Chinesische Sprache, schwere Sprache

Chinesisch lernen, das ist eine Lebensaufgabe. Eine gute Methode, es sich auf diesem Weg ein bisschen leichter zu machen, ist ein Sprachstudium in Taiwan.

Chinesisch lernen in Taiwan: Schriftzeichen

Taiwan: Eine gute Umgebung zum Chinesisch lernen

Viele Sprachschulen in Taiwan haben sich seit Jahrzehnten darauf spezialisiert, Ausländer fit in Mandarin zu machen. Was spricht für Chinesisch lernen in Taiwan?

  • Taiwan bietet guten Unterricht Taiwans Sprachschulen haben unter Chinesisch-Studenten einen guten Ruf. Die am weitesten verbreiteten Lehrbücher der Practical Audio-Visual Chinese-Reihe sind didaktisch geschickt aufgebaut. (Übersicht)
  • Taiwan schreibt chinesische Langzeichen Zugegeben, traditionelle chinesische Schriftzeichen sehen ein wenig komplizierter aus. Aber sie erleichtern das Verständnis der chinesischen Schrift und ihrer Ursprünge. Wer zuerst Langzeichen lernt, kann später die vereinfachten Zeichen der Volksrepublik recht schnell erfassen. Andersherum ist es schwieriger.
  • Taiwan ist demokratisch Es ist ein gutes Gefühl, in Taiwan sein Geld in einem freien Land auszugeben, statt indirekt ein autoritäres Regime zu unterstützen.
  • Taiwan ist sicher Mitten in der Nacht durch Taipeh spazieren? Kein Problem. Geldbeutel liegen gelassen? Die Chancen stehen gut, dass der erstbeste Finder hinter Ihnen her rennt, um ihn zurückzugeben.
  • Taiwan ist wohlhabend und entwickelt Es gibt in Taiwan so gut wie keine offene Armut. Das Wirtschaftswunder der 70er bis 90er Jahre hat weiten Teilen der Bevölkerung einen hohen Lebensstandard beschert.
  • Taiwan ist freundlich Taiwaner sind westlichen Ausländern gegenüber nicht misstrauisch eingestellt, sondern ausgesprochen aufgeschlossen und gastfreundlich. Mit Taiwanern schließt man schnell wirkliche Freundschaften.

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Mandarin lernen an Universitäten oder Sprachschulen

Es gibt in Taiwan eine ganze Reihe von Mandarin-Zentren an etablierten Universitäten. Eine offizielle Liste steht auf der empfehlenswerten Seite Study in Taiwan. Daneben kann man auch an großen privaten Sprachschulen wie TLI Stunden nehmen. Westliche Studenten in Taiwan sind normalerweise in der Minderheit. Die meisten kommen aus Ländern wie Japan, Korea und Vietnam. Der Anteil der asiatischen Studenten steigt mit höherem Kursniveau immer weiter. Zugleich sinkt die Zahl der Studenten normalerweise von mehr als zehn in den Anfängerkursen bis auf fünf oder sechs.

Chinesisch lernen in Taiwan: NTNU Shida in Taipei

Chinesisch lernen braucht Zeit

Ein üblicher Chinesisch-Sprachkurs dauert drei Monate und umfasst zwei oder drei Stunden Unterricht pro Tag. Ohne Visum können Deutsche sich 90 Tage in Taiwan aufhalten. Wer alles ganz korrekt abwickelt oder einen längeren Aufenthalt plant, braucht ein Studentenvisum. Dieses wird nur verlängert, wenn man im Unterricht ein bestimmtes Leistungsniveau erreicht und nicht zu viele Stunden versäumt. Die aktuellen Visa-Bestimmungen sehen ein Minimum von drei Unterrichtsstunden pro Tag vor. Wer nur einen zweistündigen Kurs belegt, kann z.B. an der National Taiwan Normal University (alias Shida, s.u.) mit dem zusätzlichen Besuch von Wahlveranstaltungen die benötigten Zeiten erreichen.

Wo ich die chinesische Sprache gelernt habe

Ich habe in Taipeh drei verschiedene Sprachzentren kennen gelernt. Aber es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten.

1. National Chengchi University (NCCU, „Zhengda“ 政大), Taipei

Die NCCU heißt auf Deutsch „Nationale Politik-Universität“. Sie gilt als Kaderschmiede von Taiwans Diplomaten und bietet auch einen renommierten englischen MBA-Studiengang. Die Uni liegt am südlichen Stadtrand von Taipeh im Viertel Muzha. Das Sprachzentrum zum Chinesisch lernen thront auf einem Hügel und überblickt den restlichen Campus.

Chinesisch lernen in Taiwan: NCCU Universität Taipeh

Hier habe ich im Jahr 2008 meine allerersten drei Monate die Chinesische Sprache gelernt, und dass ich noch immer nicht aufgegeben habe, zeigt wohl, dass unsere Lehrerin damals einiges richtig gemacht hatte. Wer im NCCU-Wohnheim unterkommt, sollte sich darüber bewusst sein, dass es ein weiter Weg bis in die Innenstadt ist. Studentinnen wohnen zumindest am Fuß des Hügels neben der Bushaltestelle, aber wer spät Abends zurück ins Männerwohnheim will, muss noch einen strammen Marsch bergauf einlegen.

2. National Taiwan Normal University (NTNU, „Shida“ 師大), Taipei

Weil die Shida Taiwans traditionelle Ausbildungsstätte für Lehrer und Pädagogen ist, genießt das Mandarin Training Center hier einen besonderes guten Ruf und ist m.W. das größte seiner Art in Taiwan. Die „Practical Audio-Visual Chinese“-Lehrbücher werden an der Shida entwickelt. Hier habe ich von 2009 bis 2010 insgesamt zwölf Monate lang studiert und bei der Gelegenheit einen Beitrag fürs sibirische Fernsehen gedreht. Ja, so etwas kommt vor in Taiwan.

Den guten Ruf hat die Shida sicher nicht zu Unrecht, aber nach vier Kursen gingen mir einige Regeln zunehmend auf die Nerven. So kann man Zeit in der Bibliothek absitzen, um auf die benötigte Stundenzahl zu kommen (s.o.). Dies wird auf einer Pappkarte abgestempelt. Leider war das Bibliothekspersonal recht kleinlich und unfreundlich. Eine andere Möglichkeit, Stunden zu sammeln: im Audimax gemeinsam chinesische Filme sehen. Theoretisch kann man so natürlich Chinesisch lernen. Die meisten nutzen diese Zeit allerdings, um zu schlafen oder per Handy Facebook-Updates zu posten. Dafür waren meine Studiengebühren mir zu schade: Der zweistündige Kurs kostete knapp 25.000 Taiwan-Dollar für drei Monate, und die Gebühren wurden regelmäßig erhöht. Außerdem waren die technischen Einrichtungen nicht auf dem neuesten Stand, die Computerräume z.B. recht antiquiert.

3. Chinese Culture University („Wenda“ 文大), Taipei

Die Wenda ist eine private Hochschule mit mehreren Standorten in Taipeh. Während der Hauptcampus hoch oben auf dem Yangmingshan die Stadt überblickt, liegt das Mandarin Learning Center direkt gegenüber vom Daan Forest Park mitten in der Stadt, ungefähr in der selben Gegend wie die Shida. An der Wenda habe ich mittlerweile drei Kurse belegt und bin recht zufrieden. Die Kursgebühren betragen nur etwa 20.000 NT$, aber man erhält effektiv mehr Unterricht als an der Shida: Die dritte Stunde besteht aus einem frei wählbaren Extra-Kurs, etwa Konversation, Essay-Schreiben oder Kurzzeichen. Für diese Kurse hat die Wenda eigenes Lehrmaterial entwickelt, während man in den Hauptkursen die selben Bücher nutzt wie an der Shida.

Chinesisch lernen in Taiwan: Chinese Culture University Taipei

In jedem Klassenraum gibt es Videoprojektoren mit PC- und Netzanschluss, und die Bibliothek im vierten Untergeschoss (!) bietet nicht nur ein originelles Star Trek-Kommandobrücken-Design, sondern auch moderne Computerräume, einige iMacs und sogar ein eigenes Café.

Weitere Hochschulen zum Chinesisch lernen in Taiwan

1. National Sun Yat-sen University, Kaohsiung

Eine besondere Erwähnung verdient die Sun Yat-sen Uni in Taiwans südlicher Metropole Kaohsiung. Ich habe hier nicht studiert, aber wie man hört, hat der Campus einen besonderen Charme: Die Uni hat einen eigenen Badestrand, und Affen aus dem nahegelegenen Naturschutzgebiet reißen Studenten gern das Mittagessen unter das Nase weg. Außerdem hat Kaohsiung besseres Wetter als Taipeh, das Leben ist billiger, und die Menschen gelten als besonders freundlich.

2. National Taiwan University (“Taida” 台大), Taipei

Auch an der National Taiwan University habe ich nicht selbst studiert. Aber Leserin Kerstin schreibt:

Es gibt zwei Sprachzentren an der Taida. Die beiden sind räumlich, administrativ und inhaltlich vollständig getrennt.

  1. Chinese Language Division, Language Center (CLD)

    Das “normale” Sprachzentrum. Es soll ähnlich wie Shida sein, da kann ich allerdings wenig zu sagen, da ich es selber nicht besucht habe. Hier gehen die meisten ausländischen Studenten an der Taida hin, um Chinesisch zu lernen.

  2. International Chinese Language Program (ICLP)

    Das “Elite”-Programm, zumindest sieht es sich selbst so. Das Programm wurde in den 60ern von der Uni Stanford gegründet und ist stark akademisch geprägt. Es wird hier sehr viel mehr von den Studenten verlangt (was mir diverse Wechsler bestätigt haben), aber man bekommt dafür auch mehr. Die Lehrer sind sehr gut ausgebildet, die Klassen mini, das Lehrmaterial (fast ausschließlich selbst entwickelt) ist super. In den Kursen wird viel über Politik und Gesellschaft diskutiert.

    Vorteil: Für akademisches Chinesisch und auch für klassisches Chinesisch auf jeden Fall die Top-Adresse. Außerdem schnelle Fortschritte. Fast ausschließlich hyper-motivierte Mitstudenten (übrigens zu 80 Prozent Amerikaner der Top-Unis).

    Nachteil: Hohe Arbeitsbelastung, was zudem wenig Zeit lässt, um Taiwan selbst kennenzulernen. Extrem hohe Kosten.

 

3. National Cheng Kung University (“Chengda” 成大), Tainan

 

4. Wenzao College (Kaohsiung)

Leser Xinxi schreibt in den Kommentaren:

Kaohsiung und Tainan bieten günstigere Lebenshaltungskosten, subtropisches Klima, schönere Wohnungen und (meiner Ansicht nach) besseres Essen als Taipei.

 

Lehrkräfte und Mitschüler

Entscheidend dafür, ob ein Kurs etwas fürs Chinesisch lernen bringt oder nicht, ist letztlich weniger die Schule. Es kommt auf die Lehrerin an (fast immer sind es Frauen) und auf die Zusammensetzung und Motivation der Kommilitonen. Überall gibt es nette und barsche, junge und alte, ineffiziente und kompetente Lehrerinnen. Und jeder Kurs geht schleppend voran, der zur Hälfte aus (Achtung: Klischees!) lateinamerikanischen Machos besteht, die vor allem Diplomatische-Verbündete-Stipendien abgreifen, oder aus Japanerinnen, die Schriftzeichen in Rekordgeschwindigkeit lernen, aber nur alle paar Tage den Mund aufmachen.

Stipendien fürs Chinesisch lernen in Taiwan

Wer seinen Taiwan-Aufenthalt nicht komplett selbst finanzieren will, kann sich um verschiedene Stipendien bewerben. Die größte Bedeutung von Seiten Taiwans hat das Huayu Enrichment Scholarship des Ministry of Education. Von deutscher Seite gibt es neben eventuellen Austausch-Abkommen des eigenen Uni-Instituts natürlich den DAAD: Vollständige Auflistung aller DAAD-Programme für Taiwan. Auf meine Anfrage schrieb der zuständige Referatsleiter:

Besonders hinweisen möchte ich Sie auf unsere “Jahresstipendien für Studierende aller Fächer”. Die Jahresstipendien werden sowohl für Studierende als auch für Graduierte aller Fachrichtungen angeboten. Während es früher generell überwiegend um Stipendien für Sprachkurse ging, nimmt die Anzahl der Graduierten, die ein Masterstudium in Taiwan durchführen, kontinuierlich zu. In diesem Jahr gab es mehr Anträge für zweijährige Masterstudiengänge als für einjährige Sprachstudien. Die Vermutung liegt daher nahe, dass das Interesse deutscher Studierender an einem “vollwertigen” Studium – mit Master-Abschluss – insgesamt im Zunehmen begriffen ist; eine erfreuliche Entwicklung!



Weiterhin bietet der DAAD das Taiwan Summer Institute-Programm speziell für deutsche und taiwanische Studierende der Natur- und Ingenieurwissenschaften an. Deutsche erhalten die Möglichkeit, innerhalb von zwei Monaten an einem Einführungsseminar teilzunehmen und anschließend ein ca. 7-wöchiges Praktikum an Hochschulinstituten oder in der Industrie zu absolvieren. Es gibt auch ein Informationszentrum des DAAD in Taipeh.

Chinese shop signs

Ich fragte den DAAD, wem Sie ein Studium in Taiwan zum Chinesisch lernen empfehlen würden. Die Antwort:

Sinologie-Studierende, die sich mit der klassischen chinesischen Literatur oder Geschichtsschreibung befassen wollen, sind in Taiwan natürlich besonders gut aufgehoben, weil hier noch die Schriftzeichen in ihrer ursprünglichen Version (als “Langzeichen”) Verwendung finden – auch im Alltag. In der Volksrepublik hingegen werden vereinfachte Schriftzeichen verwendet, die zum Verständnis älterer Texte nicht ausreichen. Hochchinesisch (Mandarin) ist die dominante Sprache, die nahezu jeder beherrscht. Auch das ist ein Vorteil für Mandarin-Lernende. Sowohl in Taiwan als auch in der VR China gibt es z.T. ausgezeichnete Studien-, in vielen Fällen auch Forschungsbedingungen. Da kommt es eher auf die Qualität der einzelnen Hochschule an. Zu behaupten, nur diejenigen, die sich mit dem “alten China” beschäftigen, sollten nach Taiwan gehen, wäre falsch. Es gibt viele Forschungsfelder, auf denen Taiwan ein hohes internationales Renommee hat – Nanotechnologie, Halbleitertechnologie, Meereswissenschaften, Umweltwissenschaften oder Biotechnologie zählen dazu.



Wie viele Studenten zieht es eigentlich nach Taiwan? Der DAAD beruft sich auf Angaben des taiwanischen Bildungsministeriums, nach denen 2003/04 130 Deutsche in Taiwan studierten, 2008 waren es 293. In der Volksrepublik dagegen waren es 2010 laut chinesischem Bildungsministerium ca. 4.800 Deutsche (im Jahr 2003: 1.280). Taiwan ist also offenbar noch immer so etwas wie ein Geheimtipp, und wer Chinesisch lernen will, sollte sich überlegen, ob er nicht zumindest einen Teil seines Studiums in Taiwan verbringt.

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