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Archive for Januar, 2009

Obama ist US-Präsident – was bedeutet das für Taiwan? Eine Frage, die Medien und Blogger seit Monaten beschäftigt. Vom „Ein-China-Prinzip“ wird seine Regierung jedenfalls nicht abrücken, zugleich weiter am „Taiwan Relations Act“ festhalten. Also China nicht verprellen, Taiwan nicht preisgeben.

Reicht das aus? Viele Taiwaner wünschen sich ein bisschen mehr „Change“ von einem Präsidenten, der als Idealist und Erneuer auftritt.

China Taiwan Hunde

Botschaft an die Regierungspartei Kuomintang: „Du würdest alles tun, um zu überleben!“ (Foto: G.W.)

Die der oppositionellen DPP nahe stehende Taipei Times schreibt in einem Kommentar:

If there is such a thing as a unitary Taiwanese voice, then perhaps this is what it would say to President Obama:

 

I honor and share your ideals, I wish to strengthen relations with an America that cultivates democracy and freedom and I have my own interests but they are not hostile to those of ordinary Americans. I reject despotism and the cynicism that flows from ossified structures of political patronage — and I ask humbly but urgently that you consider my international and military predicament with sympathy and act on it with resolve as necessary.

I wish China no ill, but the current Chinese government bears ill will for Taiwanese and scorns American values. My present government does not respect the fears of people who see little promise in a Chinese government that crushes human rights and exploits the poor even as it claims to champion both.

I am Taiwanese, and my identity is no less fundamental to my dignity and my future than that of a man who transcended hundreds of years of persecution of people of his kind to lead the most powerful and inspirational nation in the world.


Entweder beschäftigt die Regierung in Peking für alle Verlautbarungen in Sachen Taiwan einen ziemlich guten Satiriker, oder sie missachtet die Intelligenz der restlichen Menschheit ganz gewaltig.

Da sieht man etwa Chinas nationale Einheit durch „separatistische Kräfte“ in Taiwan gefährdet und bittet Obama, bloß keine Waffenlieferungen an Taipei mehr zuzulassen. Und man nennt Taiwan in einem Atemzug mit Regionen wie Tibet und Xinjiang, die weder de facto noch irgendwie sonst unabhängig sind und meines Wissens auch keine eigene Verfassung, Armee, Währung oder diplomatische Verbündete haben.

Stellvertretend für unzählige andere ist dieser Bericht über die Ausgabe der Konsumgutscheine in Taiwan auf einer Regierungs-Propagandawebsite auf putzige Art und Weise realitätsverfremdet:

  • „die chinesische Inselprovinz“ = Taiwan
  • „der Leiter der Taiwan-Behörde“ = der Präsident Taiwans
  • „Leiter der taiwanesischen Behörde für zivile Angelegenheiten“ = Taiwans Innenminister
  • „eine chinesische Win-Win-Situation“ = ???

Wahlurne und Kabinen

Gefährliche Taiwaner bei einer separatistischen Handlung: Sie wählen einen neuen Präsidenten Behördenleiter ( im März 2008 )

Nicht mehr ganz aktuell, aber bezeichnend: Peking hat eine neue Zensur-Offensive gegen Websites gestartet, die auf Landkarten China und Taiwan nicht in einen Topf werfen und sich damit illegal verhalten:

Certain websites have breached Chinese laws by making „two Chinas“. They regarded Chinese mainland and China’s Taiwan as two independent regions.“

„China’s Taiwan“, da muss man erst mal drauf kommen. Der Autor wurde bei Xinhua bestimmt zum Mitarbeiter des Monats gewählt.

(Nachtrag: Dass es bei Xinhua auch anders geht, nämlich ohne Wortverrenkungen, zeigt z.B. dieser Artikel über den Stand der „cross-Strait relations“.)

Betroffen war offenbar zumindest vorübergehend auch die BBC. Außerdem gibt es angeblich Propaganda-Schergen, die das Web durchstreifen und in allen möglichen Foren gegen Bezahlung regierungstreue Kommentare verfassen. (Ich warte…)

Aus gegebenem Anlass zitiere ich Jerome Keating, der seit langer Zeit in Taiwan lebt, einige Bücher über die Geschichte des Landes geschrieben hat und auch in seinem Blog an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt:

The bully is not the 1.3 billion people of China, but a small autocratic cabal that follows an outmoded paradigm and by force of arms, control of media and indoctrination manipulates the 1.3 billion for its benefit. It is all for their people’s own good and the world’s good of course.

Most other people don’t experience the immediate effects of the bully so they ignore it, but the twenty-three million people of democratic and free Taiwan have a different experience. Because of their close proximity to and past experiences with the bully, they know him well. Even with that, some in their midst who share the nature of the bully would rather join the bully than oppose him.

So the bully now dictates that it wants those twenty-three million free people of Taiwan and their land. The bully dictates that these people should not have representation in the United Nations (UN).

And what about the rest of the world? Well they can hear the cries of much smaller groups of people from East Timor, Kosovo, Macedonia etc. to be in the UN, but they can’t hear those of Taiwan.


Dass ein deutscher Fernsehjournalist unter amerikanischem Pseudonym Agententhriller schreibt, ist per se nicht unbedingt ein Kaufkriterium. Aber in diesem Fall hat das ganz gut funktioniert, und deshalb beginne ich das neue Blog-Jahr mit einem Lesetipp.

„Gelber Kaiser“ heißt ein Roman von Raymond A. Scofield, Raymond A. Scofield wiederum heißt eigentlich Gert Anhalt, ist Journalist beim ZDF und war für den Sender lange Jahre Korrespondent in Peking und Tokio. Außerdem schreibt er Romane, und offenbar keine schlechten.

Gelber Kaiser Cover

In „Gelber Kaiser“ spannt er gleich mal einen ganz großen Bogen vom Chinesischen Bürgerkrieg der 30er Jahre über die Kulturrevolution der 60er bis in die Gegenwart, in der China, Taiwan und die USA sich gegenseitig mit Agenten und Doppelagenten, Intrigen und Invasionspläne das Leben schwer machen.

Da gibt es einen amerikanischen Missionar, der von einem chinesischen Warlord ermordet wird, seinen Sohn, der unter Maos Kommunisten aufwächst und sich als 110-prozentiger Chinese fühlt, und dessen Sohn, der eine nicht ganz unwichtige Rolle bei der Verhinderung des dritten Weltkriegs spielt.

Es gibt fiese Folterkeller, fanatische Mao-Garden, illegale Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod und eine Menge Spione und Agenten, die alle mindestens ein doppeltes Spiel spielen.

Das alles klingt vielleicht ein wenig reißerisch, ist aber gekonnt geschrieben und nicht in dem platten Primitiv-Jargon gehalten, der manche Thriller schon nach den ersten zwei Seiten ungenießbar macht. Und es ist ziemlich spannend.

Dem Journalisten und Asien-Experten Anhalt ging es wohl mindestens so sehr um die Darstellung historischer Entwicklungen und politischer Konfliktlinien wie um die Agentenstory. Seinen Charakteren gibt er einiges an psychologischer Tiefe mit auf den Weg, und das tut dem (übrigens schon 1997 erschienenen) Buch gut.

Besonders schön, dass es auf allen Seiten – also China, Taiwan, USA – Schurken und Verräter gibt, und dass auch die positiven Figuren alle ihre kleinen und großen Schwächen haben.

Wer sich für die Geschichte Chinas interessiert, findet in „Gelber Kaiser“ eine recht eindrucksvolle (und blutige) Schilderung des Bürgerkriegs und der Kulturrevolution. Was für ein unvorstellbarer Wahnsinn sich damals abgespielt haben muss!

In Taiwan selbst spielen nur wenige Szenen des Romans, aber die militärischen Sandkastenspiele zur Eroberung der Insel, die offenen Rechnungen zwischen Kommunisten und Nationalisten, durchziehen die ganze Handlung. Von daher lesenswert auch für alle Formosa-Afficionados.

(Hier steht eine Spiegel-Rezension von 1998.)