Taiwan: Drogen, Deutsche und die Todesstrafe

Aktualisierung: Seit April 2010 vollstreckt Taiwan wieder Todesurteile.

Eine Brücke von Kinmen nach China?

Zunächst ein kurzer Hinweis darauf, dass ich vor ein paar Tagen für tagesschau.de einen Text zum immer wieder beliebten Thema „Taiwan und China“ geschrieben habe. Diesmal geht es um eine mögliche Brücke zwischen der zu Taiwan gehörenden Inselgruppe Kinmen und dem Festland (PDF).

tagesschau.de Taiwan Brücke Kinmen China

Deutscher mit Drogen in Taiwan verhaftet

Und dann ist mir eine Meldung aufgefallen, nach der ein Deutscher Drogenschmuggler am Flughafen Taoyuan verhaftet wurde. Daraufhin habe ich selbst ein bisschen telefoniert und im Netz gestöbert, und das ist dabei rausgekommen:

Heroin für eine halbe Million Euro im Gepäck

Deutscher in Taiwan festgenommen – bei Drogenschmuggel droht Todesstrafe

Ein Deutscher ist in Taiwan mit mehr als 2,4 Kilogramm Heroin im Koffer erwischt wurden. Der Zoll am internationalen Flughafen von Taipeh entdeckte die Drogen bei einer Gepäckkontrolle. Drogenschmuggel nach Taiwan ist besonders riskant, denn in dem Land droht – zumindest theoretisch – die Todesstrafe.

Der Deutsche kam nach Polizeiangaben mit der taiwanischen Fluggesellschaft China Airlines aus Thailands Hauptstadt Bangkok. Er sei nach einem Zwischenstopp in Hongkong am Sonntag abend auf dem Taoyuan International Airport gelandet. Bei einer Durchleuchtung seines Gepäcks hätten die Beamten 2487 Gramm Heroin entdeckt – eine Menge mit einem Wert von umgerechnet mehr als einer halben Million Euro. Der Mann habe zunächst jede Aussage dazu verweigert, von wem er das Heroin erhalten habe und für wen es bestimmt sei.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Festnahme. Der Mann werde vom Vertrauensanwalt des Deutschen Instituts in Taipeh anwaltlich vertreten.

Die taiwanische Tageszeitung „United Daily News“ veröffentlichte ein Foto, das einen blonden Mann mit einer Plastiktüte zeigt, die vermutlich das Heroin enthält.

Taiwan: Warnung Flughafen Drogen Todesstrafe

Der mutmaßliche Schmuggler ist ein hohes Risiko eingegangen, denn die Einfuhr von Drogen kann in Taiwan mit der Todesstrafe geahndet werden. Darauf weist nicht nur ein unübersehbares Schild bei der Einreise am Taoyuan Airport hin. Auch das Auswärtige Amt warnt in seinen Reisehinweisen:

Die Einfuhr und der Besitz schon relativ geringer Mengen von Drogen kann zu hohen Freiheitsstrafen führen. Einfuhr und Besitz größerer Mengen sogar zur Todesstrafe.“

 

Todesurteile werden in Taiwan durch Erschießen vollstreckt. Allerdings ist in Taiwan seit mehr als drei Jahren niemand mehr hingerichtet worden. Nach Angaben des Deutschen Instituts, das in Taiwan anstelle einer Botschaft die deutschen Interessen vertritt, hat das Justizministerium ein inoffizielles Moratorium verhängt und unterzeichnet keine Hinrichtungsbefehle mehr. Zwar säßen derzeit noch etwa 30 zum Tode Verurteilte in Taiwans Gefängnissen. Dabei handle es sich aber ausschließlich um Personen, die wegen Tötungsdelikten verurteilt wurden.

Es gibt in Taipeh keine offizielle deutsche Botschaft, weil Berlin der „Ein-China-Politik“ Pekings folgt und keine diplomatischen Beziehungen mit Taiwan hat. Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan als Teil ihres Territoriums. De facto ist Taiwan jedoch ein selbstständiger Staat, der sich in den vergangenen 20 Jahren von einer Diktatur zur Demokratie entwickelt hat. Menschenrechtsgruppen fordern seit langem, dass Taiwan die Todesstrafe abschafft. Ein großer Teil der Bevölkerung hält sie jedoch nach wie vor für angemessen, um von Verbrechen wie Mord abzuschrecken.

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5 Kommentare zu “ Todesstrafe für Drogenschmuggel? Brücke Kinmen-China? ”

  1. Dezhong sagt:

    Zu dem tagesschau.de-Artikel kann man einfach nur gratulieren! Bei allem menschlichen Respekt gegenüber anderen Journalisten, die schon mal was zu Taiwan veröffentlicht haben, tut es gut zu sehen, dass sich hier jemand wirklich Arbeit mit der Recherche gemacht hat und nicht alle eingerosteten Formulierungen, die sich aus irgendwelchen Gründen seit Dekaden halten, aud Autopilot recycelt.

    Bitte mehr davon! 🙂

  2. Su sagt:

    Die betroffene Person wurde Ende März 2014 nach Deutschland abgeschoben und wird wohl zurück nach Asien reisen.

Trackbacks & Pingbacks:

  1. […] da wir gerade bei legalen Drogen sind (gestern ging es hier ja eher um Heroin), noch eine Meldung für Koffein-Abhängige:  Die Coffeeshop-Kette […]

  2. […] andere Vergehen verhängt werden. Verurteile werden erschossen. (Mehr Infos in Wikipedia.) Ich habe schon einmal dazu gebloggt. Langfristig plant Taiwans Regierung, die Todesstrafe abzuschaffen. Seit sie 2005 ein […]

  3. […] den Deutschlandfunk kann man hier anhören und nachlesen. Über die Todesstrafe hatte schon einmal hier und hier […]

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