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Archive for Oktober, 2011

Ab ins Grüne – in Taipeh!

Wochenend und Sonnenschein – da will ich auch in Taipeh nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen oder mich auf der Straße an Motorrollern vorbeiquetschen. Was tun, wenn die eigene Wohnung keinen Balkon hat und der Park gegenüber vom Zelt einer Trauerfeier blockiert ist?

Zum Glück leben im Ballungsraum der Hauptstadt zwar außer mir noch ca. 6 Millionen Menschen, aber wenn die mal ins Grüne wollen, haben sie es nicht allzu weit.

Zeitungsbericht über Parks in Taiwan

Wandern rund um Taipeh

Elefantenberg, Tigerberg, Yangming-Berg: Direkt hinter den Wohnblocks und Bürotürmen steigen sie in die Höhe. An drei Seiten ist Taipeh von Hügeln und sogar einem erloschenen Vulkan umgeben. So betongrau das Straßengewirr aus der Ferne wirkt, so sattgrün wuchern Büsche und Bäume an den steil ansteigenden Hängen.

Ein Netz von gut ausgebauten Wanderwegen bietet gestressten Großstädtern die Möglichkeit, schnell die Asphaltpisten hinter sich zu lassen. Der Weg ist vorgegeben, denn die Vegetation geht in unseren Breitengraden als Urwald durch, und es ist unmöglich, die vorgegebenen Pfade zu verlassen.

Hiking path near Taipei City

Wenn es im Sommer mit 35 Grad und mehr gar zu heiß vom Himmel brennt, oder wenn während der Frühjahrs-Regenzeit jeden Moment ein Wolkenbruch droht, überlege ich mir gut, ob ich so einen doch recht schweißtreibenden Aufstieg beginnen will. Wenn ich dann – noch frohgemut ausschreitend – die ersten gepflasterten Treppen erklimme, werde ich oft von Rentnern überholt, für die der Weg zum Gipfel seit Jahren allmorgendliche Routine ist.

Nehmen die Steintreppen kein Ende, werden die Beine schwer, aber ein vorzeitiges Umkehren kommt nicht in Frage. Schließlich ergeben sich immer wieder schöne Aussichten über die Häuserschluchten von Taipeh, aus denen der bambusförmige Wolkenkratzer Taipei 101 mit seinen 500 Metern aufragt wie der Pfeil auf einer Dartscheibe.

View over Taipei City with Taipei 101

Radfahren in Taipehs Flussufer-Parks

Wenn es mal weniger steil zugehen soll, schwinge ich mich gern auf Rad und nehme den kürzesten Weg zum nächsten Fluss. Nur dort lässt es sich in Taipeh richtig entspannt radeln: An beiden Ufern der Ströme, die durch Taiwans Hauptstadt fließen, ziehen sich mehr als 100 Kilometer grüne Parkstreifen entlang. An einigen Stellen sind sie mehrere hundert Meter breit.

Neben Radwegen und Rasenflächen finden sich hier auch Feuchtgebiete, Hundewiesen und Sportplätze. Überall spielen dort am Wochenende Amateur- und Jugendmannschaften Baseball, Taiwans beliebtesten Mannschaftssport, der vor etwa hundert Jahren von den Japanern ins Land gebracht wurde. Vorbei geht die Fahrt auch an Basketball- und sogar Tennisplätzen, die alle frei zugänglich sind und auf denen trotzdem kein Netz Opfer von Vandalismus wird.

Und in der Stadt? Meine Beobachtungen zum Radfahren in Taipeh, mit Video.

Riverside bike path in Taipei City, with Taipei 101

Von Menschen, die Taipeh schon länger kennen, höre ich (PDF meines Zeitungsartikels): Vor 10, 15 Jahren sah es hier noch ganz anders aus. Wo heute Blumenbeete angelegt und Flutwände mit Mosaiken verschönert werden, war damals verkommenes Brachland, das gern als wilde Müllkippe genutzt wurde.

Dann erkannte die Stadtregierung, dass ihre Bürger nicht immer nur Geld verdienen, sondern auch mal entspannen wollen, und startete ein großes Reinemachen. Projekt Lebensqualität – davon profitiere ich gern.

 


Interview zur deutschen Taiwan-Politik

Es ist ja trotz “Ein-China-Politik” nicht so, dass alle deutschen Politiker Taiwan komplett ignorieren. So gibt es im Bundestag eine deutsch-taiwanische Parlamentariergruppe (die offiziell “Freundeskreis Berlin-Taipeh” heißen muss).

Mindestens ein- oder zweimal im Jahr kommen einige der Abgeordneten nach Taiwan, um hier Kontakte zu pflegen und sich ein Bild von den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu machen.

Gegründet 1989, hatte der Parlamentarische Freundeskreis Berlin-Taipeh im Februar dieses Jahres 56 Mitglieder: 40 aus den Reihen der CDU/CSU, sieben von der SPD, sieben von der FDP und zwei von Bündnis 90/Die Grünen.

MdB-Besuch zum Nationalfeiertag

Zum Nationalfeiertag am 10. Oktober war gerade eine fünfköpfige Delegation für eine Woche in Taiwan:

  • Angelika Krüger-Leißner (SPD, stellv. Vorsitzende der Gruppe)
  • Anita Schäfer (CDU, Vorsitzende Deutsch-Chinesische Gesellschaft – Freunde Taiwans)
  • Wolfgang Wieland (Bündnis 90/Die Grünen, stellv. Vorsitzender der Gruppe)
  • Klaus-Peter Willsch (CDU, Vorsitzender der Gruppe)
  • Claudia Winterstein (FDP)

Niemand wollte offenbar den Verdacht aufkommen lassen, es sei etwas anderes als eine Arbeitsreise. Ich habe das Programm gesehen: Von der Landung am Freitag bis zum Abflug heute Abend reihte sich für die Palamentarier ein Programmpunkt an den anderen, von etwa 8 Uhr morgens bis in den Abend war die Zeit jeden Tag komplett verplant.

Neben der 10/10-Parade vor dem Präsidentenpalast standen u.a. Treffen mit Präsident Ma Ying-jeou, Außenminister Timothy Yang und Parlamentspräsident Wang Jin-pyng auf der Tagesordnung, und ein Termin bei der Oppositionspartei DPP. Als allerletztes sollte es dann heute noch auf das Taipei 101 gehen.

Mein Gespräch mit Klaus-Peter Willsch

Ich hatte heute Vormittag Gelegenheit, ein kurzes Gespräch mit dem Vorsitzenden des Freundeskreises zu führen: Für Klaus-Peter Willsch, CDU-Abgeordneter aus Hessen, war es der zweite Taiwan-Besuch. Im April 2011 war er erstmals in Taiwan.

Das Interview stelle ich nun ganz frisch online zum Nachhören (MP3).

Meine erste Frage: Wie kommt es, dass ein Bundestagsabgeordneter sich für Taiwan interessiert?

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Die “Big Five”, auf die Willsch sich bezieht, sind: Taiwans Präsident, Vizepräsident, Premierminister, Außen- und Verteidigungsminister. Für diese (demokratisch legitimierten!) Politiker gilt ein inoffizielles Einreiseverbot in die EU – “Ein-China-Politik” sei Dank. Nicht nur Willsch findet das “nicht in Ordnung”.

Liebe Leser, welche Aussage aus dem Interview finden Sie am Interessantesten? Was würden Sie unseren Volksvertretern gerne in Sachen Taiwan gern mit auf den Weg geben?


Neue Berichte aus Taiwan

In den vergangenen Wochen gab es zwei große Taiwan-Themen, über die ich im deutschen Radio berichten konnte.

100 Jahre Republik China

Da war einmal der Nationalfeiertag am 10. Oktober. Gefeiert wurden 100 Jahre – was eigentlich? Jedenfalls nicht „100 Jahre Taiwan“, denn die Insel gibt es schon ein bisschen länger, und einen Staat diesen Namens offiziell gar nicht.

Um Taiwans Situation zu begreifen, muss man den Begriff „Republik China“ kennen. Was es damit auf sich hat, dazu steht auf meiner Seite über Taiwans Geschichte ein kleiner Abriss.

Taiwaner und ihre Identität

Wie die Menschen hier sich als Taiwaner und/oder Chinesen definieren, darüber habe einen zehnminütigen Bericht für den WDR erstellt:

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US-Waffenlieferungen an Taiwan

Und dann war da noch das Dauerthema der amerikanischen Waffenlieferungen an Taiwan. Was haben die Chinesen sich mal wieder aufgeregt! Dabei hat Obama Taiwans größten Posten auf dem Wunschzettel mal wieder ignoriert – statt neuer F16-Flugzeuge sollen nur die alten aufgemotzt werden. So sind irgendwie alle nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis, einschließlich der US-Opposition.

Meinen Beitrag für den Deutschlandfunk kann man nachlesen oder gleich hier hören:

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Nachtrag: Taiwaner oder Chinesen? Eine lesenswerte Typologie in meinem deutschen Lieblingsblog von Ludigel.


Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

Gäbe es einen Preis für die größte Restaurantdichte pro Quadratkilometer, hätte Taipeh gute Chancen auf den ersten Platz. Innerhalb von drei Gehminuten ab meiner Haustür habe ich die Auswahl aus einem halben Dutzend Lokalen, vom Nudelsuppen-Experten übers Feuertopf-Restaurant bis zum Gänsefleisch-Spezialisten. Und dabei lebe ich noch nicht mal in einer besonders turbulenten Gegend. Überall ist es günstig und vor allem gut, denn ein Lokal mit schlechtem Essen würde sich niemals halten.

Für die meisten Taiwaner ist Essen Freizeitvergnügen und Gesprächsthema Nummer Eins. Bei Preisen von umgerechnet zwei bis drei Euro für eine komplette Mahlzeit gehen viele dreimal am Tag aus, statt sich selbst in der Küche abzumühen. Die ganze Bandbreite konnte ich noch immer nicht probieren. Neben der Meeresfrüchte-lastigen Taiwanküche habe ich die Wahl aus allen chinesischen Regionalküchen: höllisch scharfe Szechuan-Chilis, orientalisch anmutende Lamm-Spieße aus dem westlichen Xinjiang oder mit Fleisch gefüllte Teigtaschen aus Nordchina. Auch japanische Ramen-Nudeln, koreanischer Kimchi-Kohl und vietnamesische Pho-Nudelspuppen sind alltäglich.

Mit dem, was in deutschen Asia-Restaurants auf dem Tisch landet, hat das nur wenig zu tun. (mehr …)