Archive for 2012

Regelmäßige Taiwan-News auf Deutsch gibt es aus der Münchner Taipeh-Vertretung (das ist quasi das Taiwan-Generalkonsulat für Süddeutschland). Alle zwei Wochen verschicken sie per Mail als PDF den Newsletter “Taiwan Aktuell”, in dem einige wichtige Meldungen auf deutsch übersetzt zusammengefasst sind.

Ich werde versuchen, den Newsletter künftig auch hier weiterzuverbreiten. Wer die PDF-Datei direkt erhalten möchte, kann sich in München bei doppler (at) mail.gio.gov.tw melden. Dank an Frederik E. für den Tipp

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten:

Eingangsbereich des Münchner Büros 2010. Ob das Poster noch immer dort hängt?

Mit Taiwan hat dies zur Abwechslung nichts zu tun, jedenfalls nicht direkt. Ein kurzer Blick nach China:

Der blinde Anwalt Chen Guangcheng hat die amerikanische Botschaft nach wenigen Tagen wieder verlassen. Nach dem Tiananmen-Massaker 1989 ging ein ähnlicher Fall ganz anders aus: Mehr als ein Jahr lang lebte der Dissident Fang Lizhi streng abgeschirmt in der US-Botschaft in Peking, bis er China verlassen konnte. Vor einer Konfrontation mit der chinesischen Regierung scheuten die USA damals nicht zurück.

Es war eine Nacht und Nebel-Aktion wie aus einem Agentenroman: Am späten Abend des 5. Juni 1989, einen Tag nach der blutigen Niederschlagung der Studentenbewegung, schlichen zwei US-Botschaftsmitarbeiter durch den Hintereingang ins Pekinger Jianguo-Hotel. Im Zimmer eines amerikanischen Journalisten erwartete sie einer der meistgesuchten Männer des Landes: Fang Lizhi hatte den Zorn von Chinas Machthaber Deng Xiaoping mit einem offenen Brief auf sich gezogen, in dem er die Freilassung politischer Gefangener forderte.

In den Wirren nach dem Tiananmen-Massaker fürchtete der Astrophysiker um sein Leben und bat mit seiner Familie in der US-Botschaft um Asyl. Doch erst, nachdem das Außenministerium grünes Licht gegeben hatte, durfte Fang den rettenden amerikanischen Boden betreten. Ein unauffälliger Kleinbus schaffte ihn und seine Frau Li Shuxian vom Hotel aufs Botschaftsgelände. Mehr als ein Jahr lang sollten sie es nicht wieder verlassen.

Anders als in Fall Cheng Guangcheng gab das Weiße Haus schon am nächsten Tag bekannt, dass die Vereinigten Staaten dem Dissidenten Zuflucht gewährten. Entspannung brachte das nicht – im Gegenteil: „Die chinesische Regierung flippte aus“, erinnert sich der damalige US-Botschafter James Lilley in seiner Autobiographie (“China Hands”, sehr lesenswert). „Für sie hatten wir uns in Chinas innere Angelegenheiten eingemischt und seine Souveränität verletzt.“

Nur ein halbes Dutzend von Lilleys engsten Vertrauten wusste, dass Fang und seine Frau Zuflucht in der Medizinstation gefunden hatten. Ohne Tageslicht und nur durch die Außenwand von den chinesischen Soldaten getrennt, die das Gelände umstellt hatten, setzen sie über ein Jahr lang kaum einen Fuß vor die Tür. Lebensmittel und Bücher wurden nachts in ihr Versteck geschmuggelt, damit das chinesische Botschaftspersonal keinen Verdacht schöpfte.

Ganz unbegründet waren die Vorsichtsmaßnahmen nicht: „Die CIA erfuhr, dass China darüber nachdachte, Fang mit einem Sondereinsatzkommando aus der Botschaft zu entführen“, schreibt James Lilley. Das Außenministerium bestellte daraufhin Chinas US-Botschafter ein, um mit Klartext zu reden. Weil der Dissident den diplomatischen Bemühungen im Weg stand, nach Tiananmen die Scherben des US-Chinesischen Verhältnisses zu kitten, suchten beide Seiten nach einen gesichtswahrenden Weg, Fang außer Landes zu schaffen. „Die Chinesen brauchten einen Vorwand, ihn ziehen zu lassen“, erinnert sich Lilley. In den Verhandlungen dramatisierte er Fangs Gesundheitszustand und bestand darauf, eine Behandlung im Ausland sei zwingend nötig.

So konnten Fang und Li am 25. Juni 1990 nach Großbritannien ausfliegen. Die Flucht von Chen Guangcheng hat „Chinas Andrej Sacharow“ nicht mehr erlebt: Nach zwei Jahrzehnten im Exil starb Fang Lizhi Anfang April mit 76 Jahren im US-Bundesstaat Arizona.

Mit großer Freude kann ich bekanntgeben, dass Blickpunkt Taiwan nach einer längeren Schaffenspause wieder online ist. Dieses schöne Blog gibt es schon seit 2007, einer Zeit also, zu der meine Taiwan-Kenntnisse sich in 30 Sekunden zusammenfassen ließen. Der Betreiber veröffentlicht u.a. regelmäßig eine kommentierte deutschsprachige Taiwan-Presseschau.

Wer sich mein kleines Buch Tschüß Deutschland, ni hao Taiwan noch nicht bestellt hat, aber mit dem Gedanken spielt: Bei blurb.com (der Firma, die das Buch druckt und verschickt) gibt es für Neukunden in Deutschland vom 5.-20. Mai 15 Prozent Rabatt, wenn man bei der Bestellung den Gutscheincode DEBL15 angibt.

Und noch ein Schnäppchen-Tipp: Bei Wendels (zumindest in der Filiale an der SYS-Halle) gibt es gerade diese original bayerischen Bierkrüge, gefüllt mit Salzbrezeln, für nur 100 NTD. (Es sind Restbestände von Wendels 2011er-Oktoberfest.) Auf der anderen Seite ist ein “Erdinger Weißbier”-Logo.

Mal wieder Lust auf ein schön anzuschauendes Taiwan-HD-Video mit vielen tollen Landschaften? Bitte sehr:

Besonders angenehm fand ich es, dass hier zur Abwechslung mal nicht das Essen als eine der Attraktionen herausgestellt wurde, die Taiwan angeblich ausmachen. Oder habe ich das nur übersehen?

Marc in Taipeh

Essen ist auch eines der Themen, über die Marc seit Februar auf seinem Blog “Ein Hesse in Taiwan” schreibt. Er verbringt gerade ein Auslandssemester an der Fakultät für Maschinenbau der Taida (NTU). Die Seite steht nun auch in meiner Blogroll (rechts).

Rou Song 肉鬆 alias “Meat Floss” oder “Fadenfleisch” mag er gar nicht, aber die original chinesische Schmerz-Massage hat es ihm angetan. Und ein Fahrrad hat er sich auch schon geliehen.

Kommentare

Noch eine Anmerkung in eigener Sache: Ich werde auf diesem Blog künftig nur noch Kommentare veröffentlichen, die mit einer real existierenden Mail-Adresse versehen sind (die nicht veröffentlicht wird). Das überprüfe ich übrigens über diese Seite.

Ich erwarte von niemanden, seinen kompletten Klarnamen öffentlich zu machen, aber ein Mindestmaß an Transparenz und Erreichbarkeit erwarte ich hier einfach. Dazu gehört auch, dass man als Absender einen (Vor-)Namen angibt und kein Pseudonym.

In diesem Sinne: Danke an alle Kommentatoren und Leser, die sich schon lange ganz selbstverständlich so verhalten und dieses Blog mit konstruktiven Kommentaren bereichern.

Taiwan-Lektüre

Und noch eine kleine Neuerung: Wer mal einen Blick in die rechte Seitenleiste wirft, sieht dort hoffentlich eine animierte Auswahl von Taiwan-Büchern und -DVDs, die man per Amazon.de bestellen kann. Wer Anregungen hat, was noch in diese Liste aufgenommen werden sollte: Immer her damit!

Es heißt ja gelegentlich, Chinas Aufstieg zur Weltmacht sei unaufhaltsam, und der Westen tue gut daran, seine Konzepte mal kräftig zu überdenken und sich in der einen oder andere Hinsicht an China zu orientieren. Aber was ist es eigentlich, das der Rest der Welt angeblich von diesem Land lernen kann?

Nachdem er zehn Jahre in Taiwan gelebt hatte, war der Kanadier Troy Parfitt so neugierig auf die Antwort, dass er selbst nach China gefahren ist, um sie zu suchen. Seine zwei Reisen kreuz und quer durch die Volksrepublik sowie ein anschließender Trip durch Taiwan lieferten den Stoff für sein Buch “Why China Will Never Rule the World” – auch für Taiwan-Interessierte eine lohnende, allerdings polarisierende Lektüre.

Man kann es vorwegnehmen: Parfitt hat in China wenig gefunden, was er aus westlicher Sicht für erstrebenswert hält. Immer wieder trifft er auf Menschen, deren Verhalten mit ignorant oder wahnwitzig noch freundlich beschrieben wäre. Das Lesen seines Reiseberichts hat etwas von einer Freak-Show, und begegnet er zwischendurch einmal freundlichen, aufgeschlossenen Chinesen, verdienen sie es, eigens herausgestellt zu werden. Die Schuld für diesen Zustand sieht Parfitt nicht bei den Einzelnen, sondern im System, in dem sie aufwachsen.

This is what habitually gets glossed over in the China analysis: Chinese culture remains locked in a self-replicating state of chaos, myopia, inefficiency, intolerance, violence, and irrationality. It is, in a word, backward.

Parfitts Schreibe ist nicht akademisch, sondern unmittelbar, schonungslos und dabei durchaus unterhaltsam. Sicher wurden noch nicht viele Reiseberichte geschrieben, die auf über 400 Seiten so konsequent die schlechten Seiten eines Landes herausstellen. Es gibt aber gute Gründe, “Why China Will Never Rule the World” nicht als simples China-Bashing aus der Feder eines voreingenommenen Westlers abzutun. So spricht Parfitt offenbar ordentliches Mandarin. Er versteht, was um ihn herum gesagt wird und versucht immer wieder, über Themen zu reden, die übers Touristenniveau herausgehen. Dabei fällt er durchaus mal mit der Tür ins Haus, wenn er sein Gegenüber in Widersprüche verwickeln will oder Tabu-Themen direkt anspricht.

Außerdem hatte er sich vor seinen Reisen ein beachtliches Wissen über chinesische Geschichte (und Gesellschaftsgeschichte) angelesen und teilt es mit dem Leser. Einer der größten Vorzüge des Buches besteht darin, dass es nebenbei auch durchaus packend die Grundzüge der chinesischen Geschichte umreißt. Parfitt sucht gezielt Schauplätze von historischen Ereignissen auf und integriert knackige Zusammenfassungen in seine Erzählung. So lernt man einiges z.B. über die Taiping-Rebellion, den Xi’An-Zwischenfall oder den Verlauf des Krieges gegen Japan.

Von stolzen Verweisen auf “5000 Jahre Geschichte” hält er wenig:

Surely, a darker or more tragic history cannot exist. Chinese history is thousands of years of tyranny, treachery, brutality, conflict, warfare, upheaval, and chaos. It makes Russian history, also extremely bleak, appear rather cheery by comparison.

Wenn es ihm auf den Reisen zu bunt wird, zieht Parfitt sich immer wieder zurück, indem er sich in ein Buch vertieft. Mehrfach erwähnt er, wie man ihn dafür erstaunt oder misstrauisch beäugt. Unter seiner Reiselektüre sind auch die “Gespräche des Konfuzius”. Dessen Lehren hat Parfitt besonders auf dem Kieker: Sie zementiere die Autoritätshörigkeit, verhindere eigenständiges Denken und sei alles andere als attraktiv in einer aufgeklärten (westlichen) Welt.

Einer seiner Kronzeugen ist Bo Yang (1920-2008), dessen “The Ugly Chinaman and the Crisis of Chinese Culture” Parfitt ausgiebig zitiert:

“Narrow-mindedness and intolerance,” he writes, “result in an unbalanced personality constantly wavering between two extremes: chronic inferiority on the one hand, and overbearing arrogance on the other. A Chinese with an inferiority complex is a slave; a Chinese with a superiority complex is a tyrant. In the inferiority mode, they feel like a heap of dog-shit, so the closer they get to influential people, the wider their smiles. In the arrogant mode, everyone else is a heap of dog shit.”

Nachdem er entnervt von seiner zweiten China-Reise zurückgekehrt ist, entschließt Parfitt sich, statt einem weiteren Trip, der ihn nach Tibet geführt hätte, seine langjährige Heimat Taiwan noch einmal gründlich zu bereisen. Das macht ihm ganz offenbar mehr Spaß, doch auch sein Taiwan-Bild ist nicht ungetrübt:

Even with its oddness, Taiwan, Republic of China is considerably more normal than the People’s Republic of China, and its citizens are visibly happier; living in a free and open society seems to have that effect on people … Without question, Taiwan is more advanced than China in almost every regard, yet in terms of cultural influence vis-à-vis the West and the rest of the world, it is on the road to nowhere.

Aus seiner Erfahrung als Lehrer in Taiwan schildert Parfitt etwa, wie Schulleiter Kinder nachsichtig behandeln, weil sie ihre Missetaten rundweg abstreiten, statt sie einzuräumen. Er berichtet von Schülern, die von ihren übervorsichtigen Eltern zur Unselbständigkeit erzogen werden. Er marschiert direkt ins Atommüll-Lager auf der Orchideeninsel. Er verzweifelt ob eines nicht enden wollenden Stromes an Nachrichten aus der Rubrik “Zu absurd, um wahr zu sein”. Und am Ende hat er einfach keine Lust mehr:

There was no question that my experience had made me more tolerant, but I would never become a cultural convert. As someone who has always harboured a deep-seated suspicion towards authority, Chinese society’s paternalism pertubed me. So did its Philistine nature, its perennial miserliness, its myopia, its near total ignorance of the outside world, its quashing of creativity, its ruination of critical thinking, and its disregard for individualism. To counter Mao’s Cultural Revolution, the Chiang regime launched a crusade called the Cultural Renaissance. In addition to glorifying Sun Yat-Sen’s Three Principles of the People, it belittled Western liberalism ad its overarching emphasis on the individual. Definitely, things had gotten a lot better since the Chiang days, but if you asked me, they were by no means good.

Heute lebt Troy Parfitt wieder in Kanada. Man kann mehr über ihn und sein Buch auf seiner Homepage erfahren. Und es gibt Interviews:

Würde ich mir dieses Buch kaufen, hätte ich es nicht als Rezensionsexemplar erhalten? Wahrscheinlich schon. In seiner Unverblümtheit und Subjektivität hebt es sich wohltuend ab von handelsüblichen Reiseberichten und Geschichtsbüchern, und von wirtschaftszentristischer China-Rosafärberei sowieso.

Ich denke, Parfitt geht es nicht ums Provozieren. Er schildert die Dinge rücksichtslos so, wie er sie sieht, weil es ihm ein Bedürfnis ist. Man muss seine Sichtweise bestimmt nicht teilen. Aber sie liefert viele interessante Denk- und Diskussionsansätze.

“Why China Will Never Rule the World: Travels in the Two Chinas” kann man in Deutschland direkt bei Amazon bestellen, auch als eBook für den Kindle.

Was haben eine Zahnarztpraxis, eine Autowerkstatt, ein Restaurant und ein Optiker gemeinsam? Sie könnten alle in ein und dasselbe Ladenlokal ziehen – zumindest in Taiwan. Das übliche Geschäft erinnert hier vom Grundriss an eine Garage, ist etwa 50 Quadratmeter groß, mit Fensterfront und Eingang zum Bürgersteig. An jeder einigermaßen belebten Straße reiht sich ein solcher Laden an den anderen, oben drüber sind Wohnungen. In der Stadt unterwegs, versuche ich immer einen Blick zu erhaschen und im Vorbeigehen zu entziffern, was hier angeboten wird. Klimaanlagen, Mofa-Werkstatt, Flachbildfernseher, Friseur, koreanisches Restaurant, Plastikbesen, chinesische Medizin, Immobilien, Eistee – wer weiß, was man demnächst mal gebrauchen könnte.

Bei solchen Streifzügen kann ich übrigens den Patienten auf dem Zahnarztstuhl oft fast in den Mund gucken. Privatsphäre ist relativ.

Leerstand gibt es natürlich auch, aber anders als in vielen deutschen Städten dauert er zumindest in Taipeh nie lange an. Nach einigen Wochen werden die Metalljalousien wieder hochgezogen, ein Trupp Handwerker rückt an und reißt erst mal alles raus, was der Vormieter hinterlassen hat. Nach der Komplett-Entkernung bauen sie aus Holzplatten neue Zwischenwände, Tresen oder Wandschränke ein. Die sind nicht für die Ewigkeit gedacht, sehen aber frisch gestrichen so schnieke aus, dass zum Beispiel aus einer miefigen Änderungsschneiderei im Handumdrehen eine trendige Pizzeria wird.

Jeder Taiwaner wäre im Grund seines Herzens am liebsten sein eigener Boss, heißt es. Das erklärt, warum es so viele kleine Geschäfte und relativ wenig Ladenketten gibt. Wer nicht das Geld aufbringt, einen Laden zu eröffnen, stellt sich vielleicht hinter einen Marktstand. Anders als in Deutschland finden Taiwans traditionelle Straßenmärkte jeden Tag statt. Ganz in der Nähe meiner Wohnung gibt es einen, den ich oft auf dem Weg zur U-Bahn durchquere.

Links und rechts der Straße stehen Körbe mit Mangos, Kohl, Auberginen oder Litschis dicht gedrängt auf dem Boden, die Preise einfach auf ein Stück Pappe gekritzelt. Schlachter zerlegen Hühnchen auf Holzbrettern, die Kippe im Mund, und hängen die Fleischstücke direkt am Stand auf Haken. Fische glotzen aus Styroporboxen zwischen Eiswürfeln hervor, alte Frauen kaufen fürs Abendessen ein, geschwätzige Händler stecken alles in eine Unzahl vom Plastiktüten, und Motorroller fahren Slalom um Passanten herum. Es ist laut, chaotisch, und die Energie ist ansteckend. Jedes Mal hoffe ich, dass es noch sehr lange dauert, bis sich auch in Taiwan die Unart ausbreitet, möglichst alles abgepackt im Supermarkt zu kaufen. Wahrscheinlich besteht die Gefahr gar nicht.

Wer hier kauft, verirrt sich wohl selten in die noblen Einkaufszentren, die sich andernorts ausbreiten. Mit Marmorboden, dezenter Beleuchtung, dicken Teppichen und unheimlich vielen zuvorkommendem Angestellten ist dies wirklich eine andere Welt. Ob Gucci, Prada oder Rolex – wer zu viel Geld hat, kann es hier für Topmarken aus aller Welt ausgeben. Kürzlich hat ein Edelkaufhaus eröffnet, in dem die werten Kunden echtes Meißener Porzellan in einem mit Stuck, Intarsien und edlen Hölzern überladenen Barock-Palast-Ambiente bestaunen und erstehen können. Was bei uns zu viel des Guten wäre, gilt Taiwanern als typisch europäisch.

Dieser Text war ursprünglich eine Folge meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

Auch so eine Art von embedded journalism: Ein Blogeintrag, der ohne viele Worte auskommt. Slideshare und Youtube sei Dank.

Ein paar Eindrücke aus dem Wahlkampf: Großkundgebungen von KMT und DPP in Taipeh am “Super Sunday”, dem letzten Sonntag vor der Wahl.

Meine Nachbarn bei der Stimmabgabe im Wahllokal.

Kulturzeit! Danke mal wieder an das Deutsche Institut Taipei für die regelmäßigen Informationen.

Skatturnier in Taipei (28.04.2012)

Traditionell finden in Taipei zwei Mal jährlich (Frühjahr und Herbst) Skatturniere statt.
Der Termin für das nächste FRÜHJAHRSTURNIER ist der 28.04.2012!

Einladung und detaillierte Infos hier (PDF).

Deutschsprachige Filme in Taiwan

Der eine oder andere deutschsprachige Film schafft es zuweilen auch in die taiwanischen Kinos. Diese Filme laufen i.d.R. im deutschsprachigen Original mit chinesischen Untertiteln.

Wunderkinder

Am 23.03.2012 läuft der deutsche Film “Wunderkinder” (愛樂時光) in Taipeh in den Kinos Ambassador-Changchun und Wonderful an. (Deutsche Homepage des Films)
Deutscher Trailer mit chin. UT:

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Vincent will Meer

Am 30.03.2012 kommt der mit dem Deutschen Filmpreis 2011 in Gold (bester deutscher Film) ausgezeichnete Spielfilm “Vincent will Meer” (文生去看海, “Vincent wants to sea”) in die Kinos Ambassador-Changchun und Wonderful.

Deutscher Trailer mit chin. UT:

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Adressen:

  • Ambassador-Changchun(長春戲院): Taipei, Changchun Rd., No. 172 台北市長春 路172號, Tel.: (02)25074141).
  • Kino “Wonderful Theatre” (auch “Majestic”)(真善美戲院): Taipei, Wanhua-Bezirk, Hanzhong-Rd., No. 116, 台北市萬華區漢中街116 號, Tel.: (02)23312270)

2012 Taiwan International Children’s Film Festival (29.03 – 05.04.2012)

Dieses Festival (Homepage) präsentiert in diesem Jahr sieben Filme aus Deutschland. U.a. wünscht sich Lola in “Hier kommt Lola” eine beste Freundin und in “Tony 10″ versucht der zehnjährige Tony mit allen Mitteln seine Eltern wieder zusammen zu bringen. Die drei Animationsfilme “Mobile”, “Bob” und “Der kleine Junge und das Biest” erzählen von Freundschaft, einer großen Hamsterliebe und von Familie. Zusammen mit “Die Sendung mit dem Elefanten” und “Falsches Essen” entsteht ein guter Eindruck der aktuellen deutschen Kinderfilmproduktion.

Das Festival verfolgt mit einem umfangreichen Filmprogramm und begleitenden Diskussionsveranstaltungen das Ziel, Zuschauern unter 12 Jahren einen qualitativ hochwertigen Zugang zum Medium Film zu ermöglichen.

Die Festivalfilme laufen in den Vieshow-Cinemas Xinyi (Nh. Taipei 101).

Konzerte der deutschen A-Capella-Band “Die Singphoniker” in Taiwan

In Zusammenarbeit mit dem “Weltmeister” der Amateurchöre, dem Taipei-Männerchor, werden die “Singphoniker” am 25. und 31.03. sowie am 01.04.2012 drei lustig, beschwingte Konzerte in Taiwan geben.

  • 25.03. (So), 19:30 Uhr: Tainan, Kulturzentrum
  • 31.03. (Sa), 19:30 Uhr: Hsinchu, Kulturzentrum
  • 01.04. (So), 19:30 Uhr: Taipei – Nationale Konzerthalle

Weitere Details sowie Ticketinfos erhalten Sie hier: 02-23644825 / 0939067356
Siehe auch: www.singphoniker.de

Grundschulen auf dem Land, die bedroht sind, weil nicht mehr genügend Kinder geboren werden – das gibt es nicht nur in Deutschland. Auch in Taiwan bereitet eine niedrige Geburtenrate Regierung und Experten Kopfzerbrechen. In einigen Gebirgsdörfern haben die Grundschulen seit Jahren weniger als 15 Schüler. Es soll schon vorgekommen sein, dass nur ein einziges Kind neu eingeschult wurde. Die durchschnittliche Klassengröße ist in den letzten Jahren von 35 auf 25 zurückgegangen. Eine Grundschule in der Hauptstadt Taipeh, die 1966 mit 11.000 Schülern die größte der Welt war, hat nun nicht mal mehr 800.

Während die Regierung in China den Menschen per Ein-Kind-Politik das Kinderkriegen verbietet, scheinen die Taiwaner freiwillig in den Zeugungsstreit getreten zu sein. Bis weit in die Achtziger Jahre war es völlig normal, dass eine Familie drei oder vier Kinder hatte. Während Taiwan sein Wirtschaftswunder erlebte, stieg so die Bevölkerung von 8 Millionen nach dem Krieg auf über 20 Millionen. Diese Zeiten sind vorbei. Heute bringt in Taiwan jede Frau im Lauf ihres Lebens weniger als 1,2 Kinder zur Welt – selbst in Deutschland liegt der Wert noch bei 1,4 (Rangliste).

Wenn ich mir die U-Bahnen, Kaufhäuser und Straßen in Taipeh ansehe, ist es schwer zu glauben, dass es hier in Zukunft mal weniger überfüllt zugehen soll. Weniger Kinder, steigende Lebenserwartung, mehr alte Menschen – der sogenannte „demographische Wandel“ bringt Taiwan die gleichen Probleme wie anderen entwickelten Ländern. Ein Zehntel der Bevölkerung ist schon älter als 65, und der Anteil wächst rasant. Noch werden die meisten alten Menschen zu Hause betreut, oft mit Hilfe von Billiglohn-Pflegerinnen. Die kommen hier statt aus Polen von den Philippinen oder aus Indonesien. Damit die Pflege auch in Zukunft funktioniert, muss die Regierung genauso wie beim Renten- und Krankenversicherungssystem die Weichen für die Zukunft stellen. Meist wird aber eher halbherzig am bestehenden System herumgedoktert – ganz wie in Deutschland.

Ein wichtiger Grund für den Geburtenrückgang: Taiwans Frauen sind immer besser ausgebildet, smart und ehrgeizig und haben wenig Lust, ihre beruflichen Perspektiven aufzugeben – für Kinder oder Männer. Mit 30 ist nur jede dritte Frau verheiratet. Viele Männer haben noch nicht umgedacht und hängen dem traditionellen Rollenverständnis an, was sie nicht gerade zu attraktiven Heiratskandidaten macht. Und wenn sich mal ein Paar traut, erscheint ihnen die wirtschaftliche Lage oft zu unsicher, die Kosten zu hoch, und die Entscheidung fürs Kinderkriegen wird immer weiter herausgezögert.

Ein monatliches Kindergeld nach deutschem Vorbild, wie es hier ab und zu diskutiert wird, würde vermutlich ebenso wenig helfen wie die Geburtenprämien von 400 Euro, die einige Lokalregierungen auszahlen. Wie in Deutschland dürfte die Lösung heißen: Mehr Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Also etwa kostenlose Kinderbetreuung und Arbeitgeber, die nicht mit Jobverlust drohen, wenn eine Mitarbeiterin mal Elternpause macht. Ansonsten muss eines Tages vielleicht der Kindergarten schließen, auf dessen Hof ich von meinem Fenster aus der nächsten Taiwan-Generation beim Spielen zusehen kann. Und das wäre schade.

Dieser Text war ursprünglich eine Folge meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.

Ich habe in Taipeh ja schon einiges ausprobiert, aber eines steht mir noch bevor: Eine U-Bahn-Fahrt mit Fahrrad. Das hat sich einfach noch nicht ergeben. Und ich werde den Verdacht nicht los: Das liegt auch an den Bestimmungen.

Nicht etwa, dass Radfahrer unerwünscht sind. Im Gegenteil – in vielen MRT-Stationen liegen sogar Broschüren aus, die Menschen wie mich ermuntern sollen, ihre beiden Lieblings-Verkehrsmittel zu kombinieren.

Ich fasse mal zusammen, was da drin steht.

Radfahrer sind willkommen in der MRT!

(Man denke sich Slogans, in denen Schlagworte vorkommen wie: Green Lifestyle, Low-Carbon, Healthy Living und dergleichen mehr.)

Aber…

…nur am Anfang und Ende jedes Zuges

Im ersten und letzten Wagen finden sich je acht Stehplätze für Radfahrer. Die übrigens Wagons sind tabu – egal, wie voll oder leer es dort ist.

…nicht in jeder Station

Dass die braune MRT-Linie keinen Platz für Räder bietet, ist nachvollziehbar. Schließlich ähnelt sie eher der Besucher-Hochbahn im Heidepark Soltau als einer ausgewachsenen Metro. Aber auch auf den anderen Linien sind einige Stationen no-roll-area für Zweiräder:

Nun gut, der Hauptbahnhof ist Taipehs berüchtigter Nahverkehrs-Hauptknotenpunkt, und es würde sicherlich die Situation nicht entspannen, wenn sich auch noch Fahrräder durch die Massen drängen.

Dass man an diesem Knotenpunkt nun mit Rad nicht einmal umsteigen darf, macht es dann doch recht kompliziert. Angenommen, ich komme mit der blauen Linie aus Richtung Taipei 101 und möchte mit der roten Linie nach Danshui (ach nein, Tamsui) fahren. Dann müsste ich über Taipei Main Station hinaus fahren, in Ximen in die hellgrüne Linie umsteigen, zwei Stationen zur CKS Memorial Hall fahren und dort in die rote Linie wechseln, mit der ich kurz darauf wieder den Hauptbahnhof passiere.

Von Zuwiderhandlungen wird streng abgeraten, schließlich steht in Taipehs MRT schon mit einem Bein im Gefängnis, wer nur sein Handy an einer Steckdose auflädt.

Die übrigen off limit-Stationen sind entweder Umsteigestationen wie Zhongxiao Fuxing und Guting, bedienen den Shilin-Nachtmarkt (Jiantan), sind Endhaltestellen (Fu Jen University, Nangang Exhibition Center) und stehen ohne nachvollziehbaren Grund auf dieser Liste (Shipai).

…nur an Wochenenden und Feiertagen

Ja, das stimmt. An Wochentagen haben Fahrräder in Taipehs U-Bahn nichts verloren, egal zu welcher Zeit. Das macht die Crux des Systems deutlich: Fahrräder gelten aus Sicht der Verantwortlichen nicht als Verkehrsmittel, sondern als Sport- und Freizeitgeräte. Zielgruppe dieser Regeln sind nicht Pendler, sondern Ausflügler.

…es kostet

Aus Hamburg war ich es gewohnt, mein Rad gratis mit in die U-Bahn zu nehmen. Warum auch nicht? Schließlich zahle ich ja schon für mich selbst. In Taipeh dagegen wird für jede Fahrt zusätzlich zum normalen Preis ein 80-NTD-Fahrradticket fällig. Das ist etwa dreimal so teuer wie eine durchschnittliche Fahrt für eine Person. Einmal wohin und zurück kostet mit 160 NT$ (knapp fünf Euro) etwa so viel wie ein einfaches Mittagessen für zwei. Da überlegt man es sich nicht nur einmal, ob es die Mühe wert ist.

Und nun?

Wer einige dieser Regeln nicht nachvollziehen kann und trotzdem unter der Woche überall legal und gratis mit Rad in der MRT fahren will, kann sich ein Klapprad zulegen. Zusammengefaltet und in einer Tasche verstaut, gilt es als normales Gepäck und kann überall hin mitgenommen werden.

Oder man stürzt sich ins Verkehrsgetümmel.

Der 28. Februar ist heute in Taiwan ein Feiertag (Warum? Mein Blogeintrag über das 228-Massaker), und da es in Taipeh mal wieder regnet, ist dies vielleicht eine gute Gelegenheit, auf einige lesenswerte Berichte der vergangenen Wochen hinzuweisen.

Nach seiner Premiere auf der Berlinale (mein Blogeintrag) hat Monika Treuts kulinarisch-politische Taiwan-Dokumentation “The Raw and the Cooked” eine positive Besprechung im Branchenblatt Variety erhalten.

The film digs deeper and deeper into obscure joints in the middle of nowhere, places even most Taiwan residents may never have heard of.

Im Videointerview erzählt die Regisseurin mehr über den Film und (ab 4:20) auch darüber, dass sie sich Sorgen um Taiwans Zukunft macht.

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Lesenswertes:

  • Neuer Zürcher Zeitung: Taiwans Erfolgsmodell auf die Probe gestellt

    Die beeindruckende demokratische Reife, die Taiwan aber gerade wieder bei den Präsidentschaftswahlen gezeigt hat, darf zwar nicht über Missstände im Parteiensystem und im Politikbetrieb hinwegtäuschen. Im Wettbewerb müsste sie aber ein Trumpf sein. Eine innovative Gesellschaft entfaltet sich in einem engen politischen Korsett nicht.

  • Taipeh im Regen
    Schön geschriebener Taiwan-Reisebericht eines deutschen Fernsehreporters

An anderer Stelle (taz: “Der grüne Riese”) hatte ich es schon angedeutet, nun ist es so weit:

Pressemitteilung

DAS DEUTSCHE INSTITUT TAIPEI ZIEHT UM!

Das Deutsche Institut Taipei bezieht Anfang März neue Räumlichkeiten in der 33. Etage des 101-Turms in Taipeh. Aufgrund des Umzugs ist das Büro vom 01.-06. März 2012 für den Besucherverkehr geschlossen.

Termine für Visa, Reisepässe und Bürgerdienste werden ab 07. März 2012 wieder angeboten. Ein Termin muss über die Webseite gebucht werden.

Die neue Anschrift des Deutschen Instituts lautet:

Deutsches Institut Taipei
33F, No. 7, Xinyi Rd., Section 5
Taipei 11049

Telefon: 02-8722-2800
Telefon (Visa, Reisepässe, Bürgerdienste): 02-8722-2820

Telefax: 02-8101-6282
Telefax (Visa, Reisepässe, Bürgerdienste): 02-8101-6283

E-Mail: info@taipei.diplo.de
Webseite: www.taipei.diplo.de