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Archive for Juni, 2012

Reisfelder und Teeplantagen, Mangos und Papayas: Landwirtschaft hat in Taiwan ein anderes Gesicht als in Deutschland. Vor 40 oder 50 Jahren war sie das Rückgrat von Taiwans Wirtschaft. Inzwischen trägt sie nicht mal mehr zwei Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Preise verfallen, Einkommen schmelzen, Felder liegen brach, und immer weniger junge Leute wollen in die Fußstapfen ihrer Eltern treten.

Auf dem Land in Taiwan sieht es fast genau so zersiedelt aus wie rund um die großen Städte. Betonpisten und Stromtrassen ziehen sich durch die Landschaft, überall verstreut stehen Wohnhäuser und Lagerhallen, und winzige Felder bedecken die Landschaft wie ein Flickenteppich. Einen unverbauten Blick in die Natur kann ich hier lange suchen. Es gibt auch keine Kühe auf der Weide, wie daheim in Niedersachsen. Rinder verbrauchen zu viel Platz, Taiwaner trinken wenig Milch, und Rindfleisch stand traditionell nicht auf dem Speiseplan – Ochsen galten den Bauern einst als Freunde und Helfer, nicht als Fleischlieferanten.

Wichtigste Produkte neben Reis sind Gemüse und Obst. Mehr als 100 Sorten Gemüse gedeihen hier, von Kohl und Bambus über Blattgemüse und Pilze bis zu Sojabohnen. Früchte, deren Geschmack in jedem deutschen Supermarkt für Aufsehen sorgen würden, gibt es im Überfluss: Ananas, Litschis, Drachen- und Sternfrüchte, dickhäutige Pomelos und saftige Wachsäpfel. Es macht Spaß, hier über den Markt zu schlendern. Aber es macht immer weniger Menschen Spaß, dafür tagtäglich zu schuften.

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Die meisten Landwirte in Taiwan sind eigentlich schon im Rentenalter und bewirtschaften Felder, die im Schnitt gerade mal einen Hektar groß sind. Traktoren sind quasi unbekannt. Die winzigen Parzellen sind auch eine Folge der Landreform, mit der die Regierung Chiang Kai-sheks in den fünfziger Jahren Großgrundbesitzer zwang, Land an ihre Pächter abzutreten. Damals war das ein Segen für viele kleine Bauern, aber heute reichen die Einnahmen kaum noch zum Leben. Bei zwei guten Ernten pro Jahr bringt ein Hektar einem Reisbauern im besten Fall halb so viel ein, wie eine Sekretärin in der gleichen Zeit verdient. Vernichtet ein Taifun die Ernte, bleiben nur ein paar hundert Euro aus dem Notfalltopf der Regierung. Als Rente erhält jeder Bauer über 65 monatlich ein Almosen von knapp 150 Euro.

Seit Taiwan vor zehn Jahren der Welthandelsorganisation beitrat und Zollschranken abbauen musste, sind die Preise weiter unter Druck geraten. Ein Kilo Reis bringt den Bauern gerade mal 50 Cent ein. Auch gewöhnen die Taiwaner sich an internationale Küche und essen weniger Reis: Im Schnitt weniger als 50 Kilo pro Jahr. Japaner bringen es auf fast 60 Kilo. Etwa 6000 Hektar Reisfelder liegen brach. Oft fällt der Regierung nichts Besseres ein, als immer neue Industriegebiete auszuweisen.

Bauernverbände und Behörden bemühen sich, Nachwuchs in modernen Methoden auszubilden, Felder zusammenzulegen und neue Einnahmequellen zu erschließen. Einige spezialisieren sich auf Bio-Anbau, verkaufen ihre Produkte selbst auf Bauernmärkten und umgehen die Zwischenhändler. Andere setzen auf Agrar-Tourismus und vermieten Zimmer an gestresste Großstädter. Die Probleme sind erkannt, aber noch lange nicht gelöst.

Eine Folge aus meiner Taiwan-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt.


Schweigen im Bloggerwald

Sind schon alle im Urlaub, oder liegt es an der EM? Es war eine ruhige Woche in der deutschen Taiwan-Blogosphäre.

Wenn das so weiter geht, findet diese Blogschau im Sommer vielleicht nur alle zwei Wochen statt.

Assoziationskette der Woche

Luo2 You1 macht sich ein paar Gedanken über McDonald’s nicht unumstrittene Bubble Tea-Werbekampagne in Deutschland, kommt auf das japanische Erbe in Taiwan und Besonderheiten der taiwanesischen Sprache zu sprechen und endet mit einem Foto des wohl schönsten Toilettenhäuschens von Taiwan. Puh.

Ein Stück Niedersachsen in Taipeh: Ein Militaria-Laden in Ximending verkauft solche Helme. Ob die auch Scooter-tauglich sind? Die schwarzen Mützen mit dem Totenkopf-Emblem aus dem Regal darüber bilde ich hier lieber nicht ab.

Trip der Woche

Marc alias „Ein Hesse in Taiwan“ hat Strandurlaub auf den Philippinen gemacht. Auf den Billigairline-Flügen dorthin wird offenbar gern mal das Gepäck geplündert. Er verrät, wie er sich dagegen geschützt hat. Außerdem schildert Marc, wie der kürzliche Tropensturm ihn dann doch nicht getroffen hat und gibt bekannt, dass er Taiwan bald wieder verlassen wird. Schade!

Ich empfehle auch ab und zu einen Blick ins deutsche Forum von Deutschland.tw bzw. Forumosa.com. Und Tipps für interessante Blogeinträge sind immer willkommen.


Pretty faces, tight outfits and a permanent smile: Any visitor to Taiwan’s tech trade fairs like Computex cannot help but notice the show girls hired by exhibitors to promote their products. And for some visitors, they seem to actually be the main attraction.

If you have never been there, let my give you an impression of what we are talking about. (You might not want to watch this in the office with the boss or Gleichstellungsbeauftragte looking over your shoulder.)

Hot in here, isn’t it?

Before you file me firmly in the „male chauvinist“ category along with my video, let me just say: I am aware that there are people who find the booth babe phenomenon problematic, and for good reasons, too. Some pieces worth checking out:

So when I was recently filming some reports at Computex for German TV (check them out here), I decided to ask a show girl/booth babe/computer xiaojie about her own opinion and experiences. I met Jessica at the Acer booth:

Not to claim that she is representative for all show girls, but I do like her pragmatic attitude towards her job.

It should be noted that, because of her good English, Jessica is hosting the on-stage shows, which gives her lots of opportunities to actively communicate with the visitors, even command them to shout slogans and reward them with little gifts. A booth babe without this crowd control responsibility will probably more easily find herself in a position where she is truly objectified.

It’s kind of hard for me to take a side here. Yes, I do enjoy looking as much as the next guy (and filming and editing), and I think that’s legitimate. Don’t expect me to apologize for that first video I posted above. But I also see that there is a line between cute entertainment and sexism that is easily crossed (which results in sexist entertainment, I guess). Where exactly is this line?

It occurs to me that, being neither a woman nor Taiwanese, I am not the one directly concerned here. So I am especially interested in knowing my female readers‘ opinions about Taiwan’s booth babe phenomenon!

I am a German reporter living and working in Taiwan. Click here for more English posts on this otherwise mostly German blog. You can also follow me on Twitter, Facebook, Google Plus and Plurk.

Other posts you might want to have a look at:


Der zweiwöchentliche Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung beschäftigt sich dieses Mal u.a. mit dem Streit um US-Rindfleisch-Importe und der Diskussion um Alkohol am Steuer.

Und er stellt Franz Collection vor, einen Porzellan-Hersteller aus Taiwan, der bei einer Ausstellung in Selb (an der tschechischen Grenze) vertreten ist.

Ausstellungsdauer: 04. Mai bis 07. Oktober 2012
Täglich (außer Montag) 10:00 bis 17:00 Uhr sowie nach Vereinbarung
Führungen nach Voranmeldung (auch fremdsprachig)
Ort: Porzellanikon Selb, Werner-Schürer-Platz 1, 09287-918000


Es gibt unzählige Perspektiven, aus denen man Taiwan betrachten kann. Weil jeder Betrachter seine eigenen Schwerpunkte setzt, existieren im Netz mindestens so viele Taiwans wie Leute, die darüber schreiben.

In meiner Blogroll in der Leiste rechts liste ich lesenswerte, aktive deutschsprachige Taiwan-Blogs auf. Künftig werde ich versuchen, immer zum Wochenende zusammenzufassen, was sich dort im Lauf der Woche getan hat. Denn es wäre doch schade, wenn interessante Texte unbemerkt bleiben.

Willkommen also zur ersten Ausgabe der deutschen Taiwan-Blogschau!

Die Leistung der Woche

Für die deutsche Redaktion von Radio Taiwan International hat Ilon Huang am Taipei 101-Treppenwettlauf teilgenommen. In 33 Minuten schaffte er es in den 91. Stock, Pinkelpause inbegriffen. Respekt! (Der Sieger, ein Australier, brauchte 11:26. Der deutsche Vorjahressieger war nur vier Sekunden langsamer.) Ein schöner Bericht, der Mut macht, nächstes Jahr vielleicht selbst an dem Rennen teilzunehmen.

Und sonst?

  • Marc (alias „Ein Hesse in Taiwan“) veröffentlicht eine Auswahl seiner Lieblings-Warnschilder und sonstigen Kuriositäten. (Das erinnert mich an einen Beitrag, den ich vor vier Jahren über Taiwans gefährliche Rolltreppen geschrieben habe.) Außerdem hat er vom Elephant Mountain aus den Blick aufs Taipei 101 genossen.
  • Gaby stellt den Konfuzius-Tempel in Taipeh vor, hatte regenfrei wegen sintflutartiger Niederschläge und berichtet von einer Diskussion über Steinlöwen, die zu eindeutig Männlein bzw. Weiblein sind.
  • Ludigel ist für ein paar Wochen in Deutschland und freut sich, dass sein Junior dort – anders als in Taiwan – die Nächte durchschläft.

Natürlich freue ich mich über Hinweise, wenn ich interessante Blogs übersehen habe.


Update 17.6.: Die Sendung steht nun als mp3-Datei online. Mein Beitrag beginnt bei 31:50.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Jetzt gleich, am Sa. 16.6. zwischen 11 und 13 Uhr dt. Zeit (17 und 19 Uhr Taiwan-Zeit) läuft auf WDR 5 ein Radiobeitrag, für den ich mich mit dem Fahrrad in den Stadtverkehr von Taipeh gestürzt und meine Erlebnisse live kommentiert habe.

Es gibt auch einen Livestream und später die Möglichkeit, das Programm per Podcast nachzuhören. Mehr Informationen auf der Website der Sendung „Oase“.

Mit dieser Konstruktion habe ich während des Fahrens die Atmosphäre auf den Straßen eingefangen:
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10150828708353295&set=a.383404963294.159525.234843808294&type=3&theater

Demnächst werde ich noch ein Video veröffentlichen, das ich bei der Gelegenheit gedreht habe. Aus der Perspektive des Fahrradlenkers.

Auch zum Thema: In Taipeh mit dem Fahrrad in die U-Bahn? Ja, aber…