Als kürzlich einige tausend Falun Gong-Anhänger durch Taipeh marschierten, um auf 13 Jahre Unterdrückung ihrer Bewegung in China aufmerksam zu machen, habe ich darüber für die Deutsche Welle berichtet. Der Beitrag wurde auch auf Chinesisch übersetzt.

Bei der Gelegenheit hatte die Polizei einige unangemeldete Gegendemonstranten einer Pro-Vereinigungs-Vereinigung verscheucht. Ein Video davon habe ich hier gepostet.

Einige generelle Gedanken zum Thema „Falun Gong in Taiwan“ habe ich mir kürzlich in der kleinen Taiwan-Kolumne für meine Heimatzeitung gemacht:

Jeden Tag, wenn ich auf dem Weg in die Stadt das Taipei 101 passiere, sehe ich mit eigenen Augen einen Beweis für die Freiheit in Taiwans Gesellschaft. Im Minutentakt halten Reisebusse. Gruppen von chinesischen Touristen stehen auf dem Vorplatz und warten darauf, dass sie ins Gebäude geführt werden. Anhand von Kleidung und Körpersprache kann ich sie oft auf den ersten Blick von Taiwanern unterscheiden – ungefähr so, wie Besucher aus der DDR damals im Westen auch herausstachen.

Natürlich ist es gut, dass Touristen aus der Volksrepublik sich seit einigen Jahren selbst ein Bild von Taiwan machen können, statt nur Regierungspropaganda zu hören. Wandel durch Annäherung funktioniert besser, wenn Menschen eigene Erfahrungen machen und sie daheim weitergeben können. Viele Taiwaner aber sind vor allem daran interessiert, an den Reisegruppen zu verdienen. Sie vermeiden es, politische Differenzen und andere heikle Themen anzusprechen, und verstecken auch schon mal die eigene Nationalflagge, um die Besucher nicht vor den Kopf zu stoßen. Eine Gruppe aber sorgt hartnäckig und beständig dafür, dass die Chinesen mit der Realität konfrontiert werden: Falun Gong.

„Willkommen in Taiwan“, beginnt er ganz harmlos. Wie ein Reiseführer hat Eugene Chang sich Mikro und Lautsprecher vor den Bauch geschnallt. Dann lenkt er die Aufmerksamkeit der Chinesen auf eine Gruppe Taiwaner in leuchtend gelben Westen, die im Schneidersitz auf dem Pflaster meditieren. Sie sind wie Chang Anhänger von Falun Gong. Ob es dieser Bewegung bloß um Mediations-Übungen geht, die zu innerem Frieden führen, oder ob es eine religiöse Sekte ist – das kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist: In den neunziger Jahren fand die Bewegung in China so viel Zulauf, dass sie der Regierung in Peking unheimlich wurde. Seit 1999 wird Falun Gong als „Teufelskult“ verfolgt (Quelle: Chinas Botschaft in Deutschland). Wer sich in China mit der gelben Weste im Schneidersitz auf den Bürgersteig hockt, riskiert nicht nur Verhaftung. Es gibt Berichte über Folter, Verschleppung und sogar Organhandel.

„Sie sehen, es gibt in Taiwan einige Besonderheiten“, fährt der 48-Jährige Chang fort. So recht wissen die Chinesen mit der Situation nicht umzugehen. Einige feixen, andere hören demonstrativ weg. Chang redet unbeirrt weiter. Falun Gong werde in China verteufelt, aber nirgendwo sonst. „Wer die Glaubensfreiheit Anderer achtet, tut auch sich und seiner Familie etwas Gutes“, schließt er nach drei Minuten. Etwa 20 Stunden pro Woche widmet er dem friedlichen Protest – so wie hunderte andere, die sich in Taiwan Tag für Tag an vielbesuchten Sehenswürdigkeiten positionieren. „Die Polizei ist auf unserer Seite“, erzählt Chang. Einmal habe er sie gerufen, als ein chinesischer Tourist einen Demonstranten weggestoßen habe. „Als die Beamten kamen, wurde die Gruppe ganz kleinlaut“, erinnert er sich. „Ich habe ihnen gesagt, sie haben das Recht wegzuhören, aber sie haben kein Recht, handgreiflich zu werden.“

Weil in jeder Reisegruppe Aufpasser sind, ignorieren die Chinesen Flugblätter und Broschüren. Doch alle sehen die großen Schrifttafeln, auf denen Falun Gong die Gräueltaten des kommunistischen Regimes anprangert. So nehmen sie Eindrücke mit, die kaum zur Propaganda ihrer Regierung passen. Und das ist gut so.

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