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Archive for Februar, 2011

Der heutige 28. Februar ist in Taiwan ein Feiertag. Offiziell heißt er „Friedenstag“, tatsächlich erinnert er an das 228-Massaker (andere sagen: „228-Zwischenfall“, aber das klingt so harmlos) von 1947. Das war so etwas wie die Urkatastrophe des Nachkriegs-Taiwan und gab die Tonlage vor für die kommenden Jahrzehnte, die von Kriegsrecht und Polizeistaat geprägt waren.

Über das 228-Massaker, seine Hintergründe und Folgen habe ich in diesem Blog vor zwei Jahren schon ausführlich geschrieben.

Taipehs städtisches 228-Museum wurde gerade komplett überarbeitet und neu eröffnet. Die neue Ausstellung habe ich noch nicht gesehen, sie hat aber bereits Kritik von Opfervertretern auf sich gezogen. Die alte Ausstellung hatte ich noch mit Fotos dokumentiert.

Nachtrag: Neben dem städtischen gibt es nun auch ein frisch eröffnetes nationales 228-Museum. Ausführlicher Bericht dazu (englisch und chinesisch) in der Taipei Times.

 


You cannot say Taiwan’s government does not care for foreigners. For example, they regularly advertise their 24-hour hotline for foreigners (0800-024-111) in English papers like the Taipei Times – but then again, the ad is Chinese only.

Back in November, the Ministry of Transportation and Communication announced a web contest to root out badly translated English signs. Good idea, bad execution: The website was Chinese only. Pity the Taipei Times did not notice it back then, I thought.

Now, this „contest“ is over and the Taipei Times fell for the Ministry again. Reason enough for me to sit down and write this letter to the editor, which so far has not been printed, so I post it here.

Click here for more English posts on this otherwise mostly German blog.

Ministry’s „Chinglish signs“ contest a sham

Does anyone actually believe that all over Taiwan, there are only 72 signs with bad English translations? Yet that is what the Ministry of Transportation wants us to believe, according to a recently finshed call for entries on Facebook, and the Taipei Times fell for it („Netizens root out Chinglish Signs“, Feb 17, p.2). „This showed that problems with bilingual signs are not as serious as some people might think“, said the Deputy Minister.

Actually, all it shows is how the Ministry succeeded in getting the results it wanted. This whole contest was a sham, giving away Wiis and other gifts or not. The Facebook site and website were not even linked to from the Ministry’s own Website, and worst of all it was in Chinese only, thereby effectively excluding the vast majority of foreigners living in Taiwan from participating – precisely those people who know best about the problem. (mehr …)


Wer ein bisschen stöbert (und einen Google News Alert einrichtet), stößt im Netz immer wieder auf interessante Taiwan-Fundsachen.

Aber zunächst zwei Blogs, die ich wärmstens empfehlen möchte:

Ludigels Taiwan Formosablog (a.k.a. Far East of Common Sense)

Von allen deutschsprachigen Taiwanbloggern, die ich kenne, ist Rüdiger am längsten dabei und schreibt am unterhaltsamsten. Er berichtet aus seinem Alltag als mit einer Taiwanerin verheirateter IT-Ingenieur in einem seltsamen Land. Seine Texte schwanken zwischen Faszination, Belustigung und Frustration.

Rüdiger begleitet die von Gaunern um ihre Ersparnisse gebrachte Schwiegermama zur Gerichtsverhandlung (wo er sich in den Augen der Richterin verdächtig macht), und trifft die Übeltäter. Er versucht, die attraktive Kollegin aus dem Cubicle gegenüber zu vermitteln. In Taiwan fühlt er sich zur Zeit mal wieder sehr wohl, aber das war auch schon mal anders. Und nebenbei kümmert er sich um Straßenhunde. Ich würde gern jeden einzelnen Eintrag lesen, schaffe das nicht und wundere mich immer, wie viel er in der Zwischenzeit schon wieder produziert hat.

VikIn Taipei

Viki ist Sinologin mit China-Erfahrung und lebt nun in Taipeh. Sie schreibt geschliffen und offenbar besonders gern über das, was ihr in Taiwan nicht gefällt. Und das sind nicht die Taiwaner, sondern zum Beispiel Festland-Touristen, die bei der Klo-Schlange im Palastmuseum vordrängeln. Oder ignorante westliche Studenten, die kein Chinesisch sprechen, aber dafür jeden Tag ungestraft beim 7/11 ein Sandwich klauen. (Möge dieser Österreicher von einem kleinen blauen Lieferwagen überfahren werden!) Das liest sich so gut, dass ich auf viel mehr hoffe.

Und was ist sonst noch lesenswert?

(mehr …)


Warum Neujahr in Taiwan so wichtig ist

Draußen knallt es in diesen Minuten gerade ganz schön. Und wer nicht böllert, sitzt bei Mama und Papa am Festtisch. Taiwan feiert Neujahr nach dem Mondkalender!

Zu diesem wichtigsten Fest des Jahres hatte ich neulich schon eine kleine Geschichte online gestellt: Neujahrs-Stress und viel zu essen

Was es mit Chinesisch Neujahr auf sich hat

In Taiwan ist die Kaninchen-Plage ausgebrochen. Überall machen sie sich breit. Nicht die lebendigen Tiere – die kommen hier in freier Wildbahn so gut wie nicht vor. Aber in gezeichneter Form tummeln sie sich in fast jedem Laden, je niedlicher desto besser, und immer mit viel Rot und Gold. Denn ganz Taiwan bereitet sich auf das Frühlingsfest vor, auch bekannt als Chinesisch Neujahr.

Laut Mondkalender beginnt nächsten Donnerstag das Jahr des Kaninchens. In Taiwan stehen die zwölf Tierkreiszeichen nicht für einzelne Monate wie bei uns, sondern immer für ein ganzes Jahr. In diesem astrologischen Zoo lösen sich Drachen und Schlangen, Affen und Pferde in einer festgelegten Reihenfolge ab. Wer also nicht allzu neugierig erscheinen will, fragt statt „Wie alt bist du?“ einfach „Was ist dein Sternzeichen?“ Ein „Hahn“ etwa muss aktuell vor 6, 18, 30, 42 etc. Jahren geboren sein.

Artikel über das Chinesische Neujahrsfest

Die Viecherei soll auch Auswirkungen auf den Charakter haben. Im gerade ausklingenden Jahr des Tigers sank Taiwans Geburtenrate auf ein neues Rekordtief, denn die Raubkatzen gelten als leicht reizbare, schwierige Persönlichkeiten – das wollten viele sich und ihrem Nachwuchs ersparen. Kaninchen seien pflegeleichter, heißt es.

Als würden Weihnachten und Neujahr zusammenfallen, ist Chinesisch Neujahr das mit Abstand wichtigste Fest des Jahres. Am Neujahrsabend – also Mittwoch – versammelt sich jede Familie zum großen Festessen. Da ist kein Weg zu weit. Statt Päckchen tauscht man Geldgeschenke in roten Umschlägen, bleibt wach bis nach Mitternacht und beginnt das neue Jahr mit einer gemeinsamen Gebetszeremonie.

Ursprung des Chinesischen Neujahrsfests: Ein Monster

Dass einige die Nacht gleich ganz durchmachen, hat ebenso einen ernsten Hintergrund wie die Böller-Knallerei, die sich bekanntlich bis nach Deutschland verbreitet hat: In grauer Vorzeit zitterte die Menschheit vor einem grausigen Untier namens Nian (spich: „Nien“). Zum Glück schlief das Biest die meiste Zeit, doch immer zu Beginn des Frühjahrs wachte es auf, drang in die Häuser ein, fraß die Bewohner bei lebendigem Leib und führte sich generell garstig auf.

Eines Tages bemerkte ein kluger Kopf, dass Nian Häuser mit roten Türen verschonte, weil es sich vor der Farbe Rot fürchtete. Bis heute klebt man daher zu Neujahr rote Papierstreifen mit glückbringenden Sprüchen an die Türrahmen. Auch der Chinaböller-Lärm soll das Untier in die Flucht schlagen. Wer diese gefährliche Nacht – möglichst wach – überstanden hat, begrüßt seine Nachbarn am Neujahrsmorgen mit „Herzlichen Glückwunsch“ – weil man wieder einmal nicht gefressen wurde. Und Nian ist heute das chinesische Wort für „Jahr“.

Die Herkunft des satten Rot ist damit geklärt. Gold steht für das Vermögen, das man im neuen Jahr gewiss anhäufen wird. Aus finanziellen Erwägungen gehören beim Neujahrs-Festessen auch Teigtaschen auf den Tisch, die geformt sind wie antike Goldbarren. Und unbedingt Fisch, denn „Fisch“ klingt auf chinesisch genau wie „Überfluss“. Kaninchen dagegen können aufatmen – sie gelten nicht als besondere Glücksbringer.

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.