Es hat sich mal wieder einiges an interessanten Links angesammelt.

  • Dieses Video zeigt recht anschaulich, wie Polizisten beim Besuch eines chinesischen Unterhändlers in Taipeh taiwanischen Demonstranten ihre eigene Nationalflagge aus den Händen gerissen haben, während Flaggen der Volksrepublik China offenbar gezeigt werden durften. Eine in vielerlei Hinsicht absurde Situation: Eigentlich ist die rot-blaue Flagge der Republik China bei Befürwortern der taiwanischen Unabhängigkeit gar nicht besonders beliebt, weil die weiße Sonne auf blauem Grund zugleich das Emblem der Regierungspartei Kuomintang ist.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=6yM91fiv0Xk&hl=de&fs=1]

  • Solche Aktionen kennt man sonst eigentlich nur von Chinesen, die irgendwo im Ausland allergisch auf Taiwans Flagge reagieren und dann gerne mal handgreiflich werden, so wie hier 2006 bei den International Children’s Games in Thailand:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=OaB6QSUmtBo&hl=de&fs=1]

  • Die USA Today hat ein Interview mit Präsident Ma Ying-jeou geführt. Nach den Aktionen der Polizei wird nicht gefragt.
  • Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Verteidigungs-Staatssekretär Klaus Rose, einer der eher wenigen Taiwan-Experten in der deutschen Politik, schreibt über die heikle gegenwärtige Situation u.a.: Präsident Ma („Pferd“) muss aufpassen, nicht zu sehr in den Sog Pekings zu geraten und als „Trojanisches Pferd“ in die Geschichte Taiwans einzugehen.
  • Ein amerikanischer Film namens Formosa Betrayed ist gerade in Postproduktion. Er spielt im Taiwan der früher 80er und befasst sich u.a. mit den Machenschaften des damaligen KMT-Regimes unter Chiang Ching-kuo. Gefilmt wurde er aber nicht vor Ort, sondern in Bangkok:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=4IdsSnYIpHw&hl=de&fs=1]

  • Einige Ausschnitte aus aktuellen taiwanischen Kinofilmen, darunter der absolute Überraschungserfolg Cape No. 7, finden sich hier.
  • Bloggerin Konstanze macht sich Gedanken über die Gründe für die hohe Selbstmordrate in Taiwan: „Nach solchen Zahlen sieht man die allgemeine Heiterkeit und Freundlichkeit der Taiwanesen irgendwie mit ganz anderen Augen und fragt sich: Welche Tragödien verbergen die Leute wohl hinter ihrem steten Lächeln?“
  • Mit diesem Thema hat sich auch die BBC beschäftigt: Viele Eltern nehmen nicht nur sich das Leben, sondern auch gleich ihren Kindern.
  • Chinesische Touristen in Taiwan und ein unerwarteter Kulturschock: Taipei kommt ihnen im Vergleich mit Peking oder Shanghai ziemlich heruntergekommen vor.
  • Der Deutschlandfunk hat für eine Radioreportage ebenfalls eine Gruppe chinesischer Touristen in Taiwan begleitet (auch als Audio-Datei).
  • Das SZ-Magazin schreibt über Taiwans Yushan („Jadeberg“), mit 3952 Metern der höchste Gipfel Asiens östlich des Himalaya, höher auch als der Fujiyama in Japan. Zwei Drittel Taiwans sind Gebirge – deswegen sind die Küstenebenen so unglaublich dicht besiedelt.
  • Viele Taiwaner holen sich Frauen aus China und anderen ärmeren asiatischen Ländern wie Vietnam. Hier steht ein hochinteressanter Text über die Folgen für die Frauen, ihre Heimatländer und darüber, wie die Brautschau manchmal zur Fleischbeschau ausartet.
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7 Kommentare zu “ Dies und das aus Formosa (III) ”

  1. Alex sagt:

    Das erste Video zeigt zumindest sehr gut, wie die Medien in Taiwan äußerst suggestiv arbeiten: ständige Wiederholung eines sekundenlangen Vorfalls, der endlos wiederholt wird. Irgendwann denkt der Zuschauer, da waren Tausende, denen die Flagge weggerissen wurde….

    Das temporäre Verbot an der Fahrtstrecke des VR-chin. Gastes ist aufgrund der politischen Situation und Historie (auch der ROC-Flagge) aus Sicht der Führung verständlich, wenn auch recht unglücklich und ein Zeugnis von zu wenig Selbstvertrauen. Aber die ROC-Fahne ist für die VRC ein „rotes Tuch“ und sollte die Verhandlungen nicht belasten.

    PS. Warum zeigst du nicht mal diesen Film? —
    http://www.youtube.com/watch?v=wRc0q9xQEQ4

  2. Chih Len sagt:

    Das erste Video kann eine Fälschung sein, damit die DPP Anhänger es weltweit verbreiten können. Diese Leute, also eigentlich meine Landsleute, wollen nur die Unhängigheit Taiwans von China haben, wollen aber die Korruption vom letzten Präsidenten Chen gar nicht diskutieren.

  3. Klaus sagt:

    Nun ja, Verschwörungstheorien in Ehren, aber es gab in Sachen „Flaggenverbot“ nicht nur dieses Video, sondern unmittelbar nach den Protesten vergangene Woche eine Vielzahl von Augenzeugenberichten über derartige Vorfälle.

    Hat sich denn die Polizei in Taiwan noch nicht zu diesen Bildern geäußert? Die Beamten sind doch eindeutig zu identifizieren, so müsste sich belegen lassen, ob sie „echt“ sind.

    Zur Frage „Wer möchte hier eigentlich von was ablenken?“ kann ich nur diesem Kommentar von Mit-Leser Heiko zustimmen:
    http://taipeh.wordpress.com/2008/11/07/der-polizeistaatsbesuch/#comment-358

  4. Klaus sagt:

    @Alex: Schöner Tourismus-Werbefilm, an den hatte ich lange nicht mehr gedacht. Steht jetzt in der Link-Leiste.

  5. Jeannie sagt:

    Die Reporterin hat auf Chinesisch immer wiederholt, dass die Polizei die ROC Fahne „zerrissen“ hat. Ich habe das erste Video 3 mal angeguckt, allerdings sieht man die Szene „ueberhaupt nicht“, dass die Polizei die Fahnen zerrissen hat. Der Polizei-Chef hat danach zum Jounalisten gesagt, dass die Fahne waehrend der Unruhe von beiden Seiten zerrissen ist. Das ist aber schon glaubwuerdiger als die Worte der Reporterin.

    Es ist den meisten Taiwanesen bewusst, dass diese TV Sendung ganz „gruen“ und „PPD-freundlich“ ist und oft nicht die „ganze“ Wahrheit und Tatsache berichtet. In dieser Sendung wird meistens nur ein Teil der Tatsache gezeigt und dann werden Kommentare nicht neutral gemacht. Ab und zu ist es nur eine „Vermutung“ oder „Phantasie“ der Jounalisten.

    Diese Sendung ist eigentlich etwas aehnlich wie die Bild Zeitung in Deutschland. Wenn man die beiden Medien so vergleicht, koennen die Deutschen vielleicht die Qulitaet dieser taiwanesischen Sendung gut verstehen.

    Was ich tarurig finde, ist, dass die Taiwanesen noch solch eine unneutrale Media existieren lassen, die ab und zu beim Berichten luegt. Aber na ja, in der Bild Zeitung steht auch manchmal Quatsch und phantasiereiche Berichte, und die Deutschen lassen es auch. Mit einem Wort, solche Medien (Zeitung und Sendung) finden schon ihre eigene Zielgruppe.
    Was ich schade finde, ist, dass die Deutschen sich ueber die falsche Tatsachen ueber Taiwan durch das Video bzw diese Sendung informieren.

    Stell Euch vor, dass eine taiwaneische Sendung ernsthaft ueber ein Quatsch von der Bild Zeitung ueber Deutschland in Taiwan berichten wuerde, dann wuerden viele Taiwanese auch denken „Oh, wie doof ist Deutschland!“

    Nach der Fahne-Unruhe hat der jetziger Praesident Ma offiziell erkuendigt, dass jeder Taiwanese mit einer ROC Fahne auf die Strasse gehen darf. Deshalb verstehe ich nicht, warum die PPD Anhaenger danach diese Fahne-Unruhe immer wieder „vermarkten“ wollen. Meiner Meinung nach verwenden sie diese Sache nur als „Marketing tool“, was die Wahrheit nicht ganz darstellt.

    Ich bin eine Taiwanese und liebe Taiwan, allerdings bin ich der Meinung, dass Berichte von Medien neutral und kein Betrug sein sollten.

  6. Klaus sagt:

    @Jeannie:

    Herzlich willkommen hier. Zuerst mal erblasse ich vor Neid vor Deinem Deutsch und wünschte mir, auch nur ein Zehntel so gut Chinesisch zu sprechen. Aber ich arbeite dran!

    Nun weiter. Was ist denn mit dieser Sendung, ist das auch DPP-Propaganda:
    http://www.youtube.com/watch?v=KJMGxUxP2zg

    Ich kann die Übersetzung „zerrissen“ nicht nachvollziehen, aber Tatsache ist: Man sieht Polizisten, die Demonstranten mit Gewalt die Nationalflagge wegnehmen. Außerdem ist hinterher die Fahnenstange durchgebrochen. Wie bewertest Du denn diese ganze Szene?

    Wenn Präsident Ma gesagt hat, jeder darf die Fahne überall zeigen, dann müssten nun doch wohl die Polizisten bestraft werden?

    Ich habe noch eine (ganz eindeutig parteinehmende) Version mit englischen Untertiteln gefunden, aber wahrscheinlich sind die auch wieder falsch übersetzt…
    http://www.youtube.com/watch?v=xNvwGYORiA4

    Was ich tarurig finde, ist, dass die Taiwanesen noch solch eine unneutrale Media existieren lassen, die ab und zu beim Berichten luegt.

    Was wäre denn die Alternative? Weniger Pressefreiheit, mehr Zensur? Fast alle Medien in Taiwan sind „blau“ oder „grün“, liegt nicht dort das eigentliche Problem?

    Stell Euch vor, dass eine taiwaneische Sendung ernsthaft ueber ein Quatsch von der Bild Zeitung ueber Deutschland in Taiwan berichten wuerde

    Ich habe dieses Jahr fast fünf Monate in Taiwan gelebt und fleißig (englischsprachige) Zeitungen gelesen. Wenn dort überhaupt über Deutschland berichtet wurde, dann fast immer in der Rubrik „Buntes“, mit irgendwelchen skurrilen Meldungen über seltsame Menschen, die irgendwelche seltsamen Dinge getan haben usw., also auch nicht gerade repräsentativ. Genau, wie in Deutschland leider auch eher über das Toiletten-Restaurant in Taipeh berichtet wird als über die taiwanische Innenpolitik.
    http://auslandsjournal.zdf.de/ZDFde/inhalt/28/0,1872,7126428,00.html

    Was ich schade finde, ist, dass die Deutschen sich ueber die falsche Tatsachen ueber Taiwan durch das Video bzw diese Sendung informieren.

    Ich fühle mich geschmeichelt, weil Du sagst, dass ich mit diesem popeligen kleinen Blog „die Deutschen“ informiere. Ich finde es auch schade, dass in deutschen Medien nicht viel häufiger über Taiwan berichtet wird. Aber zeigt nicht schon die Tatsache, dass Du hier kommentierst, dass jeder einzelne was tun kann?

  7. Ludigel sagt:

    Hihi, die hohen „Bekehrungsraten“ kommen auch dadurch zustande, dass die Menschen hier nicht so gerne nein sagen. Hoeflicher ist es dann, sich vorgeblich bekehren zu lassen.
    Oder es laeuft so, dass Mutter Maria ohne Jesus an die Stelle eines taiwan. Gottes tritt. So wie bei unserem Schwager und Familie, die Mutter Maria verehren, „aber nicht Jesus“, wie meine Frau erklaerte. Oder mein Frau benutzt Mutter Maria als Ersatz fuer eine taiwan. (chin.) Goettin, weil halt kein Tempel in Reichweite ist, wenn wir in Deutschland sind.
    Weniger laecherlich als WEISE, denn es gibt viele Wege zu Gott und wir machen uns alle unsere pers. Gottesbilder…

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