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Geschichte


Su Beng, Taiwans ewiger Revolutionär

Als Journalist hat man immer wieder mal ganz besondere Begegnungen, über die man noch lange nachdenkt. Neulich war es für mich mal wieder so weit. Ich habe eine lebende Legende getroffen.

Su Beng

Su Beng ist 97 Jahre alt und für Taiwans Unabhängigkeitsbewegung ein Säulenheiliger. Trotz seines Alters ist er noch sehr aktiv. Su gilt als ewiger Revolutionär, manche nennen ihn sogar (mehr …)


Willkommen zur Korbjagd im Kerker

Was ist gerechtfertigt für Publicity? Gelten in einer Gedenkstätte andere Regeln? Fragen, die sich nun Taiwans Behörden und ein nicht ganz unbekannter Energy-Drink-Hersteller aus Österreich stellen müssen.

Zellentuer Green Island

Es ist ein bedrückender Ort in idyllischer Umgebung. Nur einen Steinwurf vom Pazifikstrand, am Fuße dicht bewaldeter Hügel, steht ein altes Gefängnis. (mehr …)


Der gute Japaner von Wushantou

Es ist wohl so ähnlich wie „Das Wunder von Bern“ à la Taiwan: „Kano“ startet kommende Woche in den Kinos, ein historisches Baseball-Epos. Es spielt in den dreißiger Jahren, als Taiwan japanische Kolonie war, und erzählt die Geschichte eines erfolgreichen Underdog-Teams.

Im Trailer zum Film erscheint (ab 1:33) eine interessante historische Figur: Yoichi Hatta, ein japanischer Ingenieur, der in Taiwan Spuren hinterlassen hat und noch heute verehrt wird.

Um über ihn zu schreiben, muss ich ein bisschen weiter ausholen. (mehr …)


Zähne ziehen im Auftrag des Herrn

Die meisten westlichen Ausländer in Taiwan kommen und gehen. Neulich aber stand ich hier am Grab eines Mannes, der vor fast 150 Jahren nach Taiwan kam und wirklich Spuren hinterlassen hat.

George Mackay war 27, als er sich von Kanada auf den Weg in den Fernen Osten machte. Der presbyterianische Pastor ging in Taiwans Norden, als erster christlicher Missionar überhaupt.

Taiwan Mackay Grab

Taiwan, der Wilde Osten

Im Jahr 1872 war Taiwan so etwas wie der „Wilde Osten“ des chinesischen Kaiserreichs: Ein rauer, malariaverseuchter Außenposten, wo (mehr …)


Warum Taiwan keine „abtrünnige Provinz“ ist

Auf der deutschen Huffington Post habe ich mir heute den Frust von der Seele geschrieben – den Frust über die deutsche Taiwan-Politik. Da gilt nämlich viel zu oft: Taiwaner müssen draußen bleiben.

Wenn Sie über die Huffington Post den Weg hierher gefunden haben: Herzlich wilkommen! Sehen Sie sich ganz in Ruhe um. Falls Sie mit Taiwan noch nicht vertraut sind, könnte mein kurzer Abriss zur Geschichte Taiwans bzw. der Republik China interessant sein.

Soldaten der Republik China in Taipeh

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um hier einige Begriffe aufzulisten, die in deutschen Medien häufig in Verbindung mit Taiwan gebraucht werden – leider. Aus dem einen oder anderen Grund sollte man sie lieber auf den Phrasen-Müllhaufen verbannen.

Taiwan-Phrase #1: „Abtrünnige Provinz“

Warum nicht?

Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan nicht als „abtrünnige Provinz“ oder „renegade province“. Auch, wenn die Medien immer wieder auf diese griffige Floskel zurückgreifen: Mir konnte noch niemand eine Quelle zeigen, in der die chinesische Seite sie verwendet. Sie muss also als Medien-Erfindung gelten.

Was dann?

China nennt Taiwan gern einen „unabtrennbaren Bestandteil des chinesischen Territoriums“.

Taiwan-Phrase #2: „Abgespalten“

Warum nicht?

Taiwans hat sich nach dem Ende des Chinesischen Bürgerkriegs 1949 nicht „abgespalten“. Die unterlegene Regierung der 1911/12 gegründeten Republik China zog sich mit den Resten der Armee und dem gesamten Staatsapparat nach Taiwan zurück. In der Folge beschränkte ihr Herrschaftsgebiet sich auf Taiwan und einige Inselgruppen.

Was dann?

Wahrscheinlich wäre es korrekter, zu sagen: Die Volksrepublik China hat sich von der Republik China abgespalten.

Taiwan-Phrase #3: „Staatsgründer Chiang Kai-shek“

Warum nicht?

Chiang Kai-shek hat keinen Staat gegründet. Nicht die Republik China, denn die bestand schon lange, bevor er sich nach Taiwan zurückzog. Und ganz bestimmt keinen Staat „Taiwan“. Den gibt es offiziell sowieso nicht.

Taiwan-Phrase #4: „Wiedervereinigung“

Warum nicht?

Was sich wiedervereinigt, muss ja schon mal vereinigt gewesen sein. Taiwan ist aber nie von der Volksrepublik kontrolliert worden. Und eine „Wiedervereinigung“ von Volksrepublik und Republik China würde bestimmt nicht auf Augenhöhe stattfinden. Peking würde die Bezeichnung „Republik China“ weder anerkennen noch die Bezeichnung der Volksrepublik ändern.

Was dann?

„Vereinigung“ oder „Anschluss“.

Taiwan-Phrase #5: „Das andere China“

Warum nicht?

„Anderes China“, „freies China“, „kleines China“… bequeme Medienfloskeln, die vermeintlich Vieles in Kürze auf den Punkt bringen, tatsächlich aber die komplexe Realität verkleistern. Zwar besteht auf Taiwan offiziell noch die „Republik China“, aber die Menschen hier sind sich selbst überhaupt nicht einig, was das denn nun bedeutet. Manche lehnen die Bezeichnung rundweg ab, andere bezeichnen sich als Taiwaner und als Chinesen. Nur eine Minderheit sieht in Taiwan nach wie vor nicht mehr als einen kleinen Bestandteil der (eigentlich) großen Republik China.

Was dann?

„Das demokratische Land“, „Die Inseldemokratie“, „Taiwan“

Also, wenn Sie mal wieder einen Medienbericht über Taiwan lesen: Achten Sie darauf, wie viele Floskeln Sie entdecken können.

(Nachtrag: Ja, wer fleißig Google anschmeißt, findet vielleicht auch in meinen eigenen Berichten solche Negativbeispiele. In mindestens einem Fall hat die Redaktion es mir nachträglich reingeschrieben. Die anderen habe ich verdrängt. Man lernt im Lauf der Zeit ja auch dazu.)


Schwarzweiß-Dokumente aus einer vergangenen Zeit

„Zeitkapsel“ ist die interessanteste Taiwan-Ausstellung, die ich bislang in Deutschland sehen konnte. Noch bis zum 3. November sind in Hamburg Fotos aus dem ländlichen Taiwan der fünfziger Jahre zu sehen. Ein echter Pflichttermin!

Taiwan in den Fünfzigern, das muss tatsächlich eine andere Welt gewesen sein. Die Industrialisierung hatte noch nicht begonnen, es lebten nur 9 statt heute 23 Millionen Menschen auf der Insel, und die Landwirtschaft war der bestimmende Wirtschaftsfaktor.

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Lesetipp: Warum Taiwans Landwirtschaft heute Probleme hat

In diesem Taiwan war der Fotograf Yang Chi-hsin im offiziellen Auftrag unterwegs. Er dokumentierte mit seiner Kamera das ganz normale Leben.

Seine besten Fotos hatte er vor seinem Tod 2005 noch selbst ausgewählt und der Ausstellung den Namen „Zeitkapsel“ (時代膠囊) gegeben.

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Diese Fotos sind nun bis zum 3. November 2013 in der Handelskammer Hamburg zu sehen. Adolphsplatz 1, direkt hinter dem Rathaus.

Öffnungszeiten: Mo-Do 9-17 Uhr, Fr 9-16 Uhr

Der Eintritt ist frei.

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Bauern auf dem Feld, Fischer auf See, Märkte, Tempel, Straßenszenen: Es sind unspektakuläre Alltagsszenen, die Yang Chi-hsin festgehalten hat. Aber seine Bilder verleihen dem Normalen eine besondere Würde.

1999 schrieb er:

Wenn ich mit meiner Kamera unterwegs war, hatte ich zu keinem Zeitpunkt auch nur die geringsten Schwierigkeiten, ein Thema oder ein Motiv für ein Foto zu finden. Ich fand, was ich mir wünschte. Anders als in der heutigen Zeit war der Wind damals mildund sanft, bildeten Licht und Schatten sanftere Kontraste, schritt alles in einem gemächlichen Tempo voran, die Zeit selbst schien dahin zu kriechen, die Menschen lachten aus innerer Seelenruhe heraus.

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Im Rahmenprogramm der Ausstellung stellt die Hamburger Filmemacherin Monika Treut zwei ihrer Taiwan-Dokumentarfilme vor:

  • 16. Oktober, 19 Uhr: Den Tigerfrauen wachsen Flügel
  • 30. Oktober, 19 Uhr: Das Rohe und das Gekochte

Lesetipp: Warum Monika Treut Taiwan-Filme dreht

Außerdem gibt es Führungen durch die Ausstellung am 2.11. um 14 und 16 Uhr sowie am 3.11. um 15 und 17 Uhr.

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Alleine die Räumlichkeiten der Hamburger Handelskammer sind einen Besuch wert.

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Viel Spaß, und lassen Sie sich diese Ausstellung nicht entgehen!

Ein überzähliges Exemplar des Ausstellungskataloges habe ich mit nach Taipeh gebracht. Das Buch hat 100 Seiten mit den Fotos und einem Essay des Fotografen Yang Chi-hsin. Falls jemand in Taiwan es für 1000 NT$ gern möchte, bitte ich um kurze Nachricht.


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