Zwei Dokumentarfilme aus Taiwan, die Mut machen: „Go Grandriders“ und „Young at Heart“

Alt, aber oho. Zwei Dokumentarfilme erzählen davon, wie Senioren in Taiwan ihr Leben aufregend machen, statt zu Hause zu sitzen.

Go Grandriders 不老騎士

Go Grandriders

Sie sind keine lässigen Easy Rider, und sie haben auch keine Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt: 13 Tage brauchten die 16 Männer und eine Frau, um auf ihren Motorrollern Taiwan zu umrunden. Andere schaffen das in kürzerer Zeit per Fahrrad. Die Teilnehmer an dieser Tour aber haben öfter mal Pause gemacht, denn sie waren im Schnitt 81 Jahre alt.

Vor einiger Zeit lief in Taiwans Kinos der Dokumentarfilm „Go Grandriders“. Es ist eine Geschichte von Menschen, die sich nicht abschreiben lassen wollen. Sie wagen sie ein Abenteuer, um sich selbst und anderen zu beweisen: Wer alt ist, muss noch lange nicht den ganzen Tag zuhause sitzen.

(Trailer. Und eine längere Version.)

Einige von ihnen müssen sich zunächst gegen den Widerstand ihrer Familie durchsetzen, andere stoßen im Lauf der Fahrt an ihre gesundheitlichen Grenzen. Gemeinsam erreichen sie etwas, auf das sie stolz sein können. Und Spaß haben sie außerdem. Wer sieht, wie die ollen Taiwaner sich gegenseitig aufziehen, verliert den Glauben an das Klischee von den humorlosen Asiaten ganz schnell.

Die Idee für die Fahrt entstand bei der Hondao-Stiftung, deren Ziel es ist, alte Menschen vor die Tür zu bringen und für gemeinsame Ziele zu begeistern. Von der Gründung einer Baseball-Seniorenmannschaft bis zur Aufführung eines Theaterstücks reichen die Projekte. Die meisten Taiwaner dagegen werden im Alter zu Hause gepflegt, und wenn die von der Familie angeheuerte südostasiatische Pflegerin sie mal in den Park begleitet, ist das schon der Höhepunkt des Tages.

Aktuell sind zehn Prozent der Taiwaner älter als 65. Im Jahr 2060 werden es 40 Prozent sein, schätzt die Regierung. Überlegungen, wie man sich darauf vorbereiten soll, gibt es viele. „Es reicht aber nicht, einfach nur Geld in die Altenpflege zu stecken“, sagte die Geschäftsführerin der Hondao-Stiftung in einem Interview. „Die gesellschaftliche Erwartung, dass sie zu Hause bleiben, lässt alte Menschen ihr Selbstvertrauen verlieren und führt nur zu noch mehr Problemen.“

Tipp: Mein Eintrag über Taiwans alternde Gesellschaft

Aktionen wie die Insel-Rundfahrt sind aufwändig. Die Teilnehmer wurden ärztlich betreut und konnten jederzeit vom Motorroller in den Begleit-Bus umsteigen, wenn Kopf oder Körper eine Pause brauchten. Fast alle haben aber durchgehalten. Abends machte die Gruppe Station in Pflegeheimen. Es sind mit die bewegendsten Szenen des Films, wenn sie dort von ihrer Taiwan-Rundfahrt erzählen und die Bewohner mit ihrer Begeisterung anstecken. So erfüllen sie sich einen Traum und sind zugleich Botschafter für andere.

Eine Gruppe Motorradfahrer aus den USA ließ sich von der Geschichte inspirieren, für eine gemeinsame Tour nach Taiwan zu kommen.

Young at Heart: Grandma Cheerleaders 青春啦啦隊

Young at Heart: Grandma Cheerleaders

Dass es auch ohne Motorroller geht, zeigte kürzlich ein anderer Dokumentarfilm aus Taiwan namens „Young at Heart: Grandma Cheerleaders“.

(Trailer. Und eine andere Version, ohne englische Untertitel.)

Er erzählt davon, wie eine Seniorengruppe sich monatelang auf ihren großen Auftritt vorbereitet: Als Pompon-schwingende Cheerleader bei den World Games in Kaohsiung 2009. Den begeisterten Jubel der Zuschauer am Ende haben sie sich verdient.

Beide Filme blenden Krankheit und körperlichen Verfall nicht aus. Im Gegenteil. Gerade das macht sie so anrührend.

Young at Heart: Grandma Cheerleaders

In Taiwan sind beide Filme auf DVD erhältlich. Ich würde mir wünschen, dass sie auch in Deutschland zu sehen sind.

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