Mit einem Radiobeitrag mitten drin im Alltag der Kinder

Es sind ganz tolle Eindrücke, die Linda Tepfer in einer kleinen Grundschule in Südtaiwan eingefangen hat. Die Münchnerin lauschte dem Unterricht, hörte Kindern beim Lernen und Spielen zu und fing mit ihrem Mikrofon die Atmosphäre ein. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit für diesen Beitrag.

Schule Taiwan 2

Linda Tepfer berichtet:

Ich hatte den Beitrag damals gemacht, weil ich schon immer großes Interesse daran hatte, Kindern ein möglichst breit gefächertes Bild der Welt und ihrer unterschiedlichen Lebensrealitäten zu zeigen. Die Schule liegt auf dem Land bei Hengchun in Pingtung County, in der Nähe von Kenting. Der Direktor und alle Lehrer waren sehr hilfsbereit und vor allem aufgeregt und stolz, dass ein deutscher Radiosender über ihre Schule berichtet. Die Kinder waren sehr neugierig und haben alle super mitgemacht.

Der Beitrag ist im Winter 2010 entstanden. Ich und meine Tochter Olivia haben damals deutsche Freunde in Taiwan besucht. Da dachte ich mir, ich kann das doch gleich mit dem Beitrag verbinden. Olivia fand Taiwan großartig! Wir haben natürlich auch lauter tolle Ausflüge gemacht: Yehliu, die Teeberge, heiße Quellen und eben zum Schluß auch der Süden Taiwans mit seinen unterschiedlichen Stränden.

Der Beitrag zum Anhören:

Diese Schule in Hengchun hat Olivia nur bei einem Flohmarkt mitbekommen. Für den Beitrag bin ich dann allein hin und durfte in alle Klassen gehen, die ich sehen wollte. Alle waren informiert, dass die deutsche Reporterin kommt. Ich hatte damals diese Möglichkeit, weil eine taiwanische Freundin zwei Söhne auf der Schule hatte und sich sehr gut mit dem Direktor und dem Lehrerkollegium verstand. Sie war früher selbst Englischlehrerin. Sie hat das also für mich eingefädelt. Es ist aber schon eine sehr kleine Schule gewesen, was eher nicht die Normalität in Taiwan ist.

Der große Unterschied zwischen einer deutschen Grundschule und dieser Schule ist, denke ich, schon noch die Unterrichtsform. In Taiwan gibt es vor allem noch den typischen Frontalunterricht. Viel wird auch gemeinsam nachgesprochen. In deutschen Grundschulen wird inzwischen viel in kleinen Gruppen gearbeitet und die Schüler werden in die Unterrichtsgestaltung miteinbezogen. Auch gibt es kein so ausgeprägtes Leistungsdenken, das von den Lehrern extra produziert wird.

Und genau hier liegt die Schule:


Größere Kartenansicht

Die Pause läuft eigentlich sehr ähnlich ab wie bei uns: Jungen und Mädchen spielen getrennt. Die Mädchen spielen Hüpfspiele oder singen, die Jungs spielen wildere Sachen oder tauschen Karten. Besonders habe ich mich gefreut „Stein, Schere, Papier“ zu entdecken.

Ich kann keine pauschale Aussage über die Schulqualität in Taiwan machen, da ich ja nur diese eine kleine Landschule gesehen habe, die ich schon ganz sympatisch fand, vor allem weil sie so schön im Grünen lag. Aber meine Kinder müssten sich da schon auch etwas umgewöhnen. Meine deutsche Freundin sagte, sie hätte ihren Sohn nie auf eine Grundschule in der Stadt getan, weil diese riesig sind und unheimlich leistungsorientiert.

Was die Redaktion vom Radio betrifft: Ich habe den Auftrag damals nur bekommen, weil es sich um ein so exotisches Thema handelte. Eigentlich wollten sie keine neuen Mitarbeiter aber so ein Thema fand der Chefredakteur schon besonders spannend.

Eine Grundschule in Taiwan besuchte ich auch für dieses Video:

(ab 3:00)

Liebe Leser, was denken Sie über Taiwans Grundschulen? Falls Sie aus Deutschland kommen, würden Sie Ihre Kinder auf eine taiwanische Grundschule schicken?

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2 Kommentare zu “ Was in Taiwans Dorfschulen wirklich passiert ”

  1. Susanne Fengler sagt:

    Ich habe von 2007 bis 2012 fünf Jahre in einer Institution für behinderte Kinder in Taidong als Ergotherapeutin gearbeitet. Während dieser Zeit hatte ich auch die Gelegenheit, Kinder zu befunden, die als entwicklungsverzögert angesehen wurden und für die nun geschaut werden sollte, was ihren Schwierigkeiten zugrunde lag. Dabei habe ich mehr als einmal festgestellt, dass diese Kinder in Deutschland nicht als entwicklungsverzögert gelten würden, was hauptsächlich daran liegt, dass schon in den Kindergärten in Taiwan ein enormer Druck herrscht und somit Kinder, die etwas mehr Zeit benötigen, oder sich noch nicht so gut konzentrieren können sofort auffallen. Die Kinder müssen auch im Kindergarten viel Frontalunterricht über sich ergehen lassen, denn sie fangen hier schon an Bopomofo (die phonetische Umschrift, die in Taiwan gebräuchlich ist) zu lernen. Auch habe ich einige Kinder erlebt, die schon im Kindergarten unter einem enormen Leistungsdruck standen, weil sie den Erwartungen der Erzieher und Eltern nicht entsprachen. Natürlich übertragen sich die negativen Erfahrungen aus dieser Zeit dann auch in die Schule und erschweren den Kindern hier das Lernen.
    Insgesamt stimme ich der Einschätzung von Linda Tepfer zu: In Taiwans Schulsystem findet viel althergebrachter Frontalunterricht statt und Wissen wird eher auswendig gelernt als analytisch betrachtet; Teamarbeit und Diskussionen haben Seltenheitswert.
    Allerdings habe ich eine langsame Umkehr beobachtet, immer mehr Eltern in Taidong suchen nach einer Alternative vom herkömmlichen Kindergarten/Schulsystem, allerdings ist die nächstgelegene Waldorf Schule in Yilan und damit viel zu weit weg.

    • Hallo Susanne,

      vielen Dank für den hochinteressanten Kommentar! Aus eigener Anschauung kann man natürlich viel fundierter berichten als nur durch Hörensagen.

      Ich hoffe auch, dass Eltern langsam vom übertriebenen Leistungsdruck abrücken werden. Vielleicht müssen wir noch eine halbe Generation abwarten?

      Sind Sie (bist Du) nach wie vor in Taiwan?

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