Ab ins Grüne – in Taipeh!

Wochenend und Sonnenschein – da will ich auch in Taipeh nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen oder mich auf der Straße an Motorrollern vorbeiquetschen. Was tun, wenn die eigene Wohnung keinen Balkon hat und der Park gegenüber vom Zelt einer Trauerfeier blockiert ist?

Zum Glück leben im Ballungsraum der Hauptstadt zwar außer mir noch ca. 6 Millionen Menschen, aber wenn die mal ins Grüne wollen, haben sie es nicht allzu weit.

Zeitungsbericht über Parks in Taiwan

Wandern rund um Taipeh

Elefantenberg, Tigerberg, Yangming-Berg: Direkt hinter den Wohnblocks und Bürotürmen steigen sie in die Höhe. An drei Seiten ist Taipeh von Hügeln und sogar einem erloschenen Vulkan umgeben. So betongrau das Straßengewirr aus der Ferne wirkt, so sattgrün wuchern Büsche und Bäume an den steil ansteigenden Hängen.

Ein Netz von gut ausgebauten Wanderwegen bietet gestressten Großstädtern die Möglichkeit, schnell die Asphaltpisten hinter sich zu lassen. Der Weg ist vorgegeben, denn die Vegetation geht in unseren Breitengeraden als Urwald durch, und es ist unmöglich, die vorgegebenen Pfade zu verlassen.

Hiking path near Taipei City

Wenn es im Sommer mit 35 Grad und mehr gar zu heiß vom Himmel brennt, oder wenn während der Frühjahrs-Regenzeit jeden Moment ein Wolkenbruch droht, überlege ich mir gut, ob ich so einen doch recht schweißtreibenden Aufstieg beginnen will. Wenn ich dann – noch frohgemut ausschreitend – die ersten gepflasterten Treppen erklimme, werde ich oft von Rentnern überholt, für die der Weg zum Gipfel seit Jahren allmorgendliche Routine ist.

Nehmen die Steintreppen kein Ende, werden die Beine schwer, aber ein vorzeitiges Umkehren kommt nicht in Frage. Schließlich ergeben sich immer wieder schöne Aussichten über die Häuserschluchten von Taipeh, aus denen der bambusförmige Wolkenkratzer Taipei 101 mit seinen 500 Metern aufragt wie der Pfeil auf einer Dartscheibe.

View over Taipei City with Taipei 101

Radfahren in Taipehs Flussufer-Parks

Wenn es mal weniger steil zugehen soll, schwinge ich mich gern auf Rad und nehme den kürzesten Weg zum nächsten Fluss. Nur dort lässt es sich in Taipeh richtig entspannt radeln: An beiden Ufern der Ströme, die durch Taiwans Hauptstadt fließen, ziehen sich mehr als 100 Kilometer grüne Parkstreifen entlang. An einigen Stellen sind sie mehrere hundert Meter breit.

Neben Radwegen und Rasenflächen finden sich hier auch Feuchtgebiete, Hundewiesen und Sportplätze. Überall spielen dort am Wochenende Amateur- und Jugendmannschaften Baseball, Taiwans beliebtesten Mannschaftssport, der vor etwa hundert Jahren von den Japanern ins Land gebracht wurde. Vorbei geht die Fahrt auch an Basketball- und sogar Tennisplätzen, die alle frei zugänglich sind und auf denen trotzdem kein Netz Opfer von Vandalismus wird.

Und in der Stadt? Meine Beobachtungen zum Radfahren in Taipeh, mit Video.

Riverside bike path in Taipei City, with Taipei 101

Von Menschen, die Taipeh schon länger kennen, höre ich (PDF meines Zeitungsartikels): Vor 10, 15 Jahren sah es hier noch ganz anders aus. Wo heute Blumenbeete angelegt und Flutwände mit Mosaiken verschönert werden, war damals verkommenes Brachland, das gern als wilde Müllkippe genutzt wurde.

Dann erkannte die Stadtregierung, dass ihre Bürger nicht immer nur Geld verdienen, sondern auch mal entspannen wollen, und startete ein großes Reinemachen. Projekt Lebensqualität – davon profitiere ich gern.

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

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Ein Kommentar zu “ Leben in Taipei: Wo es draußen am schönsten ist ”

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