Problemzone Übergewicht

Angeblich sind immer mehr Taiwaner zu dick. Ich kann das kaum glauben und finde: Die Ernährung ist hier gesünder als in Deutschland.

Kennen Sie das, wenn man etwas in der Zeitung liest, aber es einfach nicht glauben kann – weil es den eigenen Erfahrungen widerspricht? So geht es mir manchmal in Taiwan, wenn ich Meldungen lese wie „Taiwaner sind zu dick“, „Rekruten übergewichtig“, „Hüftumfang nimmt zu“ oder „Taiwaner unzufrieden mit ihrer Figur“.

Taiwans Ernährung ändert sich

Es stimmt ja, dass auch in Taiwan Fast Food-Ketten mittlerweile allgegenwärtig und vor allem bei Jüngeren beliebt sind. Viele McDonald’s haben sogar 24 Stunden geöffnet. Es stimmt auch, dass immer weniger Menschen daheim kochen und immer mehr Fertiggerichte verkauft werden. Und die Ernährung der Taiwaner hat mit der japanischen Ideal-Diät „viel Fisch, viel Gemüse, kaum Fleisch“ schon lange nichts mehr zu tun – jedenfalls statistisch gesehen.

Lesetipp: (Deutsches) Brot in Taiwan

Und doch: Wenn ich in Taipeh auf die Straße gehe und meine Eindrücke zum Beispiel mit Deutschland vergleiche, kommt es mir so vor, als könnten die Probleme nicht allzu groß sein.

Markt Taiwan Strasse

Taiwaner sind nicht so dick wie Deutsche

Kurz gesagt: Die meisten Menschen sind schlanker. Dicke Bäuche und ausladende Hinterteile sind nicht normal, sondern fallen auf. „Kräftig“ gebaute Europäer haben es schwer, sich in Taiwans Kaufhäusern und Boutiquen einzukleiden. Natürlich hat das mit dem unterschiedlichen Körperbau zu tun. Taiwans Frauen messen laut dieser Statistik zur Körpergröße mit 1,60 Meter im Schnitt fünf Zentimeter weniger als deutsche, Männer mit 1,71 sogar sieben Zentimeter.

Dass Taiwaner nicht nur kleiner, sondern tatsächlich zierlicher sind, zeigt ein Blick auf den Body-Mass-Index. Den berechnen Sie so: Gewicht (in kg) geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern). Ein Wert bis 25 gilt als Normalgewicht. Wissenschaftler und Statistiker haben mir die Arbeit abgenommen, selbst nachzumessen: Der gerundete Durchschnittswert liegt nach dieser BMI-Übersicht in Taiwan bei 24 für Männer und 23 für Frauen. In Deutschland sind es 27 bzw. 26, in den USA jeweils 28. Seit Jahrzehnten werden die Menschen überall dicker, aber selbst die deutschen Werte von 1980 liegen über den taiwanischen von heute.

Entscheidend ist, was oben reinkommt

Ich bin mir sicher: Das hat mit der Ernährung zu tun, die in Taiwan trotz Verwestlichung noch immer ausgewogener ist als in unseren Breiten. Nehmen wir mal ein typisches Mittagspausen-Essen: Auf dem Teller in deutschen Kantinen liegt standardmäßig viel Fleisch, dazu Kartoffeln oder Nudeln mit Soße, weichgekochtes Gemüse und vielleicht ein Alibi-Salatblatt. Lecker, aber wohl ein bisschen zu viel des Guten.

Bratwurst Sauerkraut

Lesetipp: Ein gutes westliches Restaurant in Taipeh

Hungrige Taiwaner bestellen sich einen Schwung „Biandang“ in die Firma. In so einer Papp-Lunchbox für weniger als zwei Euro liegen neben ordentlich Reis mindestens zwei Sorten Gemüse. Dazu eine Sorte Fleisch nach Wahl – etwa eine Hähnchenkeule, ein kleines Schweinekotelett oder in Sojasoße geschmortes Rindfleisch. Das ist nicht immer besonders delikat, zumal wenn es längst abgekühlt ist, aber zumindest einigermaßen ausgewogen.

Lesetipp: Warum Taiwaner so oft essen gehen

Selbst, wenn Taiwans jährlicher Pro-Kopf-Fleischverbrauch angeblich mit 77 kg nur noch knapp hinter den deutschen 89 kg liegt, ist mein Eindruck: Die Menge an Fleisch ist hier weniger wichtig. XXL-Restaurants mit Riesen-Schnitzeln würden sich nicht lange halten. Auf ausreichendes, abwechslungsreiches Gemüse dagegen achten Taiwaner viel mehr als Deutsche.

Reis Bambus

Außerdem gibt es nicht so viele fette Soßen, und viele Gerichte werden nicht gebraten oder frittiert, sondern kalorienarm gedämpft oder im Wok geschwenkt. Tofu in allen Variationen wird gern verwendet und ist kein Dickmacher. Nudeln mit oder ohne Suppe bilden ein ganzes kulinarisches Universum, das sich in deutschen China-Restaurants gar nicht nachvollziehen lässt.

Curry Nudeln

Kuchen- und Tortenstücke sind etwa halb so groß wie in Deutschland. Zum Essen trinken Taiwaner statt gesüßter Getränke eher eine Schüssel klare Brühe. So schaffen sie es, auch bei drei warmen Mahlzeiten am Tag vergleichsweise schlank zu bleiben.

Finde ich.

Und was denken Sie?

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5 Kommentare zu “ Taiwaner finden sich zu dick – aber warum? ”

  1. Kevin sagt:

    Ach, wenn ich die Bilder so sehe bekomme ich immer mehr den Wunsch endlich nach Taiwan zu reisen. Alleine der Artikel „Vom Essen und Essen gehen“ lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Fleischspieße nach west chinesischer Art, gefüllte Teigtaschen, Ramen. Ich bekomme Hunger. Ich bekomme Fernweh. Einige wenige Jahre noch, dann steht sicher auch mein Urlaub in Taiwan an. Und dann wird (unter anderem) geschlemmt.

  2. Uie-Liang sagt:

    sehr gut geschriebn. Ich fade es auch. Mom… Miao Miao Miao….

  3. max sagt:

    Taiwan ist von der Essensqualität abscheulich. Ich war ein halbes Jahr dort und habe sehr viel Gewicht verloren (wurde richtig knochig), weil das essen dort so schädlich ist. Lebensmittelskandal jagt lebensmittelskandal. Es gibt so gut wie nichts was nicht krebserregend ist und annähernd dem deutschen Qualitätsstandard gleichzusetzen ist. Ganuer stellen krebserregendes billigöl hör, das ich auch gegessen habe, weil es in 90% des essens enthalten ist. Ich bin seit 2 Monaten wieder in deutschland. Meine normalen muskeln bauen sich durch die deutsche ernährung langsam wieder auf, jedoch habe ich immernoch (seit mitte des taiwanaufenthalts) jede woche mindestens einmal durchfall und öfter bauchscmerzen. ich hoffe dass die darmspiegelung ergibt, dass ich keinen darmkrebs habe. wenn ihr denkt, taiwan wäre schön, entscheidet euch lieber um. es ist voller lügner und schrecklich. im internet hört man trotzdem nur positives. thailand, indonesien, philipinen sind auch von der lebensmittelqualität 1000 mal besser.

    • Tja, ein Garten Eden ist auch Taiwan natürlich nicht, aber dass Du so negative Erfahrungen machen musstest, tut mir leid.

      Alles Gute bei der Darmspiegelung.

      Deinen zweiten Kommentar, den Du unter anderem Namen und anderer E-Mail hinterlassen hast, schalte ich nicht frei. Du solltest Dich für eine Identität entscheiden.

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