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Archive for Januar, 2013

Viel zu lesen: Deutsche Taiwan-Blogs zum Jahreswechsel

Mein guter Vorsatz für 2013 ist es, pro Woche mindestens zwei Mal über Taiwan zu bloggen. Da bleiben noch immer viele Themen übrig, denen ich mich nicht widmen kann.

Atomkraft Demonstration Taiwan

Am Wochenende gab es Proteste mit wohl mehr als 100.000 Teilnehmern in Taipeh. Meine Fotogalerie: Demo in Taiwan

Zum Glück gibt es eine ganze Reihe lesenswerter deutschsprachiger Taiwan-Blogs. Hier sind meine Tipps der letzten Wochen und Monate.

Unheimliche Begegnungen: Dunkelangst.org

Es gibt einen wertvollen Neuzugang in der deutschsprachigen Taiwan-Blogospähre zu vermelden: Ingenieur Helmut hat nach frustrierenden Behörden-Erfahrungen in Deutschland hingeschmissen und einen neuen Job in Taiwan angetreten. Jetzt lebt und arbeitet er in Zhongli (Jhongli) im Kreis Taoyuan, fotografiert in seiner Freizeit und schreibt auch ein Blog. „Dunkelangst“ heißt es. (Warum, das muss ich ihn bei nächster Gelegenheit noch mal fragen.)

Helmut hat ein besonderes Talent dafür, haarsträubende Begegnungen mit seltsamen Menschen zu beschreiben:

  • Eine chinesische Passkontrolleurin, die sich ärgerte, dass er sich auf der Reise nach Taiwan nicht in Peking umschauen wollte

    Aufgrund der Art wie sie fragte, hatte ich spontan in der Tat keine Lust mir Peking anzusehen und sagte nur: „No, there is nothing to see in Beijing.“

     

  • Deutsche Ingenieure, denen beim ersten Treffen kein besseres Gesprächsthema einfällt, als seine Kamera zu kritisieren

    „Wie, nur eine Canon EOS 600D? Ich hab in Deutschland eine 7D!“

     

  • Einen Amerikaner, den es nach Taiwan zog, nachdem seine Frau ihn verlassen hatte

    Seine Ex-Frau solle halt Wissen, wie sich das für ihn anfühlt. Dann fragte er mich, wie er mit den Taiwanischen Mädels umgehen soll und vor allem wie er sie für eine Nacht ins Bett bekommen könnte.

     

  • Deutsche Sprachstudenten, die im 7-Eleven lauthals auf Deutsch über die Einheimischen herziehen

    Sagt der Eine zum Anderen: „Die Taiwaner sind doch eh doof!“ Die Taiwanerin, mit der ich unterwegs war dreht sich augenblicklich am Geldautomaten zu mir um und schaut mir geschockt ins Gesicht und an diesem Gesichtsausdruck konnte ich sehr gut erkennen, dass sie das verstanden hat, was der Deutsche da gesagt hat. Es ist ein Moment in dem ich mich schlagartig unwohl (gefühlt) und sogar zum ersten mal wirklich geschämt habe

     

Und als positive Erfahrung: Eine Gespräch mit einer Taiwanerin und ihrer mexikanischen Freundin, die beide in München Deutsch gelernt hatten. Dort hatten sie so ihre Erfahrungen mit germanischer Gastfreundschaft gemacht:

Die Mexikanerin war mit einer Mexikanischen Freundin zusammen nach Deutschland gereist; ihre Freundin hat einen Deutschen Pass, da ihr Vater Deutscher ist. Aufgrund ihres „türkischen“ Aussehens wurden die beiden dann von der Polizei aufgegriffen und wegen dem deutschen Pass ihrer Freundin dann zwei Stunden festgehalten bis feststand, dass das keine Fälschung ist.

Auf Wohnungssuche: Ludigels Taiwanblog

Blogger-Veteran Ludigel macht sich Gedanken über westliche Ausländer in Taiwans Fernsehwerbung und nimmt die Leser mit auf einen Foto-Streifzug durch sein Stadtviertel in Taipei-Neihu.

Ist es hier nun schön oder hässlich? Alles eine Frage der Perspektive, manchmal gibt es eben einen Lichtblick irgendwo.

 

Nach einigen Jahren schockiert ihn auch das aus deutscher Sicht unansehliche Äußere taiwanischer Häuser nicht mehr.

In all den Jahren, in denen ich mich in Taiwan eingelebt habe, ist mir die Schlichtwohnungsumgebung hier viel angenehmer geworden, sie wirkt sogar irgendwie heimelig auf mich. Hoffentlich sehe ich deutsche Reihenhausidylle nicht in ein paar Jahren mit den Augen meiner Frau: als einsam, tot und leer, wie sie es mir einmal beschrieb.

Zu dem Thema hatte ich auch schon gebloggt: Hauptsache vergittert? Wohnen in Taiwan

In Taiwan, you can always choose a fancy window design to express your individuality.

Posted by taiwanreporter on Saturday, January 12, 2013

Ludigels bestimmendes Thema in den letzten Monaten war aber die Suche nach einer neuen Wohnung. Ein Drama in fünf Akten:

  1. Der alte Vermieter verlängert den Mietvertrag um zwei Jahre.
  2. Er bittet nun doch um baldigen Auszug. Ludigel und seine Frau besichten eine Wohnung mit einer nicht zu öffnenden Hintertür, die Anlass zu allerlei gruseligen Spekulationen gibt.
  3. Eine andere Wohnung wird angemietet.
  4. Der Schock bei Tageslicht: Ganz so schön ist die neue Bleibe wohl doch nicht.
  5. Drei Wochen später: Alles hab so schlimm.

    Rustikal der Hauseingang, alles ein bisschen angesifft, so dass man aufpassen muss, nicht kleben zu bleiben, aber das ist typisch taiwanische Mittelklasse. Eine alte 5000jährige Kultur wie die chinesische, die ja hier auf Taiwan originaler als in China weiterexistiert, hat längst erkannt, das übertriebene Hygiene nicht alles ist.

     

Streifzüge durch Taiwan: Das RTI-Redaktionsblog

Im deutschen Blog von Radio Taiwan International ging es abwechlungsreich zu:

Blogroll-Neuzugänge

  • Alle Jahre wieder kommen einige mutige deutsche Schüler über den Rotary-Club nach Taiwan, um hier ein Austauschjahr zu verbringen. Mindestens einer von ihnen bloggt auch gerade regelmäßig über seine Erfahrungen: Ron Schimanski Taiwan exchange
  • Laurens van Rooijen, ein Schweizer Fahrrad-Journalist, war schon mehrmals in Taiwan uns bloggt regelmäßig darüber: Speak Louder

Vor genau einem Jahr: Wahl in Taiwan

Heute vor einem Jahr hat Taiwan gewählt: Präsident und Parlament. Ich hatte damals die deutsche Presse-Berichterstattung ausgewertet. Und ich hatte dieses Video aus dem Wahllokal in meiner Nachbarschaft gedreht:

Ich empfehle auch einen regelmäßigen Blick ins deutsche Forum von Deutschland.tw bzw. Forumosa.com und auf meine Liste weiterer deutschsprachiger Taiwan-Informationsquellen. Hinweise auf alles, was ich übersehen habe, sind immer willkommen.


Deutsche Kultur kommt nach Taiwan

Die netten Menschen im Deutschen Insitut Taipei weisen in Ihrem Newsletter wieder auf interessante Veranstaltungen hin, die man leicht übersehen könnte.

  • Deutschsprachige Filme in Taiwan

    Der eine oder andere deutschsprachige Film schafft es zuweilen auch in die taiwanischen Kinos. Diese Filme laufen i.d.R. im deutschsprachigen Original mit chinesischen Untertiteln.

    Die Vermessung der Welt

    Am 01.02.2013 startet der Film „Die Vermessung der Welt“ (Chin: „丈量世界“, Eng: „Measuring the World“) in taiwanischen Kinos. Dies ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Daniel Kehlmann durch Erfolgsregisseur Detlev Buck. Der Film, in dem Carl Friedrich Gauss durch den Jungstar Florian David Fitz gespielt wird, war das herausragende Kinoereignis in Deutschland 2012.

    Deutsche Webseite: „Die Vermessung der Welt“

    Trailer zum Film mit chinesischen Untertiteln

    Männerherzen 2

    Am 08.02.2013 folgt der Film „Männerherzen 2“ (Chin: „熱戀攻心“, Eng: „Men in the City 2“). Diese Komödie mit Til Schweiger, Christian Ulmen und Nadja Uhl in den Hauptrollen gehoerte zu den erfolgreichsten Filmen in Deutschland 2011.

    Deutsche Webseite: „Männerherzen 2“

  • Deutsches Theater: Die Berliner Volksbühne in Taipei

    Das bekannte deutsche Theaterensemble der Berliner Volksbühne wird am 28.02., 02.03. und 03.03. mit dem Dostojewski-Stück „Der Spieler“ (nach Dostojewski) in der National Theater Hall Taipei (CKS-Memorial-Park) auftreten. Regisseur ist Frank Castorf.

    Das Stück wird auf Deutsch von den gleichen Schauspielern gespielt wie in Berlin. Zusaetzlich gibt es chinesische Unter- bzw. Uebertitel. Das Gastspiel wird unterstützt vom Goethe-Institut Taipei.

    Weitere Informationen

    Video-Ausschnitt:

  • Grünkohlessen 2013 in Taipei

    Gute Traditionen sind es wert, fortgesetzt zu werden. Und somit findet 2013 bereits das 13. Grünkohlessen statt. Das Grünkohlkomitee lädt dazu am 08.03.2013 ins Westin-Hotel Taipei ein.

    Angeblich sogar für Süddeutsche geeignet und alle, die mal wieder Spaß haben wollen.

    Anmeldung und nähere Infos

  • Tanztheater Wuppertal

    Das weltbekannte, von Pina Bausch gegründete Tanztheater Wuppertal wird vom 28.-31.03. im National Theater in Taipei (CKS-Memorial-Park) gastieren. Zur Aufführung kommen die Werke „Café Müller“ und „Das Frühlingsopfer (Le Sacre du Printemps)“.

    Weitere Informationen

Informationen zu weiteren Veranstaltungen mit Bezug zu Deutschland oder der deutschen Sprache finden Sie beim Deutschen Institut: Aktuelles in Taiwan


Unser Taipeh soll schöner werden

Demnächst werde ich vielleicht obdachlos. Und alle meine Nachbarn mit mir. Die Stadtregierung von Taipeh plant eine neue U-Bahn-Linie, um den östlichen Stadtrand besser anzubinden. Und die Endstation könnte genau dort liegen, wo jetzt noch unsere Häuser stehen. In der ganzen Stadt stehen viele Bewohner vor einer ähnlichen Situation.

Haus Wohnblock Taiwan

(Symbolbild: Dies ist nicht mein Haus. Könnte es aber sein.)

Wenig ansehlich: Das Stadtbild von Taipeh

Einen Preis für Schönheit im Städtebau hätte unser Wohnlock selbst zu seinen besten Zeiten nie gewonnen. An der etwa hundert Meter langen Reihe von vier- oder fünfstöckigen Häusern hat der Zahn der Zeit kräftig genagt. Solche Plattenbauten schossen in den siebziger Jahren flächendeckend aus dem Boden, als Wohnraum für die damals noch rasant wachsende Bevölkerung knapp war. Heute sind die Betonfassaden verwittert, Kabelwirrwarr zieht sich kreuz und quer, und die Fenstergitter, mit denen jedes Haus an ein Gefängnis erinnert, rosten vor sich hin.

Warum sehen die Häuser so aus? Mein Blogeintrag übers Wohnen in Taiwan

Für die Bewohner ist das zweitrangig. Sie freuen sich über das kostbare Wohneigentum in der Hauptstadt, wo die Immobilienpreise seit Jahren in die Höhe schießen. Und das Innere ihrer Apartments halten sie sowieso in Schuss.

Ein Blick ins Erdgeschoss zeigt, dass hier wahres Leben gewachsen ist. Ein Laden reiht sich an den anderen. Allein in unserem Block finden sich ein Frühstücksimbiss, zwei Mofawerkstätten, ein Bilderrahmen-Schreiner, ein Vertrieb für Geldzähl-Maschinen, eine Zahnarztpraxis und das Büro des gewählten Nachbarschafts-Vorstehers.

Skepis und Unsicherheit: Die Bewohner

Genau dort hängen seit einigen Monaten Neuigkeiten zum geplanten U-Bahn-Bau aus. Ab und zu trifft sich die Nachbarschaft Sonntagmorgens zu Informationsveranstaltungen. Da geht es darum, ob man Widerspruch einlegen oder die Angebote der Stadt akzeptieren sollte. Kalte Enteignung muss niemand fürchten. Vielen aber ist ihr in die Jahre gekommenes Heim lieber als ein in Aussicht gestelltes modernes, aber etwas kleineres Apartment in dem Hochhaus, das hier bald mit der neuen U-Bahn-Station entstehen könnte. Und es gibt die Befürchtung, dass man seinen Anteil am Grund und Boden mit mehr Parteien teilen müsste und er somit an Wert verlieren wird.

Hochhaus Apartments Taiwan

In Taipeh steht viel marode Bausubstanz, bei der Renovierung zwecklos wäre und wertvoller Platz nicht effizient genutzt wird. Von Neubau-Plänen profitieren aber große Investoren eher als die angestammten Bewohner, deren gewachsene Viertel oft kaputt-modernisiert werden. Im Erdgeschoss der überall neu entstehenden Apartment-Türme ist neben Empfangshalle, Pförtnerloge und Tiefgaragen-Einfahrt  meist kein Platz mehr für kleine Geschäfte.

Es gibt auch gelungene Neubauten: Architekturführer Taiwan

Stimmt die Mehrheit der Wohneigentümer in einem Block der Modernisierung zu, können die anderen nichts mehr dagegen tun. Das führt angeblich dazu, dass einige Firmen stimmberechtigte Strohmänner ansiedeln, bevor die Pläne bekannt werden.

Widerspenstig: Wenn Anwohner nicht weichen wollen

Vor einigen Monaten machte das Thema Schlagzeilen, weil eine Familie sich als einzige weigerte, ihr Haus zu räumen. Die Investoren pochten auf ihre Baugenehmigung und rückten mit Bulldozern an. Die Fernsehbilder der Familie Wang aus Shilin, die sich erfolglos gegen den Abriss wehrte, stachelten den Volkszorn an und sorgten für eine breite Diskussion. Einige Gesetze sollen nun anwohnerfreundlicher gestaltet werden. Es war außerdem einer der Vorfälle, die 2012 Taiwans Studentenbewegung wachrüttelten.

Die Wangs fordern den Wiederaufbau ihres Hauses. Ihre ehemaligen Nachbarn dagegen drängen Bauträger und Stadtregierung, endlich die neuen Gebäude hochzuziehen – sie warten in ihren Ausweichunterkünften schon seit vielen Monaten auf die versprochenen Neubauten.

Einen ähnlichen Fall gab es ganz in der Nähe meiner Wohnung: An einer großen Kreuzung lehnte ein älterer Mann die Pläne als einziger ab, nachdem seine Nachbarn nach und nach eingewilligt oder aufgegeben hatten.

Dieser Fall und mehr Hintergründe: Families call for fairer urban renewal law

Rund herum hatte der Abriss schon begonnen, aber er harrte monatelang in der Trümmerwüste aus und hängte Transparente aus dem Fenster. So sah es rund um das Haus aus:

Abriss Urbal Renewal Taipei

Mittlerweile hat er doch die Segel gestrichen, und das Haus ist weg.

Sollte es bei uns zum Abriss kommen, werde ich mich nicht an solchen Diskussionen beteiligen – ich bin nämlich nur Mieter und werde mir notgedrungen etwas Neues suchen.

Alt, authentisch und günstig oder neu, schick und etwas teurer: Wohnen Sie in Taiwan? Was sind Ihre Erfahrungen?


Studenten gegen „Medienmonster“

Von wegen unpolitisch: Auch in Taiwan gibt es eine Studentenbewegung. Die jungen Taiwaner demonstrieren für Meinungsfreiheit und Pressevielfalt. Und sie befürchten wachsenden chinesischen Einfluss auf Taiwans Medien.

Natürlich engagiert sich in dieser Bewegung nur eine Minderheit der Studenten. Aber die ist gut organisiert, weiß sich Gehör zu verschaffen und hat bisher Durchhaltevermögen bewiesen.

Ein Milliardär als Gegenspieler der Studenten

Im Sommer 2012 protestierten erstmals Studenten gegen die Übernahme eines Kabelfernseh-Netzes durch die Want Want China Times-Mediengruppe. Die gehört einem der reichsten Männer Taiwans: Tsai Eng-meng. Er ist bekannt dafür, dass seine Medien nicht gerade China-kritisch sind – denn in der Volksrepublik macht Tsai den Großteil seiner Geschäfte.

Tsais Blätter schrieben damals, die Demonstranten seien gekauft gewesen. Das ärgerte die Studenten so, dass sie erneut auf die Straße gingen, als im November bekannt wurde: Tsai steckt auch hinter einer Gruppe von Investoren, die Taiwans größte Boulevardzeitung und das einflussreichste Nachrichtenmagazin übernehmen wollen.

Taiwan Studenten Demo Medienmonster

Warum die Studenten vor dem Entstehen eines „Medienmonsters“ warnen und worum es genau geht, habe ich in diesem Bericht für die taz beschrieben. Und in einem Beitrag für die Journalistenzeitschrift Medium Magazin:

Ein Gesicht der Bewegung: Chen Wei-ting und die Medien

Einer der Wortführer der Studentenbewegung ist Chen Wei-ting (陳為廷). Diesen jungen Mann haben Taiwans china- und regierungsfreundliche Blätter offenbar besonders im Visier. Schon im Juli drohte ein China Times-Redakteur, ihn zu verklagen.

Chen Wei-ting Studentenführer Taiwan

Und auch die Proteste Anfang Dezember, bei denen Chen die Menge lautstark einstimmte, hatten ein Nachspiel: Zunächst bat Taiwans Erziehungsministerium in einem Brief verschiedene Universitäten darum, sich doch bitte um die protestierenden Studenten zu „kümmern“ – schließlich sei es draußen so kalt. Kurz darauf war Chen Gastredner in einem Parlementsausschuss und sagte dem Erziehungsminister ins Gesicht, dass er sehr wenig von solcher „Sorge“ hält.

Dies wiederum nahm die Zeitung United Daily News zum Anlass, Chen auf der Titelseite als unhöflichsten Studenten Taiwans zu attackieren. Um den Fokus von seiner Person abzulenken, bat Chen öffentlich um Entschuldigung. Die Attacken aber fachten den Widerstandsgeist der Studenten nur noch mehr an… und so geht es immer hin und her.

Zeitungsartikel Chen Wei-ting

Die Silvesternacht verbrachten mehrere hundert Studenten bei einer Mahnwache auf dem Freiheitsplatz vor der Chiang Kai Shek-Gedenkhalle, statt sich am Taipei 101 das Feuerwerk anzusehen. Es war kalt und nass. Denen muss es ernst sein.

Jimmy Lai, Apple Daily und die Wild Strawberries

Einige interessante Punkte:

  • Hongkongs Medienmogul Jimmy Lai, der seine taiwanischen Print- und Fernsehmedien abstoßen will, wird weiter in Taiwan präsent bleiben: Mit Next Media Animation, der Firma, die sich seit einigen Jahren mit schrägen News-Animations-Videos international einen Namen macht. In Wired stand mal ein großer Bericht über Jimmy Lai und Next Media, den ich auch verlinkt hatte.
  • Apple Daily, für dessen Unabhängigkeit die Studenten auf die Straße gehen, hat sich journalistisch bestimmt nicht immer mit Ruhm bekleckert. Die Redakteure dort schrecken nicht vor plumpen Klischees zurück, wenn etwa eine Sex & Crime-Story mit westlichen Ausländern anliegt. Aber anders als die restlichen großen Tageszeitungen Taiwans (China Times, United Daily News, Liberty Times) bildet Apple Daily auf seinen Politik- und Meinungsseiten nicht vorwiegend entweder „blaue“ oder „grüne“ Positionen ab. Das ist schon mal viel wert.
  • Vorläufer der aktuellen Studentenbewegung sind die „Wild Strawberries“, die 2008/09 protestierten, nachdem es beim Besuch eines chinesischen Gesandten zu Ausschreitungen und fragwürdigen Polizeiaktionen gekommen war. Damals hatte ich auch in diesem Blog über Taiwans Wild Strawberries geschrieben.

Ein Video mit Fotos einer Studentendemo im Dezember in Taipeh:

Auch wenn die Studenten den Mediendeal nicht verhindern können: Dies ist eine wichtige Entwicklung. Der jungen Generation ist Politik offenbar doch nicht ganz egal. Viele junge Taiwaner machen sich so ihre Gedanken um die Zukunft ihres Landes. Sie fühlen sich von der etablierten Politik für dumm verkauft und von der älteren Generation nicht ernst genommen. Das kann noch spannend werden.