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Archive for Mai, 2009

Eine halbe Million Menschen erwartet Taiwans Oppositionspartei DPP heute zu einer Großdemonstration in Taipeh. In mehreren Zügen ziehen die Menschen vor den Präsidentenpalast, um gegen die Politik von Präsident Ma Ying-jeou und seiner Partei Kuomintang (KMT) zu demonstrieren.

Kurz vor dem ersten Jahrestag von Mas Amtsantritt protestieren sie vor allem gegen seinen Kurs der Annäherung an China, den sie als zu rasch und schädlich für Taiwans Souveränität bezeichnen. Wichtige Abkommen hatte die KMT im direkten Dialog mit Chinas KP getroffen, also ohne gewählte Volkvertreter einzubeziehen. Außerdem plant Ma, ein Freihandelsabkommen mit China abzuschließen, ohne es durch eine Volksabstimmung ratifizieren zu lassen. Und schließlich steht eine Änderung des Versammlungsrechts an, die laut DPP (offizielles Blog) solche Massenkundgebungen in Zukunft unterbinden könnte.

DP 517 Demo

Gut zusammengefasst finden sich weitere Informationen bei Taiwan Matters, ebenso wie ein Youtube-Videoaufruf.

Solche Riesen-Demontrationen gab es schon mehrfach seit dem Amtsantritt von Ma. Weil die DPP im Parlament mit weniger als einem Drittel der Sitze derzeit wenig ausrichten kann, verleiht sie ihren Positionen auf diese Weise Ausdruck. Und erinnert damit natürlich bewusst an ihre Anfänge als unterdrückte Gegenbewegung zum KMT-Einparteienstaat, die mit Protestmärschen einen langen Marsch bis an die Spitze des Staates begann – und zurück in die Oposition.

Taipei Grossdemo

Übrigens wird Präsident Ma die Massen nicht vor der Tür seines Palastes aufmarschieren sehen. Er hat schon einen Termin in einer anderen Stadt.

Nachtrag: Ein Bericht mit Fotos von der parallel stattgefundenen Demo in Kaohsiung und weitere interessante Links bei Blickpunkt Taiwan.


Wenn an dieser Meldung auch nur die Hälfte wahr ist, werde ich mich ab sofort über gar nichts mehr wundern:

Die Kriminalpolizei von Taiwan arbeitet an Plänen, Polizisten aus der Volksrepublik China in Taiwan zu stationieren (und umgekehrt) – angeblich, um gemeinsam Kriminalität besser bekämpfen zu können.

Diese Wahnsinnsidee hat das Crime Investigation Bureau (unbedingt mal die Website ansehen!) nun Präsident Ma und den Gremien, die mit China verhandeln, zur Überprüfung vorgelegt. Sie könnten theoretisch z.B. bei den Cross Strait Talks, also den Verhandlungen mit China, Ende des Jahres auf den Tisch kommen.

Das muss man sich mal vorstellen: Auf der einen Seite ist eine demokratische Nation. Auf der anderen Seite eine Diktatur, die ständig mit Krieg droht und Menschenrechte mit Füßen tritt. Und nun soll die Demokratie sich freiwillig und ohne Not Schergen dieses Regimes ins Land holen?

Das wäre ungefähr so, als hätte Polens Polizei im Frühjahr 1939 Kollegen der Gestapo eingeladen, um in Danzig gemeinsam nach Zigarettenschmugglern zu fahnden. (Ich bitte um Entschuldigung für die Bemühung von Godwins Gesetz, aber hier passt es.)

Bin sehr gespannt, ob dieser Wahnwitz nun von der KMT-Regierung schleunigst in der Luft zerrissen wird. Ansonsten kann Ma m.E. die Schlüssel zum Präsidentenpalast auch gleich selbst in Peking abliefern.

Flagge einholen

Taiwan: Der letzte holt die Flagge ein?

Michael Turton malt den Teufel an die Wand: Was wäre, wenn chinesische Polizisten in Taiwan Verhaftungen durchführen können?

„(…) recall the tale of Wang Bingzhang, the PRC dissident now doing life in China. He was kidnapped by Chinese secret agents in 2002 in Vietnam and dragged off to China. If the Chinese aren’t going to scruple at taking people from Vietnam… and they have precedent: the US rendition program, our illegal kidnap and torture program. Not merely a US national shame, it also creates a legal precedent for similar PRC activities. We can hardly criticize the PRC if Tsai Ing-wen (Taiwans Oppositionsführerin) disappears in the night.

And don’t forget, the Chinese will then have access to all the information that local police have access to, in the very least. That, I suspect, will be far more interesting and useful to PRC intelligence than Ruan Ming or Wuerkaixi (zwei Chinesische Dissidenten, die in Taiwan leben). Or even Tsai Ing-wen.“


Die taiwanische Kandidatin Clare hat beim Wettbewerb um den „besten Job der Welt“ in Australien nicht gewonnen. Obwohl sie beim Casting offenbar eine gute Figur gemacht hat und ja auch mit einem prima Bewerbungsvideo ins Rennen gegangen war.

Clare hat über die Erlebnisse während Ihrer Bewerbung und den ganzen Medienrummel auch ein Blog geführt. Und hier ist ihre „offizielle“ Kandidatenseite.

Das Ganze war natürlich primär eine ungemein clevere Werbekampagne. Die Idee des Tourismus-Büros von Queensland, auf diese Weise weltweit Aufmerksamkeit zu erzeugen, war brillant. Kaum ein Medium, das nicht angebissen hätte.

Der beste Job von Taiwan?

Können wir auch, denkt sich nun das Taiwan-Tourismusbüro und kopiert die Aktion einfach. Mit Unterschieden im Detail: Zunächst werden 50 Zweierteams für vier Tage nach Taiwan eingeladen. Wer den originellsten Reisebericht dreht, gewinnt eine einmonatige „Taiwan-Luxus-Reise“ sowie 22.000 Euro für die Reisekasse. Bewerbungen sind online ab Juni möglich.

Wer auch immer dabei mitmacht – hoffentlich berichtet er interessanter als diese beiden Studenten, die schon mal als „Taiwan-Scouts“ eingeladen wurden.

Auch die Taiwan-Aktion wird von deutschen Medien aufgegriffen, sogar von solchen. Und der Einstieg zeigt genau, woran es bei Taiwans Tourismus-Image noch hapert:

In Taiwan arbeiten? Das klingt nach Computerfabrik oder Bankwesen – jedenfalls nicht nach verträumten Wanderungen durch nebelverhangene Schluchten mit gelegentlicher Rast an einer Pagode.

Dabei gibt es das natürlich alles. Man muss es nur wissen.

Bergpanorama

Also drücke ich dem Tourismusbüro die Daumen, dass auch diese Aktion auf Interesse stößt. Damit ich in Taiwan öfter mal Westler treffe, die nicht als Englischlehrer im Land sind, sondern als Touristen.

(Tourismus-relevante Einträge: Kurzaufenthalt in Taipeh / Sonne-Mond-See / Taroko-Schlucht)


Die kleinste wirtschaftliche Einheit: Der Mensch

So überschreibt das sehr feine Wirtschaftsmagazin Brand Eins seine Rubrik „Mikroökonomie“, in der jeden Monat irgendein Mensch aus irgendeinem Land der Welt vorgestellt wird.

Und zwar unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten: Unter welchen Bedingungen arbeitet er, was verdient er, wie viele Steuern muss er zahlen? Kann er sich ein Auto leisten, worauf spart er und wohin fährt er in den Urlaub?

Aus den Antworten auf diese Fragen entsteht im besten Fall ein Gespür dafür, wie es sein könnte, in diesem Land zu leben.

Und weil die Welt so groß und vielfältig ist, lernt man in dieser Rubrik einen Robbenjäger in Neufundland ebenso kennen wie eine Rechtsanwältin in Nicaragua, eine Lehrerin in Tibet oder eine Kioskbetreiberin in Portugal.

Da dachte ich mir, wieso sollte in so einer schönen Rubrik nicht auch Taiwan vorkommen? Und siehe da, fragen kostet nichts und bringt manchmal sogar was: Eine Grafikdesignerin in Taiwan.

Grafikdesignerin Taiwan

Katie ist die gute Freundin einer guten Freundin und war so nett, mir ein paar Fragen zu beantworten und dabei quasi ihren Geldbeutel offen zu legen. Vielen Dank!

Wie sie in dem Text erwähnt, fotografiert sie gerne und ziemlich gut. Hier findet sich einige ihrer Bilder.

Fotografin Taiwan

Leider keinen Platz mehr gefunden im Heft haben die letzten beiden Punkte des Gesprächs:

  • Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?
    Dann würde ich noch mehr auf Reisen gehen, andere Länder und Kulturen kennen lernen. Wenn man weiß, wie die Menschen woanders denken, erweitert das den eigenen Horizont. Ich mag Kunst und würde mir gerne alle wichtigen Kunstmuseen in Europa ansehen. Und ich möchte den Yu Shan, den „Jadeberg“ in Taiwan besteigen, das ist mit 3.952 Meter der höchste Berg in ganz Ostasien.
  • Die meisten Länder der Welt erkennen die „Republik China“, wie Taiwan offiziell noch immer heißt, nicht als Staat an – auf Druck der Volksrepublik China.
    Wenn ich im Ausland bin, wissen viele Leute nichts über Taiwan und unsere Demokratie. Sie halten Taiwan für einen Teil von China oder verwechseln es mit Thailand. Auf Geschäftsreise in China hat ein Kollege einmal bei der Einreise als Herkunftsland „Taiwan“ angegeben. Da hat die Beamtin den Zettel zerrissen und ihn angefahren, er müsse „China“ schreiben. Unser neuer Präsident will engere Beziehungen mit China. Aber ich mache mir Sorgen, dass wir uns dann dem Festland immer mehr angleichen.

Um Arbeitsbedingungen, Verdienst und Lebenshaltungskosten in Taiwan ging es hier im Blog vor einiger Zeit schon einmal.