Bootcamp für Fünfjährige? Taiwans Erziehung Thema im ARD-Weltspiegel

Das renommierteste Auslandsmagazin im deutschen Fernsehen, der Weltspiegel, berichtete über einen sehr ungewöhnlichen Kindergarten in Taiwan. Worum ging es?

Taiwan Kindergarten Uniform

Ein strenges Regiment herrscht in diesem Kindergarten. Wenn die Kleinen morgens um 8 ankommen, stehen erst mal zwei Stunden Sport auf dem Programm. Und dabei geht es richtig zur Sache!

(Video in der ARD-Mediathek, auch zum Download / Infos zum Nachlesen)

Was die Kinder leisten, erinnert eher an ein Bootcamp der US Marines. Unermüdlich rennen, robben, springen, klettern, rollen sie hin und her über den mit Matten ausgelegten Innenhof. Und sind dabei extrem akrobatisch.

Zum Drill passen auch die Tarnfleck-Sportoutfits, die alle während der Übungen ab und zu tragen müssen. Befremdlich kommt das einem deutschen Besucher zunächst einmal vor. Geht es hier darum, willenlose Mini-Roboter heranzuzüchten?

Im Einsatz fürs Erste

Als das ARD-Team aus dem Studio Tokio anreiste, um in Taichung diesen Bericht zu drehen, habe ich sie begleitet und den Dreh organisiert, so wie schon bei einigen Beiträgen im Lauf der letzten Jahre.

Ich freue mich, wenn ich irgendwie dazu beitragen kann, Taiwan in die deutschen Medien zu bringen – und es muss nicht jedesmal mein Name über oder unter so einem Bericht stehen. Meistens bin ich als Reporter in Taiwan Einzelkämpfer, aber das Teamwork habe ich nicht verlernt.

Bei der ARD zuständig für Taiwan (und Japan, Korea, die Philippinen und Ozeanien) ist Korrespondent Uwe Schwering, und der hat während des Drehs auch selbst fleißig mitgefilmt.

Was hätte Einstein dazu gesagt?

Besucht haben wir den Albert Kindergarten in Fengyuan, im früheren Taichung County. Es ist ein privater Kindergarten mit etwa 70 Kindern und einer angeschlossenen Grundschule. Gegründet hat ihn 1989 Fong Yun-I, die hier auch heute noch das Sagen hat.

Den Namen „Albert“ wählte die gelernte Pädagogin in Anlehnung an Einstein. Um kleine Genies heranzubilden, wählt sie aber eine Strategie, die sich von den meisten Kindergärten in Taiwan deutlich unterscheidet. Wohl frei nach dem Motto „Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ legt sie großen Wert auf körperliche Betätigung. Während woanders wohl fast nur über Büchern gebrütet wird.

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Sie erklärte uns das etwa so: Wenn die Kleinen sich nach dem Sport morgens richtig ausgepowert haben, sind sie den Rest des Tages aufnahmefähiger für den anderen Lernstoff. Statt die Kinder zu schonen, werden sie gefordert. Und bringen dann erstaunliche Leistungen.

Diese Cheerleader-Nummer etwa hat mich schwer beeindruckt:

Ist das gut für die Kinder?

Ist das nun alles autoritär, zwanghaft, schwarze Pädagogik von vorgestern? Eine Meinung habe ich zwar, aber ohne ein eigenes Kind erzogen zu haben, halte ich mich an dieser Stelle bei einer Bewertung zurück.

Ich kann nur sagen, welchen Eindruck ich vor Ort hatte, nachdem wir mehr als einen ganzen Tag dort verbrachten: Diese Kinder hatten einen Riesenspaß! Es kam mir nicht so vor, dass sie sich überfordert fühlten, und es waren auch keine gebrochenen Befehlsempfänger. Es schien mir eher so, dass sie an den Herausforderungen und Anforderungen wachsen, sich über erarbeitete Erfolge freuen, und dass sie die Regeln nicht als Belastung empfinden.

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Außer Sport stehen natürlich noch andere Fächer auf dem Programm, Musikunterricht etwa. Auch hier ist der Leistungsgedanke dabei, etwa beim japanischen Trommeln: Das Taiko-Team des Kindergartens hatte einen Titel gewonnen und soll ihn auch wieder verteidigen (Video).

Tut den Kindern ein bisschen Drill ganz gut, oder ist es Quälerei? Wäre das „Prinzip Albert“ auch für einige deutsche Kinder das beste? Zuschauer diskutieren das auf der Weltspiegel-Facebookseite.

Und Sie? Was denken Sie über den Albert Kindergarten und Erziehung in Taiwan allgemein?

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