Auf den Hund gekommen

Ich habe Sophie adoptiert. Sie ist sieben Jahre alt, hat schwarze Haare, stammt aus Taiwan und lebt im Heim. Im Tierheim.

Sophie, Hund aus dem Tierheim

Einen eigenen Hund zu Hause hätte ich hier in Taipeh vielleicht gern, es wäre aber schwierig, ihn vernünftig zu halten und ihm genügend Auslauf zu gönnen. Deshalb wurde ich neugierig, als ich von Animals Taiwan hörte. Dieser Tierschutzverein kümmert sich um herrenlose Hunde und betreibt ein Heim für etwa 50 Tiere in Taipeh. Wer spendet, kann Hunde-Pate werden. Das heißt, man kann „seinen“ Hund jederzeit besuchen und ausführen, er lebt aber weiterhin dort.

Gutes Gefühl für 500 Taiwan-Dollar monatlich

Nun überweise ich per PayPal ganz einfach jeden Monat 500 NT$ (ca. 12 Euro). Dafür darf ich mich als Quasi-Herrchen von Sophie betrachten. Die kleine schwarze Mischlingshündin hatte ich mir auf der Internetseite ausgesucht, wo alle Hunde vorgestellt werden. Sie hatte ursprünglich mit dutzenden Artgenossen auf dem Grundstück einer Taiwanerin gelebt, die es zwar gut meinte, sich aber zu viel aufgehalst hatte. Nachdem sie bei einem Autounfall ums Leben kam, mussten Organisationen wie Animals Taiwan die Hunde aufnehmen, die sich damals in einem jämmerlichen Zustand befanden.

Animals Taiwan bei Facebook

Sophie ist mittlerweile aufgepäppelt und teilt sich einen Zwinger mit sechs Kumpanen. Bei unserem ersten Treffen war sie gut aufgelegt, aber noch etwas nervös. Das Tierheim befindet sich in einem Gewerbegebiet im Norden von Taipeh, in der Nähe einer MRT-Station und eines Flussufer-Parks. Die Adresse gibt es erst auf Nachfrage, damit möglichst niemand seine Hunde gezielt dort aussetzt.

Straßenhunde sind ein alltäglicher Anblick

Rudel von Straßenhunden sind am Stadtrand und in den Grünanlagen von Taipeh kein ungewöhnlicher Anblick. Die meisten machen einen überraschend properen Eindruck. Vielleicht füttert sie jemand.

Straßenhunde Taiwan

Es gibt allerdings auch Hundefänger, die herrenlose Tiere in öffentliche Heime schaffen. Wenn sie dort nach ein paar Tagen niemand abholt, werden sie eingeschläfert. Mehr also 200 Hunde sterben in Taiwan so Tag für Tag. Über die Zustände in den Heimen wurde kürzlich der viel beachtete Dokumentarfilm „Twelve Nights“ (十二夜) gedreht.

Die Geschichte von Animals Taiwan

Animals Taiwan wurde 2005 von einem Kanadier gegründet, der sich das nicht länger ansehen wollte. Auch die berühmte Tierschützerin Jane Goodall hatta dabei eine Rolle gespielt. Der Reiseführer Lonely Planet erzählt die Geschichte:

Animals Taiwan Geschichte

Mittlerweile engagieren sich bei Animals Taiwan viele Taiwaner und Ausländer als freiwillige Helfer. Taiwans Tierschützer verfolgen zwei Ziele: Straßenhunde sollen sterilisiert und wieder freigelassen werden, statt sie zu töten. Und wer sich einen Hund zulegt, soll ihn aus dem Tierheim holen, statt das Geschäft von Züchtern und Tierhandlungen zu unterstützen.

Lesetipp: Verhätschelt oder verwildert: Hundeleben in Taiwan

Sophie besuche ich nun etwa alle 14 Tage. In der Zwischenzeit geht sie natürlich auch mit Anderen vor die Tür. Mit dem Rad dauert es eine Stunde zum Tierheim. Viele Tiere dort werden übrigens unruhig, wenn man sich mit ihnen zu weit vom Zwinger entfernt, und wollen wieder umdrehen. Das kann ja kein ganz schlechtes Zeichen sein.

So sieht es im Tierheim aus

Damit mehr Menschen erfahren, dass sie hier Hunden helfen können, habe ich einem taiwanischen Filmemacher von dem Tierheim erzählt. Daraufhin hat er dieses schöne Video gedreht:

Animals Taiwan sucht ein neues Zuhause

Die schlechte Nachricht zum Schluss: Das Heim von Animals Taiwan muss umziehen. Die ganze Gegend wird derzeit umgekrempelt, neue Hochhäuser entstehen. Ein neues Stückchen Land zu finden, ist nicht so einfach, erzählten mir die Betreiber. Es sollte fußläufig zur U-Bahn liegen, damit Besucher leicht den Weg finden – aber so abgelegen, dass Hundegebell keine Nachbarn stört. Mancher Besitzer war zunächst einverstanden, doch dann hatte ein Verwandter gegen die Vermietung etwas einzuwenden. Die Stadtregierung sitzt wohl auf geeigneten Flächen, will aber auch nichts zur Verfügung stellen.

Auf jeden Fall will der Verein eine ordentliche Pacht für das Land zahlen. Wer also jemanden kennt, der jemanden kennt, der ein passendes Grundstück zu vermieten hat, sollte sich unbedingt mal bei Animals Taiwan melden.

Und wer einfach was Gutes tun will, kann ja mal über eine Spende oder ein Hunde-Sponsoring nachdenken!

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