Archive for November, 2010

Der letzten Abend vor Taiwans wichtigem Regionalwahltag wurde von einem Attentat überschattet. Sean Lien, Sohn von Taiwans früherem Vizepräsidenten Lien Chan und eher Geschäftsmann als Politiker wurde bei einer KMT-Wahlkampfveranstaltung angeschossen. Ein anderer Mann wurde tödlich verletzt. Offenbar hat es sich nicht um einen politisch motivierten Anschlag gehandelt.

Bevor die Ergebnisse raus sind, hier noch ein Bericht über den Wahlkampf aus meiner kleinen Taiwan-Serie im heimatlichen Anzeigenblatt.

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Seit Wochen herrscht Wahlkampf in Taiwan. Am Samstag (27.11.2010) wählen die fünf wichtigsten Regionen des Landes neue Bürgermeister sowie Parlamente: Taipei City, Xinbei City (zuvor Taipei County), Greater Taichung, Greater Tainan und Greater Kaohsiung. In den letzten drei Fällen werden die Städte mit den umliegenden Kreisen verschmolzen, im Fall Taipei County wird der Landkreis zur Start aufgewertet. Diese fünf Regionen haben dann den Status “regierungsunmittelbare Stadt”, was u.a. mehr Geld von der Zentralregierung bedeutet. Aber das nur am Rande.

Das faszinierende am Wahlkampf in Taiwan ist, dass er so allgegenwärtig und lebendig geführt wird. Überall hängen Plakate der Kandidaten, es flattern Fahnen, Lautsprecher-Wagen drehen ihre Runden, und mein eigener Nachbar kandidiert als “Borough Chief”, also so eine Art Nachbarschafts-Bürgermeister. Wenn er in seinem Laden steht, dann nur noch in Wahlkampf-Weste.

Glücklicherweise konnte ich zwei deutsche Radiosender für Berichte über den Wahlkampf gewinnen. Man kann ja gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass Taiwan eine Demokratie ist, im Gegensatz zu gewissen anderen Ländern der Region.

Besonders mag ich die Wahlplakate. Die sind in Taiwan nämlich tatsächlich plakativ.

Herr Li von der Kuomintang möchte in den Stadtrat von Taipeh gewählt werden. Er verspricht, Drogen, Banden etc. von den Schulhöfen zu “kehren”. (Sarkozy würde einen Kärcher empfehlen.) Da passt ein Kampfsport-Anzug natürlich prima zur Botschaft.

Und dieser Kandidat der DPP orientiert sich an Obama, wagt sogar englische Begriffe und leistet sich ein XXL-Plakat:

 

 

Motorroller, Motorroller (mit Familie), Ampel, Taxi, Motorroller, Bus, Taxi, Fußgänger, Auto, Motorroller (mit Hund), Motorrad, Bus, Taxi, Hupen, Ampel, Abgase, Countdown, Motorroller-Lawine, durchschlängeln, Hupe, 7/11, Motorroller links, Motorroller rechts, Auto, Taxi, Motorroller.

Willkommen in Taipeh.

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Neue Veranstaltungshinweise vom Deutschen Institut! Aber zuvor:

  • Für einen Radiobericht über Wahlkampf und Demokratie in Taiwan, der demnächst gesendet wird, habe ich Hsiao Bi-khim 蕭美琴 interviewt. Sie ist DPP-Politikerin, Außenpolitik-Expertin und derzeit Beraterin der DPP-Chefin Tsai Ing-wen, die in Taipei County (alias Xinbei City) kandidiert. Einige Auszüge aus dem Gespräch hat David Reid in seinem Blog veröffentlicht.

“In order to win the election we have to capture the swing voters. It’s actually a small number of people in Taiwan, but there are people who do fluctuate between the two major political parties. We need to capture them. That’s very important.”

“…wo viele Taiwanesen eher wenig einkaufen, abgesehen von teuer angezogenen Hausfrauen, schieben besonders die wenigen blonden Westlerinnen unverschämt volle Einkaufswagen an die Kasse, die sich voller amerikanischer Feuchtigkeitscremes, italienischer Salami, amerikanischer und schweizer Schokolade und italienischem nativen Olivenöl nur so durchbeulen. Was deren Gatten verdienen müssen, sicher sind die Obereinkaufspopanz von irgendeiner großen Firma und kriegen Dschungel- und Gestankszulage und bestimmt kein taiwanesisches Gehalt wie unser einer.”

“Only a third of Taiwan’s women are married by age 30, in contrast to 20 years ago, when the average age for marriage for women was 26.”

Und nun die Veranstaltungs-Infos vom Deutschen Institut:

1.  Dresdner Kreuzchor – Konzert in Taipei

Der berühmte Dresdner Kreuzchor und die Dresdner Philharmonie werden am 24.11.2010 in der National Concert Hall in Taipei auftreten und das taiwanische Publikum mit Händels “Messiah” sicherlich zu Begeisterungsstürmen verleiten. Tickets (1000-4500NT) gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen, aber auch bei 7/11.

2. Deutschsprachiger Film (mit chin. Untertiteln)

Am 03.12.2010 läuft der Film “Berlin 36″ (Chinesischer Titel: “柏林地下情”) u.a. mit Karoline Herfurth und Axel Prahl in den Hauptrollen im Ambassador-Changchun-Kino an.
Webseite des Films
Adresse des Kinos: Ambassador-Changchun(長春戲院)Taipei, Changchun Rd., No. 172 台北市長春 路172號, Tel.: (02)25074141.

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3. Weihnachtsmarkt der Taipei European School (TES)

Der traditionelle Weihnachtsmarkt der TES findet am 27.11.2010 von 10:00-16:00 Uhr auf dem Schulcampus in Taipeh-Shilin statt. Die beste Möglichkeit, um sich von  weihnachtlicher Musik, Essen, Getränken und Geschenken in Adventsstimmung versetzen zu lassen.
Ort: Taipeh, Wenlin Rd. (文林路), No. 727, nahe MRT-Station Zhishan, Tel.: 81459007#123

4. Weihnachtsfeier des Chinesisch-Deutschen Kultur- und Wirtschaftsverbands (CDKWV)

Die alljährliche durch den CDKWV organisierte große Weihnachtsfeier findet in diesem Jahr am 19.12.2010 im NTUH International Convention Center – The Garden Taipei (2F, No. 2, HsuZhou Rd.) statt.
Infos siehe hier (PDF).
Anmeldung ist erforderlich: Tel.: 02-25252824, E-Mail : cdkwv@cdkwv.org.tw

5. Skatturnier in Taipei

Das nächste Skatturnier in Taipeh findet am 04.12.2010 im Restaurant “Zum Fass” statt. Die Organisatoren freuen sich wie immer über neue und alte Gesichter.
Infos siehe hier (PDF).

Info from the German Insititute in Taipei.

This seems to be one of the few areas where experiences related to German division actually can be meaningfully compared to Taiwan’s situation.

Jörn Mothes was in Taipei one year ago and brought a piece of the Berlin Wall with him then. You can watch my German TV report about that event here.

Hubertus Knabe is director of the East German Secret Police (Stasi) prison/museum Hohenschönhausen in Berlin. In this post, I recommended it for consideration when discussing Taipei’s very own Jingmei Prison.

On 14.11.2010 a symposium regarding different topics about how to deal with an authoritarian past and related issues will take place in Taipei.

Chinese title: 「見證與反思—台德人權博物館實踐經驗交流論壇」

There are four German guests to attend, among them are two former state commissioner for STASI-files, Joern Mothes and Edda Ahrberg and the quite renowned director of the Museum (STASI-prison) Hohenschoenhausen, Dr. Hubertus Knabe.

The symposium comes with German and Chinese translation.

Date and Place: 14.11.2010, 09.30 to 17:30h, Conference Room of the Institute of Social Science at the NTU, Xuzhou Rd. No. 21  (registration: 29393091#67575)

More Chinese information: National Chengchi-University or CNA.

「見證與反思—台德人權博物館實踐經驗交流論壇」

主辦單位:行政院文建會
承辦單位:國立政治大學台灣史研究所
時間:2011年11月14日(星期日)09:30 -17:30
地點:台灣大學社會科學院國際會議廳(台北市中正區徐州路21號)
如有任何疑問請EMAIL至twhrhis@gmail.com或於上班時間致電02-29393091轉67575張助教。

Click here for more English posts on this otherwise mostly German blog.

 

So ein Blog ist ja nicht nur dafür da, dass ich mich ausleben kann. Ab und zu kann es vielleicht sogar einen konkreten Nutzen haben. Auf Xing habe ich Angela Lin getroffen, die Arbeit in Taipeh sucht. Sie schreibt:

Ich suche eine Stelle als Sachbearbeiterin/mündliche Übersetzerin mit Deutschkenntnissen in Taipeh. Seit 1993 lebe ich in der Schweiz. Ich habe eine Ausbildung und Berufserfahrung als Grafikerin/Kunstmalerin und freue mich sehr auf Ihre Anfrage: me (at) angelalin.ch

Vielen Dank! Angela Lin

 

 

Nur 7835 Deutsche sind 2009 als Touristen nach Taiwan gereist, verrät die offizielle Statistik (PDF). Da ist noch viel Luft nach oben.

Vielleicht erwägt ja nach meinem Artikel (PDF) in der Frankfurter Rundschau der eine oder andere einen Abstecher. Anlass ist neben der Flower Expo, über die ich hier schon mal geschrieben hatte, vor allem die rasante Verbesserung der Lebensqualität in Taipeh in den letzten 15 Jahren. Umweltschutz, Mülltrennung und U-Bahn sei Dank.

Der Text erschien leicht gekürzt auch in der Berliner Zeitung.

Und ich bin zum Glück nicht der einzige im deutschen Sprachraum, der Taiwan mal in die Medien bringt. Kollege Martin Damerow, der in den Nürnberger Nachrichten schon einen bemerkenswert guten Text zu Taiwan im Allgemeinen veröffentlicht hatte, war kürzlich einige Tage vor Ort. Statt über die Parade zum Nationalfeiertag, der eigentliche Anlass der Einladung, schrieb er aber über viel interessantere Aspekte Taiwans: die Müllentsorgung,  die Tempel und den Straßenverkehr.

Und auch unsere Freunde in den Alpenrepubliken waren nicht untätig. Dem Schweizer Tagesanzeiger kann man entnehmen, wie Taiwans Bergwelt auf einen Eidgenossen wirkt. Nämlich irgendwie bekannt:

Von Hand wurden unzählige Tunnels und Galerien in den Fels gehauen. Eine dieser Strassen führt durch den Tarako-Nationalpark, der für seinen Marmor und die üppig grünen Gneis-Schluchten bekannt ist, die uns unweigerlich ans Maggia- und Verzasca-Tal erinnern. Nirgends sind sich die Schweiz und Taiwan so ähnlich wie im zentralen Gebirge. Erinnerungsfotos gehen glatt als Aufnahmen aus den Alpen durch – mit der Ausnahme, dass in Taiwan der Wald bis auf 3000 Meter wächst und die Landschaft weder von Pistenschneisen noch von Liften verunstaltet ist.

In Österreich waren offenbar Taiwanwochen angesagt. Die Kleine Zeitung fasst Taiwans neuere Geschichte einigermaßen korrekt zusammen, nennt es dann aber doch “Chinas kleine Schwester”:

Chiang Kai-shek etablierte nach dem Vorbild von Sun Yat-sen, der 1911 den letzten Kaiser Pu Yi stürzte, auf der kleinen Insel zunächst eine stramme Rechtsdiktatur, die sich aber in den letzten 20 Jahren zu einem pluralistischen demokratischen Gemeinwesen entwickelt hat – dem ersten in der Geschichte Chinas.

Und der Standard entscheidet sich für eine erfrischend unkonventionelle Betrachtungsweise:

Die Insel ist der Garten Eden aller Sinologie-Studenten, denen China dann doch zu wild ist. Die Taiwaner haben eine sehr eigene Vorstellung davon, was eine Touristenattraktion ist. Besonders stolz sind sie etwa auf den Sonne-Mond-See, einen kleinen Bergsee, an dessen Ufern Hochhäuser aus den Sechzigern in den Himmel ragen und in dem Schwimmen verboten ist, weil man in ihm nicht stehen kann.

Regelmäßige deutschsprachige Taiwan-Presseschauen und andere interessante Beobachtungen bietet übrigens das Blog Blickpunkt Taiwan, zum Beispiel über die von mir angekündigte Podiumsdiskussion zwischen den Botschaftern Deutschlands und Frankreichs neulich in Taipeh.

 

 

Chinesische Informationen 中文資料

1) Die Entbehrlichen (chin. Titel: 可有可無 )

Regie: Andreas Arnstedt; Deutschland 2009, 106 Min.

Shin Kong Complex:
05.11.2010 um 11.20 Uhr
08.11.2010 um 19.00 Uhr

2) Shahada (布爾漢奎巴尼)

Regie: Burhan Qurbani; Deutschland 2010, 90 Min.

Ambassador Cinema im Breeze Center:
09.11.2010 um 21.10 Uhr
11.11.2010 um 15.10 Uhr

3) Friendship! (東德男孩征美記)

Regie: Markus Goller; Deutschland, USA 2010, 110 Min.

Ambassador Cinema im Breeze Center:
13.11.2010 um 14.10 Uhr
17.11.2010 um 14.00 Uhr

4) Was Du nicht siehst (霧幻青春 )

Regie: Wolfgang Fischer; Deutschland, Österreich 2009, 89 Min.

* Der Regisseur wird bei der Premiere des Films anwesend sein.

Ambassador Cinema im Breeze Center:
11.11.2010 um 19.50 Uhr
13.11.2010 um 12.30 Uhr
16.11.2010 um 16.40 Uhr

5) Pianomania (我為琴狂 )

Regie: Robert Cibis, Lilian Franck; Österreich, Deutschland 2009, 93 Min.

Ambassador Cinema im Breeze Center:
14.11.2010 um 10.50 Uhr

Die Aufführungen der deutschen Filme werden unterstützt vom Goethe-Institut Taipei, das auf seiner Webseite alle obigen Filme und auch die Koproduktionen ausführlich auf Deutsch und Chinesisch vorstellt.

Weitere Infos: Webseite des Taipei Golden Horse Film Festival 2010