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Archive for September, 2013

Herbstfest? Mondfest? Hauptsache grillen!

Nach dem Deutschlandurlaub bin ich nun seit ein paar Tagen zurück in Taiwan und finde mich hier wieder in den Alltag ein. Einen wichtigen Feiertag habe ich knapp verpasst: Das Herbstfest (alias Mondfest). Es ist die kleine Schwester des Chinesischen Neujahrs und ebenfalls ein Anlass für die Familien, sich zu treffen – und zwar im Zeichen des Vollmonds.

Vollmond

Einen freien Tag haben die Taiwaner immer am 15. Tag des achten Monats nach dem traditionellen Mondkalender. Firmen zahlen dann oft einen Bonus, ähnlich dem Urlaubsgeld in Deutschland. Zum Mitt-Herbst-Fest (中秋節), wie der Feiertag eigentlich heißt, trifft sich die Familie dann zum gemeinsamen Vollmond-Gucken. Das soll Glück bringen und den Zusammenhalt stärken.

Interessante Infos zum Mondfest bei Radio Taiwan International

Kein Feiertag ohne Essen

Weil es aber kein abendfüllendes Programm ist, hat sich eine Reihe von Bräuchen eingebürgert, die – typisch Taiwan – vor allem mit Essen zu tun haben.

Typisches Herbstfest-Obst ist die Pomelo (柚子, youzi), eine Verwandte von Pampelmuse und Grapefruit. (Oder ist es eine Pampelmuse, und der Begriff Pomelo wird für sie im Englischen gebraucht? Wikipedia sorgt mal wieder für Verwirrung.)

Pomelo Pampelmuse Taiwan

Die kindskopfgroßen Früchte mit der dicken Haut und dem festen, säuerlichen Fruchtfleisch wachsen in Taiwan gut und haben gerade Hochsaison. Nur etwa 50 Cent zahle ich auf dem Markt umgerechnet pro Stück.

Noch wichtiger fürs Brauchtum sind die Mondkuchen (月餅, yuebing): Süße und extrem gehaltvolle Pasteten, gefüllt mit einer Masse aus Nüssen, Süßkartoffeln und anderen Leckereien. Mittendrin steckt ein hart gekochtes Eigelb, das den Vollmond symbolisiert. Diese Kalorienbomben schenkt man sich gegenseitig in aufwändigen Verpackungen. Wirklich aufgegessen werden am Ende wohl die wenigsten.

Grillen in Taiwan: Nur zu besonderen Anlässen

Erst seit einigen Jahren ist das Grillen ein Herbstfest-Brauch, hat sich dafür aber um so rasanter verbreitet. Normalerweise sind Taiwaner keine Grill-Fanatiker. In Parks ist es fast überall verboten, und der eigene Balkon dient meist als Abstellfläche und nicht dazu, draußen zu sitzen. Zum Herbstfest aber legt sich plötzlich die halbe Nation Einweg-Grills zu und feuert die Kohlen an – und zwar am liebsten auf dem Bürgersteig vor der Haustür.

Grillen BBQ

Wandere ich an so einem Abend durch die Stadt, hocken alle paar Meter Gruppen von Taiwanern auf dem Pflaster und bestreichen Fleisch und Gemüse mit brauner Sojasoße. Das ist hierzulande die einzig gängige Marinade und schmeckt gar nicht schlecht. Die Gefahr, sich daran zu überfressen, besteht bei einem Grilltag pro Jahr auch nicht.

BBQ Grillen

Besonders viel habe ich dieses Jahr allerdings nicht verpasst, heißt es. Das Mondgucken und Grillen war eine feuchte Angelegenheit, weil pünktlich zum Herbstfest ein Taifun seine Ausläufer über Taiwan geschickt hat.

Wenn Sie in Deutschland also das nächste Mal grillen oder den Vollmond sehen, genießen Sie es – nicht jedem ist das vergönnt.


Botschafterin und Bubble Tea: Begegnungen mit Taiwanern in Berlin

Was macht ein Taiwanreporter, wenn er im Deutschlandurlaub seine Insel vermisst? Er fährt nach Berlin! Neulich auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in unserer Hauptstadt habe ich neben der ganzen Technik auch viele Taiwaner gesehen.

IFA Berlin Taiwan

Traditionell teilen sich auf der IFA alle Unternehmen aus Taiwan, die keinen ganz großen Messestand zahlen wollen, eine eigene Halle: Ein großes Zelt mit vielen kleinen Ständen. Wer sich für Handy-Hüllen, Tastaturen, Netzteile und Ähnliches interessiert, könnte hier Stunden verbringen. Und vielleicht sogar Geschäfte machen, denn viele Firmen plakatieren groß: Vertriebspartner für Europa gesucht. Mir machte es einfach Spaß, wieder vertraute Gesichter zu sehen.

Mach Dir Dein Licht! Technik aus Taiwan

Dank meines Taipeh-T-Shirts dauerte es nicht lange, bis sich ein Gespräch ergab. Zwei Herren der Firma Gunitech aus Hsinchu demonstrierten mir ihr Vorzeige-Produkt: Eine LED-Leuchte, die in jede Fassung passt und deren Lichtfarbe sich stufenlos verändern lässt, und zwar – Achtung! – per Handy. Quasi eine bunte Bluetooth-Glühbirne. So kann jeder vom Sofa aus seine ganz persönliche Lichtorgel fernsteuern. Ob die Welt darauf gewartet hat, weiß ich nicht, aber verblüffend war es schon.

Taiwan Botschafterin Berlin

Habe die Ehre! Taiwans oberste Vertreterin in Deutschland

Auf der IFA habe ich auch die Gelegenheit genutzt, Taiwans neue Botschafterin kennen zu lernen. Frau Chen, auf dem Foto im fliederfarbenen Kostüm, sitzt seit Juli in der Taipeh-Vertretung am edlen Gendarmenmarkt. Natürlich darf sie sich offiziell nicht „Botschafterin“ nennen, denn Taiwan ist für unsere Bundesregierung ja kein richtiges Land. Sie war zuvor in Griechenland stationiert, davor in Hamburg. Obwohl sie besser Deutsch spricht als ich Chinesisch, haben wir uns den Spaß gemacht, in ihrer Muttersprache zu plaudern.

Damit sie versteht, was ich in ihrem Land so treibe, drückte ich ihr möglichst schnell mein Taiwan-Buch und den neuen Kalender in die Hand. Sie revanchierte sich mit einer Einladung zum Mittagessen. So bekam ich auf Kosten von Taiwans Steuerzahlern Lachs und neue Kontakte – und von beidem hat man bekanntlich nie genug.

Lin YL

In Berlin gibt es einen Kollegen, der das gleiche macht wie ich – nur umgekehrt. Lin Yu-li berichtet als freiberuflicher Journalist aus Deutschland für Taiwan. Im Moment schreibt er an einem Buch, in dem er seinen Landsleuten unsere Heimat näher bringen will. Sein Trick: Politik, Gesellschaft und das alltägliche Leben so beschreiben, dass die Leser Vergleiche mit ihrem eigenen Land anstellen können. Klingt bekannt, oder?

Prost Blasentee! Ein Restaurant hat überlebt

Kurz bevor der Zug zurück nach Bremervörde fuhr, besuchte ich Berlins führendes Bubble Tea-Restaurant. „Come Buy“ hat den Hype um das aus Taiwan stammende Trendgetränk ebenso überstanden wie das große Ladensterben nach der Medienhysterie letzten Sommer um angebliche Giftspuren. Vielleicht liegt es daran, dass die Kette wirklich aus Taiwan kommt und auch Taiwaner hinterm Tresen stehen.

Beim Blick auf die Speisekarte verstand ich die Bedeutung von „Teuro“: 紅豆餅 (hongdoubing), kleine gefüllte Küchlein, heißen hier „Hot Drums“ – und kosten mit 2,20 Euro acht mal mehr als in Taipeh. (Foto)

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151647636628295&set=pb.234843808294.-2207520000.1379375843.

Während ich mir noch überlegte, ob ich mir das leisten will, kam ich ins Gespräch mit den jungen Taiwanern am Nebentisch (Foto). Sie machen gerade einen Sprachkurs und wollen danach in Deutschland klassische Musik studieren. In Taiwan haben Orchestermusiker und Dirigenten kaum Arbeitsmöglichkeiten. Wie lange sie in Deutschland bleiben wollen? „Am liebsten für immer!“

http://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151647975138295&set=pb.234843808294.-2207520000.1379375843.

Die Welt ist halt oft dort spannender, wo man gerade nicht lebt.


Kreative Füllungen und falsche Deutsche

Von wegen in Asien gibt’s nur Reis und Hühnchen süß-sauer: An leckerem Brot herrscht hier in Taiwan kein Mangel. Und während Deutschlands Bäckereien zusehends zu reinen Verkaufs-Filialen werden, sehe ich in Taipeh immer mehr kleine Läden, in denen auch frisch gebacken wird.

Brot in Taiwan

Abgesehen davon, dass es Hefeteig enthält, hat Taiwans Brot mit dem deutschen allerdings nicht allzu viel gemeinsam. Es ist weich, oft gefüllt, und wird normalerweise ohne Aufstrich oder Belag gegessen. Viele Varianten würden wir in Deutschland eher als Teilchen oder Gebäck bezeichnen.

Bäckerei in Taiwan

Die Füllung birgt Überraschungen

Gemeinsam haben so gut wie alle Bäckereien, dass man sich mit Tablett und Greifzange selbst bedient. Dicht an dicht sind die verschiedenen Sorten in Regalen aufgereiht. Nicht immer sieht man den guten Stücken an, was drin steckt. Was von außen wie ein süßes Milchbrötchen aussieht, enthält vielleicht eine Thunfisch-Mais-Füllung, süße rote Bohnen oder eine (leckere!) lila Paste aus der Taro-Knolle.

Brot mit Käse in Taiwan

Ebenfalls beliebt sind getrocknetes Fadenfleisch (schmeckt süßlich) und Käse, der gleich brockenweise verbacken wird. Auch Schwarztee oder Karamell als Geschmacksträger sind kein Problem. Das wird zumindest nicht langweilig. Es gibt aber auch Vollkorn-Rosinen-Nuss-Variationen, die keiner Erklärung bedürfen.

Brot in Taiwan: Preis

So ein Brötchen-großes Teil kostet umgerechnet etwa 80 Cent, ein größerer Laib von ca. 500 Gramm 1,50 bis 2 Euro.

Deutlich teurer sind Bäckereien, die sich einen französischen Anstrich geben, mit Namen wie „Maison du Pain“, auf alt gemachten Holzvertäfelungen und einem Korb Baguettes in jeder Ecke. Die finden sich meist in unmittelbarer Nähe zu Luxus-Boutiquen und überteuerten westlichen Restaurants.

„Mr. Mark“ ist kein echter Deutscher

Und was ist mit deutschem Brot? Da gibt es einmal die Kette „Mr. Mark“. Die Firmenlegende besagt, dass sie von einem Deutschen gegründet wurde, der als muffelig dreinblickender Schnauzbart-Bayer noch immer das Logo ziert, ergänzt durch das urdeutsche Motto „Natürliche Gesundheit durch ausgewählte Zutaten.“

Mr. Mark Taiwan Werbung

Auch, wenn in den Filialen schon mal eine Kuckucksuhr an der Wand hängt: Das ist natürlich nur ein Marketing-Gag. Mister Marks Brot unterscheidet sich von der Mehrzahl der Taiwan-Bäckereien nur durch etwas häufigere Verwendung von Vollkornmehl.

Bäcker Wendel backt in Taipeh statt Ludwigshafen

Echtes deutsches Brot, mit knuspriger Kruste, schwerem dunklem Teig und ohne abwegige Zutaten, findet man in Taipeh bei Bäcker Michael Wendel. Der hatte sich vor Jahren für Taiwan entschieden, statt den Familienbetrieb in Ludwigshafen weiterzuführen.

Michael Wendel Bäcker Taiwan

Lesetipp: Schwarzbrot in Taipeh – mein erster Besuch bei Wendel im Jahr 2008

Dank regelmäßiger Fernsehberichte ist Wendel hier ein kleiner Medienstar geworden. Während die pseudo-französischen Bäckereien für Luxus stehen, betont er in mittlerweile drei Filialen Gesundheit, Natürlichkeit und Familientradition. Sein Schwarzbrot nennt er übersetzt „Teufelsfurz“ (魔鬼屁), der Ballaststoffe wegen.

Ab und zu veranstaltet er Kurse für seine Kunden zur Frage „Wie belege ich ein Brot richtig?“, damit die klassische Stulle auch in Taiwan Freunde findet.

Wendel German Bread for Dummies

Oma Ursel rüstet auf

Seit einiger Zeit macht „Oma Ursel“ Wendel Konkurrenz: Die Betreiber des deutschen Restaurants in der beliebten Yongkang St. haben ihre Backstube ausgebaut und im Lokal eine Verkaufstheke für Backwaren eingerichtet. Auch hier ist die Auswahl sehr ordentlich, und man kann viele Sorten vor dem Kauf probieren.

Schließlich hat hier noch jemand so etwas ähnliches wie eine deutsche Bäckerei in Tamsui (Danshui) ausfindig gemacht:

(Video)

Ein Problem haben alle Bäckereien: Taiwans hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass frisch gekauftes Brot noch am selben Tag weich wird. Wer also eine knusprige Kruste statt Schlabber-Brot will, kommt ums Aufbacken nicht herum. Gut, wenn man einen Backofen hat – der gehört in taiwanischen Küchen nicht zur Standard-Ausstattung.

Wie lösen Sie das Problem, und haben Sie ein Lieblings-Brot in Taiwan?


Reden wir über Taiwan!

Müsste ich am 23.9. nicht im Flugzeug nach Taipeh sitzen, würde ich sicherlich zu dieser Veranstaltung in Berlin gehen: „Taiwan diskutiert – Vom Umgang mit der Vergangenheit und der Gegenwart“. Und schon am 21.9. trifft man sich in Frankfurt.

Thema in Berlin am 23.9.: Demokratie, Medien und Gesellschaft in Taiwan

Das Thema klingt interessant und wichtig. Die Deutsch-Chinesische Gesellschaft (Freunde Taiwans) schreibt:

Wie setzt sich die jüngere Generation mit der Geschichte Taiwans auseinander? Wie wird die aktuelle politische Entwicklung in Taiwan wahrgenommen? Welche Themen prägen die taiwanischen Medien? Wie wird in den politischen Lagern diskutiert?

 

Zeit und Ort:

23. September 2013 ab 18 Uhr im Excellent Business Center, Europaplatz 2, Eingang 8. Stock, direkt am Hauptbahnhof Berlin.

Frankfurt diskutiert am 21.9.

Eine weitere Veranstaltung findet schon am Samstag, 21.9., in Frankfurt statt. Titel: „Demokratie und Menschenrecht in Taiwan“

Infos dazu auf der Website des Taiwanvereins.

Ein besonders interessanter Referent bei beiden Terminen ist Su Tzen-ping. Er war mal Chef von Taiwans Nachrichtenagentur CNA und hat danach das unabhängige News-Portal newtalk.tw gegründet. Das hat sich mittlerweile einen guten Ruf dafür erarbeitet, auch Themen aufzugreifen, die in Taiwans kurzatmiger Medienlandschaft oft zu kurz kommen.

Ich hatte Su vor einigen Jahren für einen Artikel über Taiwans Pressefreiheit interviewt.

Taiwan Flagge einholen


Der Mann, der Taiwan in die Tagesschau bringen kann

Ich bin nicht der einzige deutsche Auslandsreporter, der gerade aus Asien zum Heimaturlaub zurückgekehrt ist. Kollege Philipp Abresch, Leiter des ARD-Ostasien-Studios in Tokio, hat heute im NDR auch ein bisschen über seine Taiwan-Erfahrungen geplaudert.

ARD Weltreisen Team

Im NDR-Vorabendmagazin DAS! saß Abresch (Foto oben: in der Mitte) als Studiogast auf dem Roten Sofa und berichtete über sein Leben und Arbeiten in Asien. Das ist für mich natürlich ein interessantes Gesprächsthema!

Wiederholung am Dienstag (2.9.) um 5:05 Uhr früh!

Als Leiter des ARD-Studios Tokio ist Abresch nicht nur Japan zuständig, sondern auch für Südkorea, die Philippinen und – Taiwan! Das bedeutet, falls in Taiwan etwas aus deutscher Sicht wirklich wichtiges passiert, wäre es es, der anreisen und berichten würde, zur Not auch live in der 20-Uhr-Tagesschau.

Bei DAS! erwähnte Abresch nebenbei schon mal, dass Taiwan ein demokratisches, entwickeltes und aufstrebendes Land ist. Gut so! Er erinnerte sich auch an Besuche in der Taroko-Schlucht. Vor allem ging es im Gespräch aber natürlich um Japan, Fukushima etc.

Ich kenne Philipp Abresch noch aus gemeinsamen Zeiten beim NDR in Hamburg-Lokstedt. Seit zwei Jahren arbeiten wir nun auch in Sachen Taiwan immer wieder mal zusammen.

Für das ARD-Studio stehe ich als Ansprechpartner vor Ort bereit, schlage Themen vor, organisiere Drehreisen und bin auch beim Dreh dabei. „Producer“ nennt sich diese Tätigkeit. So sind wir gemeinsam schon an einige tolle Orte gelangt.

Wandertour 046

Über die ARD-Berichte, bei denen ich die Finger im Spiel hatte, habe ich hier auch gebloggt:

Es können gerne noch mehr werden!