Selten genug: Die Welt zu Gast in Taiwan

Meine stärkste Erinnerung an das „Sommermärchen“ der WM 2006 ist der Tag des Eröffnungsspiels. Am Münchner Marienplatz kam ich aus der U-Bahn und stand plötzlich inmitten tausender fröhlich feiernder Gäste aus aller Welt. Damals galt Deutschland noch nicht als so cool und attraktiv wie heute, und es war eine überraschende Erkenntnis: Die sind wirklich alle extra hierher gekommen. Und es gefällt ihnen auch noch bei uns!

Taiwan hat gerade seine eigene Version so eines Sommermärchens erlebt. Hier in Taipeh fand die Universiade statt. Nie gehört? Ging mir vorher auch so. Dabei sind diese Weltsportspiele der Studierenden, die alle zwei Jahre in einer anderen Stadt ausgetragen werden, nach Olympia die größte sogenannte Multisportveranstaltung überhaupt.

Mehr als 7000 Athleten aus 140 Ländern kamen nach Taipeh! Auch mehr als 120 Deutsche waren dabei.

Wie bei den Olympischen Spielen messen die Universiade-Teilnehmer sich mehr als eine Woche lang in den unterschiedlichsten Disziplinen, von Leichtathletik und Schwimmen über Wasser- und Basketball bis zu Inline-Speedskating und Taekwondo.

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Für Taiwan eine seltene Gelegenheit, sich zumindest der Sportwelt von seiner besten Seite zu präsentieren. Wegen China bleibt Taiwan ja sonst von vielen internationalen Veranstaltungen ausgeschlossen.

Man baute also fleißig neue Sportstätten und als „Athletendorf“ mehr als 20 Hochhäuser, die nach den Spielen als Sozialwohnungen genutzt werden.

Und als die Gäste aus aller Welt dann eintrafen, wurde schnell klar, dass die Taiwaner sich ganz besondere Mühe mit der Organisation und Betreuung gaben, damit sie dieses Land in guter Erinnerung behalten.

Störung bei der Eröffnungsfeier

Ich war bei der Eröffnungsfeier im Stadion und erlebte mit, wie es einen kurzen Schreckmoment gab, als plötzlich nur noch Flaggen, aber keine Athleten mehr einzogen. Darüber, und natürlich über die Universiade im Allgemeinen, habe ich für Deutschlandfunk (Audio) und Deutsche Welle berichtet.

Sportlich passte später dann fast alles. Mit elf Goldmedaillen hatte Taiwan gerechnet, es wurden 26! Obwohl ihr Team, wie bei Olympia auch, nur unter dem Kunstnamen „Chinese Taipei“ antreten darf, feuerten die Zuschauer jeden ihrer Landsleute zu Höchstleistungen an.

Sogar im Speerwurf und im 100-Meter-Sprint gewannen Taiwaner Gold.

24 deutsche Medaillen

Und auch deutsche Sportler schnitten gut ab, siegten etwa im Hochsprung und im 1500-Meter-Lauf. Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband kann mit 24 Medaillen auch eine zufriedene Bilanz ziehen.

Nach der Abschlussfeier waren die Taiwaner so stolz, dass sie für ihre Helden spontan eine Parade quer durch die Stadt organisierten.

Es war also im Rückblick eine rundum gelungene Zeit, und selbst wenn nicht die ganze Welt Notiz nahm, verschaffte die Universiade Taiwan doch ein wenig dringend nötige Aufmerksamkeit.

Es gab schon andere große Sportwettkämpfe

Als ich das letzte Mal in Taiwan dieses Gefühl hatte, ging es übrigens auch um Sport. 2009 fanden in Kaohsiung die World Games statt, in Taipeh die Deaflympics. Über die schrieb der Deutsche Gehörlosen-Sportverband damals nach der Abschlussfeier: „Unnötig zu erwähnen, dass dies die eindrucksvollsten Deaflympics in der Geschichte der Spiele waren und dass es fast unmöglich sein wird, diese Veranstaltung zu toppen.“

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Beide waren eine Nummer kleiner als die Universiade, aber auch mit tausenden Sportlern aus mehr als 100 Ländern, vielen Sportarten und Sportstätten, großer Eröffnungsfeier und großer Begeisterung. Schön.

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