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Archive for August, 2012

Wie deutsche Blogger Taiwan sehen

Ist Taiwans Erziehungssystem tauglich für die eigenen Kinder, wo ist die U-Bahn am schönsten, und wo finden sich Oasen in der Stadt? Um solche Themen ging es in den vergangenen Wochen in den deutschsprachigen Taiwan-Blogs.

Wie es sich aufwächst

Ludigels kleiner Sohn hat sein erstes Wort gesagt: Nicht „Mama“ oder „Papa“, sondern den Namen einer Firma, der im Werbespot immer so schön gesungen wird. Kinder in Taiwan brauchen gar kein eigenes iPad, wie man es zuletzt so häufig sieht. Die audiovisuelle Reizüberflutung kann auch auf bewährte Art aus dem Fernsehen kommen.

Bei Frau und Schwiegermutter ist es nicht raus zu kriegen, das der riesige Flachbildfernseher den ganzen verdammten Tag läuft und Junior immer in Richtung TV gedreht wird. Wenn man dann mit ihm spielen will, muss man mit einer Horde Taiwaner konkurrieren, die gerade dabei sind an einer kreischenden Minirock-Xiaojie irgendwelche Schubsereien vorzunehmen, oder sie mit dem Taxi oder Blue-Truck zu überfahren. Super.

 

Kinder Orchester Taiwan

In einer ähnlichen Situation ist Dennis, der auch vor kurzem Vater geworden ist. Er macht sich grundlegende Gedanken darüber, ob Taiwan aus deutscher Sicht der optimale Ort ist, eine Tochter großzuziehen.

Was mich angeht, so kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, meine Tochter in Taiwan zur Schule gehen zu lassen, den ganzen Tag zu lernen, den Druck des taiwanischen Bildungssystems auszusetzen und für dieses System auch noch Geld zu bezahlen!! Ich denke, die Bildungsfrage könnte ein Grund sein, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Das deutsche Bildungssystem zählt natürlich auch nicht zu den besten der Welt, aber in Deutschland können Kinder neben dem Lernen auch noch ihre Kindheit genießen.

 

Was bewegt

Für Radio Taiwan International wirft Reporter Frank Pevec einen Blick auf die schönen Seiten der U-Bahnen in Taipeh und Kaohsiung und entdeckt Kleinkunst an unerwarteten Orten.

Taipei Rolltreppe U-Bahn

Wie sich Stadt erlebt

Ludigel berichtet, wie er und sein Auto einen heftigen Taifun wohlbehalten überstanden haben, von einem unerwartet ansehlichen Stadtviertel in Neihu, und von kleinen Fluchten aus der Betonwüste in die grünen Hügel rund um Taipeh.

Taiwan Wanderweg Wald

Vor einem Jahr…

…habe auch ich mir Gedanken über unschöne Fassaden gemacht, und über das Leben dahinter: Wie Taiwaner wohnen

Vor zwei Jahren…

…habe ich hier über Deutsche in Taiwan geschrieben, und was Taiwaner über sie denken: Und täglich grüßt die Schweinshaxe

Vor drei Jahren…

…hatte Taifun Morakot für Verwüstungen gesorgt und Taiwan in die deutsche Tagesschau gebracht. Der Grund waren weniger die Opferzahlen, sondern der spektakuläre Sturz eines Hotels in die Fluten. Außerdem hatte Kollege Dennis Gastmann für eine Folge seiner NDR-Reihe „Mit 80.000 Fragen um die Welt“ in Taiwan gedreht.

Vor vier Jahren…

…wurde ich gegen Ende meines ersten Taiwan-Aufenthalts von Deutsch-Studenten der Soochow-Universität fürs Campusradio interviewt.

Ich empfehle auch einen regelmäßigen Blick ins deutsche Forum von Deutschland.tw bzw. Forumosa.com. Weitere deutschsprachige Taiwan-Informationsquellen nenne ich hier. Und Hinweise auf alles, was ich übersehen habe, sind immer willkommen.


„In Taiwan werden Lebensmittel überhaupt nicht kontrolliert.“

Die Bubble Tea-Hysterie in Deutschland hat wohl einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Warnungen vor zuviel Zucker (macht Kinder dick!) und Erstickungsgefahr durch Tapioca-Perlen (macht Kinder tot!) haben Chemiker einer Aachener Hochschule nun angeblich Spuren von giftigen Stoffen in Bubble Tea entdeckt.

Sicher ist bisher wenig, und die Untersuchung war wohl ursprünglich auch gar nicht auf solche Stoffe ausgelegt. Die Wissenschaftler hatten offenbar lediglich im Auftrag des Herstellers das Gerät getestet. Selbst die Boulevard-News-Seite Nr. 1 im deutschen Internet meldet:

Ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums sagte SPIEGEL ONLINE, die von der Firma zur Verfügung gestellten Untersuchungsergebnisse reichten für eine Bewertung nicht aus. Das Ministerium nehme den Verdacht sehr ernst und würde Bubble Tea stichprobenartig untersuchen, sowohl auf die jetzt gefundenen Stoffe als auch darüber hinaus. Bis wann erste Ergebnisse vorliegen werden, konnte der Ministeriumssprecher noch nicht sagen.

Ein Berliner Kinderarzt als Taiwan-Experte im ZDF

ZDF Moma Bubble Tea Gift

So vergleichsweise differenziert geht es im Fernsehen meist nicht zu. Das ZDF-Morgenmagazin lieferte heute früh ein Paradebeispiel. Da wurde der Kinderarzt Dr. Martin Karsten aus Berlin-Wilmersdorf vor die Kamera gestellt und von der Moderatorin zum Kronzeugen gegen Bubble Tea gemacht. Und nicht nur das – auch zu Taiwan im Allgemeinen hatte der Doktor wenig Schmeichelhaftes zu sagen.

Falls jemand es nicht für möglich hält – zum Glück steht das Video online.

Update: Das Video wurde mittlerweile leider „depubliziert“.

Dr. Martin Karstens Kernthese bei 1:25:

Man muss einfach wissen: 90 Prozent der Bubble Teas wird in Taiwan hergestellt, und da werden Lebensmittel überhaupt nicht überprüft. Und was hier auf den Markt geschwemmt wird, ist sicher höchst gesundheitsgefährdend.

Dieser Punkt war ihm offenbar wichtig. Bei 4:18 urteilt er über Bubble Tea-Zutaten:

…wenn sie aus Ländern aus Fernost wie Taiwan kommen, wo Lebensmittel eben überhaupt nicht kontrolliert werden, dann sollten sie hier vom Markt genommen werden.

Und bei 4:40:

90% aller Bubble Teas kommen aus Taiwan, von einem Hersteller, und davor sollte sicher gewarnt werden.

Lebensmittelkontrollen in Taiwan

Würde ich in der Food and Drug Administration arbeiten, die Taiwans Gesundheitsministerium untersteht, würde ich Dr. Karsten z.B. auf diese Übersicht von Gesetzen und Verordnungen zur Lebensmittelsicherheit hinweisen.

Man könnte auch darüber grübeln, wie in Taiwan vergangenes Jahr der Einsatz von gesundheitsschädlichen Substanzen in Gelees etc. nachgewiesen werden konnte, gäbe es keine Lebensmittelkontrollen.

Oder darüber, warum viele Taiwaner sich dermaßen über den Stoff Ractopamin in US-Rindfleisch erregen, wenn sie gar keine Möglichkeit hätten, es nachzuweisen.

Bubble Tea, die Mediensau der Woche

Aber irgendwie interessiert das wahrscheinlich kaum jemanden, der Beiträge wie diesen heute im ZDF-Morgenmagazin sieht. Weil man darauf vertraut, dass die „Experten“ schon wissen, wovon sie reden. Oder darauf, dass die Moderatoren als gute Journalisten mäßigend eingreifen, wenn apodiktisch irgendwelche Fragwürdigkeiten behauptet werden – statt noch Öl ins Feuer zu gießen.

Dieser ganze traurige Bubble Tea-Shitstorm dient einigen Medienvertretern, Politikern und anderen Bedenkenträgern vor allem dazu, das Sommerloch zu füllen. In ein paar Wochen werden schon wieder ganz andere Säue durchs Dorf getrieben.

Ob dabei Image-schädigender Unfug über Taiwan verbreitet wird, ist solchen Leuten egal. Mir aber nicht. Und Ihnen?

Liebe Leser, bitte sachlich bleiben. Ich werde hier keine beleidigenden Kommentare veröffentlichen. Und sollte Dr. Martin Karsten mal nach Taipeh kommen, werde ich ihm gern persönlich meine Lieblings-Bubble Tea-Läden zeigen. Damit er sich ein eigenes Bild machen kann. Er kann von mir aus auch Messgeräte mitbringen.

Nachtrag: Vielleicht interessiert der eine oder andere Leser sich für meinen ersten Bericht über Bubble Tea in Taiwan. Aus dem Jahr 2009, als das alles in Deutschland noch nahezu unbekannt war.


Der zweiwöchentliche Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung beschäftigt sich dieses Mal u.a. mit dem Diskussion um die von Taiwan, China und Japan beanspruchten Diaoyutai/Senkaku-Inseln, mit dem Yimin-Festival der Hakka und der Absicht Taiwans, ins TIFA-Handelsabkommen mit den USA aufgenommen zu werden.

Wer die PDF-Dateien künftig direkt erhalten möchte, kann sich in München bei svenja.weidinger (at) gmx.net melden.

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten:


Wie man per Rad durch Taipei kommt

Das Fahrrad gilt in Taipei nicht gerade als Verkehrsmittel Nr. 1, und wer zugibt, dass er sich per Rad in den Verkehr stürzt, wird manchmal komisch angesehen. Zu gefährlich, zu anstrengend, zu unpraktisch, heißt es dann. Aber so schlimm ist es gar nicht.

Wer weiß, welche Wege er einschlägt und wie er sich im Verkehr zu verhalten hat, kommt mit dem Rad ganz gut durch die Stadt.

Ich habe ein kleines „Point of View“-Video gedreht, das meinen Weg per Rad ins Stadtzentrum dokumentiert. Währenddessen habe ich kommentiert, was mir zum Thema „Radfahren in Taipei“ durch den Kopf gegangen ist. Viel Spaß:

Wie man sieht, ist der Verkehr gar nicht besonders dicht oder chaotisch. Seit ich mal ein paar Tage in Südindien verbracht habe, kommt der Stadtverkehr von Taipeh mir sogar extrem ruhig und geordnet vor!

Ob das Radeln Spaß macht oder zur Qual wird, hängt natürlich entscheidend davon ab, welchen Weg man wählt. Wer jeden Tag die Zhongxiao Road von West nach Ost und zurück nehmen muss, hat bestimmt mehr Stress als jemand, der sich durch Seitenstraßen und Gassen schlängeln kann.

Oft lassen sich die schlimmmsten Stellen aber vermeiden. Hier meine Top 6 der entspanntesten Rad-Strecken in Taipeh:

1. Flussufer-Parks

Taipei Riverside Park Bike Path

Über 100 Kilometer lang ziehen sich links und rechts an Taipehs Flussufern breite Grünstreifen durch die Stadt. Nahezu überall finden sich dort durchgängige Radwege. Weit und breit keine Autos oder Scooter – eine Wohltat!

Diese Parks sind prima Ausflugsziele fürs Wochenende, aber wenn Start und Ziel günstig liegen, können sie auch in eine Pendelstrecke integriert werden. Zu- und Ausgang sind nur durch bestimmte Tore in den Flutmauern möglich. Selbst, wenn der Weg dorthin zunächst einen Umweg bedeutet – am Ende könnte ein Zeitgewinn stehen.

2. Daan Forest Park

Taipei Daan Forest Park bike lane

Einmal rund um den Daan Park ziehen sich die allerbesten innerstädtischen Radwege von Taipeh. Sie sind breit, glatt, schattig und durch einen breiten Grünstreifen von der Straße getrennt. Da vergeht die Fahrt von der Heping zur Xinyi Road wirklich wie im Flug. Wer von Süd nach Nord fährt, z.B. von Gongguan kommend, tut gut daran, einen Teil der Wegstrecke hier zurückzulegen.

3. Xinsheng South Road

Taipei City bike lane

Beim Bau der orangefarbenen U-Bahn-Linie haben die Planer zum Glück auch an Taipehs Radfahrer gedacht und nach Abschluss der Tunnelarbeiten oben drauf einen prima Radweg gesetzt. Zwar heißt es hier „Passanten haben Vorrang“, aber die Radspur ist breit, ziemlich unterbrechungsfrei, farblich abgesetzt, verläuft nicht über die Straße und wird auch (noch) nicht von Motorrollern zugeparkt. Was bei der Dunhua Road schief gelaufen ist (s.u.), hat man hier richtig gemacht.

Das beste Teilstück befindet sich zwischen der Xinyi Road (Nordwestecke Daan-Park) und der Bade Road (beim Guanghua Digital Plaza). Es sieht so aus, als würden in Taipeh mehr und mehr Radwege nach diesem Muster angelegt. Gut so, und hoffentlich bleibt es nicht Stückwerk, sondern ergibt ein richtiges Wegenetz.

4. Xinyi District

Rund um das Taipei 101 und die Taipei City Hall befindet sich der Xinyi Business District, ein auf dem Reißbrett geplantes Viertel, wo in den letzten 25 Jahren zahlreiche Einkaufszentren, Messehallen, Hotels und Apartment-Hochhäuser entstanden sind. Hier findet sich auch Taipehs dichtestes Radwege-Netz.

In der Realität ist es allerdings sehr uneinheitlich ausgefallen. An einigen Stellen kommt man prima voran, Radfahrer und Fußgänger kommen sich nicht ins Gehege, und es gibt sogar einige für Autos und Scooter gesperrte Strecken, auf denen man den Weg entlang der Xinyi Road vermeiden kann. Andernorts sind die Radwege viel zu schmal, ständig unterbrochen oder gar nicht vorhanden.

Stichwort Xinyi Road: Auch hier wird ja in Kürze eine neue U-Bahn-Strecke eröffnet, und es wird neue Radwege geben. Direkt gegenüber vom Taipei 101 sieht das so aus:

Leider gibt es so einen Weg nur auf der Südseite der Straße. Ich bin mir auch nicht sicher, ob er sich in diesem Stil die ganze Xinyi Road (also Richtung Westen bis fast zur Chiang Kai-shek Memorial Hall) entlangziehen wird. Schön wäre es!

5. Ren’ai Road

Wie kommt man in Taipeh am besten von Ost nach West? Bis auf der Xinyi und Nanjing Road nach Abschluss der U-Bahn-Arbeiten hoffentlich prima Radwege entstehen, ist die Renai Road für Radfahrer erste Wahl. Schön fürs Auge: Es ist einer der repräsentativsten Boulevards von Taipeh, mit ungewöhnlich vielen Bäumen.

Gut fürs Radeln: Es gibt über weite Strecken Fahrradwege oder breite Fußwege, und wo sie fehlen, ist der Verkehr relativ dünn, so dass man auch auf der Fahrbahn gut voran kommt.

Dabei beachten: Die Renai Road ist streckenweise eine Einbahnstraße, die nur von Ost nach West befahren werden kann.

6. Dunhua Road

Scooter on the Taipei Dunhua Road bike lane

Auf der Dunhua Road wollte die Stadtregierung vor einigen Jahren eine bitter nötige Nord-Süd-Verbindung für Radfahrer schaffen. Leider scheute man den Aufwand und malte lediglich einen bunten Streifen auf den Asphalt, nur an wenigen Punkten gibt es eine niedrige Barriere wie auf diesem Foto.

Von Beginn an kümmerten Auto- und Scooterfahrer sich wenig um den Radweg. Es waren ja auch so wenig Fahrräder unterwegs. Die Polizei scherte sich wenig darum, dass viele PKW den Radstreifen als Parkfläche behandelten. So wurde das Fehlverhalten schnell zum Normalfall. Nach einigen Monaten gestand der Bürgermeister das Scheitern des Plans ein. Als es dann hieß „der Radweg gilt nur noch am Wochenende“, war das gleichbedeutend mit seinem Ende.

Egal ob Wochenende oder nicht, wer heute auf der Dunhua Road radelt, schlägt am besten einen Slalomkurs ein: Mal auf dem Radstreifen, der zumindest noch optische Orientierung bietet. Und mal auf dem Bürgersteig, wenn mal wieder Taxis oder andere Autos am Straßenrand halten und das Ausweichen nach links, in den fließenden Verkehr hinein, zu riskant wäre. Besonders viel Spaß macht das nicht, aber auf den anderen Nord-Süd-Achsen sieht es meist noch schlechter aus.

…und sonst?

Meist muss man sich als Radfahrer notgedrungen auf der Fahrbahn fortbewegen. Dabei immer schön rechts halten, und vor allem darauf achten, was von der Seite angeschossen kommt!

Taipei bike lane

Gibt es mal einen Radweg, der hier nicht genannt wurde? Schön! Aber auch dort heißt es Augen auf, denn Hindernisse können jederzeit auftauchen. So wie hier auf der Guangfu South Road, westlich der Sun-Yat-Sen-Gedenkhalle:

Also dann – gute Fahrt mit dem Rad in Taipei!

Das könnte Sie auch interessieren: In Taipei mit dem Fahrrad in die U-Bahn? Ja, aber…

Welche Strecken durch Taipei können Sie empfehlen?


Der zweiwöchentliche Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung beschäftigt sich dieses Mal u.a. mit dem Bevölkerungsrückgang in Taiwan, der Spekulation mit Luxusimmobilien – und mit einem Schweineasyl, geleitet von einem ehemaligen Züchter, der zum Vegetarier wurde.

Wer die PDF-Dateien künftig direkt erhalten möchte, kann sich in München bei svenja.weidinger (at) gmx.net melden.

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten:


Als kürzlich einige tausend Falun Gong-Anhänger durch Taipeh marschierten, um auf 13 Jahre Unterdrückung ihrer Bewegung in China aufmerksam zu machen, habe ich darüber für die Deutsche Welle berichtet. Der Beitrag wurde auch auf Chinesisch übersetzt.

Bei der Gelegenheit hatte die Polizei einige unangemeldete Gegendemonstranten einer Pro-Vereinigungs-Vereinigung verscheucht. Ein Video davon habe ich hier gepostet.

Einige generelle Gedanken zum Thema „Falun Gong in Taiwan“ habe ich mir kürzlich in der kleinen Taiwan-Kolumne für meine Heimatzeitung gemacht:

Jeden Tag, wenn ich auf dem Weg in die Stadt das Taipei 101 passiere, sehe ich mit eigenen Augen einen Beweis für die Freiheit in Taiwans Gesellschaft. Im Minutentakt halten Reisebusse. Gruppen von chinesischen Touristen stehen auf dem Vorplatz und warten darauf, dass sie ins Gebäude geführt werden. Anhand von Kleidung und Körpersprache kann ich sie oft auf den ersten Blick von Taiwanern unterscheiden – ungefähr so, wie Besucher aus der DDR damals im Westen auch herausstachen.

Natürlich ist es gut, dass Touristen aus der Volksrepublik sich seit einigen Jahren selbst ein Bild von Taiwan machen können, statt nur Regierungspropaganda zu hören. Wandel durch Annäherung funktioniert besser, wenn Menschen eigene Erfahrungen machen und sie daheim weitergeben können. Viele Taiwaner aber sind vor allem daran interessiert, an den Reisegruppen zu verdienen. Sie vermeiden es, politische Differenzen und andere heikle Themen anzusprechen, und verstecken auch schon mal die eigene Nationalflagge, um die Besucher nicht vor den Kopf zu stoßen. Eine Gruppe aber sorgt hartnäckig und beständig dafür, dass die Chinesen mit der Realität konfrontiert werden: Falun Gong.

„Willkommen in Taiwan“, beginnt er ganz harmlos. Wie ein Reiseführer hat Eugene Chang sich Mikro und Lautsprecher vor den Bauch geschnallt. Dann lenkt er die Aufmerksamkeit der Chinesen auf eine Gruppe Taiwaner in leuchtend gelben Westen, die im Schneidersitz auf dem Pflaster meditieren. Sie sind wie Chang Anhänger von Falun Gong. Ob es dieser Bewegung bloß um Mediations-Übungen geht, die zu innerem Frieden führen, oder ob es eine religiöse Sekte ist – das kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist: In den neunziger Jahren fand die Bewegung in China so viel Zulauf, dass sie der Regierung in Peking unheimlich wurde. Seit 1999 wird Falun Gong als „Teufelskult“ verfolgt (Quelle: Chinas Botschaft in Deutschland). Wer sich in China mit der gelben Weste im Schneidersitz auf den Bürgersteig hockt, riskiert nicht nur Verhaftung. Es gibt Berichte über Folter, Verschleppung und sogar Organhandel.

„Sie sehen, es gibt in Taiwan einige Besonderheiten“, fährt der 48-Jährige Chang fort. So recht wissen die Chinesen mit der Situation nicht umzugehen. Einige feixen, andere hören demonstrativ weg. Chang redet unbeirrt weiter. Falun Gong werde in China verteufelt, aber nirgendwo sonst. „Wer die Glaubensfreiheit Anderer achtet, tut auch sich und seiner Familie etwas Gutes“, schließt er nach drei Minuten. Etwa 20 Stunden pro Woche widmet er dem friedlichen Protest – so wie hunderte andere, die sich in Taiwan Tag für Tag an vielbesuchten Sehenswürdigkeiten positionieren. „Die Polizei ist auf unserer Seite“, erzählt Chang. Einmal habe er sie gerufen, als ein chinesischer Tourist einen Demonstranten weggestoßen habe. „Als die Beamten kamen, wurde die Gruppe ganz kleinlaut“, erinnert er sich. „Ich habe ihnen gesagt, sie haben das Recht wegzuhören, aber sie haben kein Recht, handgreiflich zu werden.“

Weil in jeder Reisegruppe Aufpasser sind, ignorieren die Chinesen Flugblätter und Broschüren. Doch alle sehen die großen Schrifttafeln, auf denen Falun Gong die Gräueltaten des kommunistischen Regimes anprangert. So nehmen sie Eindrücke mit, die kaum zur Propaganda ihrer Regierung passen. Und das ist gut so.