgefragt. Einer der Punkte auf ihrem Fragebogen: „Würden Sie Hong-Kong als Pflicht-Ziel in Asien weiterempfehlen?“ Meine Antwort war ein klares Ja.

Das liegt nicht nur, aber auch an der Skyline von Hong Kong Island, die allein schon eine Reise lohnen würde. Besonders eindrucksvoll, wenn man per Fähre übersetzt.

Das gilt erst recht nach Einbruch der Dunkelheit. Jeden Abend gibt es eine 20-minütige choreographierte Lichtshow, in der die Wolkenkratzer funkeln und glitzern wie die Lampen einer gigantischen Jukebox. Die Lichttechnik über eine Strecke von mehreren Kilometern zu vernetzen, ist schon eine Leistung für sich. In Hongkong gibt es übrigens angeblich mehr Wolkenkratzer als in New York.

Unmittelbar nach diesem Bild ist mein Akku aus der Kamera heraus- und ins Hafenbecken hineingefallen. Wenigstens hat es sich gelohnt.

Hongkong ist noch viel dichter bebaut und besiedelt als Taipeh, das man durchaus auch als Großstadt-Moloch bezeichnen kann. Häuser mit zehn Stockwerken sind klein, mit 20 Stockwerken völlig normal und mit 30 nichts Besonders.

Die Aussicht vom Victoria Peak ist legendär. Man fährt mit einer Bergbahn hoch, die schon 1888 von den Engländern gebaut wurde und fast unverändert ist. (Sie ähnelt der Bahn am Neroberg in Wiesbaden, falls das jemandem was sagt.)

Mein Hotel war in Kowloon, das ist die Halbinsel gegenüber, auf der anderen Seite des Hafens. Und nein, es war nicht so ein Hotel:

Klingt wie ein Klischee, ist aber so: In der Stadt ist ständig Betrieb, ob Tag oder Nacht.

Das derzeit höchste Haus von Hongkong ist das Two International Finance Centre.

88 Stockwerke, darüber können wir in Taipei allerdings nur müde lächeln…

Die Chungking Mansions in Kowloon sind berühmt-berüchtigt. Unten drin: ein Labyrinth schmuddeliger Ladenzeilen. In den oberen Stockwerken: Hotels der Oberklasse fragwürdige Pensionen und sonstige Billig-Unterkünfte. Der Reiseführer sagt: „Everybody should come here once.“ Das reicht dann aber auch…

Am Hafen, direkt neben den Fährterminals, wird fleißig gebaut. Hongkong ist angewiesen auf Gastarbeiter, vor allem aus Indonesien und von den Phillipinen. Die Männer schuften auf dem Bau, die Frauen als Hausmädchen.

Jeden Mittwoch abend trifft sich die halbe Stadt (nicht ganz, das wären mehr als drei Millionen…) auf der Pferderennbahn. Links, das ist die neunstöckige Zuschauertribüne.

Ein Tagesausflug nach Macao war im Reisebudget auch noch drin. Mit der Fähre fährt man knapp zwei Stunden. Die frühere portugiesische Kolonie gehört ebenso wie Hongkong mittlerweile zur Volksrepublik China – als Sonderverwaltungszone.

In der Altstadt (Unesco-Weltkulturerbe) gibt es einige Ecken, die sehr an Südeuropa erinnern. Macao ist daher auch bei Festland-Chinesen ein extrem beliebtes Reiseziel. Und natürlich wegen der dutzenden Kasinos, die die Stadt zum Las Vegas Asiens machen. Mittlerweile macht Macao Las Vegas sogar Konkurrenz, was die Höhe der Spielbank-Umsätze angeht.

Als Wahrzeichen von Macau (und beliebtes Fotomotiv) gilt die Ruine der Pauluskirche aus dem 17. Jahrhundert. Da steht wirklich nur noch die Fassade, aber die ist sehr hübsch.

Wer weiß, vielleicht wird die Kirche als Wahrzeichen irgendwann abgelöst von größenwahnsinnigen Casino-Hotels wie diesem, die alles andere überragen.