Skandalrepublik Taiwan: Wo Ehebruch strafbar ist

Minister haben es schwer. Ihr bequemer Sessel im Kabinett wird schnell zum Schleudersitz. In Deutschland reichen mittlerweile ja ein paar abgeschriebene Sätze in der Doktorarbeit. Hier in Taiwan geht es auch munter zur Sache. Im Juli mussten gleich zwei Minister zurücktreten.

Bildungsminister: Fragwürdige Aufsätze

Bücherstapel

Als erstes traf es den Bildungsminister. Chiang Wei-ling stolperte über einen akademischen Skandal erster Güte. Weltweit stand es in den Zeitungen (auch in deutschen), als das  Journal of Vibration and Control, ein Fachmagazin für Vibrationsfragen, bekannt gab: Sage und schreibe 60 veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten müssen zurückgezogen werden, wegen des Verdachts auf Mogelei. Der Autor Peter Chen, ein Mitarbeiter der National Pingtung University of Education, soll seine Aufsätze angeblich selbst unter anderen Namen „geprüft“ haben. Dazu hatte er sich wohl ein ganzes Netzwerk falscher Identitäten, E-Mail-Adressen usw. ausgedacht.

Diese Enthüllung schlug in der Wissenschaftswelt Wellen, weil das „Peer Review“-Prinzip, also die Überprüfung durch andere Wissenschaftler vor der Veröffentlichung, als Rückgrat der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit gilt. Sollte es sich so leicht überlisten lassen?

Minister Chiang nun, ursprünglich selbst Hochschullehrer, stand als Co-Autor auf mindestens fünf der zurückgezogenen Aufsätze. Von Fälschungen wisse er nichts, und dass er als Autor angeführt wurde, sei ihm auch neu, sagte er. Was sein Name dann darauf zu suchen hatte, ist eine interessante Frage. Manche sehen es als Beleg dafür, dass es in Taiwan von Forschern erwartet wird, früheren Professoren unverdiente akademische Ehren zuzuschanzen.

This unethical and unconscionable practice, stealing the hard work and credit of others, is yet another example of the way Taiwan’s society is organized on the mafia principle where everyone kicks up to the Big Man at the top.

 

Wie auch immer, der Druck nahm zu, und schnell muss Chiang klar geworden sein, dass er als Bildungsminister nicht mehr tragbar war.

Arbeitsminister: Fragwürdige Ausflüge

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Keine zwei Wochen später nahm Taiwans Arbeitsminister seinen Hut. Sein Fall war weniger kompliziert: Pan Shih-wei soll eine außereheliche Affäre mit seiner Sekretärin gehabt haben. Das behauptete ein Magazin, das ihn dabei erwischte, wie er mehrfach per Fahrrad spät abends vor ihrer Wohnung auftauchte.

Privatsache? In Taiwan ist Ehebruch eine Straftat. Schwer zu glauben, aber diesen Paragraphen gibt es wirklich. Sogar der Kulturministerin ist das peinlich, wenn ausländische Bekannte sie darauf ansprechen.

Aber viele Taiwaner, vor allem Ehefrauen, wollen ihn auch nicht abgeschafft sehen. Das hängt mit einer weiteren Besonderheit zusammen: Eine Scheidung ist in Taiwan nur nach dem Schuldprinzip möglich. Bis Mitte der Siebziger war es in Deutschland übrigens auch noch so.

Was heißt das in der Praxis? Geht in Taiwan jemand fremd, kann der Ehepartner sich nur scheiden lassen, wenn er Beweise hat. Da Ehebruch ja strafbar ist, hat er zumindest die Polizei auf seiner Seite. Die Beamten brechen dann gern mal Hotelzimmertüren auf, um Ehebrecher auf frischer Tat zu ertappen. Wenn diese dann aber nur halb entkleidet auf der Bettkante sitzen, reicht das noch nicht aus – es könnte ja alles ganz anders sein, als es aussieht.

Es gibt Detekteien, die sich nur auf solche Fälle spezialisiert haben und sich wohl auch öfter mal fragwürdiger Methoden bedienen. Die meisten ihrer Klientinnen sind Ehefrauen. „Lady 007“ und ihre Fahnder-Kolleginnen machen massiv Werbung auf Plakaten und Bussen (s.o.).

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Für einen geplanten Bericht hatte ich mal so eine Detektei besucht. In den Räumen, wo den Klientinnen die Videobeweise vorgespielt werden, standen schon die Papiertaschentücher bereit.

Kurz, bevor der Dreh beginnen sollte, kam „Lady 007“ mit ihrer Detektei dann selbst in die Schlagzeilen. Angeblich sollten ihre Mitarbeiter die ertappten Ehebrecher erpresst haben. Seitdem habe ich ihre Werbung schon länger nicht mehr gesehen. Andere werden in die Bresche gesprungen sein.

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Beweise waren im Fall des Arbeitsministers nicht nötig. Er trat freiwillig zurück, ohne eine Schuld einzugestehen – damit hätte er sich ja strafbar gemacht – und bezeichnete sich als Opfer von Korruption. Er sei anderen Politikern unbequem geworden, weil er zu viel über ihre Machenschaften gewusst habe.

Dafür interessieren sich nun die Anti-Korruptions-Fahnder. Ob Pan auspackt? Bis zum nächsten Skandal ist es nur eine Frage der Zeit.

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