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Archive for April, 2010

Kürzlich war wieder eine deutsche Delegation in Taipeh. Aus Weimar hatten sich der Oberbürgermeister samt Pressesprecher, die Sprecherin des Stadtrats sowie drei Professoren aufgemacht, um in Taiwan mit möglichen Partnerunis oder -städten in Kontakt zu kommen. Besonderes Augenmerk richteten sie dabei auf Tainan, das als Hort von Taiwans Kulturvergangenheit ja ganz gut zu Weimar passen würde. Ich habe die Delegation in der Kunsthochschule Taipeh abgepasst und dann diesen Artikel in der Thüringer Allgemeinen geschrieben.

Klassisches Weimar, moderne Taiwan-Kunst.

Eine Freundschaft (oder gar offizielle Partnerschaft) auf Städte-Ebene gibt es zwischen Deutschland und Taiwan m.W. bisher nicht. Lediglich Landkreise haben sich gefunden: Starnberg und Taipei County, der Erzgebirgskreis und Kaohsiung County. Interessante, ungleiche Paarungen.

Weil Taiwan normale diplomatische Beziehungen mit den meisten Staaten ja verwehrt sind, ist es kein Wunder, dass dman offenbar jede Gelegenheit wahrnimmt, wenigstens auf lokaler Ebene Kontakte zu knüpfen. Die Liste der Partnerstädte von Taipeh oder anderen Orten in Taiwan liest sich jedenfalls beeindruckend. Übrigens gibt es für Studenten, die aus einer von Taipehs 40+ Partnerstädten kommen und in Taiwan studieren, ein Extra-Stipendium. Ich kann mich nicht dafür bewerben, im Gegensatz zu Kommilitonen aus Seoul, L.A. oder Ouagadougou.

In den vergangenen Wochen sind einige recht lesenswerte englische Taiwan-Reiseberichte im Netz erschienen. Besonders gefällt mir „Taiwan, the world’s most underrated island“, denn der kanadische Autor schreibt zwischen dem Tourismus-Palastmuseum-Standardfüllstoff z.B. auch:

„Taiwan has been Dutch, Spanish, Chinese and Japanese. What it has never been is politically Taiwanese. (…) Today’s Taiwanese are decidedly not Chinese in attitude. They no longer talk of “reclaiming the mainland.” In fact, they are one of Asia’s successful democracies. Most of the Taiwanese I encounter simply shrug at the idea of politics. Sure they’d like to have a voice in the UN (China won’t allow that), but frankly they just wish China would stop pointing missiles their way or playing war games in the Taiwan Strait.“

Ein etwas häufigerer Anblick in Taiwan dürften in nächster Zeit britische Touristen werden, denn China Airlines hat eine Direktverbindung Taipei-London aufgenommen. Hintergrund ist, dass Großbritannien und Irland Taiwanern seit neuerem eine visafreie Einreise ermöglichen und viele nun die Chance wahrnehmen, zumindest diesen Teil Europas ohne Visa-Hickhack zu erleben. Sogar in den Kinos laufen Spots, in denen das Außenminsterium sich auf die Schulter klopft und vor Stolz strahlende Taiwaner davon berichten, dass ihr Reisepass im Ausland endlich mal tatsächlich für etwas gut war. Abwarten, wann auch Schengen-Europa samt Deutschland sich dazu durchringen kann, Taiwans Bürgern die Visa-Schikanen zu ersparen. Nebenbei bemerkt, im Gegenzug dürften dann bestimmt auch Deutsche visafrei länger als 30 Tage nach Taiwan kommen – 90 Tage, wie bei Briten und Iren, das wäre doch was!

Zur Feier der neuen Verbindung erschien jedenfalls auch ein Taiwan-Reiseartikel im Daily Telegraph. Ganz nett, einige brauchbare weiterführende Links (etwa zum Puppentheater-Museum), aber leider wird Taiwan in der Überschrift mal wieder hübsch plakativ auf die Formel des „anderen China“ reduziert.

Deutlich interessanter dann wieder dieser Bericht im Washington Life Magazine, weil auch mehr als ein Dutzend kurze Videos eingebunden sind. Der Autor scheint Taipeh in einer sehr ruhigen Zeit besucht zu haben:

„(…) drivers (mostly) follow traffic rules (even the scooters)“

Zum Thema „Taiwan und Tourismus“ ist in Taiwan Heute schließlich noch ein sehr interessantes Interview mit Jürgen Klemm, der seit Jahren in Taipeh ein Fünfsternehotel leitet und besser als viele Reisejournalisten oder Tourismus-Beamte begriffen hat, was Taipeh in den Augen westlicher Ausländer wirklich interessant macht:

„Die meisten Gäste, die in Taiwan und in China waren, sagen, Taiwan ist doch so viel besser. Taiwan hat viele Vorteile und Pluspunkte, versteht das aber nicht zu verkaufen. Was wählt da beispielsweise das taiwanische Tourismusamt als Logo? Taipei 101. In Shanghai stehen quasi 50 ähnliche Türme an der Wasserfront. Es ist mir unverständlich, wie kann ein neues Gebäude der größte Verkaufspunkt der Insel sein? Dafür gibt es auf Taiwan 250 Berge über 3000 Meter, auf den höchsten Bergen liegt Schnee, die Leute sind freundlich, aber das weiß kein Mensch! Jeder, der herkommt, ist positiv überrascht. Warum weiß das keiner? Weil man das falsch verkauft. Taiwan ist eine wunderschöne Insel, und ich habe Leute um die Insel geschickt, die hatten großartigen Urlaub. Leider hat sich hier keiner über die Vermarktung des Produkts Tourismus Gedanken gemacht.“


Der in Hamburg ansässige „Taiwan-Freundeskreis Bambusrunde e.V.“, erwähnenswert nicht zuletzt wegen seines Newsletters, weist auf eine weitere Taiwan-Veranstaltung in Deutschland hin:

Vom 17. April – 31. Oktober 2010 wird die Ausstellung „Taiwan – das Königreich der Schmetterlinge“ in der Schmetterlingsfarm Trassenheide auf der Ferieninsel Usedom zu sehen sein.

Die Ausstellung zeigt lebende Schmetterlinge aus Taiwan in der großen Tropenhalle, in Ergänzung mit Museumsausstellung von Präparationen und eine umfangreiche Bilderausstellung aus Taiwan. Im Insektenkino wird ein Film der Wanderfalter Taiwans mit Namen „Schmetterlingscode“ gezeigt.

Diese Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit Schmetterlingsfarm Trassenheide und der Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Büro Hamburg sowie der Zoologischen Gesellschaft in Taiwan organisiert.

Eröffnung der Veranstaltung ist der 17. April 2010 um 13.00 Uhr. Die Ausstellung wird voraussichtlich bis Ende Oktober 2010 in Europas größter Schmetterlingsfarm (Museumsteil), Wiesenweg 5, 17449 Trassenheide zu sehen sein. Informationen gibt es auch unter www.schmetterlingsfarm.de

Das ist natürlich eine prächtige Gelegenheit, auf diesen Blogeintrag hinzuweisen, den ich vor mehr als zwei Jahren verfasst habe, während meines ersten Taiwan-Aufenthalts. Da hat man uns Auslandsjournalisten-Stipendiaten quer durchs Land gefahren, damit wir sehen darüber berichten, dass man sich in Taiwan große Mühe gibt, Wander-Schmetterlinge vom Tod auf der Autobahn zu retten. Wenn ich mir ansehe, wie hier fröhlich weiter Industrieparks eröffnet und Flächen versiegelt werden, bin ich mir mittlerweile nicht mehr so sicher, wie ernst Taiwan es mit dem Umweltschutz wirklich meint.

Muss man kennen: Taiwan Heute

Wo wir gerade dabei sind, in der Vergangenheit zu wühlen: Tilman Aretz hat mich durch einen Blog-Kommentar darauf aufmerksam gemacht, dass die Regierung ihrem zweimonatlich erscheinenden deutschen Magazin Taiwan Heute eine neu gestaltete Homepage spendiert hat. Erhalten geblieben ist glücklicherweise die Archivfunktion, mit der sich alle Ausgaben im Volltext durchsuchen lassen – bis zurück zum Herbst 1988. Damals war Taiwans letzter Diktator Chiang Ching-kuo erst wenige Monate tot, und die gefürchtete Geheimpolizei Taiwan Garrison Command bestand noch. Bis zur Demokratie war es damals noch ein weiter Weg.

Obwohl (und manchmal auch weil) sie immer die ofizielle Meinung der jeweiligen Regierung wiedergeben, sind die 22 Jahrgänge Taiwan Heute eine unschätzbar wertvolle Fundgrube an Informationen zu fast allen denkbaren Taiwan-Themen. (Das gilt natürlich auch für das englische Gegenstück Taiwan Panorama.)