Wo Taiwan am praktischsten ist

Taiwans Convenience Stores sind toll. Es gibt sie überall, sie bieten fast alles und entwickeln sich auch noch ständig weiter. Dass es so etwas in Deutschland nicht gibt, ist einer der Gründe dafür, dass viele Taiwaner das Leben dort langweilig und unpraktisch finden.

Ein schönes Radiostück über die „Minimärkte“ findet sich bei den „Taiwan für Anfänger“-Beiträgen von RTI, die ich hiermit mal wieder wärmstens empfehle.

Convenience Stores sind einfach praktisch

Frage ich Taiwaner, was ihnen an ihrem Land gefällt, dann lautet die Antwort oft nicht etwa „unsere Berge“, „wir dürfen die Regierung kritisieren“ oder „dass wir eines der reichsten Länder Asiens sind“, sondern:

„Das Leben hier ist so praktisch.“

Um das zu verstehen, muss man sich vor Augen halten: Mit 23 Millionen Menschen auf der Fläche Baden-Württembergs hat Taiwan nach Bangladesch die weltweit zweithöchste Bevölkerungsdichte aller Flächenstaaten. Etwa jeder Dritte wohnt wie ich im Großraum Taipeh.

Dass trotzdem alles funktioniert, liegt an der guten Infrastruktur: U-Bahnen, Züge und Busse, Telekommunikation – und überall Einkaufsmöglichkeiten. Typisch für Taiwan sind die allgegenwärtigen „Convenience Stores“, die ich hier mal „Minimärkte“ nennen will.

Wer in Deutschland spät noch Hunger hat oder dringend etwas besorgen muss, dem bleibt oft nur die Fahrt zu einem überteuerten Tankstellen-Laden. Die Taiwaner haben es besser: Sie spazieren um die Ecke zum nächsten „7/11“ oder „Family Mart“, zu „Hi Life“ oder „OK Mart“.

Das sind rund um die Uhr geöffnete, blitzsaubere kleine Supermärkte, in denen es auf 50-100 Quadratmetern so gut wie alles gibt: kühle Getränke und heiße Snacks, Tütensuppe und Zahnpasta, Regenschirme und Hundefutter, Zeitschriften und Zigaretten, Badeschlappen und Bananen, Heftpflaster und Handykarten, DVDs und Radiergummis, Whisky und Waschmittel, Sonnencreme, Spielzeugautos und vieles mehr.

Die Preise sind nur ein wenig teurer als in normalen Supermärkten, das Personal (oft sind vier oder fünf Angestellte zugleich im Laden) begrüßt und verabschiedet jeden Kunden im Chor, und das beste: Minimärkte gibt es wirklich überall. Etwa 10.000 sind es in Taiwan, und wenn ich mich an manchen Kreuzungen in Taipeh einmal um die eigene Achse drehe, sehe ich vier oder fünf auf einen Schlag.

Dass die Minimärkte aus dem Alltag in Taiwan nicht wegzudenken sind, liegt auch daran, dass die großen Ketten sich im Konkurrenzkampf ständig etwas Neues einfallen lassen. So steht nun in jedem Laden eine moderne Kaffeemaschine, und der Becher Cappuccino kostet nur einen Euro – ein Drittel so viel wie in der Kaffeehauskette nebenan.

Ich kann sogar meine Rechnungen begleichen

Die Läden fungieren auch als Postämter und Banken: Ich kann mir meine Päckchen hierher liefern lassen, beim Abholen meine Telefon- und Stromrechnung bezahlen und am Automaten Geld abheben. Es gibt Farbkopierer, von denen ich auch Faxe nach Deutschland senden kann, und Marktführer 7/11 bietet Computer-Terminals, an denen sich Fotos und Dokumente vom USB-Stick ausdrucken und per Touchscreen Konzertkarten und Zugtickets bestellen lassen.

Warmes Essen gibt es nicht nur aus der Mikrowelle: Würstchen drehen sich auf einem Elektrogrill, hartgekochte Eier ziehen in heißem Tee vor sich hin, Fleischbällchen schöpft man sich samt heißer Brühe in kleine Suppenschüsseln, und in einem Glasschränkchen locken gedämpfte Hefeklöße mit Fleisch- oder Gemüsefüllung. Wer hier nichts findet, hat keinen Hunger.

Minimärkte sind nun mal einfach: Praktisch.

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8 Kommentare zu “ Warum Taiwan ohne 7-Eleven und Co. nicht funktioniert ”

  1. Maru sagt:

    Die Tickets kann man inzwischen zum Glueck auch im Family Mart am Computer kaufen. Die haben da aufgeholt, zu unserem Vorteil, denn der nachste 7/11 ist dann doch mind. 5 Minuten weiter weg als der Family Mart (ca. 2 Minuten Fussweg).

    Und ja, alles verdammt praktisch! 😀

  2. Christian sagt:

    Das vermisse ich hier in Deutschland echt, hat man mal Hunger/Durst/was auch immer gehabt einfach auf die Straße und in den nächsten 711, FM oder Hi-Life stolpern.
    seeeeehr praktisch

  3. Dennis sagt:

    Das erste was ich jedes Mal in Deutschland vermisse sind 7/11 und Co. Allerdings bin ich auch froh, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt, denn für die in Taiwan üblichen 2-3 Euro pro Stunde sollte eigentlich niemand so einen Job machen müssen. In Taiwan geht das natürlich problemlos.

  4. Reiner Wadel sagt:

    Kann man auch als Tourist im 7/11 Zugkarten kaufen bzw. sich reservieren lassen?

    • Klaus sagt:

      Ja, kann man. In den Convenience Stores gibt es anscheinend aber nur Tickets für die Hochgeschwindigkeitsbahn. Normale Zugtickets kann man im Netz vorbestellen und muss sie dann rechtzeitig am Bahnhof abholen: http://www.railway.gov.tw/en/

      • Reiner Wadel sagt:

        Genau so war es: Ticket für die Fahrt von Kaoshiong nach Taipei im 7/11 gekauft; hatte super geklappt.

  5. Alex sagt:

    Famimart mag ich am liebsten, einer ist bei uns im ersten stock, aber bei seven gibts die besten hot dogs. Zu ok und hilife geht fast niemand zumindest in keelung.

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