Interessante Veranstaltung am Wochenende:

Unter der Überschrift “Von Erzfeinden zu Blutsbrüdern”  (Chin: “世仇怎麼變密友”, Eng: “Who offers the first olive twig?”) findet am 30.10.2010 im Taipei-Salon eine Diskussion über die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen und die Entwicklung dieser beiden historischen Erzfeinde zu außergewöhnlich gut befreundeten Partnern in der EU statt.

Vortragen werden dazu die Generaldirektorin des Deutschen Instituts, Birgitt Ory, und der Leiter des Französischen Instituts in Taipei, Patrick Bonneville. Die Veranstaltung wird moderiert durch Frau Prof. Lung Yingtai.

30.10. (Samstag), 14:00-16:00 Uhr in der Yue-han Hall, Taipeh, Jinhua-Street, 110 (月涵堂會議廳,台北市金華街110號). Tel.: 02-33224907

Die gesamte Veranstaltung wird auf Englisch, ohne Verdolmetschung, durchgeführt.
Registrierung auf der Webseite der Lung-Yingtai-Stiftung ist empfohlen.

Hier stehen englische Infos.

Interessant, dass ausgerechnet die Lung-Yingtai-Stiftung diese Diskussion durchführt. Frau Lung (“Drache”) 龍應台 ist eine der bekanntesten Intellektuellen Taiwans und Professorin an einer Uni in Hong Kong. Sie stammt aus einer Festland-Familie und war unter Bürgermeister Ma Ying-jeou (dem jetzigen Präsidenten) Kultur-Stadträtin von Taipeh. Sie spricht sich für Demokratie und Eigenständigkeit Taiwans (bzw. der Republik China) aus. Allerdings sieht sie Taiwan dabei, so weit ich das verstehe, immer als Teil eines “chinesischen Kulturraums”, wie die derzeitige Regierung ja auch.

Ein Beispiel: Lungs vor einem Jahr international hoch gelobtes Buch “Großer Fluss, großes Meer” über den chinesischen Bürgerkrieg hat mit Taiwan direkt nur wenig zu tun, schildet es doch die Kämpfe zwischen Kommunisten und KMT auf dem Festland. Dennoch wurde Lung im Ausland als repräsentative Stimme Taiwans verstanden, und es entstand der Eindruck, als seien die von ihr geschilderten Ereignisse eine taiwanische Kollektiv-Erfahrung oder irgendwie konstituierend für Taiwans Selbstverständnis. (6 Millionen Menschen lebten bereits auf Taiwan und hatten mit dem Bürgerkrieg nichts am Hut, als 1949 die KMT mit nur 1,5-2 Millionen übersetzte.)

Das deutsch-französische Modell der Aussöhnung auf Taiwan und China zu übertragen, wie es die Wahl ausgerechnet dieses Themas für eine Diskussion in Taipeh naheliegt, würde natürlich voraussetzen, dass beide Seiten komplett getrennte Antagonisten mit völlig unterschiedlichen Hintergründen sind. Das sieht aber niemand in Taiwans derzeitiger Regierung so.

(PS: Wann erscheint das Buch eigentlich in deutscher Übersetzung? Oder in englischer?)