Archive for Juni, 2011

Als Vertreter von Weltreporter.net sitze ich morgen auf einem Podium bei der Hamburger Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche. Thema:  “Glücklich, aber arm? Die Zukunft von freien Auslandsjournalisten”

Eine der Fragen, über die wir diskutieren sollen: “Tageszeitung und Hörfunk – funktioniert das alte Modell der Mehrfachverwertung noch?
”

Wie es funktionieren kann, wenn es gut läuft, dazu ein Beispiel aus meiner Arbeit – wenn auch nicht aus Taiwan. Vergangenes Jahr hatte ich in Kambodscha zu tun und stieß im Vorfeld meiner Reise auf Informationen über den Deutschen Peter Willers, der dort ein Minenräum-Kommando leitet. Über die deutsche Botschaft war schnell ein Kontakt hergestellt.

In der Gegend der Tempelanlagen von Angkor Wat konnte ich Willers zwei Tage lang mit meiner Videokamera ins Feld begleiten. Daraus entstanden in den folgenden Monaten ein Fernsehbeitrag für Deutsche Welle-TV, zwei Radioberichte für WDR 5 und den Deutschlandfunk sowie eine Reportage, die in der taz und der Rheinischen Post gedruckt wurde.

So soll es sein. So klappt es aber leider nicht immer.

Zum Ansehen, Hören und Nachlesen:

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Morgen Abend wird fein gespeist in einer Wannsee-Villa, man wird sich beraten, Abkommen unterzeichnen und gegenseitig seiner Wichtigkeit versichern. So geht es zu, wenn Chinas Premierminister Wen Jiabao mit 13 Ministern zu den ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen nach Berlin kommt. China ist eine Diktatur, aber für Deutschland ein zu wichtiger Handelspartner, um nicht den roten Teppich auszurollen.

Taiwan dagegen ist eine Demokratie, ein wichtiger Handelspartner, aber nicht wichtig genug, um das „gute Verhältnis“ mit China zu trüben. So kommt es, dass die Bundesregierung Taiwans Demokratie mit Missachtung straft, während sie ansonsten gern weltweit für Demokratie und Selbstbestimmung eintritt, vom Kosovo bis zum Südsudan. (weiterlesen …)

Chinesisch zu lernen ist eine Lebensaufgabe. Eine guter Methode, es sich auf diesem Weg ein bisschen leichter zu machen, ist ein Sprachstudium in Taiwan. Viele Sprachschulen hier haben sich seit Jahrzehnten darauf spezialisiert, Ausländer fit in Mandarin zu machen.

Was spricht für ein Studium in Taiwan?

  • Taiwan bietet guten Unterricht
    Taiwans Sprachschulen haben unter Chinesisch-Studenten einen guten Ruf. Die am weitesten verbreiteten Lehrbücher der Practical Audio-Visual Chinese-Reihe sind didaktisch geschickt aufgebaut.
  • Taiwan schreibt Langzeichen
    Zugegeben, die traditionellen Zeichen sehen ein wenig komplizierter aus, aber sie erleichtern das Verständnis der chinesischen Schrift und ihrer Ursprünge. Wer zuerst Langzeichen lernt, kann später die vereinfachten Zeichen der Volksrepublik recht schnell erfassen. Andersherum ist es schwieriger.
  • Taiwan ist demokratisch
    (weiterlesen …)

Wer wirklich brauchbares Chinesisch lernen will, sollte die Textbücher liegen lassen und sich ein Handy zulegen. Dort erhält man ab und zu Mini-Lektionen wie diese frei Haus:

甜美可愛的女孩想找男朋友,她們在896發布了徵友宣言嘍!趕快手機撥打8962選擇心儀的女孩,千萬別錯過大好機會!每秒0.12元

Süße Mädels suchen einen Freund. Sie haben unter “896″ Partneranzeigen gepostet! Schnell, wähle per Handy die “8962″ und suche Deine Wunsch-Frau aus. Verpasse auf gar keinen Fall diese Super-Gelegenheit! Jede Sekunde 0.12 NT$.

Eine Minute kostet also 7,2 NT$, das sind ca. 17 Euro-Cent. Günstiger als private Chinesischlehrer. Und bestimmt mit interessanterem Vokabular. Ob man gleich durchgestellt wird?

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

In Taiwan stoße ich immer wieder auf überraschend praktische und effiziente Lösungen für alle möglichen Probleme, die den Menschen noch zusätzlich schmackhaft gemacht werden, indem sie bares Geld sparen. So hatte ich hier ja schon einmal erwähnt, dass die Müllmenge drastisch zurückging seit Taiwaner Restmüllbeutel mit amtlichem Siegel kaufen müssen, Wertstoffe dagegen gratis entsorgen können.

Als ich neu in Taipeh war, wunderte ich mich über das innige Verhältnis der Taiwaner zu ganz normalen Kassenzetteln. Egal, ob ich im Supermarkt den Großeinkauf erledigte oder nur im Laden an der Ecke eine Zeitung kaufte: Stets drängte das Personal mir den Bon geradezu auf, und wenn ich dankend ablehnte, erntete ich verwunderte Blicke. Dann verstand ich: Jeder Kassenzettel kann mich reich machen.

Vor einigen Jahren stand Taiwans Regierung vor einem Problem, das von Deutschland bis Griechenland nicht unbekannt ist: Viele Geschäfte liefen ohne Quittung ab, dem Staat gingen Steuern durch die Lappen. Statt verdeckte Ermittler neben jede Registrierkasse zu stellen, was wohl die deutsche Lösung wäre, dachte man sich: (weiterlesen …)

Nachtrag, 9.6.: Ein Bericht in der taz.

Auf der Facebook-Seite von Taiwans Präsidentschaftskandidatin Tsai Ing-wen (DPP) kann man in hunderten Kommentaren gerade einen Eindruck davon bekommen, was ihre Unterstützer über Deutschland denken. Modern, fortschrittlich und sogar freundlich – so äußern sich die meisten über das ferne Land, das Tsai von Montag bis Mittwoch dieser Woche besucht hat. Inzwischen ist sie nach London weitergereist.

Offiziell diente die Berlinvisite vor allem dazu, mehr über Deutschlands Energie- und Atompolitik zu erfahren. Tsai peilt für den Fall ihrer Wahl den Atomausstieg Taiwans bis zum Jahr 2025 an. Es ist eines der wenigen Themen, in denen sie sich bereits klar festgelegt hat. Da aber nur wenige Taiwaner sich vorstellen können, dass erneuerbare Energien die Lücke schließen können, kommt Merkels Entscheidung, Deutschlands Atomausstieg nun doch nicht zu blockieren, Tsai für den Wahlkampf gerade recht. Ihr Tenor in Interviews: „Wenn eine große Industrienation wie Deutschland das kann, dann wir auch!“

Natürlich geht es auch darum, Zweifel an der Präsidenten-Tauglichkeit auszuräumen und Bilder nach Taiwan zu liefern, in denen Tsai sich als weltgewandte Repräsentantin Taiwans inszeniert, die sich auf Augenhöhe mit europäischen Politikern trifft. Reichstagsgebäude und der Berliner Hauptbahnhof sind nicht nur grüne Aushängebauten, sie geben auch prima Fotokulissen ab, und Tsai hat ganz offenbar einen begabten Fotografen im Team. Mehr als hundert Bilder stehen in fleißig kommentierten Fotogalerien auf Tsais Facebook-Seite. Der Kontakt zu jungen Wählern ist zentral für ihre Kampagne.

Immer, wenn einer der Ihren wichtigen Ausländern die Hand schütteln kann, geht den leidgeprüften Taiwanern das Herz auf – so sehr sind sie daran gewohnt, auf internationalem Parkett ignoriert oder nicht für voll genommen zu werden. (weiterlesen …)