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Studenten gegen „Medienmonster“

Von wegen unpolitisch: Auch in Taiwan gibt es eine Studentenbewegung. Die jungen Taiwaner demonstrieren für Meinungsfreiheit und Pressevielfalt. Und sie befürchten wachsenden chinesischen Einfluss auf Taiwans Medien.

Natürlich engagiert sich in dieser Bewegung nur eine Minderheit der Studenten. Aber die ist gut organisiert, weiß sich Gehör zu verschaffen und hat bisher Durchhaltevermögen bewiesen.

Ein Milliardär als Gegenspieler der Studenten

Im Sommer 2012 protestierten erstmals Studenten gegen die Übernahme eines Kabelfernseh-Netzes durch die Want Want China Times-Mediengruppe. Die gehört einem der reichsten Männer Taiwans: Tsai Eng-meng. Er ist bekannt dafür, dass seine Medien nicht gerade China-kritisch sind – denn in der Volksrepublik macht Tsai den Großteil seiner Geschäfte.

Tsais Blätter schrieben damals, die Demonstranten seien gekauft gewesen. Das ärgerte die Studenten so, dass sie erneut auf die Straße gingen, als im November bekannt wurde: Tsai steckt auch hinter einer Gruppe von Investoren, die Taiwans größte Boulevardzeitung und das einflussreichste Nachrichtenmagazin übernehmen wollen.

Taiwan Studenten Demo Medienmonster

Warum die Studenten vor dem Entstehen eines „Medienmonsters“ warnen und worum es genau geht, habe ich in diesem Bericht für die taz beschrieben. Und in einem Beitrag für die Journalistenzeitschrift Medium Magazin:

Ein Gesicht der Bewegung: Chen Wei-ting und die Medien

Einer der Wortführer der Studentenbewegung ist Chen Wei-ting (陳為廷). Diesen jungen Mann haben Taiwans china- und regierungsfreundliche Blätter offenbar besonders im Visier. Schon im Juli drohte ein China Times-Redakteur, ihn zu verklagen.

Chen Wei-ting Studentenführer Taiwan

Und auch die Proteste Anfang Dezember, bei denen Chen die Menge lautstark einstimmte, hatten ein Nachspiel: Zunächst bat Taiwans Erziehungsministerium in einem Brief verschiedene Universitäten darum, sich doch bitte um die protestierenden Studenten zu „kümmern“ – schließlich sei es draußen so kalt. Kurz darauf war Chen Gastredner in einem Parlementsausschuss und sagte dem Erziehungsminister ins Gesicht, dass er sehr wenig von solcher „Sorge“ hält.

Dies wiederum nahm die Zeitung United Daily News zum Anlass, Chen auf der Titelseite als unhöflichsten Studenten Taiwans zu attackieren. Um den Fokus von seiner Person abzulenken, bat Chen öffentlich um Entschuldigung. Die Attacken aber fachten den Widerstandsgeist der Studenten nur noch mehr an… und so geht es immer hin und her.

Zeitungsartikel Chen Wei-ting

Die Silvesternacht verbrachten mehrere hundert Studenten bei einer Mahnwache auf dem Freiheitsplatz vor der Chiang Kai Shek-Gedenkhalle, statt sich am Taipei 101 das Feuerwerk anzusehen. Es war kalt und nass. Denen muss es ernst sein.

Jimmy Lai, Apple Daily und die Wild Strawberries

Einige interessante Punkte:

  • Hongkongs Medienmogul Jimmy Lai, der seine taiwanischen Print- und Fernsehmedien abstoßen will, wird weiter in Taiwan präsent bleiben: Mit Next Media Animation, der Firma, die sich seit einigen Jahren mit schrägen News-Animations-Videos international einen Namen macht. In Wired stand mal ein großer Bericht über Jimmy Lai und Next Media, den ich auch verlinkt hatte.
  • Apple Daily, für dessen Unabhängigkeit die Studenten auf die Straße gehen, hat sich journalistisch bestimmt nicht immer mit Ruhm bekleckert. Die Redakteure dort schrecken nicht vor plumpen Klischees zurück, wenn etwa eine Sex & Crime-Story mit westlichen Ausländern anliegt. Aber anders als die restlichen großen Tageszeitungen Taiwans (China Times, United Daily News, Liberty Times) bildet Apple Daily auf seinen Politik- und Meinungsseiten nicht vorwiegend entweder „blaue“ oder „grüne“ Positionen ab. Das ist schon mal viel wert.
  • Vorläufer der aktuellen Studentenbewegung sind die „Wild Strawberries“, die 2008/09 protestierten, nachdem es beim Besuch eines chinesischen Gesandten zu Ausschreitungen und fragwürdigen Polizeiaktionen gekommen war. Damals hatte ich auch in diesem Blog über Taiwans Wild Strawberries geschrieben.

Ein Video mit Fotos einer Studentendemo im Dezember in Taipeh:

Auch wenn die Studenten den Mediendeal nicht verhindern können: Dies ist eine wichtige Entwicklung. Der jungen Generation ist Politik offenbar doch nicht ganz egal. Viele junge Taiwaner machen sich so ihre Gedanken um die Zukunft ihres Landes. Sie fühlen sich von der etablierten Politik für dumm verkauft und von der älteren Generation nicht ernst genommen. Das kann noch spannend werden.


This is how Taiwan’s popular Next Media Animation (which belongs to the same Hong Kong based media company as the Apple Daily newspaper) visualizes the Euro crisis:

One of hundreds (if not thousands) of similar videos. Like to be part of something like that? This might be your chance.

Job Opening – International Content Editor at Next Media Animation

Next Media Animation (NMA) is looking to hire a journalist for its
satirical news site (www.nma.tv) and hard news site
(newsdirect.nma.com.tw). Candidate must be bilingual in English and
Chinese (written and spoken)
. Must have journalism experience, skills
and news judgment. A sense of humor is helpful. Should be web savvy
and familiar with social media and web project management. Salary is
negotiable. We are looking to hire immediately.

Resumes and inquiries should be sent to emily (at) nma.com.tw

In case you have never watched the Tiger Woods clip: This is the one that made them famous.

http://www.youtube.com/watch?v=fGfVB9kA5QQ

I am a German reporter living and working in Taiwan. Click here for more English posts on this otherwise mostly German blog. You can also follow me on Twitter and Facebook.


Der wahrscheinlich schönste Wolkenkratzer der Welt

Auf das Taipei 101 kann Taiwan zu Recht stolz sein. Auch, wenn es nicht mehr das allerhöchste Gebäude der Welt ist – ein Wahrzeichen stellt es allemal dar, und es macht das Land in der Welt bekannt.

Nicht umsonst gehört mein über zwei Jahre alter Eintrag über das Hochhaus und sein riesiges goldenes Schwingungstilger-Pendel zu den meist-angeklickten auf diesem Blog. (Viele suchen übrigens im Netz auch nach der Schreibweise „Taipeh 101“.)

Grund genug, auch in meiner kleinen Privat-Kolumne im heimatlichen Anzeigenblatt das Taipei 101 einmal vorzustellen:

Taiwan-Kolumne Taipei 101

Auf Flughäfen gab es vor kurzem eine originelle Plakat-Werbekampagne der Financial Times zu sehen. Da befindet sich das Taipei 101 in guter Gesellschaft:

Financial Times Skyscrapers Poster Advertisement

Wolkenkratzer Taipei 101 Plakat Werbung

War noch was? Ach ja..

Jimmy Lai, Apple Daily und Next Media

Vor kurzem hatte ich ja im NDR -Medienmagazin „Zapp“ einen TV-Beitrag über die animierten Nachrichtenvideos der Boulevardzeitung Apple Daily untergebracht.

Nun hat Wired einen ganz großartigen, informativen und seeehr ausführlichen Artikel darüber veröffentlicht, wer dieser Jimmy Lai ist, der hinter dem Unternehmen steht, und wie genau die Videos entstehen. Unbedingt lesenswert, auch wenn die nicht unberechtigte „das ist kein Journalismus mehr“-Kritik dort keine Rolle spielt.


Zapp! Taiwan.

Gestern lief mal wieder was richtig Gutes im Fernsehen. Ein Beitrag von mir aus Taiwan. Im NDR-Medienmagazin Zapp.

Verpasst?

Next Media Animation Taiwan

„Jetzt hast Du ein Problem.“

Dank Depublizierungs-Wahnsinn ist das Video leider derzeit nicht verfügbar.


Wer hat Angst vorm weißen Mann?

Westliche Ausländer haben in Taiwan nicht unter offenem Rassismus zu leiden, aber sie sind Opfer von Stereotypen. Eines davon besagt: Junge, weiße Männer nutzen in Taiwan mit Vorliebe junge Mädchen aus. Was ist da dran?

Taiwans Bild-Zeitung heißt Apple Daily und wird von einem in Hongkong ansässigen Medienkonzern herausgegeben. Mein Chinesisch ist zwar noch nicht ganz Zeitungs-fit, aber ich habe mir sagen lassen, im Apple Daily fänden sich immer wieder interessante Geschichten aus der Rubrik „skurriles Taiwan“.

Sex and Crime in Taiwan

Auf jeden Fall haben die Illustratoren dort Spaß bei der Arbeit:

Apple Daily Illustration

Worum geht es? Der dazugehörige Artikel steht im Original hier und wird schon in diversen englischsprachigen Blogs und Foren munter diskutiert.

Hauptrollen in diesem Drama: Eine arglose taiwanische Studentin an der NCCU (wo ich auch mal meinen ersten Chinesischkurs in Taiwan hatte). Sowie ein böser Ausländer, der im AIT (der US-amerikanischen Quasi-Botschaft) arbeitet. Nebenrollen: Eine sensationsgeile Presse sowie offenbar eine Menge Leser mit Ressentiments gegen Ausländer, gekoppelt mit Minderwertigkeitskomplexen.

Akt 1: Die Romanze

Der Ausländer und die Taiwanerin lernen sich auf einer berüchtigten Abschlepp-Website kennen. Sie treffen sich und haben Sex. (Dreimal zwischen neun und elf Uhr abends.) Der Amerikaner macht Fotos (Bild 1). Später – er ist in Japan unterwegs – treffen sie sich zum Webcam-Sex (Bild 2).

Akt 2: Das Drama

Der Amerikaner meldet sich nicht mehr. Die Studentin spioniert ihm nach, der Portier des Hauses plaudert aus, er arbeite beim AIT und bringe öfter mal Mädels mit nach Hause. Die Taiwanerin legt sich vor dem Haus auf die Lauer und stellt ihn, als er mit einer anderen Frau heimkommt. Es gibt Streit.

Akt 3: Die Presse

Nun beginnt der eigentlich wahnwitzige Teil dieser bislang eher unspektakulären Geschichte. Statt eine Lektion fürs Leben gelernt zu haben, erzählt die Studentin die ganze Geschichte mit allen saftigen Details ausgerechnet der Redaktion des Apple Daily. Mit Chatprotokollen und allem drum und dran.

Chatprotokoll Apple Daily

Für die Redakteure (und Illustratoren) ist das natürlich ein Fest. Egal, dass offenbar niemand etwas Unrechtes getan hat (der Amerikaner hat z.B. keine verfänglichen Fotos veröffentlicht). Egal, dass die ganze Geschichte sich nur auf die Aussagen der Frau stützt. Egal auch, dass der Mann sich in Taiwan wahrscheinlich nicht mehr blicken lassen kann, nachdem das Schmierenblatt seinen vollen Namen genannt hat (was bei vergleichbaren Geschichten mit Einheimischen nicht gemacht wird).

Misstrauen und Vorbehalte

Zunächst harmonische Dates haben offenbar ab und zu mal ein unschönes Nachspiel. Zum Schutz vor unberechtigten Date Rape-Anschuldigungen empfiehlt dieser Blogger gar:

„Let me say first off the bat that he found the way to protect yourself from false date rape is to think like a RAPIST! Sounds sick but true. Plan your date like you would plan a crime and you will be covering more of your bases instead of hanging in the wind!“

Die Krönung des Apple Daily-Artikels ist die Aussage einer „Beziehungs-Expertin“, kombiniert mit den Taiwanerinnen „Kelly“ und „Tina“:

According to relationship expert Jiang Yingyao, there’s nothing too different between dating a foreigner and dating a local man. „Some Taiwanese are under the mistaken impression that foreigners are romantic, but you have to be cautious of foreigners who, because of a sense of racial superiority, like to play Taiwanese women.“ Jiang thinks that some Taiwanese women like to date foreigners because walking down the street, pulling on some foreigner’s sleeve makes them feel special, but actually this reaction is based on some inferiority complex.

According to architect Kelly, who has dated over 20 foreigners, „In foreigners‘ eyes, Asian women are gentle, loyal and dependent. That’s why they go crazy for them.“ But she says, „Ninety percent of the foreigners are trash! They have shitty jobs and the women back home wouldn’t think anything of them.“

Tina, who has gone out with a foreigner for 3 years, calls on all Taiwanese women to open their eyes. „It should be you who’s pursuing the foreigner, not being pursued.“

According to relationship expert Jiang, foreigners have this concept of „Sex first, then love.“ She urges women to go back to the fundamentals. There are too many cultural differences between foreigners and Taiwanese. There’s no need to think foreigners are superior, let alone is there any need to put up with their sexual demands. Women should pay attention to how these foreigners treat people, both in professional situations and social gatherings, before deciding whether to proceed.

(Übersetzung bei Forumosa.com)

Rassismus gegen Westler in Taiwan?

Die Absurdität der ganzen Geschichte täuscht leicht darüber hinweg, dass es hier ein echtes Problem zu geben scheint: Eine spezielle Form von Rassismus, die offenbar nicht wenige Taiwaner gegenüber männlichen westlichen Ausländern empfinden.

Rassimus, der sich nicht in offenen Anfeindungen äußert – im Gegenteil. Taiwaner gelten nicht umsonst Westlern gegenüber als besonders freundlich, und den Ausdruck „Ausländer erster Klasse“ habe ich hier schon des öfteren gehört.

Lesetipp (englisch): Wie ist die Situation für Taiwans Gastarbeiter, die „Ausländer zweiter Klasse“?

Glaubt man Kommentaren, die immer wieder im Netz zu finden sind und die ich teilweise aus eigener Beobachtung bestätigen kann, so handelt es sich in diesen Fällen eher um kulturellen Überlegenheitsdünkel in Kombination mit Neid auf vermeintliche körperliche Vorzüge (blonde Haare, blaue Augen, Körpergröße) und wohl auch Frust angesichts einer nicht zu verachtenden Zahl gebildeter Taiwanerinnen, die lieber allein oder mit Ausländern leben als mit einheimischen Männern, die häufiger gesellschaftpolitisch noch eine Stufe zurück sind und sich ganz traditionell nach dem Heimchen am Herd (oder Weibchen am Wok?) sehnen.

Lesetipp (englisch): Taiwanerinnen mit westlichen Freunden – was ist eine „Xicanmei“ (西餐妹)?

Ein Kommentar bei „The View from Taiwan“ drückt es so aus:

I’ve found that simply being a foreign male, it is assumed that you will:

  • Have a shed load of Taiwanese girlfriends who you callously rotate
  • Love to get drunk
  • Know nothing about Taiwan and can barely speak the language
  • Ride your scooter dangerously
  • Be excessively rich
  • Be an economic migrant who has no real understanding of nor affection for Taiwan / China

Allerdings wurde mir auch von verschiedenen Seiten (Taiwanerinnen, Westlerinnen) versichert: Unter den Ausländern in Taiwan finde sich tatsächlich ein auffallend hoher Anteil von Freaks und gescheiterten Existenzen, die in ihrer Heimat ganz schlechte Karten hätten und sich in Taiwan als Englischlehrer (Qualifikation: Muttersprache) und Ausnahmeerscheinung (westliches Aussehen) ein einigermaßen angenehmes Leben machen können.

Ein anderer Kommentar im o.g. Thread:

After all, it makes quite a lot of sense that Americans or other foreigners that have debts or didn’t find success job-wise in their home country to come to Taiwan and teach English to make some easy money (but the fact that it’s not truly a lot of money means that those with successful careers in the US just won’t find teaching English in Taiwan attractive).

Taiwanese do watch too much Hollywood and you know what? It does perpetuate stereotypes and portrays whites superior to blacks or Asians.

A foreigner in Taiwan meets all sorts of people and people are friendly towards them in ways that is not possible for most in their home country. To not acknowledge that some people are taking advantage of that is just being ignorant.

Wie groß ist das Problem?

Damit nun kein falscher Eindruck entsteht – meiner Meinung nach:

  • Sind die meisten Taiwaner Westlern gegenüber nicht rassistisch
  • Haben die meisten Ausländer aus Afrika, der Karibik, Indonesien oder von den Philippinen wahrscheinlich weit mehr Grund, über Rassismus in Taiwan zu klagen, als unsereins
  • Interessieren sich die meisten Taiwanerinnen gar nicht für Ausländer
  • Sind die meisten westlichen Ausländer hier weder Gestörte noch Unschuldsengel oder reißende Wölfe, sondern prima Menschen

Zwei Seiten gibt es allerdings, für die ich beim besten Willen kein Verständnis aufbringen kann: Die Taiwanerin, die sich mit ihrer Geschichte an die Boulevardpresse wendet. Und die Zeitung, die daraus so eine widerliche Schmierenkomödie fabriziert, Neid und Vorurteile schürt. (In dem Artikel wird nicht nur der volle Name des Amerikaners genannt, sondern auch eine absurd hohe Wohnungsmiete von 150.000 NT$, über 3000 Euro.) Blogger Michael Turton vermutet politische Motive hinter der Geschichte:

A glance at the news shows that the US has been in the news in a positive light — our aircraft are here delivering aid to the locals. Lookin‘ spiffy and doin‘ the right thing, garnering praise and positive views for the US. Can’t have that! This time it is Apple Daily with the negative news about the US to counterbalance the good news.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Wird am Ende gar das AIT eine Stellungnahme abgeben?