Entweder beschäftigt die Regierung in Peking für alle Verlautbarungen in Sachen Taiwan einen ziemlich guten Satiriker, oder sie missachtet die Intelligenz der restlichen Menschheit ganz gewaltig.

Da sieht man etwa Chinas nationale Einheit durch „separatistische Kräfte“ in Taiwan gefährdet und bittet Obama, bloß keine Waffenlieferungen an Taipei mehr zuzulassen. Und man nennt Taiwan in einem Atemzug mit Regionen wie Tibet und Xinjiang, die weder de facto noch irgendwie sonst unabhängig sind und meines Wissens auch keine eigene Verfassung, Armee, Währung oder diplomatische Verbündete haben.

Stellvertretend für unzählige andere ist dieser Bericht über die Ausgabe der Konsumgutscheine in Taiwan auf einer Regierungs-Propagandawebsite auf putzige Art und Weise realitätsverfremdet:

  • „die chinesische Inselprovinz“ = Taiwan
  • „der Leiter der Taiwan-Behörde“ = der Präsident Taiwans
  • „Leiter der taiwanesischen Behörde für zivile Angelegenheiten“ = Taiwans Innenminister
  • „eine chinesische Win-Win-Situation“ = ???

Wahlurne und Kabinen

Gefährliche Taiwaner bei einer separatistischen Handlung: Sie wählen einen neuen Präsidenten Behördenleiter ( im März 2008 )

Nicht mehr ganz aktuell, aber bezeichnend: Peking hat eine neue Zensur-Offensive gegen Websites gestartet, die auf Landkarten China und Taiwan nicht in einen Topf werfen und sich damit illegal verhalten:

Certain websites have breached Chinese laws by making „two Chinas“. They regarded Chinese mainland and China’s Taiwan as two independent regions.“

„China’s Taiwan“, da muss man erst mal drauf kommen. Der Autor wurde bei Xinhua bestimmt zum Mitarbeiter des Monats gewählt.

(Nachtrag: Dass es bei Xinhua auch anders geht, nämlich ohne Wortverrenkungen, zeigt z.B. dieser Artikel über den Stand der „cross-Strait relations“.)

Betroffen war offenbar zumindest vorübergehend auch die BBC. Außerdem gibt es angeblich Propaganda-Schergen, die das Web durchstreifen und in allen möglichen Foren gegen Bezahlung regierungstreue Kommentare verfassen. (Ich warte…)

Aus gegebenem Anlass zitiere ich Jerome Keating, der seit langer Zeit in Taiwan lebt, einige Bücher über die Geschichte des Landes geschrieben hat und auch in seinem Blog an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt:

The bully is not the 1.3 billion people of China, but a small autocratic cabal that follows an outmoded paradigm and by force of arms, control of media and indoctrination manipulates the 1.3 billion for its benefit. It is all for their people’s own good and the world’s good of course.

Most other people don’t experience the immediate effects of the bully so they ignore it, but the twenty-three million people of democratic and free Taiwan have a different experience. Because of their close proximity to and past experiences with the bully, they know him well. Even with that, some in their midst who share the nature of the bully would rather join the bully than oppose him.

So the bully now dictates that it wants those twenty-three million free people of Taiwan and their land. The bully dictates that these people should not have representation in the United Nations (UN).

And what about the rest of the world? Well they can hear the cries of much smaller groups of people from East Timor, Kosovo, Macedonia etc. to be in the UN, but they can’t hear those of Taiwan.

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Keine Kommentare zu “ Neues aus Absurdistan ”

  1. Lara sagt:

    Also so etwas tut mir ja im Herzen weh, mein „armes“, kleines Taiwan…böses,böses China! (Hoffentlich werde ich dafür jetzt nicht verschleppt und tauche nie wieder auf, das täte mir ja schrecklich leid für meine Familie.)

    Hier ein „Hauch“ China in Taiwan: http://taiwantimes.wordpress.com/2009/02/01/huch-zensur/

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