Minderheitenveranstaltung Ostern: Christen in Taiwan

Ostern in Taiwan? Kein großes Thema. Kein Wunder, denn nur wenige Taiwaner sind Christen. Trotzdem hat der Vatikan hier eine richtige Botschaft.

Friedhof in Taiwan

Gäbe es in Taiwan Osterhasen, hätten sie ein ruhiges Leben. Das alljährliche Ostereier-Verstecken wäre hier jedenfalls flott erledigt. Nur etwa fünf Prozent der Taiwaner sind Christen und machen sich etwas aus Ostern, das im Chinesischen wörtlich übersetzt „Auferstehungsfest“ („Fuhuojie“) heißt. In den Familien werden keine Ostereier gekocht, ausgeblasen oder aufgehängt, und Schokohasen im Supermarkt würden für Kopfzerbrechen sorgen. Anders als bei Weihnachten in Taiwan hat der Handel auch noch nicht versucht, Ostern als religions-unabhängigen Anlass zum Geschenkekauf zu etablieren.

Christliche Missionare in Taiwan

Kreuzigung, Auferstehung… für die meisten Taiwaner sind das Geschichten, die mit ihrer Kultur nichts zu tun haben. Anders als etwa in Südkorea hat das Christentum hier nie so recht Fuß gefasst. Versucht haben Missionare es natürlich. Die ersten kamen Ende des 19. Jahrhunderts auf die Insel, darunter der Kanadier George Mackay. Wie der Presbyterianer das Zähneziehen als Weg entdeckte, neue Schäfchen zu gewinnen, darüber hatte ich schon einmal geschrieben.

Christlicher Missionar in Taiwan

Bibel? Nein, danke. Heutiger Missionar auf den Straßen von Taipeh.

Weil die chinesisch-stämmige Bevölkerung trotz Dentalbehandlung schwierig zu bekehren war, konzentrierten Mackay und seine Zeitgenossen sich auf Taiwans damals noch recht wild lebend Ureinwohnerstämme in den unzugänglichen Bergregionen. Die Folgen zeigen sich noch heute: 70 Prozent der Ureinwohner sind Christen. In einem kleinen Bergdorf mit ein paar hundert Einwohnern stand ich neulich vor einer katholischen und zwei protestantischen Kirchen.

Chiang Kai-shek war Christ

Als Chiang Kai-shek, selbst bekennender Christ, sich 1949 mit Armee und Staatsapparat vom chinesischen Festland nach Taiwan rettete, waren auch viele Missionare dabei. So finden sich in Taipeh heute Konfessionen wie Baptisten, Methodisten und auch Mormonen. Dennoch sind ihre christlichen Kirchen, verglichen mit den allgegenwärtigen taoistischen Tempeln, ein seltener Anblick. Und oft erinnern sie kaum an Gotteshäuser wie in Deutschland. Auf dem Weg von meiner Wohnung zur U-Bahn komme ich oft an einer katholischen Kirche vorbei, die das Erdgeschoss eines Wohnblocks belegt. Der Eingang ist eine elektrische Schiebetür, durch die ich manchmal Gottesdienste und Messdiener beobachten kann.

Gottesdienst in Taiwan

Protestantischer Gottesdienst in der „Bread of Life“-Kirche

Die einzige europäische Botschaft in Taiwan

Wenn ich will, kann ich mit der U-Bahn dann weiter fahren zu einem besonderen Gebäude: Der Botschaft des Heiliges Stuhls. Der Vatikan ist nämlich einer von ganz wenigen Staaten, die noch offizielle diplomatische Beziehungen zur „Republik China“ haben, wie Taiwan sich offiziell nennt. Der Grund: Drüben, in der großen Volksrepublik, mischt die Regierung sich ein und will bei der Bischofswahl mitreden. Weil der Vatikan sich das nicht gefallen lässt, ist die katholische Kirche in China quasi eine Untergrundorganisation – und in Taiwan ein diplomatischer Verbündeter.

Lesetipp: Warum der Vatikan diplomatische Beziehungen mit Taiwan hat

Als mir vor einigen Jahren am Weihnachtsabend mal wieder nach einem Gottesdienst war, besuchte ich eine katholische Kirche – und die war proppenvoll, denn hier versammelte sich die philippinische Gemeinde von Taipeh. Menschen, die als Gastarbeiter schwer schuften müssen, sangen fröhlich englische Weihnachtslieder. Da fühlte ich mich als Ausländer gut aufgehoben. Ob die Filipinos auch Ostereier suchen, muss ich noch herausfinden.

Katholischer Gottesdienst Taiwan

Liebe Leser, wie haben Sie Ostern in Taiwan gefeiert?

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