Deutsche Parlamentarier auf Taiwan-Mission

Drei leibhaftige CDU-Bundestagsabgeordnete und eine FDP-EU-Parlamentarierin sind zur Zeit auf Einladung der Regierung in Taiwan.

Darunter ist auch Klaus-Peter Willsch, der Vorsitzende des „Parlamentarischen Freundeskreises Berlin-Taipei“ – in Ermangelung diplomatischer Beziehungen eines der wichtigsten Gremien, um überhaupt politische Kontakte zwischen Taiwan und Deutschland zu haben.

Klaus Peter WIllsch

Kritik am deutschen Einreise-Verbot

Nach einem Treffen mit Ma Ying-jeous Ehefrau Chow Mei-ching im November 2010 in Berlin sagte Willsch angesichts des deutschen Einreiseverbots für Präsident Ma:

„Es ist bedauerlich, dass Repräsentanten eines demokratischen Landes, das vorbildlich für die gesamte Region ist, politisch sprichwörtlich links liegen gelassen wird. Aber wir müssen das Beste daraus machen.“

Das sind Worte, wie man sie aus der deutschen Politik gern öfter hören würde – anstelle der üblichen Ein-China-Appeasements, wie die Bundesregierung sie seit Jahr und Tag von sich gibt.

Zum Anhören: Ich habe Willsch zur deutschen Taiwan-Politik interviewt.

Pressemitteilung des Taiwan/ROC-Außenministeriums:

A Delegation from the Germany-Taiwan Parliamentary Friendship Group Visits Taiwan

At the invitation of the Ministry of Foreign Affairs of the Republic of China (Taiwan), Parliamentarian Klaus-Peter Willsch, Chair of the Germany-Taiwan Parliamentary Friendship Group, leads a five-member delegation to Taiwan from April 26 to 30, 2011.

Two other members of the Group is (sic) joining Chair Willsch: Parliamentarian Joachim Hoerster and Parliamentarian Uwe Schummer. All three of them belong to the German Christian Democratic Party. The rest of the delegation consists of the Chair’s spouse, Mrs. Annette Willsch, and assistant, Mr. Christian Raap.

The delegation will call on Minister of Foreign Affairs Timothy C.T. Yang, Minister of the Environmental Protection Administration Shu-hung Shen, Vice Minister of Economic Affairs Jung-Chiou Hwang, Secretary General of the Mainland Affairs Council Shu-Ti Chang, among others. Legislative Yuan Vice President Yung-Chuan Tseng and Deputy Minister of Foreign Affairs Dr. Lyushun Shen will respectively host luncheons in the delegation’s honor.

In addition, arrangements have been made for the delegation to visit the Council for Economic Planning and Development, Government Information Office, Hsinchu Science Park, National Palace Museum, AU Optronics Corporation, Aerospace Industrial Development Corporation, Tzuchi Foundation, Taroko National Park, and other cultural and economic establishments.

Chair Willsch, who has been serving the position of Chair of the Germany-Taiwan Parliamentary Friendship Group since February 2010, plays an active role in his party and the Budget Committee of the German Parliament. Parliamentarians Hoerster and Schummer belong to the Committee for Foreign Affairs and the Committee for Education and Research, respectively. Mrs. Annette Willsch is a publisher and Editor-in-Chief of the monthly magazine Rheingau-Taunus. Except for Parliamentarian Hoerster, this trip is the first for the members of the delegation. During their visit, the delegation members aim to obtain a better understanding of Taiwan’s most recent political, economic and cultural developments. With such knowledge, they will be able to further promote the substantive relations between Taiwan and Germany.

Dass Klaus-Peter Willsch zum ersten Mal  Taiwan bereisen soll, deckt sich nicht mit einer Meldung von Radio Taiwan International, derzufolge er im Februar mit 15 hessischen Weinköniginnen im Gefolge hier war.

Klarstellung, 3.5.2011: Die Weinköniginnen-Veranstaltung fand in der Taipeh-Vertretung Berlin statt, nicht in Taiwan. RTI hat sich im Kontinent vertan.

Todesstrafe in Taiwan

Joachim Hörster setzt sich offenbar besonders gegen die Todesstrafe ein. Da wird er in Taiwan bestimmt viel zu diskutieren haben. Parteiübergreifend wollen die Politiker hier ja die Todesstrafe erst abschaffen, wenn eine Mehrheit der Bevölkerung dahinter steht. Wenn die Väter des Grundgesetzes 1949 auch so gedacht hätten, würden wir in Deutschland wohl heute noch hinrichten. Bei dieser Argumentation frage ich mich: Würden die selben Politiker sich auch dem Volksempfinden beugen, sollte die Mehrheit der Bevölkerung in Umfragen fordern, z.B. die Einkommensteuer abzuschaffen?

Besuch von Bundestagsabgeordneten 2010

Hier noch ein Bericht aus dem Januar 2010 über den Taiwan-Besuch einer anderen MdB-Delegation.

FDP-Europaabgeordnete in Taiwan

Außerdem befindet sich gerade (und noch bis zum 29.4.) die FDP-Europaabgeordnete Alexandra Thein mit drei weiteren liberalen EU-Parlamentariern in Taiwan.

Laut Außenministerium treffen sie auch Präsident Ma und Taiwans Oppositionspartei DPP:

The delegation will have an audience with President Ma Ying-jeou, call on President of the Legislative Yuan Wang Jin-pyng, Minister of the Mainland Affairs Council Lai Shin-yuan, Deputy Minister of Foreign Affairs Dr. Lyushun Shen, and Deputy Minister of Economic Affairs Lin Sheng-chung, Director General of the Intellectual Property Office Wang Mei-hua, and meet with representatives from the Kuomintang party, the Democratic Progressive Party and the European Economic and Trade Office. President Wang Jin-pyng and Deputy Minister Lyushun Shen will host banquets in their honor. The delegation will also visit the National Palace Museum, Taipei 101, Taroko National Park, the Industrial Technology Research Institute, Hsinchu Science Park and Eco-City, among other cultural and economic establishments.

Per Twitter meldete sie sich nach ihrer Ankuft zu Wort – und verwendete für Taiwan die Kalter-Kriegs-Bezeichnung „freies China“, womit sie sowohl die EU, die chinesische Regierung, als auch sehr viele Taiwaner vor den Kopf stoßen dürfte – würde man jede Äußerung auf die Goldwaage legen.

Tweet von Alexandra Thein aus Taiwan

Aber Taiwans politische Situationist nun mal eine besonders verzwickte, und man kann über jeden westlichen Politiker froh sein, der überhaupt den Weg hier her findet.

Update in English, 30 Apr, 2011

After visiting Taiwan together with three other liberal Members of the European Parliament (see below) and meeting President Ma as well as DPP politicians, former Estonian Foreign Minister Kristiina Ojuland issued a remarkable press statement:

One-China policy has got no future in long term

The European Union is facing impressive economic developments in Taiwan, which has become the driving force for democracy and economic growth in the Far-East region (…)

Nevertheless, negotiations on the FTA can only be successfully concluded, when Taiwan keeps retaining a moratorium on death penalty (…)

In long term perspective the One-China policy is not and cannot be in the interest of the EU.

Now, while I personally oppose the Death Penalty on principle, I dislike the EU’s double standards when criticizing Taiwan while more or less tolerating executions in the US or Japan, not to mention the thousands of prisoners being killed in China every year.

More important, however, is the open questioning of the EU’s fatal „One-China policy“. While the European Parliament is probably the least powerful of the three major EU institutions, and the Liberals constitute but a minority fraction, it is good to see some common sense shining through once in a while.

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5 Kommentare zu “ Deutsche Politiker in Taiwan / „One-China policy has no future“ ”

  1. Maru sagt:

    „Es ist bedauerlich, dass Repräsentanten eines demokratischen Landes, das vorbildlich für die gesamte Region ist, politisch sprichwörtlich links liegen gelassen wird. Aber wir müssen das Beste daraus machen.“

    Wow, das ueberrascht mich jetzt doch, positiv natuerlich. Es ist ja wirklich selten, dass ein Politiker in Deutschland bei diesem Thema mal immerhin soviel Rueckrat besitzt…Respekt.

  2. Wladimir sagt:

    Dass realwirtschaftlich längst schon die One-China-Politik die Praxis ist, mag ja dem politischen Pragmatismus der Chinesen erklärt werden können.

    Dass sich aber ein von seiner Klientel- und Lobbygruppeninteressenvertretungsmanie gehetzter Klientel- und Lobbygruppeninteressenvertretungsparlamentarist zu eine so schwachgeistigen Inszenierung verführen lässt, spricht Bände und dokumentiert den Zerfall des deutschen demokratischer Parlamentarismus in einen kannibalkapitalistischen Opportunistenzirkus und einen naiv-schizoiden Gutmenschenkarneval.

    Sowohl die VR China als auch dir Republic of Taiwan sind neo-nazistische Zwangsarbeitssysteme, in denen das Humankapital bis zur Zerstörung der menschelichen Existenzgrundlagen kostenoptimiert wird und immer näher an die amerikanische Plutocracy heran reformiert wird.

    Es lebe der (k/g)lobale Finanzinvestorismus und der Sieg der Shareholderklasse unter der Führung des Elit’ariers‘ Obama und der Genossen des ZK der KPC.

    Und Herr Willsch sich für eine derartige Inszenierung einsetzen ließ, lässt auf ein hoch entwickeltes Klientel- und Lobbyinteressenbewusstsein dieses Parlamentaristen schliessen.

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  1. […] aus den Reihen der CDU/CSU) interessanterweise eine der größten derartigen Parlamentariergruppen. Hier hatte ich kürzlich über ihren Besuch in Taipeh […]

  2. […] aus Hessen, war es der zweite Taiwan-Besuch. Zu seiner ersten Reise im April hatte ich hier schon einmal über ihn und den Freundeskreis […]

  3. […] stand auch in diesem Fall Deutschlands unselige “Ein-China-Politik” einer schnellen Lösung im Weg, denn solche Abkommen werden normalerweise auf völkerrechtlicher […]

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