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Archive for Juni, 2009

Mehr als Blasentee: Wie der Bubble Tea nach Deutschland kam

Im Jahr 2009 war ich meiner Zeit voraus! Mein erster Bericht über Bubble Tea, als er in Deutschland noch quasi unbekannt war:

Bubble Tea jetzt auch in Hamburg

Unglaublich – kaum bin ich von Hamburg nach Taiwan gezogen, machen Taiwaner in Hamburg einen Laden für Bubble Tea auf – schreibt die Welt.

Ihr Daheimgebliebenen, auf geht’s! Wer Bubble Tea nicht kennt, hat Taiwan verpennt.

Man nennt dieses leckere Getränk übrigens auch 珍珠奶茶 zhenzhu naicha oder Perlen-Milchtee. Die „Perlen“ sind Kugeln, die aus Tapiokastärke gekocht werden, eine Fruchtgummiartige Konsistenz haben und eigentlich nach nichts besonderem schmecken.

Sie werden durch extradicke Stohhalme aufgesaugt und schmecken nur, wenn sie frisch gekocht sind – wohl einer der Gründe, warum dieses Getränk sich bisher in Deutschland nicht so recht durchsetzen konnte.

Goeran Tee

Austauschschüler Göran ist in Taiwan auch auf den Geschmack gekommen. Man beachte die Getränkekarte in der Bildmitte.

Klassischerweise trinkt man sie aus oben zugeschweißten Halbliter-Plastikbechern mit kalten Milchtee, mehr oder weniger stark gesüßt, mit oder ohne Eiswürfel. Es gibt hier unzählige Variationen mit grünem Tee, Ingwer, Früchten usw. Und es gibt wirklich an fast jeder Straßenecke einen Laden. Ein Becher kostet um die einen Euro, meist weniger.

Mir schmeckt Bubble Tea am besten, wenn es so richtig heiß ist. Und im Moment ist es heiß. Ich glaube, ich gehe gleich mal raus…

Bubble Tea in Deutschland und Taiwan

Einige Informationen über Bubble Tea, die ich rückblickend im Jahr 2012 aufgeschrieben habe:

Hätte ich den Trend richtig eingeschätzt, hätte ich vielleicht ein Vermögen machen können. Oder auch nicht. Bei meiner ersten Taiwan-Reise 2008 fielen mir schnell zahllose kleine Geschäfte auf, die nichts anderes verkaufen als Tee-Mixgetränke. Vergleichbar mit kleinen Eiscafés hierzulande, manchmal auch nur mit einer Theke zum Straßenverkauf, sind sie vor allem für Schüler und Studenten beliebte Anlaufstellen.

Bubble Tea Taiwan Glass

Tapioka-Perlen im Tee

Absoluter Verkaufsrenner: Sogenannter Perlen-Milchtee, auch bekannt als Bubble Tea. In einem durchsichtigen Plastikbecher schwappt mindestens ein halber Liter Schwarztee mit Milch – meist kalt, je nach Witterung auch mit Eiswürfeln. Wer nun zum ersten Mal den extradicken Strohhalm durch die Deckelfolie stößt und kräftig ansaugt, erlebt eine Überraschung: Der Tee hat es in sich. Eine Handvoll fingernagelgroßer dunkler Kügelchen liegt auf dem Boden des Bechers, und eine nach der anderen schießt durch den Strohhalm in den Mund. Wie sie sich dort anfühlen, lässt sich schwer beschreiben: Schwabbelig, aber fest genug, um sie zu kauen – irgendwo zwischen Gummibärchen und Wackelpudding.

Diese „Perlen“ (oder Bubbles) sind im Idealfall ein ganz natürliches Produkt und werden mehrmals täglich frisch aus Stärke gekocht, die aus der Tapioka-Pflanze gewonnen wird. Dazu kommt auf Wunsch noch ordentlich Zucker, so dass ein „Bubble Tea“ kalorientechnisch durchaus eine Mahlzeit ersetzen kann. Im Sommer kaufe ich mir gern ab und zu einen Becher.

Wer erfand den Bubble Tea?

Um den Ursprung dieses Getränks ranken sich viele Geschichten, und mehrere Teehäuser nehmen für sich in Anspruch, Mitte der Achtziger den Perlentee erfunden zu haben. Zum Beispiel Chun Shui Tang (春水堂) in Taichung.

Chun Shui Tang Bubble Tea Taichung Taiwan 春水堂

Sicher ist, dass er Taiwan im Sturm eroberte und dann nach und nach in die Welt getragen wurde. Zunächst nach Kalifornien, wo viele Einwanderer aus Taiwan leben.

Als ich 2009 in Taipeh für den NDR einen Bericht über einen norddeutschen Austauschschüler drehte, ließ ich ihn auch Bubble Tea trinken und musste natürlich extra erklären, was das ist. (Video: Schüler auf Austausch in Taiwan)

Bubble Tea in Deutschland? Wer weiß…

Ob das auch in Deutschland ankommen würde? Eher nicht, dachte ich mir. Und wenn, dann nur während der Sommermonate und vielleicht auf Jahrmärkten. Also blieb ich dem Journalismus treu, statt aufs Perlenkochen umzusatteln.

Drei Jahre später sieht es so aus, als ob ich mich getäuscht habe. In Berlin, Hamburg und München sind in der letzten ein, zwei Jahren reihenweise Bubble Tea-Läden an den Start gegangen, und bei schönem Wetter stehen die Teenager Schlange. Sogar aus beschaulichen Städten wie Trier oder Karlsruhe werden Neueröffnungen gemeldet.

Natürlich freut es mich, dass Taiwan auf diesem Weg in der öffentlichen Wahrnehmung ein bisschen an Profil gewinnt. Trotzdem verkneife ich mir bei meinen Deutschlandbesuchen meist den Kauf. Das liegt zum einen am Preis. Wer in Taiwan den Becher für 50 Cent bekommt, gibt in Deutschland ungern drei Euro aus. Zum anderen scheinen die deutschen Trinker sich für möglichst abwegige Geschmacks- und Farbkombinationen zu begeistern, die in Taiwan völlig unbekannt sind. Im Litschi-Mango-Tee mit Kiwi-Joghurt-Perlen finden sich vermutlich mehr Farbstoffe als Tee.

Bubble Tea: Die Situation in Deutschland heute

Der Trend scheint mittlerweile im Abflauen, zu sein. Eine Marktbereinigung findet statt: Bubble Tea: Ist der Trend vorbei?

Nicht ganz unschuldig daran war die mediale Hysterie um angebliche Giftstoffe im Bubble Tea: Panikmache im ZDF, oder Gift im Bubble Tea?


Nun ist es offiziell: Ich lebe in der weltweit 62.-lebenswertesten Stadt. Diesen Platz belegt Taipeh jedenfalls in einer britischen Studie, die vor einigen Tagen ihre Runde durch die Medien gedreht hat (auch die deutschen).

Platz 62 also, von 140 berücksichtigten Städten. Nun ja, da ist eine Menge Luft nach oben wie nach unten. Mit einem Wert von 81,9 auf einer wie auch immer ermittelten o-100-Skala gebe es in Taipeh jedenfalls keine ernsthaften „living standard challenges“, so der Herausgeber der Studie in dem oben verlinkten Artikel.

Wo lebt es sich also am besten? Hier die Top 20:

  • Vancouver
  • Wien
  • Melbourne
  • Toronto
  • Perth & Calgary
  • Helsinki
  • Genf & Sydney & Zürich
  • Adelaide
  • Auckland
  • Osaka
  • Hamburg & Stockholm
  • Brisbane
  • Paris & Montreal
  • Frankfurt & Tokio

Wer am schlechtesten abgeschnitten hat, steht u.a. beim Economist, der die Studie in Auftrag gegeben hatte.

Kanadier und Australier müssen demzufolge sehr glückliche Menschen sein.

Nun sind solche Studien (ohne diese gelesen zu haben, sie kostet nämlich zum Download 250 US$) natürlich primär Blödsinn, geben gute Schlagzeilen, sagen aber wenig aus. „Frankfurt ist so lebenswert wie Tokio, aber nicht ganz so lebenswert wie Brisbane.“ – was soll uns das sagen?

Oder ist diese Einstellung jetzt nur Selbstschutz? Schließlich bin ich ja aus der 14.- in die 62.-lebenswerteste Stadt gezogen, während mein Bruder nach wie vor in der 17.-platzierten Stadt lebt.

Taipeh Park Shilin

Einer der wenigen Parks, die Taipeh so lebenswert machen

Der Vollständigkeit halber weitere interessante Platzierungen: Pittsburgh 29. (?!), Hong Kong 39., London 51., New York 56., Athen 63. (weniger lebenswert als Taipeh!), Moskau 69.

Von Hong Kong abgesehen, landen alle chinesischen Städte hinter Taipeh: Tianjin 72., Suzhou 74., Peking 76., Shenzhen 83., Shanghai 84. und so weiter. Das ist zumindest mal eine Genugtuung.

Geprüft wurden 30 Werte aus fünf Kategorien:

  • stability
  • health care
  • culture and environment
  • education
  • infrastructure

Ich vermute, dass Taipeh vor allem im Bereich „environment“ nicht so toll abgeschnitten hat. Vor allem nicht, falls man die Motorroller-Dichte pro Quadratmeter Straße in die Berechnungen mit einbezogen hat. Oder die Anzahl der öffentlich zugänglichen Papierkörbe.

(Auch lesen: Meinen Eintrag über den Lebensstandard in Taiwan.)

Vielleicht wäre es auch eine gute Idee gewesen, auf einer der wenigen freien Flächen mitten in der Stadt (gegenüber der Sun-Yat-Sen-Gedenkhalle, Google Maps) einen Park anzulegen, statt die Bäume abzuholzen, um dort in Kürze ein weiteres überflüssiges Einkaufzentrum hochzuziehen (mehr dazu hier).

Taipeh Strasse

Die 62.-lebenswertesten Straßen der Welt

Wie auch immer… was denkt Ihr, werte Leser? Glaubt Ihr solchen Untersuchungen? Was macht Eure Stadt lebenswert – oder nicht?


Wie schon mal erwähnt,  spielt Taiwan öffentlich-rechtliches Fernsehen und kopiert ein Erfolgsformat: den „Best Job in the World“ aus Australien.

Mittlerweile sind die Regeln veröffentlicht, und Teams können sich bewerben. Die offizielle Seite „The Best Trip in the World“ ist ganz gut gestaltet und lässt zunächst wenig Fragen offen.

101 Panorama Taipeh

Da steht zum Beispiel, dass die 50 Teams, die in die engere Wahl kommen, ihre erste Reise im Juli/August selbst finanzieren müssen – von einem Zuschuss von ca. 600 Euro mal abgesehen. Ob man so wirklich viele europäische oder sonstige ausländische Teilnehmer gewinnen kann?

Sehr schön finde ich diese Regel: „Entrants whose videos include images containing the word “Taiwan” will win extra points!“

Oder diese: „The Bureau will arrange for the entire tour itinerary to be covered by the media. The footage will be used in tourism promotions overseas. The winning team, during its one-month tour of Taiwan, will be required to visit designated national parks, national scenic areas and attractions to explore Taiwan’s distinctive characteristics—natural phenomena, ecological resources, culture, customs and cuisine.“

Das klingt ja so, als ob man sich so richtig austoben kann, um die 800.000 Taiwan-Dollar Preisgeld (ca. 17.000 Euro) auf den Kopf zu hauen.

PS: Ich bin jetzt wieder in Taipeh! Das wird sich auch zunächst mal nicht ändern.