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Archive for Februar, 2010

Taiwan und die Republik China

Im Jahr 2011 feiert auf Taiwan ein Staat Geburtstag, der in den Augen der Welt eigentlich gar nicht mehr existiert. Es ist die Republik China, kurz ROC. So lautet die offizielle Bezeichnung Taiwans. Einen Staat “Taiwan” gibt es nicht.

Mein Überblick: Taiwan. Geschichte und Politik.

Die ROC hat 1911 das chinesische Kaiserreich gestürzt. Sun Yat-sen heißt Ihr Gründervater, der in Taipeh in einer eigenen Gedenkhalle verehrt wird.

Sun Yat Sen Memorial Hall Taipei

Zur Ruhe kam der Staat, der sich als erste – der Verfassung nach – demokratische Republik Asiens bezeichnet, nicht. Es folgten Jahrzehnte des Chaos und Bürgerkriegs. Mit der Demokratie war es da nicht weit her.

1949 dann verlor die ROC mit ihrer allmächtigen Staatspartei Kuomintang den Bürgerkrieg gegen Mao Zedongs Kommunisten. Nur der Rückzug nach Taiwan, das ihr vier Jahre zuvor als japanische Kriegsbeute in den Schoß gefallen war, rettete sie noch einmal. Und die Unterstützung der USA, die halfen, das “freie China” zum Bollwerk gegen den Kommunismus auszubauen.

Die Republik China, zurechtgestutzt auf Taiwan, war Gründungsmitglied der UNO und hatte einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Demokratie gab es dennoch nicht. Statt dessen vier Jahrzehnte Kriegsrecht und Polizeistaat.

Erst in den neunziger Jahren wurde die ROC tatsächlich zur Demokratie. 1996 wählten die Menschen in Taiwan erstmals selbst ihren Präsidenten. Zum ersten Mal überhaupt bestimmte eine chinesisch geprägte Gemeinschaft ihr Staatsoberhaupt in freien Wahlen. Da hatte die ROC aber schon seit mehr als 20 Jahren ihren UN-Sitz verloren und war international isoliert – wegen der Besitzansprüche der Volksrepublik China.

Auf Taiwan wünschen sich viele Menschen eine neue, eigene Verfassung, die nicht mehr dem Festland verpflichtet ist. Doch der Weg dorthin ist versperrt.

Anti ROC demonstration Taiwan

Taiwans aktuelle Regierung identifiziert sich mit der Republik China. Die Vorbereitungen zu den Jubiläumsfeiern haben begonnen. 2011 wird das Jahr, in dem die ROC, dieser fast überall vergessene Staat, sich noch einmal groß in Szene setzen will.


Eine Reise von Taiwan nach Malaysia

Während Taiwans öffentliches Leben wegen des Chinesischen Neujahrsfests quasi zum Erliegen kam und die Nation sich mit roten Geldumschlägen beglückte, habe ich die kursfreie Zeit für einen Abstecher nach Malaysia genutzt.

Es gibt hier in der Region so viele Länder, in die man in weniger als vier Stunden und für weniger als 400 Euro fliegen kann – irgendwo musste ich ja anfangen.

Volksgruppen und Religionen in Malaysia

Malaysia ist für Touristen u.a. deswegen besonders interessant, weil sie hier auf einer einzigen Reise drei asiatische Kulturen/Volksgruppen/Religionen erleben können: Malaien (Muslime, 50-60% der Bevölkerung), Chinesen (Buddhisten, Taoisten etc., 20-25%) und Inder (Hindus, ca. 10%). Mit 27 Millionen Einwohnern ist Malaysias Bevölkerung nur wenig größer als die Taiwans.

Der Islam ist in Malaysia Staatsreligion, die meisten Frauen malaiischer Herkunft tragen Kopftuch. Für Muslime gilt neben der weltlichen auch eine religiöse Gerichtsbarkeit. (So, dass z.B. Frauen wegen vorehelichem Sex Stockhiebe erhalten können. Nicht gut.) Vom Islam lossagen können gebürtige Malaien sich so gut wie nicht.

Die Chinesen sind traditionell wirtschaftlich am stärksten, die Inder, einst von den Briten (Linksverkehr!) als Arbeitskräfte ins Land geholt, stehen weniger gut da.

Die Regierung hat die Parole „1Malaysia“ ausgegeben und verordnet ethnische Harmonie als erste Bürgerpflicht, aber natürlich gibt es trotzdem Spannungen. (Man suche mal nach den Stichworten „Allah + Malaysia + Katholiken“.)

Mein oberflächlicher Fünf-Tage-Eindruck ist aber ungetrübt. Das hervorragende Essen wird auch seinen Teil dazu beigetragen haben.

Petronas Towers in Kuala Lumpur

Symbol der Hauptstadt Kuala Lumpur sind die Petronas Towers, von 1998 bis zur Fertigstellung des Taipei 101 im Jahr 2004 die höchsten Gebäude der Welt. Dies ist die Aussicht vom Fernsehturm nebenan, der auf einem Hügel steht:

Petronas Towers in Kuala Lumpur, Malaysia

Ein paar Fotos der Malaysia-Reise habe ich bei Facebook eingestellt.

Felix Baumgartner springt von Wolkenkratzern

A propos hohe Häuser… woraus man so stößt: Der Österreicher Felix Baumgartner macht sich einen Spaß draus, runterzuspringen. Mit Fallschirm. Als Basejumper.

Zum Beispiel vom Taipei 101:

http://www.youtube.com/watch?v=CcO6oENpyBE

Den Fallschirm hatte er angeblich am Tag zuvor in der Decke der Toilette deponiert.

Und auch von den Petronas Towers:

Würde mich interessieren, ob Felix Baumgartner schon Einreiseverbot in die Vereinigten Arabischen Emirate hat.


Im Programm der Deutschen Welle lief mal wieder ein Radiobeitrag von mir. Thema sind die christlichen Missionare, die hier ein alltäglicher Anblick sind. Und die Frage, ob ihr strenges Glaubensverständnis zur sehr toleranten Tradition der Taiwaner passt, die meist zu den Göttern beten, von denen sie sich gerade etwas erhoffen.

Es fing alles damit an, dass ich mal aus Neugier ein paar Mormonen angequatscht hatte. (Da werden die sich gewundert haben – verkehrte Welt!) Mich interessierte, wie es sie nach Taiwan verschlagen hat und wie ihr Alltag hier aussieht.

Den Beitrag kann man hier in einer etwas längeren Form nachlesen.


Die Lieferung amerikanischer Verteidigungswaffen bringt Taiwan endlich mal wieder in den Fokus großer deutscher Medien. Nun ist auch auf Zeit.de ein lesenswerter Artikel erschienen: Gelbe Karte. Obama rüstet Taiwan auf – muss das sein? Ja!

Die Waffenlieferungen, vor allem aber die strategische Zweideutigkeit der USA sind also nicht nur eine Überlebensversicherung für Taiwan; sie haben China auch auf einen Weg der Annäherung gezwungen, den es andernfalls vielleicht gar nicht beschritten hätte.

Die Autorin Angela Köckritz hat selbst mal in Taiwan studiert. Eigene Erfahrung ist eben durch nichts zu ersetzen.

Auch hier treiben sich in der Kommentarspalte wieder die üblichen demokratiefeindlichen Witzfiguren herum. Und einige Nutzer, die wissen, wovon sie schreiben.


Hochinteressante Diskussionen im Forum von Spiegel Online anlässlich der US-Waffenlieferungen an Taiwan.

Da kommen sie alle zu Wort, die Faktenverdreher, Anti-Amerikanisten, China-Trolle und Nazi-Vergleicher. Und auch eine ganze Reihe vernünftiger, sachkundiger Stimmen. Falls einer von denen zufällig hier mitlesen sollte, bitte meldet Euch mal. (G.W., Dich kenne ich natürlich schon.)