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Archive for März, 2013

Die Republik China (Taiwan) und ihre diplomatischen Beziehungen

Ma meets Merkel: Taiwans Präsident Ma Ying-jeou unternahm diese Woche eine ganz besondere Reise. Zur Amtseinführung von Papst Franziskus am Dienstag reiste er als offizieller Staatsgast in den Vatikan. Dort konnte er unter anderem Angela Merkel Hallo sagen – ganz cool mit Sonnenbrille.

Taiwans Präsident Ma trifft im Vatikan auf Angela Merkel (Quelle: Worldjournal.com)

So bald wird er die Gelegenheit nicht wieder haben, denn wie fast die ganze Welt hat Deutschland keine offiziellen diplomatischen Beziehungen mit Taiwan. Und Ma – obwohl demokratisch gewählt – darf die EU nicht mal als Tourist besuchen, geschweige denn als Präsident.

Taiwan nur noch von 23 Staaten offiziell anerkannt

Unfair? Aber sicher. Das liegt natürlich vor allem an der Volksrepublik China, die Taiwan für sich beansprucht und ihre weltpolitischen Muskeln spielen lässt. Wer es sich mit Peking nicht verderben will, der fasst Taiwan politisch lieber nur mit ganz spitzen Fingern an.

Übersicht bei Wikipedia: Taiwans diplomatische Verbündete

Weltweit rollen nur noch 23 Länder dem Staatsoberhaupt der Republik China – Taiwans offizielle Bezeichnung – den roten Teppich aus. In Europa ist es nur der Vatikan. Bevölkerungsreichster Verbündeter ist Burkina Faso mit 17 Millionen Einwohnern. Paraguay, Panama oder Haiti kennt man noch. Aber würden Sie auf der Weltkarte auf Anhieb Belize, Palau, St. Lucia oder die Salomonen finden? Dies alles sind Länder, in denen Taiwan offizielle Botschaften unterhält.

Diplomatische Verbündete der Republik China (Taiwan)

Ein ziemlicher diplomatischer Abstieg ist das, den dieser Staat seit Jahrzehnten erlebt. Als Gründungsmitglied der Vereinten Nationen saß die Republik China bis 1971 sogar im U.N.-Sicherheitsrat. Nachdem es durch die Volksrepublik ersetzt wurde, schmolz die Zahl der Verbündeten zusammen.

Lesetipp: Deutsches Buch zur Geschichte der Republik China

Anders als die USA (bis 1979) oder Japan (bis 1972) hatte Deutschland nie diplomatische Beziehungen zur Republik China. Angeblich war Konrad Adenauers Position: Die Bundesrepublik sollte im Fall dieses anderen „geteilten“ Landes keine Position beziehen. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, in den fünfziger Jahren Beziehungen mit Südkorea aufzunehmen. Aus Sicht der DDR, die von Anfang an die Volksrepublik anerkannte, stand Taiwan sowieso im feindlichen Lager.

Lesetipp: Between ROC and a hard place: Taiwan und die Republik China

Pekings „Ein-China-Politik“ und Taiwan

1972 vereinbarte auch die BRD diplomatische Beziehungen mit Peking. Das brachte den Zwang mit sich, der „Ein-China-Politik“ zu folgen, die sinngemäß lautet: „Es gibt nur ein China, das ist die Volksrepublik, und Taiwan gehört dazu. Du sollst keine anderen Chinas anerkennen neben mir, und Taiwan schon gar nicht.“

Heute halten die meisten kleinen Länder vor allem wegen der großzügigen Entwicklungshilfe zu Taiwan – und vielleicht auch, weil sich ihre Staatsoberhäupter hier als Ehrengäste umschmeichelt fühlen können.

Der Vatikan, Taiwan und China: Wie geht’s weiter?

Dass Präsident Ma im Vatikan noch willkommen ist, liegt daran, dass Chinas Regierung die katholische Kirche kontrollieren will. Doch genau so, wie Chinas riesiger Markt andere Länder anlockt, weiß auch der Vatikan: In China leben etwa 10 Millionen Katholiken, in Taiwan nur 300.000.

Es liegt nun an Papst Franziskus, ob Taiwans Präsident Ma weitere Vatikan-Reisen planen kann, oder ob er bald in ganz Europa vor verschlossenen Türen steht.


Traditionen und Verpflichtungen: Die Sache mit den Eltern

Mit über 30 noch bei den Eltern zu wohnen, dürfte in Deutschland mittlerweile die Ausnahme sein. In Taiwan gilt es als völlig normal. Moderne, berufstätige junge Männer und Frauen mit Hochschulabschluss leben in einem Zimmer in der elterlichen Wohnung, lassen Mama die Lunchbox fürs Büro zubereiten und gucken abends mit Papa die Fernsehnachrichten.

Fürchten sie die Unabhängigkeit, oder sind sie zu bequem, um auf eigenen Füßen zu stehen?

Ein wichtiger Grund, zumal in Taipeh, sind die hohen Wohnkosten. Gerade zu Beginn des Berufslebens sind die Gehälter nicht üppig. Da spart man sich das Geld für die Miete lieber. Außerdem gilt es als undankbar, Eltern allein zurückzulassen. Sie haben sich so lange um die Kinder gesorgt, lautet die tief verwurzelte Logik, dass es nun deren erste Pflicht ist, den Eltern umgekehrt jede Unterstützung zukommen zu lassen. Und wenn diese einen Auszug als Affront und Beweis für Liebesentzug empfinden würden, hat man sich zu fügen.

Alte Menschen in Taiwan

Romantik oft nur im Hotel

Die Partnersuche erschwert das natürlich. Ungestörte Stunden zu zweit? Dafür gibt es spezialisierte „Romantikhotels“, in die man stundenweise einchecken kann. Und wenn das Thema Hochzeit auf der Tagesordnung steht, ist das Urteil der Eltern oft ausschlaggebend.

Lesetipp: Eine Hochzeit in Taiwan

Hochzeit-Fotos Taiwan

Nach dem Jawort braucht das vielleicht nicht mehr ganz so junge Paar dann einen Platz zum Wohnen. Eine Eigentumswohnung (freistehende Häuser sind in Taiwans Städten unvorstellbarer Luxus) sollte es schon sein, um der Familie „Sicherheit“ zu bieten, Immobilienblase hin oder her. So verschulden die Brautleute sich gleich mal kräftig, und oft schießen die Eltern noch einen guten Teil ihrer Lebensersparnisse zu.

Traditionell hatten Frauen sich einzuordnen

Gibt es viel Platz oder eine freie Wohnung im selben Haus, ziehen manchen Paare auch gleich bei den Eltern ein – seinen Eltern, wohlgemerkt. Nach chinesischer Tradition wird die Frau mit der Heirat Teil der Familie des Mannes. Ihren Nachnamen behält sie zwar, aber ansonsten bestehen die Verbindungen zum Elternhaus künftig vor allem im jährlichen Besuch zum Neujahrsfest. „Töchter sind wie verschüttetes Wasser“, lautet ein altes Sprichwort. Spuren dieses Denkens halten sich bis heute.

Folge des engen Zusammenlebens sind oft Spannungen zwischen Ehefrau und Schwiegermutter. Aus dem eigenen Bekanntenkreis habe ich von Schwiegermüttern mit Zweitschlüssel gehört, die nachts unter absurden Vorwänden vor der Schlafzimmertür auftauchen. Wahrscheinlich kontrollieren sie, ob die Neue auch alles tut, um ihnen zeitig das gewünschte Enkelkind zu bescheren.

Kann Mama nicht loslassen, bringt der Sohn es oft nicht fertig, ihr die Stirn zu bieten und Partei für seine Frau zu ergreifen. Eheprobleme sind die logische Folge.

Lesetipp: Alternde Gesellschaft und Geburtenmangel in Taiwan

Die meisten Frauen verfolgen auch in Taiwan mittlerweile parallel zur Ehe ihre eigene Karriere. Viele sind finanziell unabhängig und nicht mehr bereit, sich in das traditionelle Rollenbild der Männer und der älteren Generation einzupassen. So heiraten vor allem die gut Ausgebildeten lieber gar nicht oder warten darauf, dass ihnen irgendwann ein fortschrittlich denkender Kandidat über den Weg läuft – auch, wenn es für Kinder dann zu spät sein könnte.


In seinem aktuellen Taiwan-Reiseführer gibt Günter Whittome auch Tipps für die besten Taiwan-Smartphone-Apps. Ob für Android oder iOS (iPhone), die Auswahl wird immer größer.

Über die App-Stores von Apple und Google lassen die Programme sich am besten finden. Wo es mir möglich war, habe ich Links angegeben.

Lesetipp: Was im neuen Taiwan-Reiseführer von Polyglott steht

Damit übergebe ich das Wort an Günter Whittome:

Es gibt für Reisende eine schon fast unüberschaubare Anzahl von Apps. Für diesen Reiseführer kamen natürlich nur solche in Frage, die sowohl mit einem iPhone als auch auf Android-Smartphones verwendbar sind und vor allem, wo die Inhalte auch auf Englisch verfügbar sind. Das sind leider noch nicht sehr viele, aber das dürfte in Zukunft sicher mehr werden.

Taiwan The Heart of Asia

Offizielle Taiwan-App vom Tourismusbüro

Die nützlichste App ist sicher die von der Tourismusbehörde herausgegebene Tour Taiwan, die auf Englisch Verkehrsinfos und viele andere praktische Tipps, Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten in der Nähe des eigenen Standorts oder per Suche landesweit, sowie zu Festivals und Nationalparks bereithält.

Infos zur App Tour Taiwan

Ausländer stellen Taiwan vor

Eine nette Ergänzung dazu ist die ebenfalls von der Tourismusbehörde stammende App Time for Taiwan, die kurze Videos zu Sehenswürdigkeiten in ganz Taiwan anbietet. Diese drehte ein Fernsehsender zusammen mit in Taiwan lebenden Ausländern. Man kann sie in einer Vorschau ansehen oder komplett herunterladen, um sie sich im Vollbildmodus anzuschauen.

App Time for Taiwan für Android im Google Play Store

Taipei 101 Skyline

Sehenswürdigkeiten in Taipeh

Speziell zu Taipeh bietet sich die von der Stadtverwaltung herausgegebene App MOTA (Map of Taipei Amusement) an. Außer den üblichen praktischen Infos stellt sie Tourbeschreibungen durch die Stadt bereit, die man auch als Audioguide herunterladen kann. Das einzige Manko ist, dass man die Oberfläche des Smartphones auf Englisch umstellen muss, damit die App auf Englisch angezeigt wird. Bei deutscher Handyoberfläche erscheint die App auf Chinesisch. Ich habe schon mit den Entwicklern Kontakt aufgenommen und hoffe, dass das bald behoben wird.

App MOTA für Android im Google Play Store

Taiwans Ortsnamen romanisiert und auf Chinesisch

Da die meisten Touristen aus Europa des Chinesischen nicht mächtig sind, ist für die Orientierung im Land folgende App sicher sehr nützlich: TownABC TW. Sie zeigt in einer Liste Ortsnamen in Taiwan in der Hanyu-Pinyin-Umschrift und in chinesischen Schriftzeichen an. Man muss nur daran denken, dass die auf Straßenschildern zu sehenden Umschriften v.a. im Süden (Tainan, Kaohsiung) und auf dem Land teilweise davon abweichen (Tongyong-Pinyin-Umschrift).

Infos zur App TownABC TW und Download für Android

Einheimische als Fremdenführer in Taiwan

Wer trotz fehlender Chinesischkenntnisse gerne mit Einheimischen in Kontakt treten möchte, dem sei die App meetrip ans Herz gelegt: (meist junge) Taiwanesen mit Fremdsprachenkenntnissen bieten sich hier an, um gegen ein frei aushandelbares Entgelt Touristen als Guides zur Seite zur stehen. Die meisten Angebote gibt es in Taipeh, aber auch für andere Ziele in Taiwan ist etwas dabei.

App Taiwan Travel Local Guide (meetrip) für Android im Google Play Store

Führer durchs Nationale Palastmuseum in Taipeh

Eine der Hauptattraktionen Taiwans ist sicherlich das Nationale Palastmuseum in Taipeh, dessen Angebot an Kulturschätzen den unvorbereiteten Besucher durchaus erschlagen kann. Wer sich vor einem Besuch schon mal orientieren will, kann folgende beiden Apps nutzen: NPM InSight oder Discover NPM (diese erst teilweise auf Englisch).“

Infos zur App NPM InSight

Infos zur App Discover NPM

Nationales Palastmuseum Taipeh

Kann jemand Erfahrungsberichte und weitere Tipps beisteuern?


Skandal ohne Folgen

Diplomatie, Renminbi, Hintergründe zum Laternenfest und mehr. Der zweiwöchentliche Newsletter der Münchner Taipeh-Vertretung dieses Mal u.a. mit folgenden Themen:

  • Taiwan verurteilt Atomtest Nordkoreas
  • USA gewähren diplomatische Immunität
  • Taiwan erlaubt Renminbi-Handel
  • Das Laternenfest

USA gewähren diplomatische Immunität

Taipeh hat mit Washington eine Vereinbarung unterzeichnet nach der taiwanische Diplomaten, die in den USA stationiert sind, verschiedene Stufen der Immunität in strafrechtlichen und ziviljuristischen Belangen genießen werden.

 
Was in diesem Text leider nicht erwähnt wird: Hintergrund ist die Verhaftung einer taiwanischen Diplomatin in Kansas City 2011. Jacqueline Liu soll ihr philippinisches Hausmädchen ausgebeutet haben. Was in Taiwans gehobenen Kreisen toleriert werden mag, kam bei den US-Behörden nicht so gut an. Frau Liu bekannte sich schuldig und wurde nach Taiwan abgeschoben. Dort bestritt sie dann, irgendetwas falsch gemacht zu haben, und wurde (mit 64) für zwei Jahre von ihren Aufgaben entbunden. Süßes Rentnerleben!

Taiwan erlaubt Renminbi-Handel

Mit dem 06. Februar 2013 begann in Taiwan der institutionalisierte Handel mit Renminbi Yuan (CNY), der Währung der VR China. In Taiwan wird dadurch genauso wie in Hongkong und Singapur ein Offshore-Markt für Finanzgeschäfte in Renminbi entstehen. Mit diesen neuen Bestimmungen werden 46 Banken in der Republik China auf Taiwan nun die Erlaubnis erhalten, Renminbi-Geschäfte zu betreiben. Außerdem wird sich Taiwan für Banken aus Festlandchina öffnen.

 

Cui bono?

Wer die PDF-Dateien künftig direkt erhalten möchte, kann sich in München bei svenja.weidinger (at) gmx.net melden.

Weitere deutsche Quellen für regelmäßige Neuigkeiten: