Tee bis zum Abwinken

Taiwan ist noch immer ein Land der Tee-Trinker. Mit großem Aufwand wird er an steilen Berghängen angebaut. Arbeiterinnen pflücken ihn Blatt für Blatt. Als Hochgebirgs-Oolong-Tee erzielt er phantastische Preise.

Tee Ernte Taiwan Teeberge

Dass Taiwan traditionell eine Hochburg der Tee-Kultur ist, könnte ich in Taipeh glatt vergessen. Überall gibt es Kaffee: In großen Ketten wie Starbucks, in jedem 24-Stunden-Minisupermarkt, und in unzähligen privat betriebenen und oft liebevoll dekorierten Cafés. Der Siegeszug des Koffeins begann in den Neunzigern.

Tee-Fans müssen trotzdem nicht durstig bleiben. Es gibt sogar deutsche Tee-Reisegruppen, die nur zur gemeinsamen Verkostung nach Taiwan kommen.

Die Teeberge von Taipeh

Ein Tee-Trip könnte etwa am Stadtrand von Taipeh beginnen. Gleich neben dem Zoo startet eine Seilbahn ins Tee-Anbaugebiet von Maokong.

Maokong Seilbahn Taipei

Wer nach dem Höhenflug – vielleicht in einer Gondel mit gläsernem Boden – noch Appetit hat, kann hier durch Felder spazieren, die Weinberg-artig an den Hängen angelegt sind, und in einem Teehaus mit Blick über die Stadt einkehren.

Oolong-Tee trinken: Keine Zeremonie, aber eine Wissenschaft für sich

Zur zünftigen Teeverkostung serviert werden dann ein Wasserkocher, eine irdene Kanne und Tässchen, die nicht größer als Eierbecher sind. Man wählt eine Sorte Oolong (Wulong). Dieser halb fermentierte Tee liegt geschmacklich zwischen Grün- und Schwarztee und hat gewaltiges Wachmacher-Potenzial. Eine Tasse des bernsteinfarbenen Trunks nach 18 Uhr, und ich finde bis weit nach Mitternacht keinen Schlaf. In Deutschland finden sich, anders als in Taiwan, leider keine Beutel im Supermarkt.

Taiwan Oolong Tee trinken

Ernsthafte Connaisseure brühen sowieso die Blätter auf. Den ersten Aufguss schütten sie gleich wieder weg: Zu bitter. Der zweite darf eine Minute ziehen, jeder weitere zehn Sekunden länger. Über den Geschmack können sie so wortreich fabulieren wie Weinverkoster nach dem zwölften Glas. Und sie zahlen Höchstpreise, besonders im Ausland: Für einige preisgekrönte Oolong-Sorten können Taiwans Teebauern sagenhafte 2000 Euro pro Kilo verlangen. Besonders chinesische Kunden greifen tief in die Tasche.

Tee pflücken in den Bergen von Taiwan

Je höher, desto besser: Lagen über 1000 Meter gelten als perfektes Anbaugebiet. Maschinelles Pflücken ist unmöglich. Zur Erntezeit kraxeln Arbeiterinnen mit breiten Strohhüten über die Hänge und füllen ihre Körbe – malerische Bilder, die demnächst auch in einer NDR-Fernsehreportage über Taiwan zu sehen sein sollen.

Tee Ernte Taiwan NDR Fernsehen

Taiwan produziert 20 Prozent der weltweiten Oolong-Ernte, aber es ist auch ein großes Tee-Importland. Weniger hochwertige Teesorten kauft man mittlerweile vor allem in Südostasien, wo die Arbeit weniger kostet. Die Plantagen dort sind oft mit taiwanischem Know-How entstanden.

Die Produktion landet in Taiwan dann zum Beispiel im Bubble Tea, der es zuletzt auch in Deutschland zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Leider hat die knallbunte Chemie-Brühe, die man in Berlin oder Hamburg für Bubble Tea hält, mit dem Original kaum noch was zu tun.

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5 Kommentare zu “ Tee in Taiwan: Kennen Sie Oolong? ”

  1. Wen sagt:

    Auch im Berlin gibt es den originalen Bubble Tea aus Taiwan. Come Buy, einer der großen Bubbleteakette aus Taiwan, hat in der Rosenthaler Straße eine Filiale. Da kann man sogar ein Glas original Dong Ding Oolong genießen.

  2. Ludigel sagt:

    Ah, ComeBuy, die kenne ich hier vom Militärkrankenhaus, netter erfrischender kalter Sommertee in der Tat. Oft entspannt damit zur Zeit der Geburt meines Juniors.

  3. karingel sagt:

    Wenshan Pouchong.. den trinke ich immer beim Tandemtreff im comebuy, schön mild. 🙂

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