Seit Wochen herrscht Wahlkampf in Taiwan. Am Samstag (27.11.2010) wählen die fünf wichtigsten Regionen des Landes neue Bürgermeister sowie Parlamente: Taipei City, Xinbei City (zuvor Taipei County), Greater Taichung, Greater Tainan und Greater Kaohsiung. In den letzten drei Fällen werden die Städte mit den umliegenden Kreisen verschmolzen, im Fall Taipei County wird der Landkreis zur Start aufgewertet. Diese fünf Regionen haben dann den Status „regierungsunmittelbare Stadt“, was u.a. mehr Geld von der Zentralregierung bedeutet. Aber das nur am Rande.

Das faszinierende am Wahlkampf in Taiwan ist, dass er so allgegenwärtig und lebendig geführt wird. Überall hängen Plakate der Kandidaten, es flattern Fahnen, Lautsprecher-Wagen drehen ihre Runden, und mein eigener Nachbar kandidiert als „Borough Chief“, also so eine Art Nachbarschafts-Bürgermeister. Wenn er in seinem Laden steht, dann nur noch in Wahlkampf-Weste.

Glücklicherweise konnte ich zwei deutsche Radiosender für Berichte über den Wahlkampf gewinnen. Man kann ja gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass Taiwan eine Demokratie ist, im Gegensatz zu gewissen anderen Ländern der Region.

Besonders mag ich die Wahlplakate. Die sind in Taiwan nämlich tatsächlich plakativ.

Herr Li von der Kuomintang möchte in den Stadtrat von Taipeh gewählt werden. Er verspricht, Drogen, Banden etc. von den Schulhöfen zu „kehren“. (Sarkozy würde einen Kärcher empfehlen.) Da passt ein Kampfsport-Anzug natürlich prima zur Botschaft.

Und dieser Kandidat der DPP orientiert sich an Obama, wagt sogar englische Begriffe und leistet sich ein XXL-Plakat:

 

 

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7 Kommentare zu “ Wahlkampf und Demokratie in Taiwan ”

  1. Dennis sagt:

    Man sollte ja nichts gegen die Demokratie sagen, um nicht Gefahr zu laufen mit anderen Ländern in der Region auf eine Stufe gestellt werden. Allerdings mutet es mir angesichts des supertollen Happenings als ziemlich merkwürdig an, dass einem Großteil meines Bekannten- und Kollegenkreises dieser ganze Wahlzirkus mittlerweile gehörig auf den Senkel geht.

    Dass Wahlkampf zu einer Demokratie dazugehört ist vollkommen richtig und verständlich. Dass kleine Babys dadurch von den dröhenden Lautsprecherwagen und in den letzten Tagen auch immer mal wieder gezündeten Böllern und Feuerwerkskörpern aus dem Schlaf gerissen werden, dagegen nicht (in meinem Facebookfreundeskreis haben sich jetzt schon drei Müttter unabhängig voneinander darüber beklagt). Auch ist es etwas unverständlich, dass an Brücken nicht 10, nicht 20, sondern 50 Flaggen eines Kandidaten hängen müssen. Man könnte so etwas „lebendig“ nennen oder wenn man es mal von einer etwas anderen Seite betracht auch als „über das Ziel hinausschießen“.

  2. Fan sagt:

    ich verstehe auch nicht, wozu man so viele Flaggen und Lautsprecherwagen braucht.

  3. justrecently sagt:

    Hallo Klaus – ich glaube, so langsam wirst du in Deutschland medial wahrnehmbar – und vor allem: Taiwan auch! 😉

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  1. […] letzten Abend vor Taiwans wichtigem Regionalwahltag wurde von einem Attentat überschattet. Sean Lien, Sohn von Taiwans früherem Vizepräsidenten Lien […]

  2. […] a German journalist, hasn’t seen him without his campaign-vest in the past few weeks (see first photo of this post). But if elected, Mr Tseng will still be around in his neighborhood. After all, he’s running […]

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