Du darfst nicht ehebrechen

Ein Seitensprung, wenn entdeckt, bleibt ja selten folgenlos. Scheidungen sind in Taiwan so alltäglich wie in Deutschland. Einen großen Unterschied gibt es aber: In Taiwan ist Ehebruch keine Privatangelegenheit, sondern eine Straftat. 

Fremdgehen Detektei Taiwan

Polizisten ermitteln, Staatsanwälte klagen an, Richter verurteilen – sogar zu Gefängnisstrafen. Das klingt nicht nur absurd, das gibt es außer in muslimischen Ländern auch weltweit nur noch in Taiwan und den Philippinen.

Wieso hält so ein Relikt sich im Strafgesetzbuch, wo Taiwaner doch in vielerlei Hinsicht ein fortschrittlich denkendes Völkchen sind?

Schuldprinzip bei Ehescheidung

Ein Grund ist, dass eine Scheidung in Taiwan gar nicht so leicht ist, falls nicht beide Seiten sie wollen. Es gilt das Schuldprinzip: Nur, wenn einer sich etwas zuschulden kommen lässt, kann der andere die Ehe auflösen. So war es in Deutschland übrigens bis 1976 auch.

Wahrscheinlich fühlen Taiwaner sich sicherer, wenn sie wissen, dass sie ihrem fremdgehenden Partner nicht nur die Polizei auf den Hals setzen, sondern ihn so auch in Sachen Scheidung und Unterhalt unter Druck setzen können.

Strafverfolgung nur auf Antrag

Eine besondere Ungerechtigkeit hat auch damit zu tun, dass Taiwans Rechtssystem vor Urzeiten mal aus Deutschland übernommen wurde: Ehebruch ist ein „Antragsdelikt“, also eine Straftat, die nur verfolgt wird, wenn es auch einen Kläger gibt. (Beleidigung etwa ist in Deutschland auch so ein Antragsdelikt.) Das führt nun oft zu dieser Situation:

  1. Ehefrau entdeckt, dass Ihr Mann eine Geliebte hat
  2. Auf ihren Antrag hin werden Ehemann und Geliebte angeklagt
  3. Sie „versöhnt“ sich mit ihrem Mann und zieht ihre Anklage gegen ihn zurück
  4. Die Geliebte wird trotzdem verurteilt und bestraft

Genau so ein Fall hat sich gerade erst wieder zugetragen. Die Geliebte, die zwei Abtreibungen unternommen hatte, wurde zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Der Ehemann, ihr früherer Dozent, kam ungeschoren davon. Ungerecht, oder? So kann das Strafrecht zum Instrument der Rache an der Nebenbuhlerin werden.

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Oder eine Frau, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist und keine Scheidung durchsetzen kann, wird auf Betreiben ihres Mannes bestraft. Tatsächlich werden Frauen häufiger unter diesem Paragraphen verurteilt als Männer.

Dennoch halten laut Umfragen die meisten Taiwaner diese Regel für in Ordnung, weil sie wohl glauben, ohne die Drohung mit den Strafrecht gäbe es noch mehr Probleme.

Auf Ehebruch spezialisierte Detekteien

Freuen tun sich auf jeden Fall Detektivbüros, die sich auf das Aufdecken von Seitensprüngen spezialisiert haben und sich mit Plakat- und Buswerbung oft an misstrauische Ehefrauen richten.

Bus Werbung Detektei Lady 007

„Lady 007“ nannte sich eine besonders große Detektei, über die ich fast mal einen Fernsehbericht gedreht hätte. Ihre Methode: Die Verdächtigen so lange beschatten, bis sie gemeinsam im Hotelzimmer verschwinden. Dann die Polizei rufen, ins Zimmer stürmen (schließlich besteht Verdacht auf eine Straftat) und hoffen, dass man die beiden in flagranti erwischt oder zumindest Beweismittel sichern kann.

Bericht Lady 007 Anklage

Fragwürdig genug, aber kurz bevor wir drehen wollten, kam auch noch heraus: „Lady 007“ hatte ihre Aufnahmen benutzt um die fremdgehenden Ehemänner zu erpressen, statt Meldung zu erstatten. Damit hatte sich der Bericht dann auch erledigt.

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