Taipeh Flüge jetzt buchen EVA AIR

 

Archive for September, 2008

Immer wieder klatschen heftige Regengüsse ans Fenster, der Wind heult, im Fernsehen laufen Sturmwarnungen rauf und runter, und kein Mensch ist auf der Straße: Taiwan bereitet sich auf den Taifun Sinlaku vor. Der kommt von Osten auf die Insel zu und soll morgen (Sonntag) die Nordküste streifen.

Die Geschäfte sind geschlossen, Züge fahren nicht, Flüge fallen aus. Das nennen die Taiwaner „typhoon vacation“. Dumm nur, dass gerade Wochenende ist, so haben die meisten Menschen nichts davon.

Co-Bloggerin Susi hat sich heute sogar mal vor die Tür getraut.

Unten rechts steht: 沒事不要外出。méi shì bú yào wài chū. „Wenn Sie keinen guten Grund haben, gehen Sie nicht nach draußen!“ Hurrah, ich kann Chinesisch lesen!   🙂

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Das chinesische Wort für „Taifun“ ist übrigens 颱風 – also tái fēng. Das Wort „Taifun“ stammt offenbar sowohl aus dem Griechischen als auch aus dem Chinesischen – Zufälle gibt’s!

Und ganz am Rande: 風 – also fēng – heißt „Wind“ und ist das selbe Wort wie in „Feng Shui“. Das wiederum bedeutet „Wind und Wasser“ und wird eigentlich ungefähr so ausgesprochen: fong schüey. Die „eingedeutschte“ Aussprache sorgt hier für Unverständnis und/oder Erheiterung.


Auch so ein Beleg für den hohen Lebensstandard in Taiwan: Die Krankenversicherung. 1995, noch vor der endgültigen Demokratisierung, des Landes, hat die Regierung sie eingeführt. Heute ist jeder drin, und sie kostet auch nicht viel. Als ich im Frühjahr hier studiert habe, hätte ich als Ausländer für drei Monate umgerechnet ca. 35 Euro zahlen müssen (allerdings hatte ich schon eine teurere deutsche Auslands-KV).

Hier stehen einige offizielle Infos der Regierung zur Krankenversicherung (PDF).

Wie gut ist das System? Der amerikanische nichtkommerzielle TV-Sender PBS hat anlässlich des US-Wahlkampfs ein interessantes Dossier ins Netz gestellt: Sick around the World. Da werden die Systeme von fünf „kapitalistischen Demokratien“ (Großbritannien, Deutschland, Japan, Schweiz und eben auch Taiwan) vorgestellt und daraufhin abgeklopft, ob die USA sich nicht daran orientieren könnten. Denn so eine Krankenversicherung für alle, das wär‘ doch mal was…

Da gibt es z.B. ein interessantes Interview mit Experten:

„The government wanted to bring health insurance to everyone, so now they have achieved that. … They like to joke that the only one that doesn’t have health insurance is the jail population in Taiwan. … So from that perspective, they succeeded fabulously.“

Man hört immer wieder, dass Solidarität in konfuzianischen Gesellschaften wie der Taiwans nicht besonders ausgeprägt sei, um es mal vorsichtig auszudrücken. Die Krankenversicherung scheint mir ein Gegenbeispiel zu sein. Vielleicht kann jemand dazu kommentieren, der das Land besser und länger kennt als ich? Ich bin gespannt.

(Nachtrag: Noch ein interessanter Artikel zu dem Thema.)

(Und noch einer.)

Auch Scooter-Fahrer sind in Taiwan krankenversichert. Ist auch besser so…


Es wird Zeit, dass ich mal auf Ludigel’s Formosa Blog hinweise. Der Autor ist IT-Experte und lebt seit Jahren in Taipeh. Leider ist er zur Zeit in Frankfurt, so dass ich ihn noch immer nicht treffen konnte.

Ludigel schreibt regelmäßig, immer interessant, deutsch wie englisch, und auch kritisch über viele Aspekte des Lebens in Taiwan.

Besonders aufschlussreich fand ich diesen Eintrag über den Lebensstandard in Taiwan. In Deutschland ist teilweise ja wohl die Vorstellung verbreitet, hier sei die dritte Welt mit Bambushütten, Massenverelendung und Seuchen an jeder Straßenecke. Ist aber gar nicht so! Taiwan ist eines der wohlhabendsten, technisiertesten und modernsten Länder Asiens. Und wer den Text liest, wundert sich auch nicht mehr, dass fast alle viele Häuser trotzdem so aussehen:

Trotzdem bleiben große Unterschiede, meint er in diesem Text über die Chancen der Regierung Taiwans, mehr ausländische (westliche) Fachkräfte ins Land zu holen. Sein Urteil:

„The attractiveness of living in Taiwan depends on how far you can separate yourself from the living conditions of the average Taiwan office worker.“


MEHR INFOS ZUM Kabel 1-BERICHT „MEIN NEUES LEBEN“ ÜBER MICHAEL WENDEL VOM 7.9.2010 STEHEN HIER.

Das ist Michael Wendel. Eigentlich wollte er die Bäckerei seines Vaters in Ludwigshafen-Oggersheim übernehmen. Dann kam er nach Taiwan und blieb hier. Nun hat er seit fast zehn Jahren eine Bäckerei in Taipeh, samt Restaurant: Wendel’s German Bakery & Bistro. Da habe ich ihn besucht.

Was er mir erzählt hat, daraus habe ich einen Beitrag für Radio Taiwan International gemacht, den deutschsprachigen Auslandssender. Ihr könnt ihn Euch hier als MP3 anhören.

Was Wendel sich in Taipei aufgebaut hat, ist recht beeindruckend. Ich bin ja durchaus zunächst skeptisch, wenn es um Klein-Deutschland im Ausland geht („Man spricht Deutsh“), aber Wendel setzt nicht nur auf deutsche Expats, die dem heimischen Essen nicht trauen, und schon gar nicht auf Touristen. Er ist auch so etwas wie ein Kulturbotschafter für Taiwaner, die sich dem deutschen Wesen übers Essen nähern möchten. Und das macht er durchaus charmant.

Außer Schwarz-, Roggen- und Vollkornbrot gibt es bei Wendel in Restaurant und Biergarten auch Spargelwochen, Oktober- und Pfälzer Weinfeste, EM auf Großleinwand, Menus à la carte. Außerdem Haribo, Maggi, Leberwurst & Co.

Dann also: guten Appetit! 慢慢吃。