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Archive for August, 2011

Leben in Taiwan

Der Rasen im Vorgarten wie mit der Nagelschere gestutzt, die Fassade frisch geweißelt, Spitzengardinen hinter kristallklaren Fensterscheiben: Deutsche Standards für „schöner Wohnen“ darf man nicht auf das Leben in Taiwan übertragen.

Das hat nichts mit dem Klischee vom „schmutzigen Asien“ zu tun. In Taipeh etwa finden sich keine wilden Müllkippen, und Mitarbeiter der Stadtreinigung fegen in mühsamer Handarbeit jede Kippe vom Bürgersteig. Dennoch lässt das Äußere der meisten Gebäude den Neuankömmling aus Deutschland zunächst einmal schwer schlucken.

Taiwan Buildings outside

Der äußere Eindruck zählt nicht

Das typische Wohnhaus in Taiwans Städten wurde zwischen 1970 und 1990 als Beton-Plattenbau errichtet und hat vier oder fünf Stockwerke sowie auf dem Flachdach einen irgendwann illegal errichteten, Wellblech-bedeckten Aufbau. Die Außenwände sind aus rohem Beton, der sich im Lauf der Zeit schmuddelig-dunkelgrau gefärbt hat, oder mit Kacheln gefliest. Die sind zwar theoretisch abwaschbar, haben nach Jahrzehnten in Mofa-Abgasen und feuchtem Klima aber jeden Glanz verloren.

Selbst, wenn an der Fassade keine Neonschilder mit chinesischen Schriftzeichen auf einen Laden im Erdgeschoss hinweisen, ziehen sich lose verlegte Stromkabel kreuz und quer von einem Stockwerk zum anderen. Außen angebrachte Klimaanlagen sind für die Ästhetik ungefähr so verheerend wie Satellitenschüsseln an deutschen Mietshäusern.

Sonnenlicht unerwünscht?

Ein Kapitel für sich sind die Fenster. Wo Deutsche sich über jeden Sonnenstrahl freuen, haben Taiwans Architekten offenbar einen Extrakurs in „Sonne draußen halten“ belegt. Hier sind Fenster meist klein, zurückgesetzt oder überdacht, mit undurchsichtigem Glas versehen oder nachträglich verklebt.

Die kleinen Balkone dienen nicht zum Sitzen, sondern zum Wäschetrocknen und Lagern von allen möglichen Haushaltsgegenständen. Und als Krönung schrauben Taiwaner gern vor jedes Fenster einen Metallkäfig. Angeblich als Schutz vor Einbrechern, aber wie die in den vierten oder achten Stock klettern sollen, konnte mir noch niemand erklären.

Taiwan building tiles

In der Wohnung: Schuhe ausziehen

Wie so oft außerhalb Deutschlands, sagt das Äußere eines Hauses aber nichts aus über das Reinlichkeitsempfinden seiner Bewohner. Wer eine taiwanische Wohnung betritt, zieht noch auf der Schwelle die Straßenschuhe aus und schlüpft in bereitstehende Plastikschlappen.

Der erste Schritt führt direkt ins Wohnzimmer, denn Flure sind unbekannt. Mit Neonlampen möglichst hell ausgeleuchtet (weil ja keine Sonne hereinscheint), fällt der Blick entweder auf den Hausaltar für die Ahnen mit Räucherstäbchen und kleinen Götterstatuen oder auf einen riesigen Flachbildfernseher aus heimischer Produktion – je nachdem, wie traditionell es in dem Haushalt zugeht.

Teppichböden sind nahezu unbekannt. Der Fußboden ist meist durchgehend gefliest, was im feucht-heißen Klima eine gute Idee ist. So stehen auch im Wohnzimmer keine Polstermöbel, sondern Sessel und Sofas aus blankem, dunkel lackierten Holz.

In die Küche gehört in Taiwan auf jeden Fall ein Gasherd, denn schnelles Anbraten im Wok ist eine der wichtigsten Zubereitungsarten. Die Gasflasche steht in dem Gitterkäfig vorm Küchenfenster und wird innerhalb von Minuten ersetzt, wenn der Vorrat zur Neige geht. Backöfen gibt es kaum, und wer erzählt, dass er daheim Kuchen oder sogar Brot selbst backt, sichert sich den Respekt der Taiwaner.

Wer sich ins Bad zurückzieht, stellt fest: Badewannen, Duschbecken oder –vorhänge sind genauso selten. Man setzt lieber regelmäßig das halbe Bad unter Wasser. Übrigens duschen Taiwaner grundsätzlich Abends und wundern sich sehr, dass wir in Deutschland zu Bett gehen, ohne zuvor den Straßenschmutz des Tages abzuspülen.


Aktuelle Pressemitteilungen der Hamburger Taipeh-Vertretung:

Sie sind ganz herzlich zu einer kulinarischen Reise durch Taiwan eingeladen. Am nächsten Sonntag (04.09.2011) veranstaltet die Taipeh-Vertretung in Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde Hamburg einen genussvollen Nachmittag:

Sonntag, 4. September 2011, 14-20.30 Uhr
Taiwanesische Küche – ein Genuss für den Gaumen. Kulinarischer Nachmittag, 14-18 Uhr

Erleben Sie die köstliche und raffinierte taiwanesische Küche. Gelernte Köche und der Gemüseschnitzer Chih-Jung Hsu zeigen ihre Kunst. Sie können sich selbst unter fachkundiger Anleitung im Gemüseschnitzen üben. Natürlich können Sie auch Speisen aus der taiwanesischen Küche kosten! Teezeremonie, Kalligrafie und Basteleien zum Thema gewähren Einblicke in die taiwanesische Kultur und runden den kulinarischen Nachmittag ab.

Taiwanesischer Kochkurs, 18-20.30 Uhr

Der Chefkoch Wen-Tsun Yang bietet einen exklusiven Kochkurs an. Kochen Sie zusammen mit dem Spezialisten taiwanesische Köstlichkeiten und lernen Sie viel Wissenswertes über die Küche Taiwans. Kursbeitrag: 20 € inkl. Museumseintritt. Anmeldung unter Tel. 040 – 42 88 79-0

Ort: Museum für Völkerkunde Hamburg, Rothenbaumchaussee 64 – U-Bahn U1 (Hallerstraße), Bus 34 (Museum für Völkerkunde)

Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

Und der nächste Film in der Hamburger Taiwan-Kinoreihe:

100 Jahre Film aus Taiwan im Überblick

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Republik China (Taiwan) zeigen wir ab Februar 2011 monatlich einen Film aus und über Taiwan. Die Themen sind sehr vielfältig, von historischen bis hin zu gesellschaftlichen Filmen ist alles vertreten. Der Eintritt ist immer kostenlos.

Zeit: Donnerstag, den 22. September 2011 um 18:30 Uhr. Ort: Ookii Restaurant (Burchardstrasse 16, 20095 Hamburg – Tel.: 040-336806)

Eintritt frei! Im Anschluss wird ein kleiner Imbiss gereicht.

Der Kampf um die Republik China 中華民國肇興之役

Drama 1981 Taiwan/ Hongkong. Regie: Ding Shan-xi

90 Min, Mandarin mit englischen Untertiteln

Im frühen 20. Jahrhundert kämpfen Rebellen gegen die chinesische Monarchie, um eine Demokratie zu etablieren. Nach historischem Vorbild entwickelt der Film eine Geschichte um einen militärischen General. Die Loyalitätsansprüche dieses Generals und seiner Frau unterscheiden sich anfangs sehr. Die Ehefrau schließt sich den Rebellen an, um gegen die konservative Kaiserinwitwe zu kämpfen. Noch ahnt sie nicht, dass ihr Mann sich ebenfalls den Rebellen angeschlossen hat und auf Seiten der Rebellen kämpft. Beide kämpfen, jeder auf seine eigene Art, für Gerechtigkeit und nähern sich einem dramatischen Ende, als sich im Zuge des Zivilkrieges herauskristallisiert, wer letztendlich gewinnen und wer verlieren wird.

 

 

 


When I first met Victoria Linchong in January 2010, she was busy travelling around Taiwan with her small video camera, doing interviews with Aborigines in Taitung and with former democracy activists in Taipei. She told me she was an actress from New York City, doing a documentary about her parents’ home – Taiwan.

Victoria calls „Almost Home: Taiwan“ a „documentary on Taiwan’s struggle for democracy“, but it is just as much about her own family. Born in the U.S., in 1986 she came to Taiwan with her father for the first time to attend a family funeral. She accompanied him again in 2008. Taiwan had changed a lot by then. This time, she took a video camera and recorded scenes of that very personal journey of discovery. The idea: turn it into a documentary.

„Almost Home: Taiwan“ is a feature-length documentary that examines the legacy of political repression and the emergence of Taiwanese identity and independence, through the reunion of a Taiwanese family after 22 years.

In the documentary, filmmaker Victoria Linchong returns to Taiwan with her family, searching for long-lost connections and becoming re-acquainted with the unique culture of the island and its wild beauty. Bridging the deeply personal and globally political, „Almost Home: Taiwan“ clarifies the controversies surrounding Taiwan, while introducing viewers to raucous night markets, aboriginal festivals, saint trees and kissing fish.

This is Victoria introducing the project herself:

Almost Home: Taiwan – Indiegogo Pitch from Victoria Linchong on Vimeo.

One and a half years after she came to Taiwan once more for interviews and additional footage, Victoria has almost finished her film. Being a TV journalist, I know what it means to start out with nothing but an idea, but I can only try to imagine (mehr …)


Davon, dass Taiwan eine subtropische Pazifikinsel ist, bekomme ich in meinem alltäglichen Leben wenig mit. Taipeh liegt in einem Talkessel, und bis zum nächsten Badestrand bin ich mit Bus und U-Bahn gut zwei Stunden unterwegs. Dort ist es dann wenigstens nicht überfüllt, denn Meer- und Sonnenbaden gehören nicht zu den liebsten Freizeitaktivitäten der Taiwaner. Die See ist vielen nicht geheuer: Dort lauern nach dem Volksglauben die Geister der Ertrunkenen darauf, Schwimmer in ihr nasses Reich hinabzuziehen.

Viele Insulaner können auch gar nicht schwimmen, trauen sich nur bis zur Brust ins Wasser und planschen ein wenig herum. Zurück am Strand, suchen sie Schutz unter Zeltdächern oder vermummen sich von Kopf bis Fuß, denn gebräunte Haut gilt in Taiwan als gar nicht schick. Besonders Frauen nehmen viel auf sich, um ihre vornehme Blässe zu erhalten – vom stets mitgeführten Regenschirm gegen die Sonnenstrahlen bis zur Anti-UV-Lotion mit extra viel Bleichmittel.

Für ein bisschen authentisches Bacardi-Feeling muss man sich in Taiwans Süden aufmachen und zum Beispiel zur Grünen Insel übersetzen. Die liegt 30 Kilometer vor der Südostküste mitten im Pazifik. Die Überfahrt ist berüchtigt für heftigen Wellengang, und tatsächlich machen einige Taiwaner guten Gebrauch von den großzügig ausgeteilten Papierbeuteln, während ihre Freunde hinter ihrem Rücken herumkaspern und Erinnerungsfotos knipsen.

Nach etwa einer Stunde haben sie es überstanden und die Grüne Insel erreicht: In der Mitte ein bewaldeter erloschener Vulkan, rundherum Strände, Steilküsten und skurril geformte Felsen. 3000 Menschen leben hier vor allem vom Tourismus, vermieten Zimmer und Motorroller, auf denen man die Insel in weniger als einer Stunde umrunden kann. Die in Taipeh streng durchgesetzte Helmpflicht hat sich noch nicht herumgesprochen.

Man kann hier prima ein paar Tage verbringen, an Korallenriffen schnorcheln, frische Meeresfrüchte essen und sich in den heißen Meerwasserquellen entspannen, die es weltweit nur ganz selten gibt. Leider versäumen die meisten Besucher es, einen Ort zu besuchen, der das Inselparadies in einem anderen Licht erscheinen lässt: die wichtigste Gefängnis-Gedenkstätte des Landes.

Bis 1987 wurde Taiwan als Einparteien-Diktatur per Kriegsrecht regiert. Unter dem Vorwand des Kampfes gegen die Kommunisten auf dem chinesischen Festland unterdrückte Taiwans Regierung jeden innenpolitischen Widerstand. Wer zu laut dachte oder das Falsche sagte, wurde weggesperrt. Die abgelegene Grüne Insel war der perfekte Ort, um politische Dissidenten verschwinden zu lassen. Touristen gab es damals natürlich keine.

In den Neunzigern wurde Taiwan demokratisch, und seit zehn Jahren ist das frühere Gefängnis offen für Besucher. Gespenstisch ist es, in den leeren Zellen zu stehen und sich vorzustellen, dass zum Beispiel Taiwans spätere Vizepräsidentin hier hinter Gittern und dicken, grün gestrichenen Holztüren Jahre ihres Lebens verbringen musste. Einige Zellen wurden von Künstlern umgestaltet, in anderen sind Fotos von ehemaligen Häftlingen, die Jahre später an diesen Ort zurückkehrten.

Dass es diese Gedenkstätte gibt, ist ein gutes Zeichen. Dass der Besuch nicht Pflicht für jedes taiwanische Schulkind ist, und dass die Verantwortlichen nie bestraft wurden, zeigt aber auch, dass Taiwans Diktatur noch lange nicht aufgearbeitet ist.

Zum Green Island Human Rights Memorial Park gibt es ein informatives englisches Blog.

Man muss nicht bis Green Island reisen, um in Taiwan eine Gefängnis-Gedenkstätte zu besuchen: Mein Eintrag über das Jingmei Prison in Taipeh.


Was so passiert, wenn man in Taiwan als Ausländer aufs Amt muss, schildert mein Lieblings-Taiwanblogger Ludigel mit unnachahmlich scharfer Beobachtungsgabe in diesem Eintrag.

Wer sein Blog noch nicht kennt, sollte sowieso mal stöbern. Er aktualisiert es auch viel öfter als ich zur Zeit.