Gogoro: Lahme Kiste oder Powerpaket?

Sie gelten manchen als Vorreiter, als Beispiel dafür, wie die Mobilität der Zukunft aussieht: Elektroscooter von Gogoro, Made in Taiwan. Ich hatte noch nie auf einem gesessen. Das musste sich ändern – für einen Radiobeitrag.

Gogoro Scooter in Taipei

Dies ist Oscar Coutinho. Er ist Produktdesigner und lebt seit einigen Jahren in Taipeh. Als ich Gogoro-Nutzer suchte, hatte er sich gemeldet und war bereit, mich zu treffen. Denn ich wollte für das Deutschlandradio Kultur (neuerdings Deutschlandfunk Kultur) über diese neuartigen Roller berichten.

Hier im Blog hatte ich schon einmal beschrieben, welche Philosophie hinter Gogoro steckt, wie die Firma als Start-up einen riesigen Markt aufrollen möchte. Für Taiwans Industrie, die zu Computer-Hardware-lastig ist, wäre es ein Riesengewinn, sich bei Elektromobilität frühzeitig gut aufzustellen.

Jetzt lesen: Mein Blogeintrag zu Gogoro – in Taiwan und Berlin

Meine Radioreportage mit Oscar und seinem Scooter kann man hier nachhören.

Noch mehr technische Daten und Hintergründe zur Expansion nach Berlin hatte ich in diesem Bericht für die Deutsche Welle aufgeschrieben.

So funktioniert der Akkuwechsel

Jeden Tag bekäme er Anrufe von Städten, die das System gern bei sich einführen würden, sagte mir der Gogoro-Pressesprecher. Ein Grund, dass die Expansion nicht so schnell gehen kann wie etwa bei Leihfahrrad-Systemen ist die nötige Lade-Infrastruktur. In Berlin fährt der Betreiber selbst mit einem Wagen durch die Stadt und tauscht fast leergefahrene Akkus aus – die Roller sind ja jederzeit vernetzt und melden Ladestand und Position in die Zentrale.

Das ist aber nicht der eigentliche Sinn der Sache. Der zeigt sich bislang nur in Taiwan, mit den zumindest in Taipeh mittlerweile fast flächendeckend installierten Akku-Ladestationen.

Gogoro Akkuwechsel Stationen App

Etwa 300 sind es bislang im ganzen Land. In den Städten, so das Ziel, soll man nirgends weiter als einen Kilometer zur nächsten Tauschstation fahren müssen.

Der Akkuwechsel, davon konnte Oscar mich überzeugen, funktioniert wirklich flott und ist narrensicher.

Gogoro Akkuwechsel Station

Besonders interessierte mich das Fahrgefühl auf einem Gogoro, und die Frage: Können wirklich zwei Leute mitfahren?

Selbst fahre ich ja keinen Scooter in Taiwan, also ist die Beifahrer-Frage für mich besonders interessant. In keinem Bericht bislang hatte ich sie wirklich beantwortet gesehen.

Nun kann ich sagen: Ja, auf dem knubbeligen Gogoro-Sitz finden ohne Probleme auch zwei Erwachsene Platz.

Reife Leistung

Und selbst bergauf geht die Maschine dabei nicht in die Knie, denn diese Dinger haben wirklich Kraft unter der Haube. Hinter Oscar sitzend, war ich beeindruckt, wie so ein Gogoro abgehen kann – und dabei fast geräuschlos, nur summend statt röhrend und knatternd. Die Leistung soll ja einer 125-cc-Benzinmaschine entsprechen. Von Null auf 50 geht es in vier Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist 95 km/h.

Interessant fand ich auch, was Oscar über die Auswertung seines Fahrverhaltens berichtete: Bei identischem Restladestand des Akkus würde die angezeigte Restladezeit variieren, wenn ein anderer Fahrer sie in seinen Scooter steckt. Das System erfasst Daten wie Beschleunigungsverhalten, Durchschnittsgeschwindigkeiten usw. Wer also, wie Oscar, gerne flott fährt, und damit weniger effizient, bekommt das auch angezeigt.

Datenschutz, Datensicherheit, Hacker-Anfälligkeit usw., das sind natürlich andere Themen, die – wie bei allen modernen vernetzten Fahrzeugen – nicht unter den Tisch fallen dürfen. Wann wohl erstmals Ransomware-Viren Autos und Scooter blockieren?

Was halten Sie vom Gogoro, liebe Leser?

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