Kulturschock Taiwan-Deutschland beim Schüleraustausch: Muss nicht sein

Nicht jeder Deutsche schafft es, Taiwan zu besuchen. (Schade.) Aber vielleicht kommt Taiwan ja zu Ihnen nach Hause? Jahr für Jahr machen sich viele junge Taiwaner zum Schüleraustausch auf den Weg nach Deutschland. Wenn Sie einen Gastschüler aus Taiwan bei sich aufnehmen möchten, sind hier ein paar Tipps für Gasteltern, um gerade am Anfang Missverständnisse zu vermeiden.

Vorweg: Dieser Text basiert zum Teil auf meinen eigenen Beobachtungen und Schlussfolgerungen, zum Teil auf Erfahrungen und Erzählungen von Freunden und Bekannten. Natürlich trifft er nicht auf jeden jungen Taiwaner zu, und ich will auch keine Klischees verfestigen. Aber ich glaube, um Großen und Ganzen ist was dran. Sollte ich völlig danebenliegen, bitte ich um Nachsicht.

Kennen Sie Taiwan?

Um Ihren Gast aus Taiwan besser zu verstehen, machen Sie sich zunächst bewusst, aus was für einem Land er kommt. Aus ganz persönlicher Erfahrung weiß ich: Wer noch nicht in Taiwan war, macht sich als Deutscher oft unzutreffende Vorstellungen. Eine Menge Südostasien-Klischees spuken in unseren Köpfen herum. Ein anderer deutscher Blogger in Taipei hat das mal drastisch auf den Punkt gebracht:

Taiwan klingt halt für viele wie Kinderprostituierte-unter-Palmen-wirft-mit-alter-Blechbüchse-auf-Affen.

 

Palme

Nun ist Taiwan aber tatsächlich ein entwickeltes, technisiertes und wohlhabendes Land. Es gibt hier kaum offene Armut, keine Slums, dafür eine breite Mittelschicht und einen Lebensstandard, der dem europäischen absolut vergleichbar ist.

Wenn die Familie Ihres Gastschülers sich einen Austausch leisten kann, vielleicht sogar über den Rotary-Club, können Sie davon ausgehen: Dieser junge Taiwaner kommt aus sehr ordentlichen Verhältnissen und hat wahrscheinlich auch schon die eine oder andere Auslandsreise nach Japan, Singapur oder Kalifornien hinter sich.

Aus dem Blog-Archiv: Aufruf an deutsche Gasteltern, Austausch-Schüler aus Taiwan aufzunehmen

Gastschüler: Eine Mentalitätsfrage

Das heißt nun nicht, dass es keinen Kulturschock geben wird. Dazu bestehen doch zu viele kulturelle Unterschiede zwischen Changhua und Husum oder Pingtung und Leizig.

Wenn Ihr 15- oder 18-jähriger Gast aus Taiwan erst mal gut angekommen ist und im Wohnzimmer sitzt, werden Sie vermutlich zunächst feststellen, dass die Kommunikation eher schleppend in Gang kommt. Einige spezifische Gründe könnten sein:

  • Wenn ein Taiwaner sich seiner Fremdsprachenkenntnisse nicht sicher ist, sagt er lieber wenig und vermeidet so das Risiko, Fehler zu machen.
  • Die familiäre Bindung ist in Taiwan traditionell sehr eng, und für Jugendliche ist es kein erklärtes Ziel, so schnell wie möglich rauszukommen und auf eigene Faust die Welt zu erkunden.
  • Taiwaner sind generell zunächst zurückhaltend, wenn sie neue Bekanntschaften machen. Sie mögen es nicht, sich aufzudrängen.

Vielleicht kommt Ihr Gast aus Taiwan Ihnen auch ein bisschen unreif vor, verglichen mit gleichaltrigen Teenagern in Deutschland. Das mag daran liegen, dass er daheim in einem Bildungs- und Erziehungssystem steckt, das spätestens seit der siebten Klasse noch immer größtenteils auf Auswendiglernen und Test-Bestehen ausgerichtet ist. Eine eigene Meinung haben, quer denken, gar Autoritäten hinterfragen – das steht in Taiwan kaum auf dem Lehrpan. Höchste Priotiät für die meisten Schüler ist es, so fleißig wie möglich zu lernen, um gute Noten nach Hause zu bringen und den Eltern keine Schande zu machen. „Brav“ kann man das wohl auch nennen.

Schüler Konzert Taiwan Geigen

In Taiwan ist diese Mentalität mittlerweile vielleicht nicht mehr so in Reinkultur anzutreffen wie in anderen Ländern der Region (Jahrzehnte des westlichen Einflusses machen sich bemerkbar), aber sie ist nach wie vor prägend.

Lesetipp: Mein Beitrag über Schüler in Taiwan

Und nun erlebt so ein junger Taiwaner (oder eine Taiwanerin) das deutsche Schulwesen, in dem Schüler mit dem Lehrer über das Für und Wider von Hausaufgaben diskutieren, und wo spätestens ab der achten Klasse der nächste Freitagabend wichtiger ist als die nächste Klassenarbeit. Da kann die Eingewöhnung ja gar nicht von jetzt auf gleich gelingen.

Schülerinnen Taiwan Schuluniform

Schüleraustausch: Willkommen in der Fremde

Von der Schule wieder zurück ins Wohnzimmer. Vielleicht leben Sie, liebe deutsche Gasteltern, in einem freistehenden Einfamilienhaus mit eigenem Garten? Das allein ist für die meisten Taiwaner schon mal eine ganz neue Erfahrung. In Taiwans Städten ist ein eigenes Haus ein unvorstellbarer Luxus, von dem nur Millionäre träumen können. Machen Sie Ihrem Gast sanft begreiflich, dass er in einer völlig normalen Familie gelandet ist – nur in einem Land, in dem mehr Platz ist.

Auch ein eigenes Zimmer mag für Taiwaner, die daheim mit Eltern, Geschwistern, Großvater und dessen indonesischer Pflegekraft gemeinsam in einer Wohnung leben, eine neue Erfahrung sein.

Sobald Ihr Gast das neue Heim betritt, wird er sich reflexartig die Schuhe abstreifen und Ausschau nach einem Paar Schlappen halten. Das gehört zum guten Benehmen für Taiwaner, seit die Japaner die Insel regierten. Freuen Sie sich also, falls Sie wertvollen Teppichboden verlegt haben. Falls es in Ihrer Familie aber üblich ist, die Schuhe im Haus zu tragen, erklären Sie es lieber.

Damit Ihr Gast sich wohl fühlt, sorgen Sie für eine ordentlich straffe Matratze. Deutsche Betten sind für viele Taiwaner zu weich. Legen Sie ein paar Extra-Decken und eine dicke Jacke bereit, gegen das arktische deutsche Klima. Zeigen Sie ihm, wie er die Heizung regulieren kann – in Taiwan gibt es nämlich keine fest installierten Heizkörper. (Und wo Sie schon dabei sind, bereiten Sie ihn schonend darauf vor, dass es auch im Sommer keine Klimaanlage gibt.)

Wenn Sie nur ein Badezimmer haben, machen Sie sich keine Sorgen, dass es am Morgen zum Stau kommt: Taiwaner duschen am Abend, bevor sie zu Bett gehen. Undenkbar ist es für sie, ungewaschen unter die Decke zu schlüpfen. Wie sie dann ohne Dusche wieder wach werden, habe ich bis heute nicht begriffen.

Toilettenpapier Taiwan

Noch ein potenziell heikles Thema aus dem Badezimmer: In Taiwan spült man benutztes Toilettenpapier nicht weg, sondern entsorgt es in Mülleimern. Angeblich sind viele Abwasserrohre so eng, dass man Verstopfungen vermeiden will. (Ich glaube, es hat auch damit zu tun, dass meist kein wasserlösliches Papier benutzt wird.) Eigentlich sind Taiwaner sich bewusst, dass im größten Teil der Welt Klopapier nichts im Papierkorb verloren hat. (Nachtrag: Die Regierung hat 2017 die Klopapier-Politik geändert.) Wie dem auch sei: Üben Sie Nachsicht, falls der Besucher es im Eifer des Gefechts doch einmal vergessen sollte.

Programm für Austauschschüler: Je lebhafter, desto besser

Dass Ihr junger Gast aus Taiwan wahrscheinlich zunächst sehr zurückhaltend agiert, habe ich ja schon erwähnt. Aktivieren Sie ihn von Anfang an. Lassen Sie ihn nicht allein im Zimmer sitzen, um ihm seine „Privatsphäre“ zu gönnen. Da wird er sich wahrscheinlich einsam und verlassen vorkommen. In Taiwan ist es üblich, dass Gastgeber sich für ihre Gäste ein Bein ausreißen. Fragen Sie mal deutsche Schüler in Taiwan nach einem normalen Tagesprogramm – da bleibt kaum eine freie Minute.

Sorgen Sie also dafür, dass Ihr Austauschschüler die neue Umgebung kennen lernt – machen Sie Ausflüge, zeigen Sie ihm, was gemeinhin als „typisch deutsch“ gilt (Burgen, Schlösser, Weinberge, Wälder) aber auch, was Sie selbst besonders mögen.

Planen Sie eine Radtour, so erkundigen Sie sich lieber vorher, ob der Gast ein geübter Fahrradfahrer ist. Stellen Sie den Sattel so niedrig wie möglich ein, die meisten Taiwaner scheinen sich so am wohlsten zu fühlen.

Steht ein Badeurlaub an? Klären Sie, ob Ihr Gast schwimmen kann. Taiwan ist zwar eine Insel, aber selbstverständlich ist es deshalb noch lange nicht.

Wer in Taiwan lebt, dem kommt Deutschland sehr leer und still vor, man könnte auch sagen: tot. Glauben Sie mir. Es geht mir selbst so. Taiwaner aber lieben Orte, an denen viel los ist. „Renao“ nennen sie das, „heiß und laut“, und das ist ein positiv besetzter Begriff. Menschenmassen sind nicht schlimm, bedeuten sie doch, dass es etwas zu sehen gibt.

„Deutschland ist zu ruhig“ – das denkt auch eine Taiwanerin in Hamburg

Acker im Winter Schnee

Sorgen Sie dafür, dass Deutschland Ihrem Gast aus Taiwan nicht so leblos erscheint! Zeigen Sie ihm:

  • Volksfeste
  • Weihnachsmärkte
  • Wochenmärkte

Besuch aus Taiwan: Hauptsache Essen

Ein Besuch auf dem Wochenmarkt verbindet buntes Treiben mit dem Lieblingsthema so gut wie aller Taiwaner: Essen.

Die Bedeutung des Essens für Taiwaner kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Es ist die nationale Leidenschaft, Lieblingsbeschäftigung und zudem ein sicheres Gesprächsthema, zu dem jeder immer etwas zu sagen hat (und das nicht, wie etwa Politik, zu Streit führen kann).

Mein Blogeintrag über Essen und Essen gehen in Taiwan

Essen in Taiwan ist nicht nur allgegenwärtig und viel günstiger als in Deutschland, es ist auch gut. „Hauptsache satt“ ist eine Einstellung, die Taiwanern völlig fremd ist.

Genauso fremd wird es ihnen vorkommen, was in deutschen China-Restaurants serviert wird. „Süßsauer“ steht in Taiwan auf so gut wie keiner Karte. Und es stimmt auch nicht, dass Asiaten sich zu geschätzt 85% von Reis ernähren.

Aber hier soll es ja nicht ums Essen in Taiwan gehen, sonder darum, wie Taiwaner deutsches Essen wahrnehmen. Als absolutes Nationalgericht der Germanen gilt in Taiwan die gegrillte Schweinshaxe. Wenn Sie nicht gerade in Bayern leben, müssen Sie Ihrem Gastschüler wohl begreiflich machen, dass nicht jede Woche Hax’n auf dem Speiseplan steht. Das wird eine große Überraschung sein.

Davon abgesehen besteht deutsche Ernährung für Taiwaner vor allem aus:

  • Fleisch
  • Brot
  • Kartoffeln

Frikadelle mit Bratkartoffeln

Und was kommt zu kurz? Vor allem Gemüse. Ein paar weichgekochte Erbsen und Möhren als Sättigungsbeilage machen keinen Taiwaner glücklich. Je mehr Grünzeug (Kohl, Blattgemüse), desto besser – aber nicht roh, sondern blanchiert oder sautiert (d.h. im Wok gebraten), so bekämpfen Sie kulinarisches Heimweh (und leben selbst gesünder).

Genauso, wie Deutsche oft eine Abneigung vor „zu scharfem“ Essen haben, gibt es für Taiwaner „zu salzig“, und glauben Sie mir: Vieles, was Deutsche ganz normal finden, ist für Taiwaner kaum genießbar. Seien Sie also mit dem Salz lieber sparsam.

Taiwaner mögen Brot. Sie verstehen darunter allerdings weiche Hefeteig-Teilchen, süß oder herzhaft gefüllt, die man direkt isst. Aufschneiden und belegen oder bestreichen? Exotisch! Der deutsche Bäcker in Taipeh bietet eigens „So belegt man ein Sandwich“-Kurse an. Gewöhnen Sie den Gast aus Taiwan also lieber langsam ans deutsche Brot, und wundern Sie sich nicht, wenn Schwarzbrot oder gar Pumpernickel ihm suspekt bleiben.

Weitere Leckereien, mit denen viele Taiwaner sich nicht anfreunden können:

  • Marzipan
  • Zimt
  • Lebkuchen
  • Lakritz
  • Weich- und Schimmelkäse

Gar nicht gut an kommt die Kombination von Fleisch mit Obst, wie sie in Norddeutschland nicht unüblich ist. Birnen-Bohnen-Speck, Buchweizenpfannkuchen mit Speck und Zwetschgen oder das köllsche Himmel un Äd haben auf viele Taiwaner offenbar eine ähnliche Wirkung wie Entenblut-Suppe auf Europäer.

Noch ein paar Worte zu Frühstück und Abendessen: In Taiwan ist eine Mahlzeit nur dann eine Mahlzeit, wenn es etwas Warmes gibt. (Kaffee zählt nicht.) Um dem Neuankömmling den Einstieg zu erleichtern, denken Sie also mal an ein Rührei, Omelett, oder abends ein Süppchen – er wird es Ihnen danken.

Das alles soll nun nicht bedeuten, dass man einen Gastschüler vor neuen Erfahrungen bewahren sollte. Im Gegenteil! Aber es kann ja hilfreich sein, zu wissen, was er sich vielleicht gerade denkt.

Wollen Sie junge Leute aus Taiwan noch besser verstehen? Ein ganz wunderbarer, einfühlsamer Dokumentarfilm über eine 17-Jährige Taiwanerin ist Made in Taiwan. Der Film der Hamburger Regisseurin Monika Treut wird ab und zu auf 3sat oder Phoenix wiederholt.

Liebe Leser in Deutschland, hatten Sie schon Besuch aus Taiwan? Liebe Taiwaner, wie erleben Sie Deutschland? Möchten Sie etwas korrigieren oder ergänzen?

Share on Facebook172Share on Google+0Tweet about this on TwitterEmail this to someone

17 Kommentare zu “ Austauschschüler aus Taiwan: Tipps für Gasteltern ”

  1. Ergänzungen!

    Drüben bei Facebook
    https://www.facebook.com/taiwanreporter/posts/10151287059073295
    erinnert ein Leser daran, dass Lakritze bei Taiwanern auch auf sehr wenig Gegenliebe stößt.

    Und mir fällt noch ein: Wer einen Taiwaner im 7. Himmel sehen will, fährt mit ihm zur Kirschernte-Zeit ins Alte Land oder eine ähnliche Obstanbau-Gegend. In Taiwan gibt es zwar ca. 70.000 Sorten Obst, aber ausgerechnet Kirschen wachsen hier nicht recht und müssen sehr teuer aus Japan oder den USA importiert werden.

  2. Luo You sagt:

    Sehr gute Hinweise, die ich aus eigener Erfahrung mit Frau sowie Nichten- und Neffenbesuchen bestätigen kann. Wichtig ist auch die Regelmäßigkeit der Mahlzeiten, sonst kommt schon mal schlechte Stimmung bei leerem Magen auf.
    Das Problem mit dem Toilettenpapier entsteht durch die in Taiwan häufigen Sickergruben. Die Papierfasern verstopfen die Poren und dann sickert eben nichts mehr. Die Entwässerung von Schmutz- und Regenwasser (vor allem in der Taifunsaison) mit den unterschiedlichen Herausforderungen (Klima, Bodenbeschaffenheit, Grundwasserschutz, auch Erdbebensicherheit) und technischen Lösungen im Vergleich ist sicher auch ein spannendes Thema. Beste Grüße!

    • Ließe sich das Problen lösen, wenn flächendeckend wasserlösliches Papier verwendet würde?

      • Luo You sagt:

        Interessante Frage. Ich kann da auch nur spekulieren. Wenn es überhaupt ein geeignetes Papier gibt, dürfte es – wie so oft – ein Kostenfaktor sein, z.B. hier: http://herzog-freizeit24.de/Fiamma-Toilettenpapier-Soft-Wasserloeslich-6-Rollen_p27240_x2.htm
        Die nachhaltigere Lösung sollte in einem ordentliches Entwässerungssystem liegen. In den großen, insbesondere küstennahen Hotals habe ich nie oder höchstens selten die Aufforderung gesehen, das Papier nicht wegzuspülen. Im übrigen scheint es generell im chinesischen Kulturkreis an anderes Verhältnis zu den menschlichen Exkrementen u.a. als ehemals wichtigstes Düngemittel in der dortigen Agrargesellschaft zu geben.

  3. Ute Arnold sagt:

    Wir hatten das vergangene Halbjahr einen taiwanesischen Austauschschüler bei uns zu Gast und können die eine oder andere Erfahrung nur bestätigen. Er wirkte auch auf uns noch etwas unreif, aber durchaus sehr wohlerzogen und sauber und ordentlich (allerdings hat er nur morgens geduscht!!).Vieles haben wir wohl intuitiv richtig gemacht – von einer Radtour zum Bulldog-Treffen, über einen Österreich-Urlaub, Besuch in der gläsernen Manufaktur in Dresden und Ausfahrten nach Tschechien und dem Fichtelberg sowie diversen erzgebirgischen Weihnachtsmärkten haben wir ihm wohl sehr viel gezeigt und mit ihm viel unternommen. In unsere Familie war er voll integrieriert.
    Allerdings kann ich eines gar nicht bestätigen, nämlich „die höchste Priorität, fleißig zu lernen“. Er war tatsächlich in der Schule richtig faul und hat dort zeitweilig geschlafen. Er hat nie gelernt (auch kein deutsch) und war hauptsächlich mit essen und schlafen beschäftigt. Dementsprechend schlecht war dann auch sein Zeugnis – ich weiß nicht, was seine Eltern dazu gesagt haben.
    Aber vielleicht ist das ja auch die Ausnahme für einen taiwanesischen Austauschschüler. Eine Erfahrung war es allemal wert!

    • Vielen Dank für den Kommentar. Hmm, vielleicht hat er ja tatsächlich Deutschland wie eine Art Dauer-Urlaub wahrgenommen, ohne unmittelbaren Lerndruck… hätte er denn mit seinen Deutsch-Kenntnissen dem Unterricht folgen können?

      • Ute Arnold sagt:

        Nein, er kam mit Null-Deutschkenntnissen hierher. Dies habe ich auch AYUSA als erste Anregung gegeben, dass ein Deutschkurs extrem wichtig ist. Wurde zu meiner Freude ja auch fürs nächste Jahr umgesetzt.
        Allerdings hatte unser „Ziehsohn“ auch nicht wirklich Lust zu lernen, immerhin hätte er ja in seiner Freizeit fleißig lernen können, um besser im Unterricht mitzukommen. Aber so weit ging sein Ehrgeiz eben nicht, obwohl ich ihn oft „angestachelt“ habe. In den naturwissenschaftlichen Fächern hätte er deutlich besser abschneiden können, wenn er nur etwas mitgemacht hätte (das haben mir die Leherer gesagt) – ich hatte noch nie so viel Kontakt zu dem Gymnasium meiner Kinder (beide haben ihr Abitur schon gemacht) wie im letzten halben Jahr:)

  4. Kay Unger sagt:

    Hallo,
    Vielen Dank für die vielen Informationen.
    Wir erwarten unsere Austauschschülerin aus Taiwan
    Im August und sind sehr gespannt.

    Viele Grüße
    Familie Unger

  5. Yannick sagt:

    Ich habe selbst vor mittlerweile 10 Jahre an einem Austauschprogramm teilgenommen, welches mich nach Taiwan entführt hat und mir Land und Kultur näher bringen konnte.

    Ich nehme deshalb an, dass ich schon recht gut bzgl. Taiwan und auch taiwanesischer Austauschschüler in Taiwan Bescheid weiß.

    Zu dem Lerneifer und Fleiß muss ich sagen, dass ist von Schüler zu Schüler unterschiedlich. Die Austauschschülerin, die ich vor 11 Jahre kennen gelernt habe, konnte sehr gut Deutsch sprechen.
    Aufgrund der guten Kommunikation und ihrer wundervollen Präsentation ihres Heimatlandes hab ich mich dann für mein Austauschjahr für Taiwan entschieden.

    Ich habe aber auch 2 taiwanesische Gastschüler nach meiner Rückkehr nach Deutschland kennen gelernt, welche auch sehr faul waren und sich nicht wirklich für den Deutsch-Sprachunterricht interessiert haben. Erst zum Ende hin hat dann einer von beiden ein wenig mehr investiert um Deutsch zu lernen, aber dann war es sozusagen schon zu spät.

    Was z.B. meine Eltern bei allen Gastschülern gemacht haben, war kleine Post-Its an Schränken, Schubladen und sonstige Möbelstücke zu kleben, beschriftet mit dem deutschen Begriff mit Artikel und dem dazugehörigen Plural.

    Einen Punkt kann ich aber nicht mit dem Verfasser des Artikels teilen.

    Gemüse!

    Es mag sehr wohl sein (weiß ich auch aus eigener Erfahrung), dass in einer taiwanesischen Familie viel Gemüse gegessen wird. Da es meistens beim Abendessen immer eine reichhaltige Auswahl an Speisen serviert werden, findet man auch oft sehr viel Gemüse auf den kleinen Tellern oder Schüsseln.

    Wer allerdings mal in Taiwan auswärts essen geht (ein Studentenleben unterscheidet sich schon von einem Leben in der Gastfamilie), der wird sehr schnell feststellen, dass Gemüse bei vielen Speisen nur als sehr sehr kleine Beilage vorhanden ist. Es ist natürlich möglich jederzeit 湯青菜 oder ähnliches zusätzlich zu bestellen.
    Es ist mir natürlich auch klar, dass dieser Anteil von Restaurant zu Restaurant unterschiedlich ist, aber ich finde schon, dass egal wo man sich in Taipei (kann nicht für andere Regionen sprechen) befindet, doch viele kleine Restaurants, aber auch größere Restaurants bei vielen Speisen Gemüse nur spärlich vorhanden ist.
    Ich habe es mir mittlerweile angewöhnt, dass wenn ich Gemüse essen möchte sogenannte kleine Selbstbedienungsrestaurants (自助餐) anzupeilen, da es eigentlich nur dort möglich ist, sich an Gemüse satt zu essen. 🙂

    Wohlgemerkt, dieser Kommentar bzgl. Gemüse bezieht sich eher auf ein Studentenleben (in Taiwan ist es nicht selbstverständlich, dass jeder Student eine Küche hat, es ist sogar recht schwer eine Einzelzimmer-Wohnung mit Küche zu ergattern, außerdem sind die Preise um auswärts zu essen teilweise so gering, dass man der Küche nicht umbedingt hintertrauern muss, ich aber eher schon, da ich sehr gerne koche).
    Eine taiwanesische Familie wird dafür sorgen, dass genügend Gemüse auf den Tisch kommt und somit ist der Gemüse-Anteil an den gesamten Speisen auf dem Tisch im Vergleich zu Deutschland schon höher.

    Ich bin auch nicht der Meinung, dass man in Deutschland, wenn man auswärts essen geht mit Gemüse überhäuft wird. Aber wenn man auswärts essen in Taiwan und das Leben in einer deutschen Gastfamilie vergleicht (kann natürlich nur für meine eigene dt. Familie sprechen), so bin ich persönlich zu dem Schluss gekommen, dass wenn man in Taiwan auswärts essen geht, meist Gemüse zusätzlich zur Speise dazu bestellen muss, da die übliche Beilage an Gemüse nicht ausreicht.

    Natürlich sind das nur persönliche Eindrücke und ich kann mich auch irren.

    Trotzdem ein sehr interessanter Artikel und viele der angemerkten Punkte kann ich auch selbst bestätigen.

    • Hallo Yannick, vielen Dank für Deinen Kommentar und die Beobachtungen. Kann ich alles nachvollziehen! Ich habe es mir einfach angewöhnt, tangqingcai dazu zu bestellen. Meist kostet es nur 20 oder 30 NT$, und sehr viele kleine Restaurants bieten es an. Großartig! Viele Grüße

  6. Joana sagt:

    Guten Tag!

    Zur Zeit wohnt eine Austauschschülerin bei mir, die auch aus Taiwan kommt und die ich auch besuchen werde.
    Ich kann viele Dinge bestätigen: Sie ist jetzt 16 und auf mich und meine Mutter wirkt sie manchmal auch etwas unreifer. Außerdem redet sie sehr sehr sehr wenig! Als sie mit meinem Stiefvater in München war, hat er erzählt dass sie wirklich so gut wie nichts gesagt hat, den ganzen Tag. Entscheidungen treffen fällt ihr auch schwer, man muss schon mit 2 Minuten damit rechnen, bevor sie nach langem Überlegen eine Antwort gibt (und das scheint ihr dann meist sehr unangenehm zu sein).
    Ich muss ehrlicherweise sagen, dass es mir sehr schwer fällt. Ich rede häufig mit mir selber, habe ich das Gefühl, hoffentlich blüht sie in ihrem Heimatland mehr auf 😉

    Liebe Grüße,
    Joana

    • Vielen Dank für diesen Kommentar, das ist sehr aufschlussreich! Die Taiwanerin ist wahrscheinlich erst seit wenigen Wochen im Lande? Da ist sie bestimmt noch sehr verunsichert. Mott: Lieber Schweigen als was Falsches sagen. Viel Glück & Spaß noch!

  7. Petzold sagt:

    Der Artikel stimmt mit meinen Erfahrungen ueberein. Es kann sein, dass Gastschueler in Deutschland ploetzlich faul werden, weil der direkte Druck durch die Lehrer fehlt. Ausserdem ist gewiss endlich mal das Gefuehl da, nicht nur fuer die Schule zu leben. Da aber im wichtigen Jugendalter ab 12 Jahre von der passablen Grundschule auf die Junior High gewechselt wird, haben die nie Freizeitverhalten gelernt. Wegen des hohen Belastung besteht Freizeit nur aus Schlafen und Internet. In Deutschland wissen die dann nichts mit der Freiheit anzufangen.
    Wegen Scheuheit: Geduld, Geduld, die sind wohl voellig verunsichert und ueberlastet.

  8. Felix sagt:

    Wenn man an der Ostküste ist, ist der Vergleich mit Südostasien eigentlich nicht schlecht. Und außerdem ist’s auch bisschen fies, ganz Südostasien als „Kinderprostituierte-unter-Palmen-wirft-mit-alter-Blechbüchse-auf-Affen“ darzustellen.

    Zum eigentlichen: Schweinshaxn und Currywurst scheinen gut anzukommen. Knödel eher nicht 🙁

  9. wang233 sagt:

    Gute Kommentar, allerdings könnte man das gleiche auch über (Festland-) Chinesen sagen. Hier finde ich den Begriff „Taiwaner“ etwas gekünstelt. Warum nicht gleich von Chinesen sprechen? In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Kulturen dann doch nicht so sehr. Alle Angewohnheiten, die hier besprochen werden treffen genauso auf Chinesen zu (wozu ich die „Taiwaner“ deshalb auch zählen würde).

Trackbacks & Pingbacks:

Kommentar abgeben